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Hört mal wer da humboldt |
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Geschrieben von Heidi Simon
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Samstag, 6. Februar 2010 |
Alles muss raus: Der Umbau des Hauptgebäudes
zwingt die Historiker und Klassischen Philologen ins Exil.
»Hey – alles glänzt – so schön neu« – worüber der Berliner Musiker Peter Fox nur singt, soll im Hauptgebäude der Humboldt-Universität (HU) in die Tat umgesetzt werden. Das zwischen 1748 und 1766 erbaute Haus Unter den Linden wird in den kommenden zehn Jahren komplett saniert. Doch wie soll der Lehr- und Forschungsbetrieb während der Baumaßnahmen weitergeführt werden?
Die Renovierung des HU-Hauptgebäudes und der Mensa Süd kostet insgesamt 59 Millionen Euro. Bezahlt wird das vom Land Berlin. Zunächst ist der Westflügel dran. Dieser soll bis zum Jahr 2015 umgebaut werden. Die Bauvorhaben sind umfangreich: Die Mensa im Erdgeschoss muss komplett renoviert, das Untergeschoss des Westflügels soll trocken gelegt werden. Im Dachgeschoss wird eine Technikzentrale für die Lüftungstechnik errichtet, so der Plan der Technischen Abteilung der HU.
»Das Akademische Auslandsamt sowie die Stabsstellen des Präsidenten möchten auch während der Umbauten im Hauptgebäude bleiben«, sagt Ewald-Joachim Schwalgin, Leiter der Technischen Abteilung. Sie müssen sich darauf einstellen, innerhalb des Hauptgebäudes umzuziehen.
Ab 2015 soll dann auch der Ostflügel umgebaut werden. »Allerdings können wir das erst in Angriff nehmen, wenn wir die Invalidenstraße saniert haben«, sagt Schwalgin. Dann muss das Institut für Anglistik und Amerikanistik zeitweilig aus dem Hauptgebäude ausziehen.
Was für die Anglisten und Amerikanisten noch Zukunftsmusik ist, steht den Instituten für Geschichte und Klassische Philologie unmittelbar bevor. Für sie heißt es schon in den kommenden Semesterferien: ausziehen. Die Insti-tute liegen unmittelbar über dem zu renovierenden Gebäudetrakt und müssen vor allem wegen dem entstehenden Baulärm weichen.
Jörg Baberowski, Dekan der Philosophischen Fakultät I und Geschichtsprofessor, gefallen die Pläne der Technischen Abteilung gar nicht. Das Umbaukonzept finde er an sich gut. »Aber die Planung ist intransparent und die Bauabläufe sind unklar«, sagt Baberowski. »Die Leute, die planen, haben keine Ahnung von Lehre.«
Vincent Regente, Mitglied der Fachschaft Geschichte hält die Renovierungsarbeiten für notwendig: »Die DDR-Ästhetik ist noch überall im Hauptgebäude erkennbar.« Allerdings würden die Studierenden nur sehr unzureichend über die Umbaumaßnahmen informiert, kritisiert er. »Selbst wir als Fachschaft bekommen kaum etwas mit.«
Für mindestens zwei Jahre wird der Sitz des Instituts für Geschichte in ein Gebäude an der Friedrichstraße/Ecke Leipziger Straße verlegt, wo die HU das dritte bis fünfte Stockwerk angemietet hat. Baberowski hat die Befürchtung, das Institut könnte in der Bauzeit seinen Zusammenhalt verlieren. Das Grimm-Zentrum, Standort der Geschichtsbibliothek, sei 20 Gehminuten von dem Übergangssitz entfernt. Schnell einmal zwischen zwei Seminaren etwas nachschlagen könne man bald nicht mehr, sagt Baberowski.
Für die universitäre Nutzung musste das neue Gebäude erst einmal hergerichtet werden. So musste eine IT-Vernetzung eingerichtet und Beschilderung angebracht werden. Nach Angaben des Vermieters soll das Gebäude am 1. März bezugsfertig sein, sagt Schwalgin. Ein neu berufener Professor der Klassischen Philologie sei bereits Mitte Januar in das Gebäude eingezogen. In den Semesterferien sollen die weiteren Lehrstühle der Geschichte und der Klassischen Philologie folgen.
Für die Historiker bedeutet der bevorstehende Umzug viel Arbeit. Er sei seit Wochen mit der Raumaufteilung beschäftigt, sagt Dekan Baberowski. Er beklagt sich auch über den zu geringen Platz in dem neuen Gebäude: »Ich weiß noch gar nicht, wo ich meine Bücher hinstellen soll.« Die Zwischennutzung hat aber auch einige Vorteile: So soll es einen Aufenthaltsraum für Studierende und für Gastdozenten geben.
Die Befürchtung, der neue Standort sei nicht behindertengerecht, entkräftet Ingrid Lübke vom Referat für Portfolio-management der Technischen Abteilung: Die Seminarräume seien per Aufzug erreichbar und es gebe eine behindertengerechte Toilette, erklärt sie auf Anfrage.
Besondere Unklarheit herrscht unter den Beteiligten darüber, wo die Lehrveranstaltungen in den kommenden Semestern stattfinden sollen. Der Hörsaal-Trakt des Westflügels liegt über der Mensa-Süd – und die wird momentan umgebaut. »Ich würde gerne mal wissen, wo die Vorlesungen ab dem nächsten Semester stattfinden sollen«, sagt Baberowski.
»An Lehrraumkapazitäten in Berlin-Mitte mangelt es nicht«, beschwichtigt Schwalgin. Ein Teil der Vorlesungen würde ins direkte Umfeld des Hauptgebäudes verlagert. In der Dorotheenstraße sollen in einem ehemaligen PC-Pool zwei neue Hörsäle entstehen. »Außerdem haben wir auf dem Campus Nord noch andere Hörsäle der Chemie und der Biologie aktiviert, die diese Fachbereiche bisher allein genutzt haben«, sagt der Chef der Technischen Abteilung. Auch in dem Zwischennutzungsgebäude des Geschichts- und Philologie-Instituts stehen drei Seminarräume zur Verfügung. Schwalgin versichert, dass bei Platzmangel noch weitere Räume zur Verfügung gestellt werden könnten.
Die Zweifel von Dekan Baberowski kann die Technische Abeilung aber nicht vollständig ausräumen. Zu hundert Prozent davon überzeugt, dass die Bauvorhaben tatsächlich so umgesetzt werden, wie geplant, ist er nicht: »Ich habe an dieser Universität schon viel erlebt. Wir wurden schon oft veräppelt.«
Ewald-Joachim Schwalgin ist der Meinung, dass er seiner Informationspflicht nachgekommen sei: »Wir haben im Vorfeld über die Maßnahmen berichtet, aber niemand hat die Ausmaße bemerkt. Alle sind zunächst immer von Bauplänen begeistert – bis sie merken, dass sie selbst betroffen sind.« Er hätte die Bauvorhaben am liebsten schon nach der Wende in die Tat umgesetzt. Damals sei das Geld vorhanden gewesen. Allerdings habe niemand aus dem Hauptgebäude ausziehen wollen. »Nun müssen wir es eben jetzt machen.«
Heidi Simon
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