Herzlichen Glückwunsch zum ersten Job. Ab jetzt wird sich einiges ändern. Hier ein Vorgeschmack
Feierabend
Früher häufig durch Stechuhr und Sirene eingeläutet. Dank des »Schönen Feierabend« wichtiger Bestandteil der deutschen Bürosprache. Ansonsten Novum für gewöhnliche Studierende, haben sie doch eigentlich immer etwas zu tun – sei es der Nebenjob, der den Abend nach einem langen Studientag versüßt, das Treffen mit der Referatsgruppe im Biergarten oder die Schuldgefühle, die die grottenlangweilige, aber noch unfertige Hausarbeit bereitet. Der Feierabend dagegen trennt den Tag in zwei Teile: Beruf und Leben. Wer mag, darf nun ein Bier zischen, Freunde einladen oder alles miteinander verbinden. Ganz ohne schlechtes Gewissen: Das haben wir uns verdient!
Finanzielle Unabhängigkeit
Beliebtestes Studienziel noch vor Magister, Diplom und Bachelor: endlich raus aus dem Dispo! Endlich Einkommensteuererklärungen machen und den Aktienberater am Telefon beschimpfen! Endlich die Bafög-Schulden begleichen!
Am lukrativsten ist übrigens der Berufseinstieg in der EDV-Branche. Durchschnittlich 42.300 Euro verdient man der Personalberatung Alma Mater zufolge dort im ersten Berufsjahr. In einem bayerischen oder hessischen Großunternehmen dieser Branche kann es sogar deutlich mehr sein. Wer sich dagegen in die mecklenburgische Medienbranche aufmacht, muss sich weiterhin mit eher studentischen Budgets herumschlagen. Die UnAuf rät: Am besten schon jetzt mit der Wohnungssuche in München anfangen.
Kantine
Im Vergleich zur Mensa bedeutet die Kantine sozialen Aufstieg und pausengestalterischen Niedergang: Aus Ringelpulli wird Anzug, aus Snickers Zitronenschaum und aus »Basti« der »Herr Breitenfeldt«. Statt eine Romanistik-Studentin am Nebentisch anzuflirten, muss man sich die lüsterne Sekretärin aus Etage vier vom Leibe halten. Gelacht werden darf natürlich auch hier – aber nur über die Witze des Abteilungsleiters. Beides ist zu beobachten in der Charlottenstraße 55 in Mitte. Im ersten Stock befindet sich die Cafeteria der Musikhochschule »Hanns Eisler« und nur eine Etage höher die Kantine des Konzerthauses. Dazwischen liegen Welten.
Verantwortung
Lieblingswort aller Patentanten. Totschlagargument in familiären Küchendiskussionen. Das Problem: Studierende tragen Verantwortung zunächst einmal nur für sich selbst. Ein schlechtes Referat oder notorisches Schwänzen führen normalerweise nicht zu Auftragsverlust und Kündigung. Anders ist es im Leben nach der Uni. Das eigene Verhalten kann plötzlich drastische Konsequenzen für ganze Firmen haben. Mit Ausreden ist es dann vorbei. Man kann das Ganze aber auch positiv wenden. Dann heißt Verantwortung, es selbst in der Hand zu haben. Ist das Ergebnis am Ende des Tages gut, gibt das Selbstvertrauen, Schulterklopfer und reichlich Endorphine.
Und die Patentanten sind auch beruhigt.
Silvio Schwartz, Tina Rohowski <
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