Eigentlich ist „How I ended this summer“ ungeeignet für
eine Vorführung im Kino. Denn während im Saal getuschelt und geknistert wird,
geht es auf der Leinwand vor allem um Isolation und Einsamkeit in der
russischen Arktis.
Der Zuschauer wird in Tschukotka, dem nordöstlichsten
Zipfel Russlands ausgesetzt. In einer unwirtlichen Tundra-Gegend arbeiten zwei Männer
in einer Wetterstation: der ältere Sergei und Pavel, der zum ersten Mal an
diesem Ort ist. Die unterschiedlichen Charaktere führen dabei zu Situationen,
wie es sie auch in Wohngemeinschaften geben kann: Während Sergei die Einsamkeit
sucht und dabei regelmäßig die Messungen der antiquierten Instrumente per Funk
durchgibt, sucht Pavel, stets mit mp3-Player unterwegs, das Abenteuer und
vertraut den Computer-Messdaten. Als Sergei die Station zum Fischen verlässt,
erhält Pavel eine wichtige Nachricht für ihn und verschläft die Messungen. Er
zeigt sich nicht in der Lage, Sergei die beunruhigenden Neuigkeiten zu sagen und
mit dessen Vorwürfen umzugehen und verstrickt sich Ausflüchte, Schuldgefühle
und Angst.
Alexei Popogrebsky, Regisseur und Autor, vertraut seinen
beiden einzigen Charakteren und sie tragen den Film auf eine sehr berührende
Weise. Ihre Geschichten und Motivationen bleiben zum großen Teil im Dunkeln und
so stehen sie mit ihrer Komplexität und ihren widersprüchlichen Gefühlen im
Mittelpunkt. Unterstützt werden sie dabei von der dritten Hauptdarstellerin: ihrer
Umgebung. Die Station selbst ist nicht mehr rustikal, aber noch nicht verfallen
und nicht weit entfernt steht eine radioaktive Boje. Und über all der
Einsamkeit und Stille liegt immer wieder ein Rauschen: das des Meeres und die
Geräusche der Funkanlage, der einzigen Verbindung zur Außenwelt.
Im Verlauf des
Handlung rückt die Landschaft selbst mehr und mehr in den Mittelpunkt – der
kalte scharfe Stein und dichter Nebel ebenso wie die wechselnden Farben des
Himmels und dahin gleitende Eisschollen – sie alle gehören zu dem, was in den
Figuren passiert. Man muss dem Film dankbar sein, dass er nicht versucht,
Erklärungen und Lösungen dafür anzubieten, sondern die Protagonisten in ihrem
Stolz und ihrer Verletzbarkeit bei sich lässt.
Und wenn der Film vorbei geht, dann hat er auch eine
Einsamkeit im Zuschauer ausgelöst, ganz losgelöst von den vielen Menschen, die
wieder tuscheln und knistern.
Dieser Film läuft auf der Berlinale noch an folgenden Tagen:
Donnerstag, 18. Februar um 15:00 Uhr im Friedrichstadtpalast
Donnerstag, 18. Februar um 22:30 Uhr in der Urania
Sonntag, 21. Februar um 18:15 Uhr im Friedrichstadtpalast
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