Grell, bunt, feuerrot ragt der Banner der August Kopisch Ausstellung am Eingang der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin in die Höhe. Das pompöse, antike Gebäude, welches bereits selbst als Kunstobjekt betrachtet werden kann, wird zu dieser Sonderausstellung mit einem Ausschnitt des Gemäldes  „Krater des Vesuvs“ geschmückt und man kann bereits erahnen, welch farbenfrohes Spiel einen erwartet.

Die Alte Nationalgalerie ist ein 1876 fertiggestelltes Kunstmuseum, welches zum Ensemble der Berliner Museumsinsel gehört. Die äußere Erscheinung ist stilistisch zwischen Spätklassizismus und angehender Neorenaissance einzuordnen, während die Innenräume im Verlauf der Jahre durch mehrfache Renovierung und Optimierung verändert wurden. In der Alten Nationalgalerie werden Werke des Klassizismus, der Romantik, des Biedermeier, des Impressionismus und der beginnenden Moderne ausgestellt. August Kopisch (1799 – 1853) fällt hierbei weitestgehend in die Kategorie der Romantik. Die Ausstellung der Werke Kopischs besetzt allerdings nur einen sehr kleinen Teil des Museums und so handelt es sich um lediglich fünf Räume im dritten Geschoß des Gebäudes. Zu Beginn wird die Entdeckung der Blauen Grotte von Capri durch zahlreiche Gemälde von Kopisch und seinen Zeitgenossen inszeniert. Der Rundgang setzt sich fort mit seiner Studienzeit, seinem Aufenthalt in Italien, seinem malerischen Werk und seinen Dichtungen und endet mit einer medialen Installation, die den Besucher eine fiktive Bootsfahrt entlang der Küste Neapels nachempfinden lässt. Gerade bei dieser Ausstellung ist es besonders auffällig, wie die ausgestellte Kunst sich in den Kontext ihrer Räumlichkeit eingliedert. Ein Gefühl des Historischen, der Nostalgie, des Vergangenen ist omnipräsent und so stimmt das Gebäude den Besucher nicht nur thematisch ein, sondern bettet die ausgewählten Exponate in seine Architektur ein. Weißer Wände und diskreter Beleuchtung zum Trotz — die Aura der Räumlichkeiten alleine schon kann als eine Erfahrung besonderer Art gelten.

Ist man in den dritten Stock des Gebäudes empor gestiegen, über den roten Samt der zahllosen Stufen und den aufwendigen Marmor der Eingangsflure, geht es hinein in eine Ausstellung mit drei verschiedenen Schwerpunkten: Zunächst wird informiert, unterrichtet, eingewiesen. Allerhand Informatives aus Kopischs Leben wird an mehreren Tafeln in sorgsam ausformulierten Texten zur Schau gestellt und es lässt sich somit der geschichtliche Verlauf des künstlerischen Schaffens nachvollziehen. Unterschiedliche Stationen seines Werkes werden gebündelt ausgestellt und in Beziehung zu seinen sozialen Kontakten und räumlichen Stationen gebracht.
Des weiteren wird alleine schon durch den Titel der Ausstellung  — Maler, Dichter, Entdecker, Erfinder —  die unglaubliche Breite seiner Interessensgebiete thematisiert und ein Einblick in sein „Gesamtkunstwerk“ gewährt. Was bei Dichtungen über Heinzelmännchen anfängt hört bei Hochöfen auf und so deutet auch ein eigens erstellte Trailer zur Einführung in die Ausstellung an, dass Kopisch keinen gesetzten Schwerpunkt seines Schaffens hatte, sondern äußert vielseitig interessiert zutage trat. Von außerordentlicher Neugierde wird gesprochen und so besteht die Ausstellung neben den rund 40 Gemälden und Zeichnungen aus ca. 80 weiteren Exponaten unterschiedlichster Gegenstände und Schriftstücke, die Zeugnis von Kopischs mannigfaltigem Schaffen ablegen.
Der dritte Schwerpunkt der Ausstellung ist jedoch mit Sicherheit Kopischs Malerei mit dem Ziel ein ästhetisches Moment zugänglich zu machen. Hierzu ist nicht nur etwa die Beleuchtung bewusst gesetzt, sondern durch die Weite der Räumlichkeiten auch genug Freiraum gewährt zum Schwelgen im sinnlichen.

Kühn und mutig schien Kopisch zu sein und ein Entdeckergeist trieb ihn offensichtlich auch an. Der „Forschergeist des Malers“ tritt hier besonders stark hervor. Bei aller Begeisterung schien ihn jedoch eine Thematik besonders zu beschäftigen: Licht und Farbe in seiner denkbar wundervollsten Komposition innerhalb der Natur. Gerade die Übergangslichter, also vom Tag in die Nacht und umgekehrt, werden dargestellt. Durch Kopischs langen Aufenthalt in Neapel und weiten Teilen Süditaliens geprägt, versuchen einige seiner Werke genau diesen magischen Moment des blutroten Sonnenuntergangs einzufangen. Der Farbcholorit ist hierbei von einer ganz besondern Intensität wie er nur bei deutlich jüngeren Werken der Kunstgeschichte des 19Jh. zu sehen ist und so wirken die Lichtphänomene teils fabelhaft, was einen jedoch nur umso mehr den italienischen Sommer nahe bringt. Fast erahnt man einen impressionistisch oder expressionistischen Zug.
Eine zweite Auffälligkeit ist die Vielzahl der Abbildungen der „Blauen Grotte von Capri“. Hierzu ist zu sagen, dass Kopisch selbst als Entdecker der beliebten Sehenswürdigkeit zählt, wodurch er sich schon zu Lebzeiten einen Namen machte.
Mit dieser Ausstellung wird August Kopisch erstmalig in den Mittelpunkt gesetzt und sein vergleichsweise kleines Werk konnte fast vollständig vom Verein der Freunde der Nationalgalerie zusammengetragen werden. Hierbei scheint gerade die informative Ergänzung der Exponate besonders gut gelungen, obwohl ein kunsthistorischer Zusammenhang fehlt. Ob ob er nun als vorausgesetzt gilt oder bewusst Freiraum eingeräumt wurde bleibt offen. Tatsächlich ändert dies aber nichts an dem unmittelbar aufkommenden Wunsch eines Italienurlaubes.

Film zur Ausstellung:
www.youtube.com/watch?v=RN6cHIu1XVs


 

August Kopisch – Maler, Dichter, Entdecker, Erfinder
19.03.2016 bis 17.07.2016

Alte Nationalgalerie der staatlichen Museen zu Berlin
Bodestraße 1-3
10178 Berlin

http://www.smb.museum.de