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Die Bildungsstreikenden der HU harren aus und kämpfen für die Belange der Studierenden. Doch die konkreten Forderungen, die von den Audimax-Besetzern ausgearbeitet worden sind, gehen dem RefRat der HU anscheinend nicht weit genug. Deshalb stellt sich die gewählte Vertretung aller Studierenden gegen die Interessen ihrer Wähler. Eine der UnAuf vorliegende E-mail bestätigt, was schon länger als Gerücht die Runde macht: Der RefRat versucht den Streik zu boykottieren.
Der Bildungsstreik ist immer noch im Gange. Ein paar Hartgesottene verharren im Audimax und streiken und besetzen weiter für die Belange der Studierenden der HU. Sie tun das anscheinend auch nicht umsonst. Man kann von ersten kleinen Erfolgen sprechen: Der Akademische Senat (AS) hat gerade beschlossen, sämtliche Anwesendheitspflichten für dieses Semester auszusetzen. HU-Präsident Markschies hat bei seinem Besuch der Vollversammlung am 26. November angekündigt, die Bachelor- und Masterstudiengänge überarbeiten zu lassen. Mitte Januar wird es eine Extra-Sitzung des AS geben, auf der es ausschließlich um die Forderungen der Streikenden gehen wird und nächste Woche Mittwoch kommt Wissenschaftssenator Zöllner ins Audimax, um den Studierenden Rede und Antwort zu stehen.
Die von den meisten Beobachtern als konstruktiv eingeschätzten Streikenden stoßen jedoch auch auf Widerstand. Und zwar auch von Seiten, von denen es keiner erwarten würde. Wie jetzt aus einer E-Mail hervorgeht, die der UnAuf vorliegt, wirft der ReferentInnenRat (RefRat) der HU, also die vom StudentInnenparlament (Stupa) gewählte „Regierung“ der verfassten Studierendenschaft, den Leuten, die sie gewählt haben, ebenfalls Steine in den Weg.
In der E-Mail, die ein RefRat-Mitglied an seine Kollegen und Kolleginnen geschickt hat, heißt es, der Streik sei nicht der Streik des Verfassers, aber man (der RefRat) müsse dennoch zumindest so tun, als ob man daran interessiert sei, dass der Streik erfolgreich sein werde. Als Begründung für diese anscheinend geheuchelte Unterstützung wird angeführt, dass man sich bemühen müsse, damit das „linke Feuchtbiotop“ RefRat nicht in Gefahr sei. Denn bei der AS-Wahl und auch bei der Stupa-Wahl bestünde die Gefahr, dass die Studierenden ihren Unmut an der Wahlurne ausdrücken und diese Gremien zu sehr in Richtung Mitte rückten. Es sei also unklug die Streikenden weiterhin von der RefRat Infrastruktur fernzuhalten, wie man es auch schon im Sommer getan hätte. Zum Schluss heißt es in der Email noch, dass „Parlamentarismus zwar scheiße“ sei, man allerdings „mit dem gegebenen parlamentarischen System klarkommen“ müsse.
Was in dieser E-Mail deutlich herauskommt, brodelt unter der Oberfläche allerdings schon seit längerem. Viele der Bildungsstreikenden berichten, dass man den RefRat immer mehrmals um Unterstützung bitten müsse und die Stimmung allgemein sehr unfreundlich sei. Eine Ankündigung für die Vollversammlung der Studierenden am vergangenen Montag wurde beispielsweise erst am selben Tag über den Mailverteiler des RefRats an alle Studierenden verschickt, obwohl Vertreter der Streikenden darum bereits seit Mitte letzter Woche gebeten hatten. Die Vollversammlung war entsprechend schlecht besucht.
Das Verhalten des RefRats ist deshalb schwer zu verstehen, weil der RefRat die Studierenden der HU repräsentieren soll und sich für deren Belange einzusetzen hat. Der arrogante Tonfall und die herablassende Art, in welcher die jetzt aufgetauchte Email geschrieben ist, vermittelt allerdings ein anderes Bild. Der RefRat scheint sich als eigene Institution zu verstehen, die in ihrer eigenen Suppe kocht und alles zu tun scheint, damit diese nicht von irgendwelchen Ideen, die nicht ihrer politischen Meinung entsprechen, die als links zu bezeichnen eine Beleidigung für alle wirklich Linken ist, versalzen wird.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Studierenden der HU erkennen, wie arrogant und selbstherrlich sich die von ihnen gewählten Vertreter und Vertreterinnen hier benehmen und es ihnen bei den kommenden Wahlen heimzahlen.
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