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Audimax besetzt Drucken E-Mail
Geschrieben von Emilia Smechowski   
Mittwoch, 11. November 2009

Bei der Vollversammlung am Mittwochnachmittag haben die anwesenden Studierenden spontan für eine Besetzung des Audimax gestimmt, die ab 21 Uhr beginnen sollte. Die Vollversammlung war einberufen worden, um allgemein über die Fortführung des Bildungsstreiks zu diskutieren und in organisierten Institutsgruppen konkrete Lösungsansätze für die bereits im letzten Sommer formulierten Kernforderungen der Studierenden zu finden.

 

Gleich zu Beginn wurden zwei Polizisten in Zivil, die von Studierenden erkannt worden waren, des Saals verwiesen. Als erste Rednerin machte Jana Seppelt vom Studentenwerk auf den Streik der GebäudereinigerInnen aufmerksam, die für Tariferhöhungen und feste Arbeitsverträge kämpfen. Sie rief die Studierenden dazu auf, sich mit ihnen zu solidarisieren und sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Über konkrete Aktionen des Studentenwerks kann man sich auf diesem Blog informieren: http://studentenwerkersindmehrwert.blogspot.com.

Tobias Roßmann vom Referat für Lehre und Studium kritisierte in seinem Redebeitrag, dass bisher keine der Kernforderungen des Bildungsstreiks umgesetzt worden sei. Die sogenannten „Funktionsstörungsatteste“ beispielsweise habe der Akademische Senat (AS) in einer Sitzung zwar abgeschafft. Jetzt aber seien sie weiterhin erlaubt, da HU-Präsident Markschies erklärt hatte, der AS sei nicht weisungsbefugt. „Wieso schafft es eine Uni nicht ihre eigenen Beschlüsse umzusetzen?“, fragte Roßmann. Über die Abschaffung der Anwesenheitslisten wird der AS auf seiner kommenden Sitzung am 17.11. entscheiden.

Nach einer Live-Schaltung in die besetzte Uni Heidelberg kamen zwei Studierende der Technischen Universität Wien zu Wort. Die TU ist als erste Universität in Österreich seit Wochen besetzt, mittlerweile haben die Besetzungen alle Universitätsstädte in Österreich erreicht. Die zwei Studierenden sprachen sich für eine größere Vernetzung und Solidarisierung mit allen streikenden Studierenden und gegen eine neoliberale Bildungspolitik aus. „Es hilft uns zu sehen, dass ihr genauso aktiv werdet“, sagte eine Wiener Studentin ins Plenum. Ein Student aus Potsdam freute sich ebenso über das voll besetzte Audimax: „Wir sind viele, wir sind krass. Bildungsstreik, da geht noch was.“

Als eine der letzten Redner stellten zwei Studierende ihre „Idee der Institutsgruppen“ vor. „Jeder von uns weiß schließlich am besten, was für Probleme an seinem Institut herrschen und kann so nach konkreten Lösungen suchen“, sagte Benedikt Wahner von der Fachschaftsinitiative Philosophie. Trotzdem sollen die Institutsgruppen keine Konkurrenz zu Gremien oder Fachschaften darstellen, betonte er. Die Anwesenden konnten sich am Ende der Vollversammlung auf die Listen ihrer Institute eintragen, um sich mit ihren KommilitonInnen besser vernetzen zu können.

Am Ende der Versammlung flogen plötzlich Flugblätter von der Empore, in denen zur sofortigen Besetzung des Audimax aufgerufen wurde. Daraufhin sprachen sich die anwesenden Studierenden in einer Abstimmung mit großer Mehrheit für eine Besetzung aus – lediglich fünf stimmten mit Nein und 14 enthielten sich. Bei der Frage jedoch, wie viele der Anwesenden bereit wären, direkt nach der Vollversammlung im Audimax zu bleiben, meldeten sich deutlich weniger. Aus Kreisen des Präsidiums des StudentInnenparlaments (StuPa) wurde die Abstimmung am Rande des Geschehens kritisiert. Ein Mitglied des Präsidiums sagte: „Wenn man Leute motivieren will hier zu bleiben, dann stimmt man einfach nicht ab.“

Jetzt soll eine sogenannte „AG Mobilisierung“ gegründet werden, die zu morgen Flyer und Plakate entwerfen und drucken soll, um sie dann an Instituten, U-Bahnhöfen etc. zu verteilen.

Emilia Smechowski<

 

Kommentare
Neuer Kommentar
Johannes   |12.11.2009 12:49:35
Es wird Zeit für einen grundlegenden Umbau des deutschen Bildungssystems mit
Wiedereinführung von Magister, Diplom und Staatsexamen, sofortiger Abschaffung
von Bologna, NC-Freiheit, freier Bildung für alle, mit solider und
voraussetzungsfreier Finanzierung aller Universitäten und Studierenden.

Endlich
zeigen sich mal einige wenige kluge Köpfe unter den Studenten im Land auch in
Berlin und melden sich zu Wort.

Polizei hat hier bei den friedlichen Protesten
und Demonstrationen in einer Universität nichts zu suchen.

Hier gibt es auch
Medienberichterstattung:

http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/st
udis-besetzen-hoersaele

http://www.jungewelt.de/2009/11-12/038.php?sstr=humbold
t

http://www.zeit.de/wissen/2009-11/studierende-besetzen-groesste

http://www.g
oogle.de/news/search?pz=1&cf=all&ned=de&hl=de&q=humboldt+besetzung
Georg   |12.11.2009 20:52:31
Das sind die Helden unserer Zeit. Was in den 60ern selbstverständlich war,
nämlich das Mitdenken und Handeln, ist heute den pragmatischen Hirnwäschen
vieler junger Uni-Auszubildender gewichen. Es fehlt vielen heute schlicht Mut,
Charisma und Intellekt. Prekäre Karriere statt Hirn und Langfristerfolg. Drum
sind die ersten engagierten Besetzungen und Demos schon lange überfällig gewesen
und sehr zu begrüßen.
Hanna   |12.11.2009 21:02:41
Einen ersten Bericht gibts auch in der Tagesschau;
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts15808.html . Zwar nicht sehr
inhaltsreich und die Forderungen nur oberflächlich benennend, aber zumindest für
ein Massenprogramm schon mal ein Anfang.
Student   |13.11.2009 19:21:03
Es wäre mal interessant zu wissen, wie viele BA/MA-Studierende unter den
Besetzern sind. Auf den Bildern sind ja viele der üblichen Verdächtigen aus dem
Stupa zu erkennen, von denen (soweit ich weiß) nicht gerade viele in den neuen
Studiengängen sind (aber da kann ich falsch liegen). Außerdem sind die Bilder ja
von der Versammlung, nicht der Besetzung.
Humboldt   |13.11.2009 20:47:38
Bravo! Alle protestierenden Studenten und Wissenschaftler Europas zeigen, dass
doch noch ein Restintellekt auch unter zeitgeistigen Uni-Angehörigen vorhanden
und noch nicht vernichtet ist, trotz massiver geistiger Eliminierungsbemühungen
der Miss-Bildungspolitik.
Chris   |17.11.2009 10:50:25
Ganz großen Respekt vor allen Engagierten und deren großem Intellekt!!!

Ein
schöner Beitrag aus dem Tagesspiegel
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Studentenproteste;art270,2951800 .
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