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Geschrieben von Ariana Berndl, Sebastian Kempkens
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Samstag, 6. Februar 2010 |
Läuft Zeit, kommt Rat: Probleme lösen im Schnelldurchlauf -
Speed-Coaching macht’s möglich. UnAuf-Redakteure testen das etwas andere Coaching.
Wir – das sind Ariana und Sebastian – haben ein Problem: Wir können nicht Nein sagen. Während Ariana sich dauernd auf Partys herumtreibt, weil sie niemanden enttäuschen möchte, lernt Sebastian oft unsympathische Menschen kennen, die er später nicht mehr los wird.
Gemeinsam haben wir eine besondere Therapie ausprobiert: Speed--Coaching – Lebenshilfe im Schnelldurchlauf. Beraten wird in entspannter Atmosphäre im Café Hilde in Prenzlauer Berg. Fünf unterschiedliche Coaches – sie alle haben eine berufsbegleitende Berater-ausbildung gemacht – sitzen an fünf Tischen. Alle zehn Minuten erklingt ein Gong und die Teilnehmer wechseln den Coach. Das Ganze findet in unregelmäßigen Abständen statt, dauert eine knappe Stunde und kostet zehn Euro.
Sebastian – erster Tisch
Ich setze mich, mir gegenüber: mein erster Coach. »Womit kann ick dienen?«, fragt mich Ingmar und hört aufmerksam meinem Gejammer von oberflächlichen Freundschaften zu. Dann erzählt er, dass er mit 14 Jahren ins Internat nach Berlin gekommen sei. Bis er echte Freunde gefunden hatte, brauchte es zwei Jahre – ich solle mir also keine Sorgen machen. Der Sonderschulpädagoge erklärt mir die Berliner Mentalität: »Der Berliner hat so ´ne direkte Art, nach dem Motto: Ey Alder, hab keen Bock mehr«, erklärt er. Ich solle ein bisschen mehr Berliner werden. Das ist keine neue Erkenntnis, aber mal sehen, was noch kommt.
Ariana – zweiter Tisch
Annuka hört mir mit der braven Miene einer Grundschullehrer-in zu und stellt doch provokante Gegenfragen, die mich überraschen. Während ich zweifle, ob ich mit meinem Studium die richtige Entscheidung oder nur den leichtesten Weg gewählt habe, fragt sie mich, ob mein ausgeprägtes Partyverhalten Grund dafür ist, dass ich ernsten Entschlüssen aus dem Weg gehe. Frechheit! Aber vielleicht ein ganz guter Ansatz.
Sebastian – dritter Tisch
Mittlerweile kommt mir mein Problem lächerlich vor. Trotzdem erkläre ich alles noch einmal. Niels antwortet mit einer Gegenfrage: »Was heißt denn Freundschaft für dich?«. Schwierige Frage, denke ich, und stammele irgendetwas. Der Politologe redet viel von Bauchgefühlen und konstruiert Freundschaftskonstellationen. Ich weiß nicht genau, was er mir sagen will. Der Gong erlöst mich. Also schnell weiter zum nächsten Tisch.
Ariana – vierter Tisch
Es ist anstrengend, sich in so kurzer Zeit immer wieder mit einem neuen Coach vertraut zu machen. Das Seltsame: Es klappt erstaunlich schnell, eine relativ intime Ebene zu finden. So geht es mir besonders mit Jutta, die genau nachbohrt und mich sofort versteht. Mit wachem Blick und analytischem Scharfsinn macht sie mich darauf aufmerksam, dass ich mich, anstatt mich von meinem Mitbewohner schikanieren zu lassen, dem Konflikt stellen muss. Ich begreife: Konstruktive Konfliktbereitschaft ist besser als Nachgeben und Runterschlucken. Ich fühle mich, als hätte ich mit einer guten Freundin gesprochen.
Sebastian – fünfter Tisch
Reinhard hat ein Therapeutengesicht. -Freundlich blickt er mich durch seine runden Brillengläser an: »Was ist dein Problem?« Mittlerweile habe ich Übung darin, mich auszuschütten. Während ich mich beklage, malt Reinhard ein Schaubild. Er notiert Begriffe wie Freundschaft und Kommunikation, kreist sie ein und verbindet sie mit Pfeilen. Reinhard sagt nicht viel, -eigentlich plappere ich die ganze Zeit. Das Verblüffende: Wie in einer Selbsttherapie wird mir mein Problem immer klarer. Heile ich mich am Ende selbst?
Das Bier danach
Bei dieser »Therapie to go« hatten wir eigentlich keine großen Erkenntnisse erwartet, eher ein spaßiges Geplauder. Doch die Gespräche regen zur Reflexion an. Schließlich befasst man sich gezwungenermaßen 50 Minuten lang mit sich selbst und wechselt dabei mit jedem neuen Coach die Perspektive. Unsere kleinen Probleme haben wir zwar immer noch, aber vielleicht war das Speed-Coaching ein erster Schritt zu ihrer Lösung.
Ariana Berndl, Sebastian Kempkens
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