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Geschrieben von Silvio Schwartz   
Freitag, 20. Januar 2006
Stell dir vor, es ist Radio und keiner geht hin: Das Campusradio an der TU ist technisch gut ausgerüstet. Was fehlt, ist studentische Unterstützung.

> Ein bisschen steigern wir uns da rein.« Die Tutoren und die Tutorin vom Campusradio der Technischen Universität (TU) beschreiben mit leuchtenden Augen ihr Projekt. Tatsächlich verbringen Andreas Rotter, Hanna Hofmann und Robert Damrau jede freie Minute im Sendestudio und sind so manchmal bis zu 70 Stunden in der Woche an der Uni. In einem kleinen Kabuff zwischen zwei Hörsälen im TU-Hauptgebäude arbeiten sie an Beiträgen und warten auf die Redakteure und Redakteurinnen, die im letzten Jahr eingestiegen sind. (…)
Über den Äther werden die Beiträge nicht geschickt, das Campusradio sendet über das Internet. Die TU stellt einen Server zur Übertragung des Streams zur Verfügung. Sie hat das Radio als Projektwerkstatt anerkannt. Das Konzept und ein Empfehlungsschreiben von Kommunikationswissenschaftler Stefan Weinzierl hatte die Komission für Lehre und Studium überzeugt, im Sommersemester 2005 wurden die Tutoriumstellen eingerichtet. Die Firma eines TU-Absolventen verkaufte günstig das professionelle »DigaSystem« – nun steht inmitten der 1968 eingerichteten Räume eine Computertechnik, die sich mit der von professionellen Sendern messen kann. Diese wird ausgiebig von den vielen Interessierten genutzt, die sich in verschiedenen Redaktionen organisiert haben, um gemeinsam Konzepte zu entwerfen.
Im November wurde die erste Sendung live produziert. Die­se halbe Stunde erhielt gute Kritik, obwohl es »eigentlich nur Eigenwerbung« war, wie Robert sagt. Seitdem entstanden zwei weitere Beiträge: das Nachrichtenmagazin »Blätterrauschen« und »Oszillator«, ein Magazin über elektronische Tanzmusik. Andreas und Robert sind dafür zuständig und sehen darin eine Alternative zur »anspruchslosen Musik« im Berliner Radioangebot. Die anderen Redaktionen planen mit Literaturmagazin, Fußballsendung, Demotapes, Kultur- und Kochsendungen, sowie Beiträgen über das Studieren im Ausland ein vielfältiges Angebot.
Bislang wurde wenig gesendet, dennoch stößt das Campusradio auf Aufmerksamkeit: Die Pressestelle der TU veröffentlichte im Dezember einen großen Artikel, die »taz« berichtete schon im August, und auch das Stadtmagazin »tip« hat angefragt. Das frühe Interesse ist den Beteiligten aber unangenehm, denn zuerst wollen sie ein gutes Programm auf die Beine stellen. Doch dafür ist die Unterstützung der Redaktionen noch nicht konstant genug. »Wir wehren uns noch gegen einen Redaktionsschluss – alles soll schließlich so frei wie möglich ablaufen«, fasst Andreas die Startschwierigkeiten zusammen. Sechs Leute bilden derzeit den festen Kern, der Rest ließ sich im neuen Jahr noch nicht blicken.
Obwohl sie ihre Kultursendung ohne engagierte Studierende nicht weiterführen kann, bleibt Hannah optimistisch und bietet dienstags ein Tutorium zum »Schreiben und Sprechen im Radio« an. Das wiederum motivierte Andreas und Robert eine Technikeinführung anzubieten. »Ein bisschen reinsteigern«, das verlangen sie letztlich von allen, die das Projekt mitgestalten wollen. Vielleicht geht dann auch ihr Traum in Erfüllung: ein offenes Radio, das von Studierenden vieler Fachbereiche gestaltet wird.
Silvio Schwartz <
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