Die Dokumentation "Exit Through The Gift Shop" ist
vielleicht 20 Minuten gelaufen, da drängt sich die Frage auf: Was ist das hier
eigentlich, wenn nicht eine große Farce? Aber von vorne. Thierry Guetta,
ein französischer Einwanderer, der in Los Angeles ein Klamottengeschäft
besitzt, hält alles in seinem Leben mit seiner Kamera fest. Absolut alles. Als
er davon erfährt, dass sein Cousin Teil einer neuen Underground-Bewegung ist,
der Street-Art, bekommt seine Obsession plötzlich einen Sinn. Thierry wird zum mit
der Videokamera bewaffneten Schatten der Street-Art-Szene. Er dokumentiert, wie
die Künstler Häuserwände und Mauern bei ihren nächtlichen Streifzügen zu ihren
Leinwände machen.
Nur an einen kommt Thierry nicht
heran: Banksy, den Helden der Szene, der mit demolierten Telefonzellen und
Skulpturen von Guantanamo-Häftlingen, die er in Disneyland aufstellt, für
Aufsehen sorgt. Der Mann ist ein Phantom. Durch einen mehr als wundersamen
Zufall lernt Thierry schließlich doch den Meister kennen und der fasst überraschenderweise
schnell Vertrauen zu dem schrägen Franzosen.
Im Stile einer bierernsten
BBC-Dokumentation erzählt der Film "Exit Through The Gift Shop", der
im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz läuft, die Geschichte einer
Kunstbewegung zwischen Underground und Kommerz. Street-Art-Künstler Banksy ist
dabei nicht nur einer der Protagonisten, sondern auch der Regisseur des Films.
Zur Berlinale ist er nicht gekommen - schließlich hält er auch im wahren Leben
seine Identität geheim. In einem kurzen Videostatement wendet er sich vor dem
Film an die anwesenden Journalisten: "Exit Through The Gift Shop"
solle für die Street-Art-Bewegung nicht weniger werden als "Karate
Kid" für den Kampfsport.
Anzunehmen, dass dies genauso
wenig ernst gemeint ist, wie der Film eine Tatsachendokumentation ist. Jedes
Detail ist auf pseudo-authentisch getrimmt und gleichzeitig gnadenlos
überspitzt und ironisiert: der krasse französische Akzent, wenn Thierry
Englisch spricht, die Akkordeon-Musik, wenn er im Heimaturlaub ist, die extrem
verwackelte Kamera. Was ist gestellt, was nicht? Gibt es Thierry wirklich? Mit
jeder Minute lässt der Film die Fragezeichen größer werden.
Der wahre Münchhausen des Films
ist denn auch nicht Banksy, sondern Thierry. Denn am Ende wird er ganz ohne Talent
zum gefeierten Star der Street-Art-Szene, indem er gnadenlos kopiert und
zitiert, sogar den König des Referentiellen, Andy Warhol. So liefert "Exit
Through the Gift Shop" ganz nebenbei seinen eigenen Kommentar zu den
aktuellen Diskussionen um Plagiate und Originalität von Kunst.
Großbritannien, USA 2009
Regie: Banksy
Auf der Berlinale noch zu sehen
an folgenden Terminen:
Montag, 15. Februar, um 15 Uhr im
Friedrichstadtpalast
Montag, 15. Februar, um 20 Uhr im
Urania
Sonntag, 21. Februar, um 17.30
Uhr im Berlinale-Palast
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