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Auf dem studentischen Gegengipfel entlädt sich vor allem Unmut über den fast ergebnislosen Ausgang der Bologna-Konferenz. Doch auch selbstkritische Stimmen werden laut.
Der studentische Gegengipfel zur Nationalen Bologna-Konferenz hat am Montag, 17. Mai, im Audimax der Humboldt-Universität (HU) stattgefunden. Obwohl der Akademische Senat einen Dies Academicus beschlossen hatte, zu dem alle Lehrveranstaltungen entfielen, beteiligten sich nur rund 150 Studierende an der offenen Diskussionsveranstaltung. Der Gegengipfel war von Bildungsstreik-Aktivisten aus Protest gegen die Bedingungen und die Tagesordnung der von Bildungsministerin Schavan initiierten Konferenz einberufen worden. Zentrale Forderungen des Bildungsstreiks seien gar nicht erst auf die Tagesordnung gelangt und die Dauer der Konferenz von versprochenen zwei Tagen auf drei Stunden zusammengekürzt worden. Zudem seien mehrere Wirtschaftsvertreter eingeladen worden, während die Studierenden nicht annähernd die Hälfte der Teilnehmer stellen konnten, so die Begründung in der Ankündigung des Gegengipfels.
Nach einer Live-Übertragung der Konferenz sollten daher im Audimax Auswertungen und Ergebnisse diskutiert werden. Geladen war dazu - neben anderen Experten - der Politik-Professor Peter Grottian von der FU Berlin. Dieser kritisierte in seiner Rede zunächst heftig Schavans „inhaltsleere Zuckerwatte-Veranstaltung“, um anschließend allerdings auch intensive Selbstkritik an der Bildungsstreik-Bewegung zu üben, an der sich Grottian von Beginn an beteiligt hatte. So müsse die geringe Beteiligung am Gegengipfel ein Alarmzeichen sein. Der Bildungsstreik sei aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden und die studentische Beteiligung nur noch gering. Der Politik müsse daher wieder „kräftig ans Schienbein getreten werden“ - im Zweifelsfall mit „Eiern und Tomaten“, so Grottian wörtlich. Auch die nachfolgende Diskussion war von selbstkritischen Stimmen bestimmt. „Schavan hat uns doch verarscht!“ erregte sich eine Aktivistin aus dem Plenum. „Wir dürfen uns nicht mehr zum Feigenblatt von solchen politischen Show-Kongressen machen lassen!“
Die Nationale Bologna Konferenz war von Schavan als Gesprächsangebot nach den Bildungsprotesten im vergangenen Herbst einberufen worden. Die Zusammenkunft am Montag in Berlin verlief aus studentischer Sicht allerdings nahezu ergebnislos: Diskutiert wurden lediglich die Themenfelder Arbeitsmarkt und Mobilität. Als einzige Bildungsstreik-Forderung war die Abschaffung der Anwesenheitspflicht beschlossen worden – doch auch dies nur unter Vorbehalt „begründeter Ausnahmen“. Die studentischen Vertreter des Bildungsstreik-Bündnisses und des SDS verließen unter Protest vorzeitig die Konferenz. „Wir haben damit klar gemacht, dass wir diese Veranstaltung für eine Farce halten“ erklärte der Aktivist Ben Stotz später dem Plenum im Audimax.
Erörtert wurde in der Diskussion auf dem Gegengipfel deshalb hauptsächlich, mit welchen Konzepten in Zukunft wieder Studierende mobilisiert und die Ziele der Bildungsstreik-Bewegung vorangebracht werden könnten. Dabei richteten sich die Blicke besonders auf den 9. Juni: Für dieses Datum ist die nächste Großdemonstration des Bildungsstreik-Bündnisses geplant.
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