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Geschrieben von Margarete Stokowski
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Samstag, 6. Februar 2010 |
Glosse
Das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum: Perle der Wissenschaft, Oase der Erkenntnis. Und erst diese Architektur – spektakulär, modern, preisgekrönt. Genau richtig für eine Elite-Universität. Sollte die HU im kommenden Exzellenzwettbewerb zur Elite-Uni gekürt werden, hat sie mit dem Grimm-Zentrum bereits eine solide Grundlage geschaffen. Denn Elite heißt auch: Unerwünschte Randgruppen werden ausgeschlossen. Zu denen gehören an der HU offensichtlich Menschen mit Behinderung. Die neue Unibibliothek ist in vielerlei Hinsicht nicht barrierefrei. Menschen im Rollstuhl wird die Nutzung der Bibliothek ebenso erschwert wie Menschen mit Seh- und Hörbehinderung.
Doch der Ausschluss von Menschen mit Behinderung kann nur der erste Schritt auf dem Weg zur Elite-Uni sein. Wir schlagen weitere Maßnahmen vor, um den Elite-Status der HU schon frühzeitig zu sichern. Schon jetzt ist die Zahl der Schließfächer geringer als die der Arbeitsplätze. Unwissende denken, dass sei ein dummer Rechenfehler. Wir finden: Hier gibt es noch Steigerungspotenzial und fordern deshalb noch weniger Schließfächer. Nur diejenigen Studierenden, die sich beim Kampf um ein Schließfach durchsetzen können, sind fit für die Tücken des Arbeitsmarktes – getreu dem Motto »Survival of the -fittest«.
Apropos »fit«: Als weitere Maßnahme sollten Menschen, die einen Body Mass Index von über 25 aufweisen, auf die Nutzung des Grimm-Zentrums verzichten. Diese Menschen haben Übergewicht und nehmen unnötig viel Platz in Anspruch. Selbstverständlich kann nach einem ausgiebigen Besuch des Unisport-Angebots die Bibliothek wieder genutzt werden.
Auch Menschen mit einer geringen Lesegeschwindigkeit sind dazu aufgefordert, sich von unserem Prachtbau fernzuhalten. Studierende mit Legasthenie oder einer Lesegeschwindigkeit von unter 700 Wörtern pro Minute erschweren die Lernbedingungen für die wissenschaftlichen Leistungsträger, indem sie Bücher unnötig lange in Beschlag nehmen und damit der gewünschten Arbeitseffizienz im Wege stehen. Oder wie wäre es mit der Idee, in Anlehnung an das 200-jährige Uni-Jubiläum nur noch 200 Studierende pro Tag in die Bibliothek zu lassen? Elite, wir kommen! Oder zumindest: manche von uns.
Margarete Stokowski
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