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Geschrieben von Dena Kelishadi, Heidi Simon, Florian Thalmann   
Samstag, 6. Februar 2010
Was Céline Dion und Pornos gemeinsam haben:  Mit beiden lässt sich nebenbei Geld verdienen. Die UnAufgefordert zeigt euch die etwas andern Nebenjobs

Jobbingrunde

Was Céline Dion und Pornos gemeinsam haben:  Mit beiden lässt sich nebenbei Geld verdienen. Die UnAufgefordert zeigt euch die etwas andern Nebenjobs

Denise Kripper, 23, studiert Literarisches Übersetzen in Buenos Aires, Argentinien
»Lautes Stöhnen und nackte Haut gehören zu meinem Nebenjob wie der Computer und das Wörterbuch. Ich verfasse Untertitel für Pornofilme. Die sind wesentlich einfacher zu übersetzen als Filme mit viel Text und Handlung. Und ich kann mich genauso gut mit den Arbeitstechniken und der Betriebssoftware vertraut machen wie bei normalen Spielfilmen. Außerdem bekomme ich bei einem viel geringeren Arbeitsaufwand genauso viel Gehalt wie beispielsweise für eine Sitcom. Denn bezahlt werden wir nach der Gesamtdauer des Films und nicht nach intellektuellem Anspruch und Bearbeitungszeit der Filme. Bei Pornos kommen auf 90 Minuten Film im Schnitt 15 Minuten Text. Geräusche, die ich normalerweise auch transkribieren muss, fallen beim Pornoübersetzen größtenteils weg. Ich habe nämlich die Anweisung, dem Zuschauer bei Sex-Nahaufnahmen die Sicht nicht mit Untertiteln zu versperren. Das erspart mir Arbeit. Und Sexgeräusche verstehen die meisten auch ohne Untertitel. Ich arbeite von zu Hause aus und wohne noch bei meinen Eltern. Sie fanden es anfangs nicht gut, dass ihre Tochter zu Hause Pornofilme übersetzt. Aber ich habe ihnen erklärt, dass die Filme nur auf einem Privatsender gezeigt werden, den man extra frei schalten lassen muss und dass sie keine kranken Sachen enthalten. Natürlich übersetze ich auch gerne andere Filme, wenn sie mich persönlich interessieren. Meine Arbeit macht mir Spaß und ich bin mit der Bezahlung zufrieden. Trotzdem will ich meinen Master lieber in einem literaturwissenschaftlichen Fach machen, denn als Übersetzer ist man immer allein bei der Arbeit. Sogar – oder gerade – bei Pornofilmen.«

Philip Böhm, 24, studiert Publizistik und Anthropologie an der FU
»Im April starte ich meine dritte Saison als Rikscha-Fahrer. Seit zwei Jahren besuche ich im Sommersemester keine Lehrveranstaltungen mehr, sondern verdiene mein Geld als einer der vielen strampelnden Taxifahrer in Berlin. Die Idee dazu kam mir durch meinen Mitbewohner, der diesen Job bereits ausübte. Zwei Wochen im Voraus muss man seine Rikscha für bestimmte Tage bestellen. Für ungefähr zehn Euro am Tag kann ich sie von einer Firma mieten. Oft werde ich gefragt, wie viel ich verdiene. Da ich freiberuflich arbeite, kann ich das gar nicht so leicht beantworten. Mein Verdienst hängt von meiner Kondition, dem Wetter und meinen Kunden ab - ein bisschen Glück gehört auch dazu. Manchmal nehme ich nur 20 Euro ein, es können aber auch schon einmal 200 Euro pro Tag sein. Meine Unkosten habe ich meist schon nach der ersten Fahrt wieder drin. Besonders rentieren sich Events wie die »Lange Nacht der Museen«, bei denen die Leute schnell von einem Ort zum anderen kommen wollen. Dann kann es sein, dass ich bis zu elf Stunden arbeite. Mein Job lässt mir viele Freiheiten. Ich habe die Wahl, nach Hause zu gehen oder noch ein paar Fahrten zu machen. Unter meinen Kunden sind viele unterschiedliche und interessante Menschen. Einmal bin ich mit einem Obdachlosen über den Alexanderplatz gefahren, damit er Werbung für seine Straßenmusik machen konnte. Ein anderes Mal habe ich ein Mitglied der brasilianischen Paralympics-Mannschaft herumkutschiert. Auch viele Prominente nutzen den Rikscha-Dienst. Ich selbst habe zwar noch nie jemand richtig prominentes mitgenommen, Kollegen hatten aber schon Céline Dion oder Boris Becker hinten drinsitzen. Einen Nachteil hat mein Job: Wenn ich krank bin, kann ich nicht arbeiten. Als ich mir meinen Arm gebrochen hatte, war für mich die gesamte Saison gelaufen. Eigentlich ist der Job gut für meine Gesundheit. Obwohl mir ein Elektromotor beim Ziehen hilft, bleibe ich durch ihn immer fit.«

Thomas Noack, 24, studiert Informatik und Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
»Seit der fünften Klasse beschäftige ich mich mit der Zauberkunst. Angefangen habe ich mit typischen Zauberkästen für Kinder. Jahre später bin ich beim Besuch einer Zaubershow in Kontakt mit einer Jugendgruppe des Zaubervereines »Magischer Zirkel Berlin« gekommen. Seitdem besuche ich regelmäßig die Treffen des Clubs. Eines meiner Fachgebiete ist die Bühnenzauberei. Besonders wichtig bei der Zauberkunst ist mir die Arbeit mit dem Publikum. Wenn mich die Kinder im Publikum mit ihren strahlenden Augen anschauen, ist das einfach toll. Mein bisher schönster Auftritt war im Dom zu Freiberg vor den Mitarbeitern der Kirchengemeinde, die alle richtig begeistert waren. Solche Shows mache ich aber nur noch selten, weil mein Studium sehr zeitintensiv ist. Im Durchschnitt trete ich noch dreimal pro Jahr professionell auf. Es ist heutzutage sehr schwierig, das Zaubern zu seinem Beruf zu machen. Deshalb bleibe ich lieber bei meinem Studium. Neueinsteigern würde ich empfehlen, viele Bücher zu lesen und sich mit Vereinen in Verbindung zu setzen. Auch ausreichendes Training ist wichtig. Außerdem sollte jeder, der sich ernsthaft dafür interessiert, so häufig wie möglich sein Können vor Freunden und Familie zeigen - so gewinnt man Erfahrung.«


Nadine Aßmann, 21, studiert Musical und Show an der Universität der Künste Berlin

»An meinen Nebenjob bin ich durch Zufall gekommen: Ich habe mich schon immer für Musik und die Bühne interessiert. Da kann man professionelle Fotos gut gebrauchen. Irgendwann habe ich meinen ersten Job als Fotomodel angenommen, der mir viel Spaß gemacht hat. Daraufhin bin ich in ein Modelportal für Amateure und Profis eingetreten, in dem man Kontakt zu anderen Models, aber auch zu Fotografen knüpfen kann. Meine Arbeit als Model ist größtenteils Hobby, manchmal bekomme ich aber auch bezahlte Aufträge. Im Schnitt verdiene ich 25 Euro pro Stunde. Erst vor Kurzem habe ich bei einem Shooting mit einer Maskenbildnerin zusammengearbeitet und wurde mit einer gigantischen Afro-Mähne und einer extremen Punkfrisur fotografiert. Mein Umfeld reagiert sehr positiv auf meine Arbeit als Model. Meine Freunde fragen mich immer, woher ich die professionellen Fotos bekomme. Die meisten Leute sehen aber nur die Fotos – die eigentliche Arbeit am Set wird oft unterschätzt. Je nach Fotograf und Shooting muss man auch bei schlechtem Wetter ran, steht in unbequemen Positionen vor der Kamera oder ist vom Studiolicht geblendet. Zu meinem richtigen Beruf machen möchte ich den Job aber nicht. Ich bleibe viel lieber meinem Studienfach treu und will unbedingt auf die Bühne.«

Aufgezeichnet von Dena Kelishadi, Heidi Simon, Florian Thalmann

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