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Neue Saiten im Grimm-Zentrum Drucken E-Mail
Geschrieben von Ann-Kathrin Nezik   
Montag, 8. Februar 2010

Täglich bis zu 5.000 Nutzer, aber nur 1.250 Arbeitsplätze und noch weniger Garderobenschränke - das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, erst im Oktober vergangenen Jahres eröffnete Zentralbibliothek der Humboldt-Universität (HU), ist überlaufen. Jetzt hat die Bibliotheksleitung auf den Platzmangel und die Gaderobensituation reagiert - mit ungewöhnlichen Maßnahmen. 

Arbeitsplätze, die länger als eine Stunde lang unbenutzt bleiben, werden in Zukunft vom Bibliothekspersonal freigeräumt. Arbeitsmaterialien sollen in Tüten verstaut und neben die Tische gestellt, Laptops beiseite geschoben werden, so die Anweisung an die Mitarbeiter. Außerdem sind die Benutzer dazu aufgefordert, in eigens auf den Plätzen ausgelegten Formularen einzutragen, wann genau sie ihren Tisch verlassen.

Die Leseplätze in der ersten bis fünften Etage des Ostflügels sind in Zukunft ausschließlich HU-Angehörigen vorbehalten. HU-Studierende sollen ihren Studierendenausweis vor sich auf dem Tisch platzieren. HU-Mitarbeiter können an der Ausleihe einen Ausweis ausleihen und sollen diesen ebenfalls auf den Tisch legen. Bei externen Benutzern, die sich weigern, ihren Platz zu räumen, müsse im Zweifelsfall der Wachschutz geholt werden, heißt es dazu laut "Tagesspiegel" in der Anweisung an die Bibliotheksmitarbeiter. 

Außerdem soll ein Gaderobenservice auf dem Kubus auf der Ostseite des Gebäudes für eine Verbesserung der Gaderobensituation sorgen. Von 10 Uhr bis 24 Uhr werden dort Jacken und Taschen von Personal entgegen genommen. In der Gaderobe im Untergeschoss des Grimm-Zentrums gibt es zu wenige Schließfächer. Darüber hinaus ist eine große Zahl von Schränken zwar unbelegt, doch in ihnen stecken keine Schlüssel mehr, sodass sie unbenutzbar sind. Benutzer müssen derzeit teilweise lange auf einen freien Schrank warten. 

Die neuen Regelungen sollen ab heute umgesetzt werden.  

Kommentare
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Amras   |09.02.2010 09:34:49
Da wird sich das ohnehin schon überlastete Personal der UB sehr freuen! Und zu
einem angenehmen, konzentrierten Arbeitsklima in der Bibliothek wird das
sicherlich auch nicht beitragen.

Vielleicht hilft das Modell der Philologischen
Bibliothek der FU!? Erst einmal die Leute hereinlassen, die auch in den Fächern
die in der Bibliothek vertreten sind. Das würde beispielsweise die blockierenden
Juristenklüngel, die eine eigene große Zweigbibliothek haben (480 Plätze),
beseitigen.
Die Kontrolle sollte schon im Eingang passieren und nicht erst an
den Tischen. Denn hier wird sich gar nichts tun und spätestens nach mehrmaliger
Auseinandersetzung mit dem Wachschutz wird es zu Protesten, unschönen Szenen
und/oder Diskussionen kommen.
Bernhardt   |09.02.2010 09:54:23
Nach Fächern selektieren ist nicht sinnvoll. Es handelt sich um die zentrale
Universitätsbibliothek der HU, also sollten auch alle HU-Angehörigen diese
nutzen dürfen. Warum jedoch die Angehörigen von FHs und privaten
business-schools dort lernen müssen, dafür gibt es etwa ZLB, AGB und Stabi, ist
mir unbegreiflich. Somit würde ich den Zutritt für HU-Angehörige ermöglichen,
alle anderen dürften bspw. bei Forshcungsinteressen in den Forschungslesesaal
oder Literatur leihen, nicht jedoch die HU-Lese- und Lernplätze blockieren.
Amras   |10.02.2010 08:13:08
Nun, genau das wird ja seit Montag gemacht (aber von der Umsetzung nicht
unbedingt gut). Oder bist Du dafür, dass alle Lese-undLernplätze nur für
HU-Angehörige sind? Das würde nur sehr schwer, im Vergleich mit den
Zugangsbedinungen der anderen Berliner Universitätsbibliotheken, umsetzbar
sein.

Sinnvoll wären vielleicht einmal Zahlen zu den BenutzerInnen. Wieviel
sind extern, wieviele HU-Leute etcetera...
Bernhardt   |10.02.2010 09:42:33
Leider wird es eben nicht konsequent umgesetzt, denn es ist nicht sinnvoll, eine
simple Mauer durch die Bibliothek zu ziehen, die HU in den Osten, alle anderen
in den Westen. Weit logischer ist es, alle Leseplätze der Uni-Bibliothek grds.
für die HU-Angehörigen zu reservieren, und wenige Bereiche, so
Forschungslesesaal und einige zusätzliche Bereiche, für Externe, allerdings bei
nachgewiesenem HU-Forschungsinteresse, Recherchebedarf etc. Die HU ist hier auch
in einer besonderen Situation, mit ihrer extrem zentralen Lage und dem neuen
Gebäude zieht es geradezu alle an, die zentral wohnen und schlicht keine Lust
haben, in die Bibliotheken ihrer Universitäten zu fahren, eine Überlastung war
daher von vornherein abzusehen. Stattdessen sind in den anderen Bibiotheken nun
viele Plätze frei weil die Institutionen jetzt zum Lernen weit geringer genutzt
werden, s. etwa Stabi. Einzig logisch ist es somit, eine Uni-Bibliothek auch
vorrangig für die Uni-Angehörigen nutzbar zu halten, ansonsten kann man sie auch
in Stadtbibliothek umbennen oder gleich der ZLB übereignen.
Vincent   |10.02.2010 14:06:24
Die Zustände sind eine Katastrophe. Obgleich mit einem unschönen Gefühl im Magen
denke ich auch aufgrund der o.g. Punkte, dass die Universitätsbibliothek
langfristig Eingangskontrollen einführen muss und den Großteil der Kapazitäten
zu den Stoßzeiten eben auf die HU Studierenden begrenzt.
Völlig unverständlich
ist für mich, dass Herr Markschies (Vgl. Tagesspiegel) heute von der HU Homezone
zurückgerudert ist. Er sollte sich mit den Verhältnissen in der Bibliothek
einmal auseinandersetzen. Ich selbst habe gerade erstmal 10 Minuten auf ein
Schließfach gewartet und daraufhin 30 Minuten einen Arbeitsplatz gesucht -
vergeblich. Super Arbeitsbedingungen für HU Studierende, die mal zwischen
Veranstaltungen lernen wollen.
Charlotte   |17.02.2010 13:23:47
Das Grimm Zentrum behindert eher meine Arbeit, als dass es mir effizientes Texte
studieren ermöglicht. Wann immer man sich in die Bibliothek begeben muss wird
dies zur tagbestimmenden Tätigkeit. Lange Wartezeiten, bis man ein Schließfach
bekommt.(Inzwischen kriege ich richtig Hassgefühle gegen diese
Schlüssel-Mitnehmer) Keine Körbe oder Tüten um seine Utensilien zu verstauen.
Keine Arbeitsplätze natürlich. Nur Hocker und Gruppenarbeitsräume bleiben als
Notbehelfe übrig. Wieso müssen da auch lauter HU-Fremde leute hin? Eigentlich
ist es ja schön, wenn eine Bibliothek auch anderen Leuten offen steht, aber der
offensichtliche Missbrauch als Dauerarbeitsplatz lässt das nicht mehr zu!
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