| Einleitung
Thomas Wegmann
I.
Auch wenn der Name Benjamin mittlerweile
zu einer Art Mantra geworden ist, wenn es darum geht, die
Widersprüche und Widrigkeiten ästhetischer Moderne zu entfalten,
soll er hier am Anfang stehen - und das (auch) aus einem
pragmatischen Grund: Das Titelbild des vorliegenden Bandes
ist letztlich ihm zu verdanken - genauer gesagt einer Rezension,
die er 1926 in der Literarischen Welt publizierte.(1) Ohne
diese Rezension wäre der Herausgeber wohl kaum auf den Band
Prochainement ouverture...de 62 boutiques littéraires (1925)
mit den schönen Illustrationen von Henri Guilac gestoßen.
Deswegen und weil man kaum besser in das Thema ‚Markt. Literarisch'
einführen kann, sei Benjamins Rezension hier ausführlich
zitiert:
"Hat nicht der Dichter wirklich vom Kaufmann
mehr als man wahr haben will - mehr als bisweilen vom Produzenten?
Ohne Zweifel gibt es deren genug, die da als großer oder
kleiner Händler uralte, edle Stoffe oder modische neue unter
die Leute bringen und noch dazu den ganzen Apparat des Kaufmanns,
das werbende Vorwort und die Schaufensterdekoration der
Kapitelchen, das servile ‚Ich' hinterm Ladentisch und die
Kalkulationen der Spannung, die Sonntagsruhe hinter jedem
sechsten Einfall und das kassierende Inhaltsverzeichnis
beanspruchen. Die Schriftsteller aber haben bei solcher
Betrachtung mehr zu gewinnen als von einer Mystik der Produktion,
die meistens dem Budiker entspricht. Das alles steht nicht
in dem Buch, von dem es gilt […]: Henri Guilac hat es gezeichnet,
Pierre Mac Orlan es eingeleitet und Simon Kra es verlegt.
Die Bildseiten stellen 62 französische Dichter vor ihrem
imaginären Kaufladen dar. Hier würde nun jeder Deutsche
eine fulminante Satire erwarten. Ihn zu enttäuschen ist
an diesem Buch das Pariserische. Denn diese Blätter, durchweg
mit der Hand, sehr sauber und sehr leuchtend koloriert,
haben eine Gutherzigkeit, die sie beinah für alle 62, die
davon betroffen werden, zu einem reinen Vergnügen macht.
Sie stehen in Erwartung ihrer Kunden vor der Tür, sehen
durchs Ladenfenster oder beugen sich über die Theke. Wie
einleuchtend aber, daß niemand erscheint." (2)
Märkte und Kaufläden sind auf den ersten
Blick pragmatische Orte. Für Benjamins zweiten Blick sind
es aber auch melancholische und charmante Orte, zumal wenn
es um die imaginären Kaufläden von Dichtern geht: melancholisch,
weil Überfluss und Mangel bei ihnen offenbar so nahe beieinander
liegen, weil es immer zu viele Waren und zu wenig Kunden
gibt; charmant, weil Waren und Verkäufer, Werk und Autor
sich dort auf ihre je eigene Weise inszenieren - und erst
in ihrer Inszenierung ihre Wahrheit preisgeben. Denn weder
Gebrauchs- noch Tauschwert sind hier entscheidend, sondern
jener spezifisch moderne Ausstellungswert, der eine Schaulust
evoziert, die ohne Film und Fotografie, ohne Schaufenster
und Plakate nicht vorstellbar ist - und vice versa. Zugleich
erinnern die literarischen Marktschreierbuden daran, dass
alles Dichten auch verkauft sein will, ohne dass Dichter
damit zwangsläufig käuflich wären.
II.
Während etwa die moderne Bildende Kunst
- zumindest in einigen ihrer Spielarten - die eigene Warenförmigkeit
längst zum Gegenstand der Reflexion und Ästhetik gemacht
hat, tun sich Literatur und die sie begleitenden Instanzen
und Institutionen mit dem Markt nach wie vor schwer. (3)
Nicht anders als paradox erscheint denn auch der Stellenwert
des Marktes, wenn es um die Genese und Entwicklung einer
Literatur geht, deren Autoren durch prozentuale Beteiligungen
an den am Markt verkauften Exemplaren honoriert und gleichzeitig
unter strenger Missachtung des Marktes von Literaturkritik
und -wissenschaft nobilitiert, kritisiert und kanonisiert
werden. Doch auch dieses Paradox hat seine Gründe und Hintergründe.
Einer von ihnen, und ein zentraler zudem, besteht in einem
Wandel der Eigentumsverhältnisse am Text, wie er sich um
1800 allmählich abzeichnet: Die für diese Veränderung entscheidende
Argumentation setzt ein mit der Behauptung, dass der Verleger,
der ein Buch verkauft, nicht alles verkauft, sondern ein
Recht am Buch zurückbehält. Eingedämmt werden sollte damit
die Flut der unerlaubten Nachdrucke. Doch im Verlauf der
Diskussion wird das Prinzip der unvollständigen Veräußerung
auf den Autor übertragen. Dabei verbleibt das Eigentum an
der Form der Gedanken unveräußerlich auf Seiten des Autors,
was auch immer mit dem konkreten Manuskript geschieht. Folglich
wird der Verleger durch den Kontrakt mit dem Autor nicht
länger zum Eigentümer der Werke. Er kauft nicht ein für
allemal ein Manuskript, sondern erwirbt lediglich eine vertraglich
festgelegte Lizenz zum Drucken, Vertreiben und Verkaufen.
Formuliert ist mit solchen Überlegungen, an denen Johann
Gottlieb Fichte mit seinem Beweis der Unrechtmässigkeit
des Büchernachdrucks (1793) entscheidenden Anteil hat, nichts
weniger als das bis dato unbekannte Paradigma eines geistigen
Eigentums.(4) Erst im Zuge dieses gleichermaßen ästhetisch
wie ökonomisch und juristisch ausgefochtenen Prozesses verwandelt
sich die Enklave gelehrter Literalität allmählich in moderne
Autorschaft. (5) Doch die Freiheiten des freien, das heißt:
potenziell für einen anonymen Markt und ein anonymes (Lese-)
Publikum produzierenden Schriftstellers gehen einher mit
neuen Abhängigkeiten: Das Schreiben gegen Geld wird nicht
selten zur ökonomischen Notwendigkeit - und zum ästhetischen
Verdachtsmoment. Entsprechend hat die Literaturwissenschaft
bis dato das Verhältnis ihres Gegenstands zum Markt - von
Ausnahmen abgesehen - entweder als ein kunstfernes ignoriert
oder als eines von einseitiger Abhängigkeit traktiert, der
sich etwa die zwiespältige Dichotomisierung von hoher und
niederer Literatur (6) verdankt. Folglich wird dem Markt
weniger die Tatsache zugeschrieben, dass erst durch ihn
die Literatur in Deutschland um 1800 allmählich aus feudalen
Abhängigkeiten und Gelehrtenrepubliken entlassen wurde,
sondern die offenbar leidige Konsequenz, dass Literatur
damit allenfalls eine gegenüber dem Markt im doppelten Sinne
immer wieder zu behauptende Freiheit, mehr noch aber eine
neue Abhängigkeit gefunden hat.
Auf der anderen Seite kommt gerade in
Zeiten, da sich die Wirtschaft der Gesellschaft zunehmend
spezialisiert und in ihren Strukturen und Abläufen - zumindest
für Nicht-Ökonomen - auch abstrakter erscheint, (7) der
Markt in der Literatur wieder zu Ehren als ein Ort, an dem
sich das Verhältnis von Anthropologischem und Sozialem,
Ökonomischem und Ästhetischem noch einmal verdichten lässt.
So fand und erfand Peter Handke erst unlängst in seiner
viel geschmähten Winterlichen Reise ausgerechnet im vom
Krieg gebeutelten Serbien und fern der globalen Marken-
und Medienwelt in "truthahngroßen Suppenhühnern" und "märchendicken
Flußfischen" die urtümlichen bis üppigen Reize des Marktes
und darin wiederum ein Signum des Humanen. (8) Während mithin
der globale Markt etwa an der Börse oder im Internet Tauschvorgänge
virtualisiert, werden auf Marktplätzen und Bazaren bis heute
Handel und Wandel nicht nur sprichwörtlich, sondern bisweilen
berückend konkret - und zumindest bei Handke auch zauberhaft
eigentlich.
Der Markt steht so zum einen für einen
figurativen, räumlich und zeitlich begrenzten Topos, an
dem unterschiedlichste Waren ge- und verkauft werden. In
diesem Sinne sind Märkte Vereinfachungen, denen selbst das
Schriftmedium seine Entstehung vor rund 5000 Jahren verdankt,
weil es ebenda der Fixierung ökonomischer Informationen
diente. (9) Zum anderen bezeichnet der Markt als symbolisch
abgeleiteter Begriff ein komplexes, im weitesten Sinne selbst
organisiertes Wirtschaftsgeschehen, das durch Anonymität
und Egalität sowie eine diffus unterstellte Gleichzeitigkeit
von Instrumentalisier- und Unkontrollierbarkeit auch bedrohlich
wirken kann. So fungiert der Markt gleichermaßen als Ort
und als dessen Gegensatz, als "Nicht-Ort" (Marc Augé).
In der Literatur nehmen Märkte und Marktplätze
spätestens seit dem 18. Jahrhundert eine signifikante Stellung
ein (10) - und das in mehrfacher Hinsicht. Dabei ist vor
allem zu berücksichtigen, dass Literatur in Deutschland
seit dieser Zeit immer weniger in der Lage ist, Märkte und
Marktgeschehen teilnahmslos zu beobachten oder allgemein
als Allegorie auf die Wechselfälle und Eitelkeiten menschlichen
Lebens zu bedichten, wie dies noch im Barock mit dem Topos
des Jahrmarkts geschah. Statt dessen wird der Markt allmählich
selbst zu einem gewichtigen Bestandteil des literarischen
Systems. In nuce lässt sich dieser Wandel einer weniger
bekannten Gelegenheitsdichtung des jungen Goethe ablesen:
Die erste Fassung, 1774 unter dem Titel Das Jahrmarkts-Fest
zu Plundersweilern erschienen, mehr noch die zweite, 1781
unter dem Titel Das Neueste von Plundersweilern erarbeitete
Fassung greifen das tradierte Jahrmarkt-Motiv zwar auf,
wandeln es aber nicht von ungefähr zu einer Satire auf den
zeitgenössischen Literaturbetrieb ab. (11) Die allgemeinen
Eitelkeiten des Jahrmarkts werden so - von der ersten zur
zweiten Fassung nachhaltig gesteigert - zu einem ganz speziellen
Jahrmarkt der Eitelkeiten, nämlich dem der Literatur und
des Literaturbetriebs. Dabei wird der Markt nicht mit dem
Literaturbetrieb in eins gesetzt, doch dient er diesem immer
häufiger als spottender Spiegel oder mahnende Abgrenzungsgröße.
Literatur beobachtet den Markt - und ist selbst Teil des
Marktes geworden, wie auch in E.T.A. Hoffmanns Erzählung
Des Vetters Eckfenster (1822), die ihre Ästhetik nicht zufällig
am Rande und mit Hilfe der Zufälle eines Marktes entwickelt.
Indes kompensiert der Kaufakt als marktrelevanter
Tauschvorgang Unkenntnis durch Vertrauen, etwa durch das
Vertrauen des Käufers gegenüber dem Verkäufer. Wenn sich
ab Mitte des 19. Jahrhunderts lokale Märkte durch neue Transport-
und Kommunikationstechnologien mehr und mehr zu nationalen
oder sogar transnationalen Märkten erweitern, sich also
Käufer und Produzent immer seltener gegenüberstehen, versucht
eine moderne Markenkultur, eine neue Art des Vertrauens
und der Verlässlichkeit zu konstituieren. Sie imitiert gerade
in ihren Anfängen das Verkaufsgespräch und kompensiert so
die fehlende Face-to-face-Kommunikation zwischen Produzent
und Kunde. Markenartikel suggerieren dem Käufer, ohne weitere
Prüfung genau die Ware zu bekommen, die er verlangt hat
- weitgehend unabhängig von Kaufzeit und -ort. Indem sie
solchermaßen Produkte und die Erfahrung mit ihnen medialisieren,
lassen sie ältere Formen von Warenkunde und Kennerschaft
obsolet werden: Sie inszenieren Geschichten, auch wenn diese
letztlich auf Markennamen und -logos reduziert sind. An
die Stelle der zeitaufwändigen Begutachtung einzelner Güter
tritt so die Begutachtung von Medien, von Namen, Texten
und Bildern, die Wiedererkennung von Mustern und Images.
Wiewohl Literaturwissenschaft bis heute auf einer eher traditionellen
Form von ‚Warenkunde' besteht, wenn sie eine Textkenntnis
zu vermitteln sucht, die nicht vorschnell vom Geschriebenen
auf den Schreibenden schließt, werden Autorennamen zumindest
auf dem Buchmarkt längst als Marken behandelt: Wie bei allen
Kaufakten von Markenartikeln ist es ein Vertrauensvorschuss
und ein Prüfungsdefizit, das die Kunden etwa zum "neuen
Grass" greifen lässt. Denn moderne Literatur findet - und
das lange vor Grass - in einem Medienverbund statt, der
es erlaubt, am Literaturbetrieb und am Buchmarkt zu partizipieren,
ohne die entsprechenden Bücher gelesen zu haben. Stattdessen
wurde und wird rezipiert, was Zeitungen und Zeitschriften,
später auch Rundfunk und Fernsehen über Autoren und ihre
Werke berichten. Im Extremfall übernimmt dabei das Buch
die Rolle eines Merchandising-Artikels, den man erwirbt,
aber nicht mehr zwangsläufig liest, um all dessen habhaft
zu werden, was man zuvor bereits über Rezensionen, Vorabdrucke
und Interviews erfahren hat. Namentlich jene Sachbücher,
deren Inhalte sich ohne große Reibungsverluste auf einige
spektakuläre Thesen, griffige Formeln und einleuchtende
Argumentationsfiguren reduzieren lassen, die dann wiederum
vor und bei Erscheinen des Buches von anderen Medien massiv
verbreitet werden, wie jüngst im Fall von Götz Alys Studie
über Hitlers Volksstaat (2005) geschehen, müssen sich die
Frage gefallen lassen, ob diese semantische Reduzierbarkeit
nicht von vornherein Teil ihres (Marketing-)Konzepts gewesen
ist: das Buch als käufliches Surrogat von gebündelter Dauer
im ver- und zerstreuten Media-Mix-Infotainment. (13)
III.
Vor diesem knapp skizzierten Hintergrund
unternehmen es die folgenden Beiträge, ohne Anspruch auf
Vollständigkeit, einzelne Aspekte des vielschichtigen Verhältnisses
von Literatur und Markt genauer zu untersuchen - und damit
gleichzeitig Potenziale einer Literaturwissenschaft aufzuzeigen,
die den Markt weder glorifiziert noch verteufelt, sondern
als das nimmt, was er seit langem (auch) ist: ein Umschlagplatz
für Literatur genauso wie ein Motiv in literarischen Texten
und eine Herausforderung jedweder Kunstautonomie, deren
historische Genese er als Exklusionsbewegung umgekehrt doch
erst ermöglichte. Am Anfang stehen dabei allgemeine Überlegungen
zum Verhältnis von Ästhetik und Ökonomie: Kunst als Sachwalterin
des Singulären, Ästhetik wiederum als ihre theoretische
Abgrenzung gegenüber bloßer Nützlichkeit und Kommerzialität?
Dass diese traditionsreiche Differenz längst ihre normative
Gültigkeit eingebüßt hat, zeigt RAINER LESCHKE in seinem
grundlegenden Beitrag: An Bedeutung habe sie verloren, weil
Ästhetik heute nicht mehr allein zwischen Kunst und Nicht-Kunst
unterscheide, sondern sich zunehmend von überholten ästhetischen
Modellen distanziere und dabei auch Grenzüberschreitungen
in Kauf nehme: "Wenn die Grenzfälle die Regel werden - und
das ist seit der Auflösung der Differenz der Fall -, dann
hat das betreffende Modell offensichtlich an Ordnungsleistung
eingebüßt." Geblieben sei indes die Form des Unterschiedes
selbst, ein Unterschied, der seine Orientierung dann nur
noch in sich selbst finden könne. Wenn Modernisierungsprozesse
und das Prozessieren von Zeichen zunehmend identisch werden,
konstituiert und reflektiert die ästhetische Theorie genau
das: die Expansion des Ästhetischen in die Alltagswelt,
an der die Literatur der Moderne ebenso teil hat wie sie
sich davon abgrenzend ausdifferenziert. WERNER WUNDERLICH
geht anschließend weiter zurück, indem er das literarische
Schicksal des so wirkmächtigen und oft beschworenen homo
oeconomicus an zwei populären Stoffen verfolgt, zum einen
an der Märchenfigur Hans, zum anderen an literarischen ‚Milchmädchenrechnungen',
die erstmals zu Beginn des 13. Jahrhunderts auftauchen:
Eine Frau ist mit ihrer Milch unterwegs zum Markt. Sie rechnet
sich aus, wie sie den Erlös in florierende Unternehmungen
reinvestieren und so immer weiter steigende Profite erzielen
wird. Unachtsam geworden, verschüttet sie jedoch ihr Handelsgut
- und ihre Rentabilitätshoffnungen verrinnen buchstäblich.
Als ‚Milchmädchenrechnung' präsentieren auch Lalebuch (1597)
und Schiltbürger (1598) sowie Fabeln von Lafontaine, Gleim
oder Michaelis diese Vision, die scheitert, ehe sie umgesetzt
werden kann. Diese chimärischen Überlagerungen von Tausch
und Täuschung, Preis und Profit ist auch für die Märchenfigur
Hans relevant. Denn Glücklichsein infolge wunschloser Zufriedenheit
kann auch als einfältig gelten, wie diese Geschichte ungünstig
verlaufender Tauschhändel verdeutlicht. Hansens Selbsttäuschung
lässt nämlich außer Acht, dass sein Glück für ihn die Art
und Weise ist, wie er die Welt sieht, aber nicht, wie diese
eingerichtet ist: ein vermeintlicher homo oeconomicus zwar,
aber einer, der stolz und stultus zugleich ist.
Um den Markt als Motiv in literarischen
Texten, aber auch um die Positionierung von Autoren zwischen
Kunstautonomie, Broterwerb und Kommerzverdacht geht es in
der zweiten Tranche der Beiträge. Eröffnet wird diese -
wie könnte es anders sein - mit einem Beitrag über Johann
Wolfgang Goethe. Der hatte rückblickend im 12. Buch von
Dichtung und Wahrheit die Lage der deutschen Schriftsteller
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wie folgt skizziert:
"Die Produktion von poetischen Schriften
[…] wurde als etwas Heiliges angesehn, und man hielt es
beinah für Simonie, ein Honorar zu nehmen oder zu steigern.
[…] Demungeachtet war unter den deutschen Autoren eine allgemeine
Bewegung entstanden. Sie verglichen ihren eignen, sehr mäßigen,
wo nicht ärmlichen Zustand mit dem Reichtum der angesehenen
Buchhändler, sie betrachteten, wie groß der Ruhm eines Gellert,
eines Rabener sei, und in welcher häuslichen Enge ein allgemein
beliebter deutscher Schriftsteller sich behelfen müsse,
wenn er sich nicht durch sonst irgend einen Erwerb das Leben
erleichterte." (12)
Das eigene Leben konnte Goethe durch
verschiedene Einkünfte erleichtern, war also nicht angewiesen
auf die Honorare seiner schriftstellerischen Arbeiten. Dennoch
- oder gerade deswegen - entwickelte er, so NORBERT CHRISTIAN
WOLF in Anlehnung an die Feld-Theorie von Pierre Bourdieu,
das Konzept einer doppelten Ökonomie, nach dem symbolisch
gewinnt, wer ökonomisch verliert. Die zentralen Kriterien:
Kunstautonomie und Nachhaltigkeit. Damit erfand er explizit
gegen den Markt ein Geschäftsmodell, das sich zumindest
langfristig und aufs Ganze gesehen auch ökonomisch durchaus
rechnen sollte. Jenseits schnell verkäuflicher Bestseller
eröffnete er so - ob gewollt oder ungewollt - dem Literaturmarkt
ein neues Segment, das in der heutigen Buchhandelssprache
mit Begriffen wie ‚Backlist' oder ‚Longseller' belegt wird
und zumindest für bestimmte Verlage Jahr für Jahr einen
beträchtlichen Teil des Umsatzes ausmacht.
Kaum ein Autor wiederum hat über einen
so langen Zeitraum und mehrere Perioden hinweg als Künstler
und Kritiker so unverblümt dem literarischen Markt zugearbeitet,
sich an diesem aber auch hartnäckig abgearbeitet, wie Ludwig
Tieck. Mit 21 Jahren brach er das Studium ab, um sich als
freier Schriftsteller durchzuschlagen. Arno Schmidt nannte
ihn wegen seiner Gabe, auch ohne eigenes Geld ein luxuriöses
Leben zu führen, "ein Pumpgenie" . In seinem Beitrag zeigt
HENNING HERRMANN-TRENTEPOHL anhand zweier Texte zentrale
Marktstrategien Tiecks auf: Die Merkwürdige Lebensgeschichte
Sr. Majestät Abraham Tonelli (1796), am Beginn seiner literarischen
Laufbahn geschrieben, ist ein typisches Beispiel dafür,
wie Tieck es schon früh immer wieder gelang, auch unter
ökonomischen Zwängen Texte zu schaffen, die den Markt zwar
bedienen, aber zugleich beträchtliches subversives Potential
entfalten. Die Novelle Der Jahrmarkt aus dem Jahre 1832,
ein Werk aus der letzten Schaffensperiode des Autors, macht
dann den Markt, als Abbild der Gesellschaft, selbst zum
Schauplatz und Thema macht und dabei nicht nur eine Erfolgsgeschichte
des symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums Geld
beschreibt, sondern auch die Verfallsgeschichte eines anderen
sozialen Systems und seines Mediums, nae;mlich der Religion
und des Glaubens.
Der Markt als figurativ begrenzter Schauplatz
ist auch das Zentrum von E.T.A. Hoffmanns letzter noch zu
Lebzeiten publizierter Erzählung. Durch Des Vetters Eckfenster
beobachten zwei Vettern - der eine davon einstmals ein erfolgreicher
Schriftsteller - aus erhöhter Position das Marktgeschehen,
und der Kommunikationswissenschaftler GERT VOWE beobachtet
sie beim Beobachten. Die literarischen Beschreibungen des
Marktes dienen ihm als Ansatzpunkte für ein Modell des öffentlichen
Raumes: Literatur als Hypothese. Dies verdeutlicht er am
Kern eines kommunikationswissenschaftlichen Erklärungsmodells,
nämlich am Akteurskonzept - das ist der Begriff, den man
sich von den kommunikativ Handelnden macht.
Den Verquickungen von Ökonomie und Individualität,
Markt und Selbst-Interesse in Gottfried Kellers Roman Der
grüne Heinrich widmet sich FRITZ BREITHAUPT. Seine Lektüre
beider Fassungen arbeitet den Wandel in diesen Verhältnissen
heraus - und kommt zu dem Ergebnis, dass der Roman zwar
auch von der Ausdifferenzierung der verschiedenen Systeme
etwa von Kunst und Ökonomie erzählt, dabei aber gleichzeitig
- gegenwärtig höchst aktuell - auch die Gefahr einer Entgrenzung
der ökonomischen Sphäre konstatiert. Die Antwort auf diese
Entgrenzung der Ökonomie im späten 19. Jahrhundert ist eine
Aufwertung des reinen Ichs, das sich nicht nur im Reich
der Fiktionen als einer der großen Gegenspieler des homo
oeconomicus etabliert. Geahndet wird folglich ökonomisches
Verhalten, wenn es etwa in die Sphären der Liebe oder der
Moral importiert wird. Dort agiert es, entsprechend der
Optik des späteren 19. Jahrhunderts, als unerwünschter Fremdkörper.
Die ökonomischen Strategien in der Autorschaftskonzeption
von Hermann Broch untersucht BERND BLASCHKE und kommt dabei
zu dem Ergebnis, dass Brochs Darstellung und Bewertung des
Marktes nicht zuletzt eine Frage der Gattungsästhetik ist.
Auf der einen Seite insistiert Broch darauf, dass der Waschzettel
für die Schlafwandler unbedingt die Parallele zu James Joyce
enthalten müsse, womit er bewusst für Ruhm und Ehre statt
für breiten Markterfolg optiert. Auf der anderen Seite geht
Broch aber seines privaten Vermögens in der Weltwirtschaftskrise
weitgehend verlustig und sieht sich genötigt, durch seine
schriftstellerische Arbeit Geld zu verdienen. So schreibt
er - heute fast vergessene - Theaterstücke, in denen sich
die Handlung stets (tragisch oder komisch) um das Geldverdienen
in schwierigen Umständen dreht. Er versucht also, ökonomischen
Erfolg ausgerechnet dadurch zu erzielen, dass er die Ökonomie
selbst zum Thema machte. Der Markt indes wollte ihm soviel
Selbstreflexivität bzw. Beobachtung zweiter Ordnung nicht
recht danken - ebenso wenig wie die an Joyce geschulte Ästhetik
seiner Romantrilogie.
Der dritte Teil des Bandes nimmt einen
zentralen Aspekt moderner Märkte, nämlich die Werbung, genauer
in den Blick, weil diese "Kunst, sich bekannt zu machen"
(Guy de Maupassant) seit ihren professionellen Anfängen
im 19. Jahrhundert nicht nur ihrerseits massiv Anleihen
bei der Literatur nahm, sondern gerade in ihrer medialen
Praxis, Artefakte des schönen Scheins zu produzieren und
dabei gleichzeitig Aufmerksamkeit zu fokussieren, von einer
Literatur in der Medienkonkurrenz so kritisch wie affirmativ
beobachtet wurde und wird.
Ein wichtiges Scharnier für die Interaktion
von Literatur und Werbung bildet die Markenkultur - und
dies seit ihren Anfängen und in mindestens zweierlei Hinsicht,
wie THOMAS WEGMANN in seinem Beitrag zeigt: Zum einen signalisiert
die Markenkultur seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts
einen grundlegenden Wandel in der kulturellen Wissensformatierung,
die - etwa von Friedrich Nietzsche - als Substitution einer
gründlichen Produktkenntnis wahrgenommen wurde. Zum anderen
fungiert diese Diskussion über Reklame, wie sie sich in
bis dato von der Forschung kaum beachteten Essays und Feuilletons
vor allem aus den 1920er Jahren niederschlägt, mit Blick
auf die Literatur als typische Stellvertreterdiskussion:
Was im Bereich der Güter und Waren die Markenartikel destruieren,
leistet auf dem Gebiet der Literatur das Paradigma der Information
und der Typus des Informierten: Der Informierte liest keine
Bücher, statt dessen liest er Theaterkritiken und Rezensionen,
Verlagsprospekte und Annoncen, kurz: eine Menge Paratexte.
Ähnlich wie der moderne Konsument die Warenkenntnis an die
Markenkultur delegiert, delegiert der Informierte seine
Literaturkenntnisse an den Literaturbetrieb. All das trägt
mit dazu bei, dass Autorennamen wie Markennamen fungieren
und gerade für nichtprofessionelle Leser Komplexität reduzieren.
Dem Prinzip der Markenbildung, des Brandings,
gehorcht dann auch explizit jene Strategie, die der Verlag
Philipp Reclam jun. für seine 1927 gestartete Prosa-Reihe
Junge Deutsche einschlug und die von JAN BRANDT genauer
untersucht wird. Brandts Beitrag zeigt nicht nur, wie sehr
moderne, bildgestützte Marketingmethoden Ende der 1920er
Jahre bereits Einzug in den Literaturbetrieb gehalten haben;
er zeigt auch, dass der Markt nicht nur in der Lage ist,
Literatur an eine allgemeine bürgerliche Öffentlichkeit,
also potenziell an alle zu vermitteln, sondern dass und
wie durch Marketing dieser Markt wieder segmentiert, also
nach bestimmten Produkten und Zielgruppen, Generationen
zum Beispiel, aufgeteilt wird. Ähnliches beobachtet etwa
zur gleichen Zeit auch Hans Samter in der Literarischen
Welt bei einer mehrtägigen Lesereihe im Kaufhaus Karstadt
am Berliner Hermannplatz:
So war denn auch deutlich fühlbar ein
ständiger Wandel des Publikums. Als z. B. Ernst Toller seine
von glühendem Ernst und dichterischem Pathos getragenen
Worte seinen Hörern ins Gesicht schleuderte, saßen zu seinen
Füßen vorwiegend junge Proletarier. Vicki Baums Plaudereien
[…] lauschten Damen in Pelzmänteln, Egon Erwin Kischs sachlicher
Reportage aus Hollywood mehr Intellektuelle linksgerichteter
Kreise, zu denen er selbst gehört. Und als Hans Ostwald
aus seinen Sammlungen Berliner Geschichten und Zille-Anekdoten
vorlas, saß neben mir ein alter Mann, der aussah wie die
Verkörperung des Großvaters Koblank aus Erdmann Graesers
schönem Buch. (15)
Vom Autor als Marke, die im real existierenden
Literaturbetrieb bestimmte Zielgruppen anspricht, zu den
Markennamen als Teil eines literarischen Realismus: Dem
zuletzt genannten Aspekt widmet sich MORITZ BASSLER im Spannungsfeld
von Syntagma und Paradigma aus dem strukturalistischen Textmodell
von Roman Jakobson. Dabei skizziert er drei typische Verhältnisse
von literarischen Syntagmen und kulturindustriellen Paradigmen.
Letzteres fasst er nicht als codehaft-virtuell, sondern
ganz konkret als material gegebenes auf und schlägt so einen
Bogen von Fundstellen in Texten Wolfgang Hilbigs und Peter
Handkes mit ihrer Semiotik der Vermeidung von Markennamen
(1) über ein Gedicht von Rolf Dieter Brinkmann, in dem der
Markenname Persil nicht nur ein reales Produkt aufruft,
sondern auch metaphorisch für ein (politisch) verdächtiges
Sauberkeitsbedürfnis der Bundesrepublik in den späten 1960er
Jahren steht (2), bis zu Thomas Meineckes Musik - ein Text,
der sich nicht über seine (von Marken geprägte) Kultur stellt,
sondern mitten in sie hinein und damit die sprachliche Teilnahme
und Teilhabe an dieser (Massen-)Kultur signalisiert (3).
Wie diese Massenkultur ihre Marken bewirbt,
untersucht wiederum URS MEYER an konkreten Fallbeispielen,
so etwa anhand eines Werbespots für den Kleinstwagen Smart,
der nicht nur unter maßgeblicher Beteiligung der Pop-Ikone
Robbie Williams zustande kam, sondern sich bei genauerer
Betrachtung auch als nachgerade klassizistisch geschlossenes
Minidrama mit Exposition, Peripetie, Retardierung, Deus
ex machina, Abwendung der Katastrophe und abschließendem
Happy End erweist. Das dramatische Reden, so Meyer, gehöre
heute wie das lyrische und narrative Reden zum grundlegenden
Rüstzeug der werblichen Kommunikation. Weswegen er auch
in den gewählten Beispielen vielfältige Bezüge zu traditionsreichen
Gattungen wie der Legende, aber auch zu literarischen Ästhetiken
und Strömungen wie der Visuellen Poesie oder des Dadaismus
nachweisen kann, jedoch oftmals mit belehrender oder strikt
unterhaltender Funktion.
Im vierten Teil geht es schließlich darum,
verschiedene Instanzen des Kulturbetriebs bzw. des literarischen
Feldes - wie etwa das Feuilleton - an drei Beispielen auf
mögliche Abhängigkeiten von Markt und Marketing genauer
zu untersuchen.
NORBERT BOLZ illustriert und verifiziert
seine allgemeinen Überlegungen zum literarischen Kultmarketing
am konkreten Beispiel von Hans Magnus Enzensberger, der
- das hat erst jüngst wieder das von ihm verantwortete Kosmos-Projekt
Alexander von Humboldts gezeigt - sich nicht nur auf Lyrik,
Dramatik und Essayistik versteht, sondern all dies und auch
die von ihm herausgegebene Andere Bibliothek wirksam mit
dem eigenen Namen zu verbinden und zu vermarkten weiß. Entsprechend
dekonstruierte Bolz Enzensberger als "Marke HME", dessen
Intelligenz auf geistiger Untreue gegenüber dogmatischen
Prinzipien und metaphysischem Sinnverlangen basiere, und
zeigt so an einer wirkmächtigen Figur des intellektuellen
Nachkriegsdeutschlands, dass auch auf dem Markt symbolischer
Güter mit Strategien der Markenbildung operiert wird - sowohl
auf Produzenten- wie auf Rezipientenseite.
RETO SORG wiederum legt dar, dass und
wie Schweizer Autoren gewissermaßen für zwei Märkte schreiben
und sich gleichzeitig in zwei Literaturbetrieben bewegen
und behaupten müssen: dem (kleinen) der Schweiz und dem
(größeren) Deutschlands. Am großen Markt könne dabei nur
partizipieren, wer als überregionaler Autor gilt, weswegen
die spezifische Angst, sich nicht richtig verkaufen, sprich:
nicht richtig deutsch zu können, über eine lange Tradition
in der Schweizer Literatur verfügt. Gleichzeitig aber gibt
es gegenwärtig eine stark identifikatorische Adaption des
Modells der ‚Kleinen Literatur' von Deleuze/Guattari, die
sich in den ästhetischen Debatten und intellektuellen Auseinandersetzungen
vor allem als Selbstbezüglichkeit und als Klage über diese
Selbstbezüglichkeit manifestiert. Diese Grenzgängerei zwischen
dem Heimmarkt und dem gesamten deutschsprachigen Markt präge
jedenfalls die Schweizer Literatur viel stärker, als man
gemeinhin annimmt.
STEPHAN RUSS-MOHL und ANDREA HÖHNE kehren
am Ende noch einmal zum homo oeconomicus zurück. Allerdings
finden sie diese Kunstfigur nicht in Texten des späten Mittelalters
oder der frühen Neuzeit, sondern ganz gegenwärtig im Kulturjournalismus
bzw. im Feuilleton. Mit Hilfe der Ökonomik (Rational Choice-Theorie)
analysieren sie den Strukturwandel des Feuilletons in den
letzten zwei Jahrzehnten, der vor allem durch quantitative
Schrumpfung auf der einen sowie stärkerer Berücksichtigung
von Lifestyle und Politik auf der anderen Seite gekennzeichnet
sei. Ursächlich dafür sei eine Ökonomisierung und Popularisierung
des Medienbetriebs, die auch vor den Kultur- und Feuilletonredaktionen
nicht Halt gemacht habe. Journalisten seien dabei nicht
einfach Opfer des Systems, sondern als eigeninteressierte
Individuen auch Gestalter des neuen, marktgerechten Feuilletons:
Gedruckt und gesendet wird, was Auflage und Einschaltquoten
verheißt, wobei der journalistische homo oeconomicus nicht
zuletzt auf den Erhalt seines privilegierten Zugangs zu
Kulturgütern und -ereignissen bedacht sei - selbst dann,
wenn Werbung für Produkte des Verlagshauses und redaktioneller
Teil problematisch verquickt würden, wie etwa im Fall der
SZ-Bibliothek und dem Feuilleton des Süddeutschen Zeitung.
Das kann, muss man aber nicht moralisch bewerten; als signifikanten
Tatbestand zur Kenntnis nehmen, sollte man es indes schon.
Denn der ebenso unruhige wie wandlungsfähige homo oeconomicus
erweist sich damit einmal mehr als "das haltbarste Exemplar
unter all jenen Versuchen, die, wie hoffnungsvoll auch immer,
sich anschickten, einen anderen ‚neuen' Menschen in Aussicht
zu stellen". (16) Über Kunstfiguren mit Realitätsanspruch
lässt sich bis heute kaum Günstigeres sagen.
IV.
Hervorgegangen ist dieser Band aus einem
Symposium, das mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft
und dem Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität
zu Berlin vom 30.9. bis 2.10.2004 in und mit der literaturWERKstatt
Berlin stattfand. Dabei konnte realisiert werden, was im
Projektantrag noch als Wunsch formuliert war: ein Forum
zu schaffen für den Austausch von Wissenschaftlern verschiedener
Universitäten Deutschlands, der Schweiz und den USA und
deren unterschiedliche Ansätze zu vernetzen, zu bündeln
und zu diskutieren. Dafür gebührt allen Beteiligten großer
Dank. Und weil nicht nur Märkte, sondern auch Bücher von
Tauschverhältnissen leben, habe ich außerdem und ganz besonders
Erhard Schütz zu danken für Rat und Tat, dem Verlag Peter
Lang (Bern) für die Aufnahme des Bandes in diese Reihe,
Brigitte Peters für ihre Anregungen und die wie immer professionelle
Redaktion sowie Natalie Nik-Nafs für ihre umsichtige Arbeit
am Manuskript und die Erstellung des Registers.
Anmerkungen
(1) Wir danken der Staatsbibliothek zu
Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Abteilung Historische
Drucke, für die Abbildgenehmigung des von Pierre Mac Orlan
und Henri Guilac in Paris herausgegebenen Buches.
(2) Walter Benjamin: Der Kaufmann im
Dichter. In: Gesammelte Schriften, hrsg. v. R. Tiedemann,
H. Schweppenhäuser, Bd. III, Frankfurt a. M. 1991, S. 46-48,
hier S. 47.
(3) Wenn etwa der Schriftsteller Joseph
von Westphalen einen Essay mit dem Titel Für Geld schreibe
ich alles in einer seriösen Tageszeitung publiziert (Der
Tagesspiegel v. 7.4.2000), kann und darf das nur als Ironie
oder Provokation durchgehen.
(4) Vgl. zu diesem langwierigen und komplexen
Prozess ausführlicher Heinrich Bosse: Autorschaft ist Werkherrschaft.
Über die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der
Goethezeit, Paderborn u. a. 1981; Thomas Wegmann: Tauschverhältnisse.
Zur Ökonomie des Literarischen und zum Ökonomischen in der
Literatur von Gellert bis Goethe, Würzburg 2002, S. 153-186.
(5) Zur jüngsten Diskussion darüber vgl.
Texte zur Theorie der Autorschaft, hrsg. v. F. Jannidis
u. a., Stuttgart 2000; Autorschaft. Positionen und Revisionen,
hrsg. v. H. Detering, Stuttgart, Weimar 2002.
(6) Dazu noch immer einschlägig: Zur
Dichotomisierung von hoher und niederer Literatur, hrsg.
v. C. Bürger, P. Bürger und J. Schulte-Sasse, Frankfurt
a. M. 1982.
(7) So konstatierte jüngst der argentinische
Schriftsteller Ricardo Piglia: "Wenn früher die Götter verschlüsselte
Botschaften aussandten, die das Individuum nicht verstehen
konnte und die es, das Individuum, unweigerlich in den Untergang
trieben, so ist es jetzt die Ökonomie mit ihrer esoterischen
Sprache, ihrem multiplen Netz geheimer Informationen, widersprüchlicher
Versionen und manipulierender Nachrichten, die das Auf und
Ab des Markts definieren, die Geldströme und abstrakten
Kapitalbewegungen […]" (Neue Zürcher Zeitung v. 25.1.2003)
(8) Vgl. Moritz Baßler: Der deutsche
Pop-Roman. Die neuen Archivisten, München 2002, S. 170 f.
Für den nigerianischen Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka
ist sogar die ganze Welt ein Marktplatz, und der wiederum
ein Bild für den Austausch von Kulturen und Menschen: "Heilige
und Verkäufer waren schon immer Seelenverwandte, Lieferservice
für die Bedürfnisse von Leib und Seele." (Wole Soyinka:
Samarkand und andere Märkte, Zürich 2004)
(9) Vgl. John McMillan: Reinventing the
Bazar. A Natural History of Markets, New York 2002, S. 4.
(10) Zur Koevolution von Wirtschaft und
Literatur in dieser Zeit vgl. auch Niels Werber: Der Markt
der Musen. In: Beobachtungen der Literatur. Aspekte einer
polykontexturalen Literaturwissenschaft, hrsg. v. G. Plumpe,
N. Werber, Opladen 1995, S. 183-213.
(11) Vgl. Franziska Herboth: Satiren
des Sturm und Drang. Innenansichten des literarischen Feldes
zwischen 1770 und 1780, Hannover 2002, S. 157 ff.
(12) Zum gegenwärtigen Verhältnis von
Buch und Markt bzw. Marketing vgl. Das BuchMarktBuch, hrsg.
v. E. Schütz, Reinbek 2005.
(13) Johann Wolfgang Goethe: Werke. Hamburger
Ausgabe, Bd. 9, München 141996, S. 517 f.
(14) Arno Schmidt: ‚Funfzehn': Vom Wunderkind
der Sinnlosigkeit. In: Das essayistische Werk zur deutschen
Literatur, hrsg. v. d. Arno-Schmidt-Stiftung, Bd. 2, Bargfeld
1988, S. 139-186, hier S. 182. Unlängst hat Doris Reimer
durch genaues Quellenstudium gezeigt, dass Tieck in Geldangelegenheiten
doch nicht so schlimm war wie sein Ruf. Vgl. Doris Reimer:
"der ich nie mich im Handel und dergleichen zu benehmen
wußte". Ludwig Tiecks Beziehung zu seinem Berliner Verleger
Georg Andreas Reimer. Eine Analyse anhand der Reimerschen
Hauptbücher. In: "lasst uns, da es uns vergönnt ist, vernünftig
seyn!" Ludwig Tieck (1773-1853), hrsg. v. Institut für deutsche
Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin (Publikationen
zur Zeitschrift für Germanistik, Bd. 9), Berlin 2004, S.
259-276.
(15) Hans Samter: Dichtung im Warenhaus.
In: Die literarische Welt 6 (1930) H. 16/17, S. 7.
(16) Joseph Vogl: Kalkül und Leidenschaft.
Poetik des ökonomischen Menschen, München 2002, S. 351.
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