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Wer mal wieder einen überzeugt feministischen Film sehen will, dem sei "Eine flexible Frau" empfohlen, der deutsche Beitrag von Tatjana Turanskyj in der Kategorie "Forum". In ihrem Spielfilmdebut stellt die Regisseurin dem modernen Frauenbild eine alternative Frauengestalt gegenüber, die mit aller Kraft versucht, sich anzupassen, dabei aber trotzig ihre Selbstachtung bewahren will. Sie muss in jeder Hinsicht kläglich scheitern.
Diese "flexible Frau" heißt Greta M. (Mira Partecke). Sie ist vierzig Jahre alt und auf der Mitte ihres Lebens an einem Punkt angelangt, an dem für sie alles verloren scheint. Als Architektin gekündigt, selbst im Callcenter rausgeflogen, ohne Kontakt zu ihrem Ex-Mann und mit nur wenig mehr zu ihrem pubertierenden Sohn, sucht sie in einem kapitalistischen und modernen Berlin nach etwas, das ihr Halt geben kann. Anfangs noch voller Hoffnung, begreift sie immer mehr, dass ihre Erfahrung und Talent nicht viel bringen, solange sie nicht, wie es ihr Bewerbungscoach ausdrückt, "parieren" und "funktionieren", sich "in ein Team einfügen" kann.
Freunde, die sie noch aus der Studienzeit kennt, haben sich verändert, vor allem die Frauen. Sie sind sesshaft geworden, erfüllte Muttis auf Teilzeit, Zuverdienerinnen, Beispiele der modernen Frau, wie Turanskyj sie sieht. In ihrem Anpassungswillen wird Greta M. doch immer wieder von diesem Bild abgeschreckt. Sie fängt an zu trinken, häuft Schulden an, tanzt und weint sich in wilden Bildern durch die Großstadt Berlin, was mehr einem wirren Gefühl gleicht als einer geordneten Geschichte.
Für Tatjana Turansky ist die moderne, emanzipierte Frau nur eine Illusion, eine oberflächliche, leicht zu durchschauende Hülle. Ausnahmen dieser Erscheinung gibt es kaum, nur eine hölderlinverliebte alte Dame bricht einmal die festgefahrenen Fronten auf. Die Theorie liefert hier ein feministischer Stadtführer und Internetblogger (Bastian Trost), der immer eingeblendet wird, wenn mal wieder eine schlagwortartige Untermalung vonnöten scheint.
Oft ähnelt das Drama mehr einem Kammerspiel als einem ausgereiften Film, es ist schwer zu sagen, ob dieser verfremdende Effekt beabsichtigt ist oder nicht. Die Schauspieler sind schwer zu fassen, reden oft überdeutlich artikuliert, spielen nicht authentisch. Zu überzeugen versucht der Film trotzdem, und zwar von der politischen Meinung seiner Regisseurin. Ihr erster, siebenminütiger Kurzfilm nennt sich übrigens " Emanzipation".
Deutschland, 2010
Auf der Berlinale ist der Film noch an folgenden Tagen zu sehen:
Donnerstag, 18. Februar um 16:15 im CineStar
Freitag, 19. Februar um 20 Uhr im Kino Arsenal
Samstag, 20. Februar um 16:30 Uhr im Delphi Filmpalast
Sonntag, 21. Februar um 20 Uhr Collosseum
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