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Porträt im Pianissimo Drucken E-Mail
Geschrieben von Emilia Smechowski   
Donnerstag, 21. Januar 2010

Die ersten Takte des Klavierkonzerts d-Moll op. 15 von Johannes Brahms erklingen. Während des Orchestervorspiels der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Bernard Haitink wiegt sich Radu Lupu mit geschlossenen Augen im Takt. Mit seinen grauen Haaren und dem Vollbart sieht der rumänische Pianist, der für ein paar Konzerte in Berlin gastiert, selbst aus wie Brahms.

Dann beginnt er zu spielen. Souverän, leidenschaftlich und trotzdem schlicht interpretiert er das erste Klavierkonzert, dessen Mittelsatz Brahms seiner heimlichen Liebe Clara Schumann gewidmet hatte: Es sei, schrieb dieser ihr in einem Brief, „ein sanftes Porträt von Dir“. Ein Porträt, das im Pianissimo beginnt und endet. So verhalten und still, wie die Liebe zwischen Johannes Brahms und Clara Schumann gewesen sein könnte, in den letzten zwei Lebensjahren von Schumanns Mann Robert, der diese in der Nervenheilanstalt verbrachte. Überliefert sind Claras Gefühle nicht, denn Brahms hatte ihre Briefe auf ihren Wunsch vernichtet.

Brahms begann mit der Komposition nach dem Selbstmordversuch Robert Schumanns 1854, der in den Rhein gesprungen war. Uraufgeführt wurde das Klavierkonzert erst 1859. Radu Lupu, der sich in seinem Hauptrepertoire auf die großen deutschen Komponisten der Klassik und Romantik beschränkt, spielt dieses Werk mit kraftvoller Technik und in den lyrischen Passagen mit sensiblem Anschlag, ohne sentimental zu wirken.

Im ersten Teil des Konzerts erklingt Brahms‘ Symphonie Nr. 3 F-Dur op. 90. Auch  hier, wie im gesamten Konzert, sind es vor allem die stillen Momente, die den Abend so besonders machen.

 

Weitere Konzerte mit den Berliner Philharmonikern und Bernard Haitink:

21., 22. und 23.01.2010 um 20 Uhr

György Kurtág – Stele für großes Orchester op. 33

Johannes Brahms – Violinkonzert D-Dur op. 77 (Frank Peter Zimmermann, Violine)

Béla Bartók – Konzert für Orchester Sz 116

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