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Frust nach der Schavan-Show Drucken E-Mail
Geschrieben von Patrick Hansen   
Montag, 17. Mai 2010

Auf dem studentischen Gegengipfel entlädt sich vor allem Unmut über den fast ergebnislosen Ausgang der Bologna-Konferenz. Doch auch selbstkritische Stimmen werden laut.


Der studentische Gegengipfel zur Nationalen Bologna-Konferenz hat am Montag, 17. Mai, im Audimax der Humboldt-Universität (HU) stattgefunden. Obwohl der Akademische Senat einen Dies Academicus beschlossen hatte, zu dem alle Lehrveranstaltungen entfielen, beteiligten sich nur rund 150 Studierende an der offenen Diskussionsveranstaltung. Der Gegengipfel war von Bildungsstreik-Aktivisten aus Protest gegen die Bedingungen und die Tagesordnung der von Bildungsministerin Schavan initiierten Konferenz einberufen worden. Zentrale Forderungen des Bildungsstreiks seien gar nicht erst auf die Tagesordnung gelangt und die Dauer der Konferenz von versprochenen zwei Tagen auf drei Stunden zusammengekürzt worden. Zudem seien mehrere Wirtschaftsvertreter eingeladen worden, während die Studierenden nicht annähernd die Hälfte der Teilnehmer stellen konnten, so die Begründung in der Ankündigung des Gegengipfels.

Nach einer Live-Übertragung der Konferenz sollten daher im Audimax Auswertungen und Ergebnisse diskutiert werden. Geladen war dazu - neben anderen Experten - der Politik-Professor Peter Grottian von der FU Berlin. Dieser kritisierte in seiner Rede zunächst heftig Schavans „inhaltsleere Zuckerwatte-Veranstaltung“, um anschließend allerdings auch intensive Selbstkritik an der Bildungsstreik-Bewegung zu üben, an der sich Grottian von Beginn an beteiligt hatte. So müsse die geringe Beteiligung am Gegengipfel ein Alarmzeichen sein. Der Bildungsstreik sei aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden und die studentische Beteiligung nur noch gering. Der Politik müsse daher wieder „kräftig ans Schienbein getreten werden“ - im Zweifelsfall mit „Eiern und Tomaten“, so Grottian wörtlich. Auch die nachfolgende Diskussion war von selbstkritischen Stimmen bestimmt. „Schavan hat uns doch verarscht!“ erregte sich eine Aktivistin aus dem Plenum. „Wir dürfen uns nicht mehr zum Feigenblatt von solchen politischen Show-Kongressen machen lassen!“


Die Nationale Bologna Konferenz war von Schavan als Gesprächsangebot nach den Bildungsprotesten im vergangenen Herbst einberufen worden. Die Zusammenkunft am Montag in Berlin verlief aus studentischer Sicht allerdings nahezu ergebnislos: Diskutiert wurden lediglich die Themenfelder Arbeitsmarkt und Mobilität. Als einzige Bildungsstreik-Forderung war die Abschaffung der Anwesenheitspflicht beschlossen worden – doch auch dies nur unter Vorbehalt „begründeter Ausnahmen“. Die studentischen Vertreter des Bildungsstreik-Bündnisses und des SDS verließen unter Protest vorzeitig die Konferenz. „Wir haben damit klar gemacht, dass wir diese Veranstaltung für eine Farce halten“ erklärte der Aktivist Ben Stotz später dem Plenum im Audimax.

 

Erörtert wurde in der Diskussion auf dem Gegengipfel deshalb hauptsächlich, mit welchen Konzepten in Zukunft wieder Studierende mobilisiert und die Ziele der Bildungsstreik-Bewegung vorangebracht werden könnten. Dabei richteten sich die Blicke besonders auf den 9. Juni: Für dieses Datum ist die nächste Großdemonstration des Bildungsstreik-Bündnisses geplant.

 

Kommentare
Neuer Kommentar
Thomas   |17.05.2010 21:57:13
Ein PR-event des Schwachsinns, die Dummheit und Manipulierbarkeit der Politiker
ist wirklich nicht mehr zu ertragen, inzwischen sind sie nahezu alle
unglaubwürdig. Anstatt allein wieder 150 Milliarden Euro in eine Währung zu
pumpen, die wir nicht brauchen, könnten wir damit das Bildungssystem einmal
komplett sanieren, was für die Menschen im Land weit existenzieller ist.

Was
dieser Modulunsinn mit den Auszubildenden macht, denn Studenten gibt es heute
nicht mehr, sieht man anhand der geschilderten Psychoprobleme der
Bolognagepeinigten:
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/150/500416/text/

Auch die Techniker
wollen ihren Diplom Ingenieur behalten, absolut nachvollziehbar, denn die neuen
Bolognamodule taugen durchweg nichts:
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/337/509468/text
Andrea   |18.05.2010 13:35:28
Treffen mit Frau Schavansinn "Ausser Spesen nichts gewesen":
http://www.fzs.de/show/233375.html
Jerome   |19.05.2010 01:09:42
Auch die Lehrbeauftragten leiden an diesem kranken Bildungssystem,
"Uni-Sklaven, vereinigt euch!"
http://www.zeit.de/2010/13/C-Unisklaven

"Warum die Unis nicht mit Klagen,
Verfassungsbeschwerden und Demonstrationen überzogen werden? Warum
Privatdozenten nicht die Hörsäle anzünden? Weil jene Gelehrte Einzelkämpfer sind
und sich für ihr kümmerliches Dasein ohne Entgelt und Rechte schämen. Sogar
viele ihrer Studenten wissen nichts davon. Und so beugen sie sich weiter unter
die Knute und treiben als brave Arbeitssklaven die Mühlräder universitärer Lehre
und Forschung an.

Helmut Pape ist außerplanmäßiger Professor für Philosophie an
der Universität Bamberg, lebt aber hauptsächlich von seinem
Weinversandhandel"
Class   |21.05.2010 08:59:15
Wer wissen will, wo die Bildungsfeinde sitzen, der lese aktuell zu Roland Koch
und seiner Mischpoke "Bundesrat offenbar gegen BAföG-Erhöhung"
http://www.tagesschau.de/inland/bafoegerhoehung100.html
Helios   |24.05.2010 22:47:09
Die Bildungsproteste gehen weiter, denn obwohl die Anti-Bildungspolitiker das
Desaster ihres miserablen und falschen Handelns nun konstant zur Kenntnis nehmen
müssen, wurde noch keine der Hauptforderungen der klugen und engagierten
Studierenden und Lehrenden umgesetzt.

"Der Bildungsstreik geht weiter! Am
9. Juni bundesweit und dezentral mit Demonstrationen und Streiks in vielen
Städten.

In Berlin: 12 Uhr, Rotes Rathaus

Aufruf zum Bildungsstreik 2010

Wir
rufen alle Bildungsstreikbündnisse und Unterstützer_innen dazu auf, die
Bildungsproteste in diesem Jahr mit neuen Aktionen auszuweiten.

Im vergangenen
Sommer demonstrierten in über 100 Städten 270.000 Menschen, v.a. Schüler_innen,
Studierende, Auszubildende, Erwerbstätige, Erwerbslose und Gewerkschafter_innen,
gemeinsam gegen die unzumutbaren Zustände im Bildungssystem. Nicht nur in
Europa, sondern auch auf allen anderen Kontinenten der Welt gab es
Bildungsproteste. Schließlich wurden allein in Deutschland im Herbst über 80
Bildungseinrichtungen besetzt, an einem dezentralen Aktionstag waren über 85.000
Menschen auf der Straße."

Mehr Infos auf:
http://web191.srv7.sysproserver.de/hu/2010/05/23/9-juni-bildungsstreik-demo-in-b
erlin

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