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„Ich wollte einen Film über arme Menschen machen“, sagt Regisseur Babak Najafi. Damit meint er nicht jene armen Menschen in armen Ländern, die morgens nicht wissen, ob sie den Abend erleben werden, sondern er meint die armen Menschen, wie es sie in reichen Industrienationen mit einem sicheren sozialen Netz gibt. Arme Menschen, wie es sie in Schweden zum Beispiel gibt.
Der 14-jährige Sebastian, kurz Sebbe, und seine Mutter Eva sind solche armen Menschen. Sie nagen nicht am Hungertuch, aber weite Sprünge machen sie von dem mageren Lohn fürs Zeitungaustragen auch nicht. Das Moped zum Beispiel, das sich Sebbe zum 15. Geburtstag wünscht, liegt in weiter Ferne. Überhaupt ist irgendeine Art von Geburtstagsgeschenk nichts, was Sebbe erwartet. Stattdessen bastelt und schraubt er viel an kaputten Dingen, die er auf dem Schrottplatz sammelt.
„Sebbe“ ist aber nicht nur ein Film über arme Menschen, sondern wie die beiden Hauptdarsteller während des Gesprächs deutlich machen, auch über unfreiwillige Trennungen, auch über Nähe, über die Beziehung, die Mutter und Sohn zueinander haben. Bei Sebbe und Eva ist das eine besonders schwierige Beziehung. Sebbe kann sich an den Vater kaum noch erinnern, aber seine Mutter sieht dem Mann, der sie verlassen hat, täglich in Form von Sebastian ins Gesicht. Das und den Frust über die anstrengenden Nachtschichten spült sie schon mal in einem Gläschen runter. Da sind Spannungen zwischen ihr und Sebbe vorprogrammiert. Aber als Sebbe mit einer selbstgebauten Bombe im Klassenzimmer steht, droht die ganze Situation zu eskalieren.
Der Film aus der Sektion Generation 14plus bleibt die ganze Zeit sehr nah an seinem jugendlichen Hauptdarsteller. Die schauspielerische Leistung von Sebastian Hiort af Ornäs ist umso beeindruckender, wenn man sich vor Augen führt, dass es seine erste Rolle ist. Regisseur Najafi hat ihn in Stockholm gefunden, als er alle Schulen nach einem passenden Sebastian durchkämmte. Der Film bleibt – nicht zuletzt wegen ihm – noch lange nach dem Kinobesuch im Gedächtnis.
Schweden, 2010
Auf der Berlinale ist der Film noch zu sehen:
Samstag, 20. Februar um 17 Uhr im Kino Babylon
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