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Das wahre Afrika Drucken E-Mail
Geschrieben von Konstantin Sacher   
Dienstag, 1. Juni 2010

Lachende Menschen auf der Ladefläche eines Pickups, jubelnde Massen in die Fahnen ihres Landes gehüllt, trommelnde Fans und lachende Kinder. So stellt sich der Fernsehzuschauer das Afrika von heute vor. Die Fußball-WM 2010 kommt bestimmt und hat uns in Werbespots von Sportunternehmen und oberflächlichen Berichten ein Bild von Afrika ins Haus gebracht - ein Bild, das sehr weit von der Wirklichkeit entfernt scheint. Ganz anders die Fotografien von Julian Röder.

Julian Röder zeigt Lagos, die größte Stadt Nigerias. Wer vor den Bildern steht, kann sich der Wirklichkeit nicht verschließen. Sie zeigen nicht mehr, aber auch nicht weniger, und das ist in einer Stadt wie Lagos, in der unzählige Menschen in Slums leben und alles für einen Mitteleuropäer in unglaublichem Chaos zu versinken scheint, schon allerhand. Eine Straße (oder sind es mehrere?), an der unzählige ausrangierte US-amerikanische Schulbusse stehen und auf ihre Fahrgäste warten. Diese stehen oder laufen zwischen den Bussen hin und her, telefonieren, bewegen sich sicher in einer Umwelt, die von Unsicherheit nur so strotzt. Will man hier leben? Nein, wahrscheinlich nicht, aber auch, wenn man selbst nicht dort leben will, die Stadt lebt und entwickelt sich zu einer der größten Städte Afrikas, auch ohne, dass man in Europa allzu viel davon mitbekommt.
Röders Fotografien sind wie die seiner 17 Kollegen der Berliner Agentur für Fotografen „Ostkreuz“ im Zuge der Ausstellung „Ostkreuz. Die Stadt“ im C/O Berlin zu sehen. Hierfür haben die 18 Fotografen über einen längeren Zeitraum 22 Städte fotografiert.
Dawin Meckel ist nach Detroit gereist. Eine einst stolze Stadt, in der die Straßenkreuzer Amerikas produziert wurden und das Herz der Autoindustrie schlug. Heute ist die Innenstadt verlassen. Leere Häuser, zugemauerte Läden, geisterhaft. Wer die Bilder Meckels von Detroit sieht, bekommt ein beklemmendes Gefühl. Wie kann das sein, warum lebt da niemand mehr? Die Antwort ist, dass alle in die Randbezirke der Stadt gezogen sind. Dort ist es grüner und sicherer. Aber, so schreibt der Fotograf in seinem Text, der wie bei jeder der 22 Städte zu den Arbeiten gegeben wird, einförmig und schrecklich langweilig.
Die Ausstellung ist ästhetisch, lehrreich, stimmt nachdenklich und einfach gut. Wegen der Nähe zum HU-Campus Mitte eine gute Gelegenheit für Kunst nach der Uni.


C/O Berlin. Postfuhramt
Oranienburger Straße 35/36 10117 Berlin www.co-berlin.de
Täglich von 11 bis 20 Uhr noch bis zum 4. Juli 2010

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