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Berlinale 2010 - Frauenzimmer Drucken E-Mail
Geschrieben von Ann-Kathrin Nezik   
Montag, 15. Februar 2010
Prostituierte führen eine unterdrückte Existenz und verkaufen nicht nur ihren Körper, sondern ihre Seele gleich mit? Von wegen. Die Dokumentation "Frauenzimmer", Abschlussarbeit der Regiestudentin Saara Aila Waasner und in der "Perspektive deutsches Kino" im Berlinale-Rennen, zeichnet ein ganz anderes Bild des Berufs der Prostituierten.

Für die drei Protagonistinnen Karolina, Paula und Christel ist ihre Arbeit nicht weniger als ein Weg, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Alle drei sind jenseits der 50, zwei von ihnen haben erst im fortgeschrittenen Alter angefangen, als Huren zu arbeiten - freiwillig.

"Frauenzimmer" erzählt vom ganz normalen Alltag dieser drei Berlinerinnen. In diesem spielt die Prostitution bei Weitem nicht die wichtigste Rolle. Bordellbesitzerin Paula putzt erst Fenster und empfängt dann ihre Freier. Karolina und Christel sind Großmütter. Ihre Kinder haben kein Problem mit dem Beruf der Mütter.

Die drei sind ehrlich, klug, witzig. Einige ihrer Lebensweisheiten teilen sie mit dem Publikum: Wenn man einen Mann nicht am Gesicht erkenne, so erkenne man ihn doch immer an seinem Geschlechtsteil, sagt Paula. Prostitution als Emanzipation.

Obwohl "Frauenzimmer" ein Film über Sex ist, ist er an keiner Stelle pornografisch. Wenn die Frauen Sex mit ihren Freiern haben, hält Regisseurin Waasner auf die Deko in ihren Wohnungen. 

Und dennoch scheinen an einigen Stellen des Films seelische Verletzungen durch, besonders bei der bisexuellen Paula. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wurde sie einen DDR-Knast gesperrt. Dort wurde sie misshandelt und vergewaltigt. Das kompensiert sie heute, indem sie hypergewalttätige Horrorfilme schaut. Im Gegensatz zu ihren beiden Kolleginnen hat ihr Beruf für Paula nichts mit Selbstverwirklichung zu tun. Es geht ihr um Geld und Unabhängigkeit.

 

Deutschland, 2009

Regie: Saara Aila Waasner

"Frauenzimmer" ist noch auf an folgenden Tagen auf der Berlinale zu sehen:

Montag, 15. Februar, um 13 Uhr im Colosseum 1

Montag, 15. Februar, um 20.30 Uhr im Cinemaxx 1

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