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Wer am Freitag überrascht war beim Betreten des Foyers in der Dorotheenstraße 24, der muss die Wochen zuvor einigermaßen blind durch die Uni gelaufen sein. Zumindest, wer regelmäßig in einer der Berliner Mensen zu Mittag isst, konnte gar nicht umhin, zu bemerken, dass seine Servietten in diesen Tagen anders aussahen als gewöhnlich.
Nicht weniger als 160.000 literarisch bedruckte Servietten mit insgesamt vier Motiven hatten die HU-Studierenden Andreas Lipowsky, Corinna Egdorf und Pauline Piskaè in den beiden Wochen vor dem „Daneben“-Literaturfestival in Umlauf gebracht. „Die kurzen Texte sollten die Studierenden motivieren, uns ihre eigenen Arbeiten zu schicken“, erklärt Corinna Egdorf. Und das taten sie: Die selbst geschriebenen Texte aller Art wurden nun am Freitag im Foyer des Seminargebäudes am Hegelplatz gezeigt.
Auch wer serviettentechnisch gut informiert war, war am Freitagmorgen doch überrascht von der sommerlichen Atmosphäre, welche die flachen Liegestühle im Foyer umwehte. Die Sitzlage: sehr bequem, lud dazu ein, etwas zu trinken zu bestellen, bis ein ums andere Mal die Eingangstür aufgestoßen wurde und ein eisiger Luftzug den Sommer aus der Halle vertrieb. Nette Menschen auf der Bühne mit angenehmen Stimmen, in den Pausen ein junger Student mit verfremdeter Gitarre, Hintergrund-Percussion und dem klingenden Namen Guido Saremba.
„Das Festival soll auf neue Literatur aufmerksam machen“, sagt Pauline Piskaè. Deshalb auch die Eingangshalle, die üblicherweise eher als Durchgangszimmer fungiert. Hier sollten die Studierenden beim Eintreten innehalten und aufmerksam werden auf die Menschen, die dort auf der Empore saßen und ihre Prosa, Gedichte, ihre Szenen vortrugen. Doch war es mehr so, dass die von draußen hereinkommenden, lärmenden Studierenden die Lesenden in deren Rhythmus störten als umgekehrt.
Wer sitzen blieb, wurde zum Stammgast und belohnt mit Lesenden wie Isabella Vogel: einer Studentin, die mit lässiger Beiläufigkeit und gekonntem Wortwitz ihre freien Gedichte vorträgt mit Namen wie „Der Morgen nach dem Tod des Königs/ herbeigeführt durch eine Nordmanntanne, voilà!“
Es war ein gemischtes, studentisches Schriftstellervölkchen, das da die Bühne betrat und sich ausprobierte. Ähnlich wie bei einem Poetry Slam, aber ungezwungener, da ohne Gewinner und Verlierer.
Dass die Teilnahme unter anderem auch sehr praktische Gründe haben konnte, verrät Katharina Haase, Drehbuchstudentin an der Filmarche Berlin. Sie hatte vorher noch nie einen Prosatext zuende geschrieben. „Ich hatte schon mit dem Schreiben begonnen, als ich mich zur Teilnahme entschlossen habe. Der Termin war die beste Möglichkeit, sich selbst eine Deadline zu setzen.“
Das Thema Literatur soll auch nach Ende der Veranstaltung nicht von der Bildfläche verschwinden. „Wir hoffen auf eine Art Plattform für Literatur, die einen weiteren Austausch von Interessierten ermöglicht“, sagt Andreas Lipowsky, einer der studentischen Veranstalter. Dass das keineswegs utopisch ist, hat die hohe Beteiligung am „Daneben“-Festival nun gezeigt: Interesse ist da und ein Anstoß ist gegeben. Zu hoffen bleibt, dass die hochgesteckten Ziele nicht im Sand versickern.
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