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Geschrieben von Silvio Schwartz
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Samstag, 24. Oktober 2009 |
Kein Sonderzug nach Adlershof – aber immerhin werden
die Studierenden für die S-Bahn-Ausfälle finanziell entschädigt.
Wochenlange Zugausfälle, stundenlange Wartezeiten – die Philosophie-
und Mathematik-Studentin Jana hat genug vom S-Bahn-Chaos, dass die
Berliner in den letzten Monaten aufgrund von gravierenden
Sicherheitsmängeln bei den Zügen über sich ergehen lassen mussten.
Deshalb will die 22-Jährige die S-Bahn jetzt auf Schadensersatz
verklagen. Ihren richtigen Namen möchte sie aufgrund des laufenden
Verfahrens nicht nennen.
Dem Druck von erbosten Studierenden wie Jana hat die S-Bahn nun nachgegeben: Nachdem sie sich zunächst geweigert hatte, auch Studierende für den seit Juli stark eingeschränkten Verkehr zu entschädigen, heißt es nun: Studierende der Universitäten in Berlin, Potsdam und Wildau dürfen im Dezember kostenlos fahren. Die Studierenden der Humboldt-Universität (HU) bekommen rund 26 Euro gutgeschrieben, was einem Sechstel des aktuellen Semesterticketpreises von 158,50 Euro entspricht. Der Betrag soll von einem der nächsten Semestertickets abgezogen werden. Wie genau das umgesetzt werden soll, darüber wird derzeit noch verhandelt – immerhin sind die Rückmeldebescheide mit den für das kommende Sommersemester zu entrichtenden Beiträgen bereits verschickt. Zudem werden nur diejenigen Studierenden entschädigt, die dann eingeschrieben sind. Alle Studierenden, die ihr Studium nach dem vergangenen Sommersemester beendet haben, bekommen kein Geld zurück.
Ingo Priegnitz, Pressesprecher der Berliner S-Bahn, bezeichnet die Entschädigung der Studierenden als eine »Geste der Entschuldigung«. »Wir wissen, dass wir etwas falsch gemacht haben«, sagt er. Die Zahlungen könnten natürlich keine Wiedergutmachung für die Zugausfälle der vergangenen Monate sein.
»Wir sind nicht nur am Geld interessiert, sondern wollen vor allem, dass bei der S-Bahn alles funktioniert«, sagt Tobias Florek vom ReferentInnenrat (RefRat) der HU. Der RefRat hatte im September gemeinsam mit den Studierendenvertretungen anderer Berliner Hochschulen den Erlass eines Monatsbeitrags gefordert. Den jetzt zugesicherten Freimonat sieht Florek nur als ersten Schritt.
Auch der Berliner Fahrgastverband (IGEB) begrüßt die Entscheidung der S-Bahn. »Das ist ein wichtiges Signal«, sagt Christfried Tschepe, Vorsitzender des IGEB. Der S-Bahn-Ausfall sei mitten in die Prüfungszeit gefallen. Einige Studierende hätten deshalb mit dem Taxi zur Universität fahren müssen, so Tschepe.
Zwar ist die finanzielle Entschädigung der Studierenden beschlossene Sache, dennoch werden sie wohl auch im Wintersemester weiter mit dem eingeschränkten S-Bahn-Verkehr zu kämpfen haben. Insbesondere der naturwissenschaftliche Campus der HU in Adlershof ist betroffen: Die Linien S8 und S85 sind weiterhin gestrichen, die S9 und S46 fahren nur im 20-Minuten-Takt.
Auch S-Bahn-Sprecher Priegnitz erwartet angesichts der über 6.000 Studierenden und 1.000 Mitarbeiter, die täglich nach Adlershof fahren, volle Züge. Er rät, auf die Angebote der BVG umzusteigen. »Wir können keine Züge backen«, sagt er und weist darauf hin, dass nur Züge eingesetzt werden, die sicher sind: »Wir müssen das gemeinsam durchstehen.«
HU-Studentin Jana, die zwischen dem Campus Mitte und dem Campus Adlershof pendelt, muss immer noch deutlich längere Fahrzeiten in Kauf nehmen: »Früher habe ich von der Friedrichstraße bis nach Adlershof dreißig Minuten gebraucht, jetzt ist es eine Stu-nde.« Sie müsse mehrfach umsteigen und mit vollen U-Bahnen und Bussen fahren. Um morgens rechtze-itig zur A-rbeit zu kommen, müsse sie viel früher aufstehen als sonst, klagt die Studentin.
Deshalb ist Jana mit dem Angebot der S-Bahn nicht zufrieden. Sie fordert drei halbe Monatsbeiträge zurück. Die S-Bahn sei über drei Monate nicht gefah-ren, die BVG dagegen schon, argumentiert sie. Wenn die S-Bahn nicht bald auf den Brief antwortet, den sie geschrieben hat, will Jana Klage ein-reichen. -Ihre Forderung:
47 Euro.
Silvio Schwartz
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