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Streikforderungen kommen durch: Die Sondersitzung des Akademischen Senats Drucken E-Mail
Geschrieben von Florian Sander   
Dienstag, 26. Januar 2010

Der Akademische Senat der Humboldt-Universität (HU) hat sich heute drei Stunden lang ausschließlich mit den Forderungen der streikenden Studierenden beschäftigt. Die Audimax-Besetzer und der RefRat legten dem höchsten Gremium der Universität neunzehn Anträge zur Abstimmung vor. Trotz des frühen Starts um 8 Uhr morgens füllten circa 80 studentische Zuhörer den Saal.

Schon zur Begrüßung unterstrich Universitätspräsident Markschies seine kontinuierlichen Bemühungen um die Zusammenarbeit mit den Studierenden. Seit dem Jahreswechsel spreche er mit allen Fachschaften, um konkretes Feedback zum geplanten Umbau der Studienordnungen zu bekommen. Tatsächlich musste Markschies im Verlauf der Sitzung nur wenig direkte Kritik einstecken.

In weitgehend sachlicher Atmosphäre verhandelten die Mitglieder des Senats, der mehrheitlich mit Professorinnen und Professoren besetzt ist, über neun Forderungen. Die restlichen zehn Anträge sollen in einer weiteren Sondersitzung am 9. Februar behandelt werden. Alle besprochenen Anträge wurden in leicht geänderter Form angenommen, bis auf den Antrag für mehr Transparenz an der HU: Da dieser ein Sammelantrag mit unterschiedlichen Forderungen war und dadurch eine längere Diskussion auslöste, wurde die konkrete Entscheidung auf die nächste Sitzung vertagt.

Nach Anwesenheitspflicht und Funktionsstörungsattest sind nun auch die letzten Reste der Maluspunkte-Regelung vom Tisch. Weitgehend unstrittig waren auch die Anträge, die auf die Verbesserung der Bedingungen für die Gremien der studentischen Selbstverwaltung, Studieren mit Kind und das hochschulübergreifende Studium zielten.

Kontrovers diskutiert wurde die Forderung, Fakultäten mit hohen Abbrecherquoten sollten regelmäßig Bericht erstatten und konkrete Verbesserungsvorschläge machen. Der Informatiker Christian Dahme, der als Vertreter der akademischen Mitarbeiter im Senat sitzt, entschuldigte die Naturwissenschaften, insbesondere die Mathematik: Es seien eben "schwere Fächer". Darauf widersprach ihm sogar ein Senatskollege.

Frank Eveslage, Vizepräsident für Haushalt, Personal und Technik, sagte, die Reichweite des Abbrecherproblems solle ins rechte Licht gerückt werden. Von 36 Prozent in den Magisterstudiengängen sei die durchschnittliche Abbrecherquote auf 21 Prozent in den Bachelor-Studiengängen gesunken.

Alle Unklarheiten darüber, was die HU unter einem Studienabbrecher verstehe, beseitigte schließlich Steffan Baron, Leiter der Studienabteilung: Alle Studierenden, die nach Ende der Regelstudienzeit keinen Abschluss vorlegen können, zählen als Studienabbrecher. Die Diskussion über die Studienabbrecher wird nun in den Fakultäten weitergehen, denn es wurde beschlossen, dass diese in Zukunft zur Abbruchfrage Rechenschaft geben müssen.

Noch hitziger geriet die Verhandlung der Anträge, die auf eine Erhöhung des Anteils von Studierenden mit Migrationshintergrund sowie eine größere Barrierefreiheit an der HU abzielten.

Bei der Vergabe von Studienplätzen und Jobs wollten die streikenden Studierenden Menschen mit Migrationshintergrund bei gleicher Qualifikation bevorzugt sehen. Neben ernsten Bedenken der Rechtsstelle waren sich auch die Senatsmitglieder nicht einig, was ein "Migrationshintergrund" genau sei. Für Akademiker wie Studierende ein sichtlich emotionales Thema, wurden die Wortmeldungen an dieser Stelle teilweise persönlich.

Nachdem für die Vergabe von Arbeitsplätzen bereits Regelungen bestehen, beschloss der Senat zumindest das Vorhaben, ein praktisches Modell für die Studienplatzvergabe an Abiturientinnen und Abiturienten mit Migrationshintergrund zu entwickeln.

Das Thema Barrierefreiheit betrachteten mehrere Professoren vor allem unter ökonomischen Aspekten. Vizepräsident Eveslage betonte aber, dass der Aufzug im Institut für Bibliothekswissenschaften trotz hoher Kosten für eine einzige Rollstuhlfahrerin realisiert worden sei. Auch hier reagierten einige Studierende hoch emotional und erinnerten an die Verpflichtung der Universität, alle gesellschaftlichen Gruppen zu integrieren, unabhängig von den Kosten. Intensiv thematisiert wurde auch die mangelnde Barrierefreiheit im Grimm-Zentrum, die laut Markschies innerhalb eines Jahres komplett behoben werden soll.

Von Beginn an hatten die Vertreter der Studierendenschaft ihre Forderung nach Reduzierung der Arbeitsbelastung in Bachelor und Master besonders herausgestellt. Aufgrund von Zeitmangel kann über den Antrag, statt dreißig nur noch zwanzig Stunden für einen Studienpunkt arbeiten zu müssen, erst in der angekündigten zweiten Sondersitzung abgestimmt werden.

In der Rückschau bleibt der Eindruck einer sachlichen, konstruktiven Diskussion. Obwohl die durchgesetzten Anträge für viele Studierende und durchaus auch die Universitätsleitung eine Selbstverständlichkeit darstellen mögen, ist es ein Erfolg für die streikenden Studierenden im Audimax.

Sie haben zumindest einen Teil ihrer Forderungen in ihrer eigenen Sprache zur Sache der Universität gemacht.

 

 

Kommentare
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Nick   |27.01.2010 12:29:06
Wäre schön, wenn zusätzlich zu dem narrativen Teil unter dem Artikel noch
konkret stünde, welche Anträge angenommen wurden.
Rio   |27.01.2010 15:08:43
Steht doch drin?
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