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Kontroverse um Olbertz-Habilitation Drucken E-Mail
Geschrieben von der Unauf-Redaktion   
Sonntag, 23. Mai 2010

Der zukünftige HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz pflegte in der Vergangenheit einen Ruf als Gegner des DDR-Regimes. Seine Habilitationsarbeit erzählt eine andere Geschichte.

Erst vor drei Wochen wurde der amtierende Kultusminister von Sachsen-Anhalt zum Präsidenten der Humboldt-Universität Berlin gewählt und wartet nun bereits mit einem Skandal auf, wie der Spiegel berichtet. 1989 schrieb der heute 55-Jährige in seiner Habilitation, als Marxist sei es wichtig, "sich nicht nur mit den Positionen Andersdenkender beziehungsweise des (potentiellen) Gegners auseinanderzusetzen, sondern … zugleich Positionen und Absichten des Arbeiterkampfs erkennen zu lassen." Gegenüber dem Spiegel verteidigte sich Olbertz, der heute keiner politischen Partei angehört. Man könne seine Arbeit nicht nach den heutigen Maßstäben der Wissenschaft beurteilen.

Der DDR-Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk von der Birthler-Behörde sieht das anders. Dem Spiegel sagte er: "Offenbar unbeeindruckt von den Entwicklungen der DDR in den achtziger Jahren legt er eine marxistisch-leninistische Propagandaschrift vor, die einzig und allein der Stützung und Stabilisierung der SED-Herrschaft dient." Die Sprache klänge, als käme sie direkt aus dem ZK der SED (Regierung der DDR, Anm. der Redaktion).

In der Vergangenheit hatte Olbertz seine kritische Einstellung gegenüber dem Unrechtsregime betont. So sagte er der Welt: "Wir durften als Zwölfjährige bereits mit dem Vater gemeinsam Westnachrichten im Fernsehen verfolgen."

Zum Spiegel-Text

Kommentare
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Chris   |25.05.2010 22:06:13
Da hat sich die HU mit Olbertz ja wieder mal selbst ein Kuckucksei ins Nest
gesetzt. Das Ganze klingt für mich nach unwissenschaftlicher und unkritischer
Angepasstheit, erst zum Thema Marxismus, jetzt zum Thema Bologna, das ist dann
zwar auch konsequent, obgleich weiß Gott nicht wünschenswert...
Gerd  - naja   |26.05.2010 14:20:01
Der Mann wollte 1988 habilitieren. In seinem Feld war das ohne positiven Bezug
auf den Marxismus-Leninismus schlichtweg aussichtslos.
Mensch könnte ihm jetzt
vorwerfen, dass er nicht den wissenschaftlichen Märtyrertod gestorben ist, aber
das finde ich ehrlich gesagt aus der heutigen Warte ein wenig vermessen. Nachher
ist mensch immer schlauer.

Ich würde es ja begrüßen, wenn wir einen
marxistischen Präsidenten bekämen, aber da hat Olbertz ja in den letzten Jahren
klar gemacht, dass das nicht der Fall ist.

Olbertz kann mensch aus vielen guten
Gründen kritisieren, diese Geschichte ist aber keiner davon.
Mil   |26.05.2010 20:19:56
Der Witz ist doch nicht, dass er sich "marxistisch-leninistisch"
geäußert hat, sondern dass er immer erzählt hat, er habe im WIDERSTAND gelebt...


Der Spiegel-Artikel zeigt das noch etwas deutlicher. Angeblich soll Olbertz
auch auffällig viel marxistische Zitate gestreut haben - mehr als nötig gewesen
wäre.

Dass man in der DDR nur regimetreu promovieren konnte, ist klar... Nur
Olbertz' Aussagen über seine Vergangenheit machen ihn unglaubwürdig.

Wer weiß,
wenn Bologna mal tot ist, vielleicht sagt er dann, er war auch immer dagegen?
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