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UnAuf wirkt: Markschies bringt Barrierefreiheit ins Rollen Drucken E-Mail
Geschrieben von Margarete Stokowski   
Montag, 7. Dezember 2009

Fortschritte im Grimm-Zentrum: Der UnAuf-Artikel über die Protestaktion für Barrierefreiheit (UnAuf-Blog vom 25. November 2009) zeigt erste Wirkungen. HU-Präsident Christoph Markschies hat heute bei einer Begehung der Universitätsbibliothek sofortige Verbesserungsmaßnahmen angeordnet. Innerhalb einer Woche sollen erste Mängel behoben werden, um die Bibliothek für Menschen mit Behinderung zugänglicher zu machen.

Markschies hatte schon auf der Vollversammlung der Studierendenschaft am 26. November erklärt, erst durch den UnAuf-Artikel von der mangelnden Barrierefreiheit erfahren zu haben. Er habe daraufhin sofort im Grimm-Zentrum angerufen und die Verantwortlichen zu einer gemeinsamen Begehung der Bibliothek eingeladen.

Der Bibliotheksdirektor Milan Bulaty und der Leiter der Technischen Abteilung Ewald-Joachim Schwalgin berieten sich heute zuerst mit dem Schwerbehindertenbeauftragten der HU, Dieter Graupner. Zur Begehung kam dann Markschies selbst sowie die Chefredakteurin der UnAuf und zwei Studentinnen mit Behinderung.

Während Bulaty und Schwalgin zwar einige Fehler zugaben, verwiesen sie doch vielfach auf die DIN 18024-Vorgaben für Barrierefreiheit, die beim Bau angeblich eingehalten worden seien. Die Forderung nach einem Blindenleitsystem im Foyer wiesen sie mit der Begründung zurück, dass ein solches Leitsystem von der Norm nicht vorgesehen sei. Obwohl die entsprechenden Markierungen am Boden vergleichsweise einfach einzurichten wären, bestanden die beiden Verantwortlichen darauf, dass dies standardgemäß eben nicht vorgesehen sei. Das Grimm-Zentrum müsse nicht über die Norm hinaus barrierefrei sein.

Markschies dagegen zeigte sich empört über die vielen Mängel am Gebäude und ordnete sofortige Änderungsmaßnahmen an. So sollen etwa zumindest die elektrischen Türöffner repariert werden, denn derzeit ist genau die Hälfte der Öffner außer Betrieb. Dort, wo noch Öffner fehlen, sollen schnellstmöglich welche angebracht werden. Daneben sollen fehlende Computerprogramme beschafft werden, etwa Vergrößerungssoftware für sehbehinderte oder Sprachsoftware für blinde Menschen.

Alle Maßnahmen, die sich relativ einfach durchführen lassen, sollen sofort ergriffen werden, so Markschies. „Selbst wenn wir das aus eigner Tasche bezahlen müssen,“ sagte der Präsident, „wir müssen handeln. Es ist jetzt schon viel zu spät. Es kann nicht sein, dass die Bibliothek seit ihrer Eröffnung schon so lange diese vielen Mängel aufweist.“ Das Grimm-Zentrum dürfe nicht einfach von vornherein eine Gruppe von Nutzerinnen und Nutzern ausschließen. Natürlich sorgt Markschies sich dabei auch um den Ruf der Bibliothek: „Ich wäre traurig, wenn der schöne Bau jetzt als Makel-Gebäude in die Öffentlichkeit käme.“

Am Ende der Begehung entschuldigte sich Markschies symbolisch bei den zwei anwesenden Studentinnen, dankte ihnen für die Anregungen und versprach, so schnell wie möglich Besserungsmaßnahmen einzuleiten. Eine Entschuldigung von der Bibliotheksleitung blieb aus.

Morgen soll von Seiten der Studierendenschaft in der Sitzung des Akademischen Senats ein Antrag für Barrierefreiheit im Grimm-Zentrum eingereicht werden.

 

Kommentare
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Atuna D.  - Besser könnte es nicht laufen!   |08.12.2009 07:58:54
Ich freue mich und gratuliere Euch, dass Eure Aktionen und der UnAuf-Artikel
so schnell so gute Reaktion hervogerufen haben! Hoffentlich bleibt es nicht bei
guten Absichten. Bleibt dran und berichtet weiter!
Amras   |08.12.2009 15:55:46
Sehr schön! Es zeigt sich zwar immer noch eine arrogante Unbelehrbarkeit des
herrischen Milan Bultay, aber es beruhigt immerhin, dass Markschies einmal von
seiner mir-sind-die-Hände-gebunden-Haltung herunterkommt. Fehlt nur noch die
Entschuldigung der ZUB-Leitung und eine schnelle Ändrung der Bedingungen.
Gut
gemacht UnAuf! Fragende Nebenbemerkung: Das Stupa ist wohl immer noch mit fairem
Kaffee beschäftigt?
StuPa-Mitglied  - fairer Kaffee   |13.12.2009 09:17:37
Das StuPa schlägt sich, nur zu Deiner Information, liebe(r) Amras, schon länger
mit dem Grimm-Zentrum herum, unter anderem auch wegen der Barrierefreiheit bzw.
deren Abwesenheit.

Ich würde auch eher davon ausgehen, dass der Erfolg in
diesem Fall weniger der Unauf, sondern den GremienvertreterInnen aus
verschiedenen Statusgruppen zu zu schreiben ist, die im Akademischen Senat nicht
unwesentlich Welle gemacht haben.

Tut mir leid, wenn ich jetzt Dein einfaches
Weltbild kaputt gemacht habe.
Florian   |14.12.2009 21:51:50
Übrigens brandte das Grimm Zentrum wohl heute, warum liest man denn noch nix in
der Unauf?

Ein weiteres großes Defizit der Bibliothek: Die Stabi hat
Teppichboden, zur Schrittdämpfung in einer Bibliothek nur vernünftig und
logisch. Nicht aber im Grimm Zentrum, da zählt nur die Optik, nicht aber die
Logik, also fester Boden. Da nun aber viele prollige Zeitgenossinnen mit ihren
Pumps und hoch- wie harthackigen Deppenschuhen durch die Gänge stöckeln,
watscheln, rennen, dürfen sich die Nutzer über diese akustischen Zeugnisse der
Intelligenzlosigkeit ihrer Trägerinnen freuen. Das Tragen von angemessenem
Schuhwerk gehört in die Benutzungsordnung oder man soll Filzpantoffeln ausgeben.
Gerhardt   |15.12.2009 20:20:53
Weit gravierender ist, dass der ganztags extrem frequentierte Kleiderschrank
(Garderobe) wohl keinen Notausgang hat! Wenn es in oder vor dem langen schmalen
Zugang einen Brand oder sonstige Katastrophe gibt, wars das dann wohl.

Auch
sind die Kloeingangstüren falsch herum und nicht mit automatischen
Schließmechanismen ausgestattet. Das führt dann beim Männerklo gleich an der
Umkleidetreppe dazu, dass die Türen regelmäßig offen bleiben, während man
drinnen eine Stange Wasser weg stellt und draußen die Bibnutzer mit direktem
Einblick im Kleiderschrank flanieren.

Ich meine: Äußerlich schickes
Mittegebäude, innerlich vielfach nicht sehr weit gedacht.
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