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News UnAufgefordert Nr. 147 Drucken E-Mail
Geschrieben von der UnAuf-Redaktion   
Dienstag, 1. Juni 2004
Juniorprofessorin befördert
Erstmals hat eine Juniorprofessorin den Sprung auf eine ordentliche Professur geschafft. Claudia Kemfert übernahm im Mai eine C4-Professur an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität. Daran gekoppelt ist die Leitung des Bereiches Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Ins-titut für Wirtschaftsforschung in Berlin. Die 35-Jährige lehrte seit 2002 als Juniorprofessorin an der Universität Oldenburg. Die Juniorprofessur, für die keine Habilitation notwendig ist, war im selben Jahr durch ein Bundesgesetz ermöglicht worden, um die wissenschaftliche Ausbildung zu vereinfachen und zu beschleunigen. Die Gesetzesänderung ist sehr umstritten, da viele einen Verfall der Lehre befürchten. In Bayern, Sachsen und Thüringen wurden keine Juniorprofessuren eingerichtet.

HU will GmbH gründen
Die Humboldt-Universität (HU) plant die Gründung einer eigenen GmbH. Wie HU-Pressesprecherin Angela Bittner erklärt, soll sie beim Aufbau von Uni-Unternehmen behilflich sein. Im letzten Jahr war die Zahl derartiger universitärer Firmengründungen, so genannter Ausgründungen, zurückgegangen. Die HU selbst hatte nur zwei Ausgründungen zu verzeichnen und bildete damit unter den Berliner Hochschulen das Schlusslicht. Die Freie Universität kam hingegen auf 30. Insgesamt waren 2003 aus den Berliner Universitäten 46 Firmen entstanden, 21 weniger als im Jahr zuvor.

Drei, zwei, eins, Känguru
Das Naturkundemuseum der Humboldt-Universität versteigert Patenschaften für seine Exponate inzwischen bei Ebay. Das ist Teil einer Aktion, mit der das Museum seit Februar versucht, seine leeren Kassen aufzufüllen. Als Patenkinder steht eine Vielzahl ausgestopfter Tiere zur Verfügung. Das Museum gehört mit 25 Millionen Exponaten zu den bedeutendsten naturhistorischen Sammlungen der Welt. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist Patenonkel eines Wombats, eines australischen Beuteltieres. Die Ebay-Auktion findet einmal monatlich mit dem »Patenkind des Monats« statt. Ein »Rotes Riesenkänguru« kam dabei im Mai für 223 Euro unter den Hammer. »Sicher hätten wir uns für das Känguru höhere Gebote gewünscht«, bekennt Museumssprecherin Anke Michaelis im Tagesspiegel. Die gesamte Aktion brachte bislang rund 220.000 Euro ein.

Mehr Profil für Frauen
Die Berliner Universitäten wollen Nachwuchswissenschaftlerinnen gezielt fördern. Vom Januar 2005 an wird von der Humboldt-Universität, der Freien Universität und der Technischen Universität das Programm »ProFIL« angeboten: »Professionalisierung für Frauen in Forschung und Lehre«. Es richtet sich an promovierte oder habilitierte Wissenschaftlerinnen und Juniorprofessorinnen. Die Teilnehmerinnen werden ein Jahr lang einzeln betreut und durch Seminare beispielsweise auf das Berufungsverfahren für eine Professur oder andere Karrieremöglichkeiten vorbereitet. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni.
Info-Veranstaltung: 21. Juni 2004, 18 Uhr, HU-Hauptgebäude, Raum 3119.

TU wird Männeruni
Die Technische Universität (TU) wird bis 2009 vor allem im geistes- und wirtschaftswissenschaftlichen Bereich sparen. Die Geisteswissenschaften, bei denen 25 Professuren wegfallen, sollen ihre Ausbildung auf technische und naturwissenschaftliche Fragen ausrichten. Die TU spricht laut »Tagesspiegel« von einer Rückkehr zu ihrer Kernkompetenz als technische Hochschule. Nebeneffekt dieser Politik: Der Frauenanteil an der TU wird deutlich abnehmen. Denn Studentinnen sind an der TU vor allem in den Geisteswissenschaften vertreten. Wie berichtet stellt die TU massiv Studiengänge ein (vgl. UnAufgefordert Nr. 146). Zum Wintersemester fallen zahlreiche Lehramtsstudiengänge weg, auch einige Magister-, Diplom- und Aufbaustudiengänge sind betroffen. Ab dem Wintersemester 2005/06 wird für Studienanfänger statt eines Magistertitels nur noch der Abschluss als Bachelor oder Master möglich sein. Hintergrund sind die vom Berliner Senat beschlossenen Einsparungen im Hochschulbereich. Der Etat der TU für die Jahre 2006 bis 2009 wurde um 30 Millionen Euro gekürzt.

Bibliotheken heiraten
Die Bibliotheken der Technischen Universität und der Universität der Künste werden zum Wintersemester zusammengelegt. Gemeinsames Domizil wird die »Volkswagen-Universitätsbibliothek«, ein neuer Komplex in der Fasanenstraße 88. Es werden jedoch nicht alle Sammlungen zentralisiert, sondern einige Zweigbibliotheken erhalten bleiben. Ab Mitte Juni werden die betroffenen Abteilungen geschlossen. Die neue Bibliothek soll Mitte Oktober öffnen.
www.ub.tu-berlin.de
www.ub.udk-berlin.de

Nachwuchs in Dahlem-Dorf
»Arts and Media Administration« heißt ein neuer Master-Studiengang an der Freien Universität (FU). Das Fach wechselt zum kommenden Wintersemester von der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« an die FU. Die Diplom-Studierenden der Musikschule können mit der aktuellen Studienordnung nach Dahlem wechseln. Auch das Lehrpersonal dieses Studienganges findet an der FU Aufnahme, darunter die Berliner Politiker Christoph Stölzl und Monika Grütters (beide CDU).

Pubertierende Kommilitonen
Demnächst gesellen sich zu den Langzeitstudierenden auch Studenten im Stimmbruch: Ab dem kommenden Wintersemester können auch Schüler/innen Scheine an den Unis machen. Das ermöglicht die Novelle des Berliner Schulgesetzes. Sie sieht vor, dass Hochbegabte nach elf Jahren das Abitur ablegen und bereits parallel zur Schule Lehrveranstaltungen an den Universitäten besuchen können. Voraussetzung ist unter anderem ein Intelligenzquotient von mindestens 130. Erworbene Leistungsscheine werden ihnen bei einem späteren Studium anerkannt. »Individualisierung von Bildungsgängen« nennt Schulsenator Klaus Böger (SPD) das Modell.

Regieren will gelernt sein
Berlins Hochschullandschaft soll Zuwachs bekommen: die Hertie School of Governance sowie die Humboldt Viadrina School of Governance. Vorbilder sind dabei die Pariser Kaderschmiede »Science Po« und die »London School of Economics«. Die neuen Einrichtungen sollen der zukünftigen Elite das Regieren beibringen. Derzeit brauchen sie jedoch selbst erst einmal Hilfe: Beide Projekte kommen nur schleppend voran. Die Hertie School, deren Träger die Hertie-Stiftung ist, will ihren Sitz im ehemaligen Staatsratsgebäude am Schlossplatz nehmen, doch das ist derzeit noch eine Baustelle. Es ist geplant, ab Herbst 2005 erst einmal mit einem Master of Public Policy zu starten. Die Humboldt Viadrina School im November 2003 als Kooperation zwischen der HU und der Europauniversität Viadrina in Frankfurt/Oder ist noch in der Planung.

Aufwärmphase fürs Studium
Die Uni Hamburg richtet eine einjährige Kollegstufe zur Vorbereitung auf das Studium ein. Das berichtet der »UniSpiegel«. Damit will die Uni ab dem Wintersemester 2005/06 Abiturienten wissenschaftliches Arbeiten und die verschiedenen Studiengänge nahe bringen. Ziel dieses Vorlaufs zum Studium ist es, die Zahl der Studienwechsler und -abbrecher zu verringern. Die Jungstudenten müssen sich lediglich auf eine der drei groben Studienrichtungen festlegen: Naturwissenschaften, Geistes-, Sprach- und Kulturwissenschaften oder Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Lehrkörper sind Dozenten oder Tutoren, die neben Fachwissen vor allem auch Arbeits- und Lerntechniken vermitteln.
Die Uni Hamburg rechnet jährlich mit rund 4.000 bis 5.000 Bewerbern. Wie viele davon zugelassen werden, steht noch nicht fest.

Bafög-Rasterfahndung
Mehr als 40.000 Schüler und Studenten haben in den Jahren 2000 und 2001 zu viel Bafög erhalten. Das meldet die dpa. Bereits 160 Millionen Euro sind deshalb in den letzten zwei Jahren in die öffentlichen Kassen zurückgeflossen. Seit Anfang 2002 führen die Bafög-Ämter einen Datenabgleich mit den Finanzämtern durch. Es geht dabei um die Zinsfreistellungsaufträge. Anhand derer kann das Amt zurückrechnen, wie viel Vermögen der Auszubildende hat. Stellt sich dabei heraus, dass er bei der Antragstellung – bewusst oder unbewusst – Vermögen verschwiegen hat, muss er den Überschuss zurückzahlen. Vielen Studierenden ging dabei die gesamte Bafög-Förderung verlustig.

Draht nach oben
Unter Mitwirkung von Theologie-Studierenden der Humboldt-Universität ist die Internetseite mailgebet.de ins Rollen gekommen. Dieser Online-Service wird im Wesentlichen von fünf Studierenden verschiedener Konfessionen, die sich Anfang des Jahres zusammengetan haben, angeboten. Die angemeldeten Nutzer bekommen jeden Tag ein Gebet per E-Mail zugeschickt. Die Gebete schreiben die Studierenden meist selbst. Zu den mittlerweile mehr als 2.000 Nutzern zählen auch Politiker und hohe Geistliche aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Die Idee war, so einer der Initiatoren, den Menschen eine tägliche Zwei-Minuten-Auszeit zu bieten. Interessierte können die täglichen Gebete einsehen unter: www.mailgebet.de.

Ärzte ohne Praktikum
Für Medizinstudenten fällt zum 1. Oktober das »Arzt im Praktikum« (AiP) weg. Die 18-monatige Ausbildungsphase war bislang notwendig, um nach dem Studium die Approbation, also die Zulassung als Arzt, zu erhalten. Das AiP war 1988 eingeführt worden, um das Medizinstudium praxisnäher zu gestalten. Es stand jedoch stets in der Kritik, vor allem wegen der schlechten Bezahlung. »Durch die neue Approbationsordnung wird die Ausbildung der Ärzte praxisnäher, wir brauchen daher den ›Arzt im Praktikum‹ nicht mehr«, erklärte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Mediziner, die bereits im AiP sind, erhalten zum 1. Oktober automatisch die ärztliche Zulassung.
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