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Studenten Werk und Gottes Beitrag Drucken E-Mail
Geschrieben von Valentin Franklyn   
Samstag, 6. Februar 2010
Print statt Predigt: Theologiestudierende schreiben
in ihrem eigenen Magazin über Gott und die Welt.


Schon vor mehreren Jahrhunderten hat die katholische Kirche die Inquisition als grausames Mittel zur Verfolgung von Andersgläubigen abgeschafft. An der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität (HU) gibt es allerdings seit ein paar Semestern wieder selbsternannte Inquisitoren. 
Eine handvoll Studierende verschiedener Fachrichtungen -haben vor zwei Jahren die Zeitschrift »Der Inquisitor« gegründet. »Der Name unseres Hefts sollte schon ein bisschen provokant wirken. Es soll ja auffallen, um auch mitgenommen zu werden«, sagt Layouterin Muriel Koch. Außerdem habe der negativ belastete Begriff ursprünglich eine erstrebenswerte und zu einer Zeitschrift passende Bedeutung: »Erforschung«.
»Der Inquisitor« wird von einem etwa zehnköpfigen Redaktionsteam geschrieben und erscheint zweimal im Semester.
»Was ist das Himmelreich?« Mit dieser Frage haben sich die Blattmacher im vorletzten Heft beschäftigt. In der frisch gedruckten neuen Ausgabe ist Maria das Thema. Das Team des »Inquisitor« hat es sich zum Ziel gesetzt, theologische Themen verständlich und auch für fachfremde Studierende zugänglich zu präsentieren. Sie verstehen sich als Zeitschrift, die ihre Texte einerseits journalistisch, andererseits wissenschaftlich aufbereitet. Aber auch nicht-theologische Themen finden im »Inquisitor« Platz: Auf den hinteren Seiten findet der Leser Kulturelles. Kleine Gedichte zwischendurch, eine Glosse und ein Beitrag des Studierendenrates runden das Heft ab.
Die Idee, neben dem Studium eine Zeitschrift zu publizieren, kam den Freunden bei einem Journalismus-Workshop der Evangelischen Medienakademie, der im Sommer 2008 an der Theologischen Fakultät angeboten wurde. »Nachdem wir zwei Wochen mit Profis zusammen die Theorie durchgepaukt hatten, wollten wir auch mal selbst ausprobieren, was wir gelernt haben«, sagt Redakteur Martin Scheiter. Da theologische Themen vom Mainstream-Journalismus nahezu ignoriert werden, wie die Studierenden fanden, war es naheliegend für die Redaktion, ihrem Studienfach publizistische Aufmerksamkeit zu schenken.
Was anfangs als Übungsblatt gedacht war, entwickelte sich schnell zu einem größeren Projekt: Immer mehr Studierende stießen dazu und so wurden in den letzten zwei Jahren bereits sieben Ausgaben veröffentlicht.
Gedruckt wird der »Inquisitor« in der HU-Druckerei. Das Redaktionsteam kann das Druck-Kontingent des Studierendenrates der Theologischen Fakultät nutzen. Weitere Nebenkosten werden durch freiwillige Spenden beim Austeilen der Zeitung abgedeckt. Geld bekommt jedoch keiner der Redakteure. »Wir machen das ja alle, um uns weiterzuentwickeln und um unsere journalistischen Fähigkeiten zu verbessern«, sagt Martin.
Für die Zukunft haben sich die Macher des »Inquisitors« einiges vorgenommen: »Unser Ziel ist es, dass unser Heft auch über die Fakultätsgrenzen hinaus wahrgenommen wird.« Sorge bereitet dem Team hingegen, dass viele der aktiven Redakteure demnächst ihr Studium abschließen werden. »Dann geht es darum, Nachfolger für dieses Projekt zu finden«, sagt Muriel. In Zeiten von Bachelor, Master und engen Stundenplänen sei dies nicht immer leicht. Muriel selbst ist bereits im Masterstudium. Deshalb ist die Redaktion auch noch auf der Suche nach Studierenden, die Interesse daran haben, mitzumachen. Andersgläubige sind in diesem Fall willkommen.

Den »Inquisitor« gibt es auch online unter:
derinquisitor.wordpress.com

Valentin Franklyn
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