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Der Akademische Senat der Humboldt-Universität (HU) hat sich heute drei Stunden lang ausschließlich mit den Forderungen der streikenden Studierenden beschäftigt. Die Audimax-Besetzer und der RefRat legten dem höchsten Gremium der Universität neunzehn Anträge zur Abstimmung vor. Trotz des frühen Starts um 8 Uhr morgens füllten circa 80 studentische Zuhörer den Saal.
Schon zur Begrüßung unterstrich Universitätspräsident Markschies
seine kontinuierlichen Bemühungen um die Zusammenarbeit mit den
Studierenden. Seit dem Jahreswechsel spreche er mit allen Fachschaften,
um konkretes Feedback zum geplanten Umbau der Studienordnungen zu
bekommen. Tatsächlich musste Markschies im Verlauf der Sitzung nur
wenig direkte Kritik einstecken.
In weitgehend sachlicher Atmosphäre verhandelten die Mitglieder des
Senats, der mehrheitlich mit Professorinnen und Professoren besetzt
ist, über neun Forderungen. Die restlichen zehn Anträge sollen in einer
weiteren Sondersitzung am 9. Februar behandelt werden. Alle
besprochenen Anträge wurden in leicht geänderter Form angenommen, bis
auf den Antrag für mehr Transparenz an der HU: Da dieser ein
Sammelantrag mit unterschiedlichen Forderungen war und dadurch eine
längere Diskussion auslöste, wurde die konkrete Entscheidung auf die
nächste Sitzung vertagt.
Nach Anwesenheitspflicht und Funktionsstörungsattest sind nun auch
die letzten Reste der Maluspunkte-Regelung vom Tisch. Weitgehend
unstrittig waren auch die Anträge, die auf die Verbesserung der
Bedingungen für die Gremien der studentischen Selbstverwaltung,
Studieren mit Kind und das hochschulübergreifende Studium zielten.
Kontrovers diskutiert wurde die Forderung, Fakultäten mit hohen
Abbrecherquoten sollten regelmäßig Bericht erstatten und konkrete
Verbesserungsvorschläge machen. Der Informatiker Christian Dahme, der
als Vertreter der akademischen Mitarbeiter im Senat sitzt,
entschuldigte die Naturwissenschaften, insbesondere die Mathematik: Es
seien eben "schwere Fächer". Darauf widersprach ihm sogar ein
Senatskollege.
Frank Eveslage, Vizepräsident für Haushalt, Personal und Technik,
sagte, die Reichweite des Abbrecherproblems solle ins rechte Licht
gerückt werden. Von 36 Prozent in den Magisterstudiengängen sei die
durchschnittliche Abbrecherquote auf 21 Prozent in den
Bachelor-Studiengängen gesunken.
Alle Unklarheiten darüber, was die HU unter einem Studienabbrecher
verstehe, beseitigte schließlich Steffan Baron, Leiter der
Studienabteilung: Alle Studierenden, die nach Ende der Regelstudienzeit
keinen Abschluss vorlegen können, zählen als Studienabbrecher. Die
Diskussion über die Studienabbrecher wird nun in den Fakultäten
weitergehen, denn es wurde beschlossen, dass diese in Zukunft zur
Abbruchfrage Rechenschaft geben müssen.
Noch hitziger geriet die Verhandlung der Anträge, die auf eine
Erhöhung des Anteils von Studierenden mit Migrationshintergrund sowie
eine größere Barrierefreiheit an der HU abzielten.
Bei der Vergabe von Studienplätzen und Jobs wollten die streikenden
Studierenden Menschen mit Migrationshintergrund bei gleicher
Qualifikation bevorzugt sehen. Neben ernsten Bedenken der Rechtsstelle
waren sich auch die Senatsmitglieder nicht einig, was ein
"Migrationshintergrund" genau sei. Für Akademiker wie Studierende ein
sichtlich emotionales Thema, wurden die Wortmeldungen an dieser Stelle
teilweise persönlich.
Nachdem für die Vergabe von Arbeitsplätzen bereits Regelungen
bestehen, beschloss der Senat zumindest das Vorhaben, ein praktisches
Modell für die Studienplatzvergabe an Abiturientinnen und Abiturienten
mit Migrationshintergrund zu entwickeln.
Das Thema Barrierefreiheit betrachteten mehrere Professoren vor
allem unter ökonomischen Aspekten. Vizepräsident Eveslage betonte aber,
dass der Aufzug im Institut für Bibliothekswissenschaften trotz hoher
Kosten für eine einzige Rollstuhlfahrerin realisiert worden sei. Auch
hier reagierten einige Studierende hoch emotional und erinnerten an die
Verpflichtung der Universität, alle gesellschaftlichen Gruppen zu
integrieren, unabhängig von den Kosten. Intensiv thematisiert wurde
auch die mangelnde Barrierefreiheit im Grimm-Zentrum, die laut
Markschies innerhalb eines Jahres komplett behoben werden soll.
Von Beginn an hatten die Vertreter der Studierendenschaft ihre
Forderung nach Reduzierung der Arbeitsbelastung in Bachelor und Master
besonders herausgestellt. Aufgrund von Zeitmangel kann über den Antrag,
statt dreißig nur noch zwanzig Stunden für einen Studienpunkt arbeiten
zu müssen, erst in der angekündigten zweiten Sondersitzung abgestimmt
werden.
In der Rückschau bleibt der Eindruck einer sachlichen, konstruktiven
Diskussion. Obwohl die durchgesetzten Anträge für viele Studierende und
durchaus auch die Universitätsleitung eine Selbstverständlichkeit
darstellen mögen, ist es ein Erfolg für die streikenden Studierenden im
Audimax.
Sie haben zumindest einen Teil ihrer Forderungen in ihrer eigenen Sprache zur Sache der Universität gemacht.
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