Rosa-flauschig gestaltet sich der Eingang in Barbies Welt. Ein pastellfarbener Teppich führt in einen pink ausgekleideten Raum und schon ist man mittendrin. Links wie rechts präsentieren sich Barbiepuppen soweit das Auge reicht. Und was für eine Puppe, che bambola! lautet der erste Satz, der hier ins Auge fällt.  Den Auftakt macht ein Gang durch die fast sechzigjährige Geschichte von Barbara Millicent Roberts alias Barbie. Von 50er-jahre Modellen à la Suburban Shopper bis zur Computertechnikerin der 2000er ist alles dabei. Im Hintergrund bieten Wandtafeln die Möglichkeit einer historischen Kontextualisierung mit Fokus auf Mode und Ausgehkultur. Dann schließt sich der eigentliche Ausstellungskorpus an. Fünf Sektionen rücken Barbie in unterschiedliches Licht: Als Stilikone der großen Labels, ihre Karriereambitionen oder ihre Reisen um die Welt. Es ist die Geschichte gesellschaftlicher Transformation genauso wie der Verlauf eines sich verändernden Frauenbildes, das sich hier auf engem Raum materialisiert. Und dies gelte es, so Kurator Massimiliano Capella im Presseinterview, schließlich abzubilden.
Der Ausstellungsparcours, gestaltet von Peter Bottazzi, führt alternativlos durch den Raum. Die Szenerie verläuft entlang einem dreidimensionalen Globus, übergroß und bestückt mit Barbies verschiedener Nationalitäten sowie vorbei an ihrem persönlichen Appartement. Wo man auch steht und schaut, es begegnet immer das gleiche Objekt. Erst vor der seriellen Präsentationsform lässt es der Differenzen und Abweichungen gewahr werden. Es ist eine Gesamtschau, hinter die das einzelne Exponat zurücktritt − mehr um Vielfalt der Erscheinung geht es, denn um den individuellen Objektwert. Und so bricht die Präsentationsform mit der stetig reproduzierten Blockbusterschau der modernen Museumslandschaft.
Eine nicht enden wollende Vitrine beispielsweise greift das Thema Design auf. Barbie zeigt sich in Dior bis Moschino. Viele leblose Augen hinter noch mehr statischem Glas. Die textlastige Darstellung im Hintergrund trennt sich dann von einer Parallelerzählung nur eine Ebene tiefer: Kinderaugen begegnen den Exponaten auf Augenhöhe. In Barbies Traumwohnung laden interaktive Medienangebote in Miniaturausführung zum Mitmachen ein. Die Kleinen sind gebeten, Barbie virtuell anzukleiden − ihren Beruf wählen sie selbst. Zur Auswahl steht eine Vielzahl an Jobs an denen Barbie im Laufe der Jahre Interesse gezeigt hat.

 

Barbie e le sue innumerevoli carriere, oltre 156 a partire dal 1959 © Mattel Inc.

I Can Be, so lautet der Marketingslogan. Und in diesem Sinne birgt Barbie das Potential eines persönlichen Avatars, für den sich sprachliche, kulturelle oder soziale Grenzen einfach in Luft auflösen. Was lassen wir in die Kinderzimmer unserer Kleinen? Die Puppe selbst ist identitätslos, aber ihre Ausführungen werden zum Spiegel einer westlichen Vorstellungswelt.
Die gewählte Darstellung erzählt hier primär eine Erfolgsgeschichte: Barbie liegt die Welt zu Füßen und wer schlank, jung und normiert auftritt, kann alles schaffen. In ihren Modellen konstatiert sich ein kulturelles Gedächtnis, das von einer weißbekleideten Marilyn Monroe Version bis zu royalen William und Kate-Puppen mit überraschend einfältigen Produktionsreihen aufwarten kann. Und auch Italienbezüge drängen sich auf: Die Labels der Designermodelle sind zu großem Teil italienisch. Gezeigt werden die großen Diven der 50er und 60er Jahre in Puppenausführung à la Audrey Hepburn in Vacanze romane. Der Begleittext der Ausstellung spricht von einem Hollywood des Tibers und rückt so auch Rom in ein strahlendes Licht.
Insofern ist die Fülle an Möglichkeiten durchaus verblüffend. Zugleich bleibt die Darstellung erschreckend provokationslos. Die auch sonst recht affirmativ gestalteten Ausstellungen des Vittoriano-Komplexes bleiben sich treu: Fragen stellt die Ausstellung kaum. Gefeiert wird vielmehr der eigene Fortschritt: Die erste Frau im All inspiriert zu einer neuen Ausgabe. In den 80er Jahren kommt die erste Black Barbie auf den Markt. Seit 1992 kandidierte Barbie mehrfach für das Präsidentschaftsamt. Mal ist sie bei der Air Force, mal Tierärztin, aber immer perfekt gestylt und makellos.
Was sich zunächst als pink-optimistischer Empowerment-Kosmos ausgibt, zeigt dann doch Brüche − wenn auch eher unfreiwillig wie es scheint. Der westliche Traum ist ein Massenprodukt. Ein kleines Video zu Ende des Rundgangs lässt der recht trist anmutenden Massenfertigung der Puppen in asiatischer Produktion gewahr werden. In Kontrast dazu treten handgefertigte Modelle für ausgewählte Stardesigner_Innen. Für Erwachsene ist eine kühle Ästhetisierung geschaffen, die Kleinen sollen selbst kreativ werden. Und alle konsumieren wir diese Wohlfühlwelt.

Barbie’s Making of © Mattel Inc.

Erstmalig entfernt sich Barbie nun in diesem Jahr von dem während der letzten 57 Jahre kultivierten Körperideal. Seit wenigen Wochen treten neben Barbie Fashionista Original auch die Versionen Petite, Curvy und Tall. Und so nähert sie sich schließlich doch diverseren und realistischeren Darstellungen von Körper und Weiblichkeit an. Zwar sind die Modelle in der Ausstellung vertreten, thematisiert wird diese Entwicklung allerdings nicht. Was fehlt, ist ein Abbild der feministischen Kontroverse um das Puppenglück − denn Barbie zieht viele mögliche Lesarten nach sich. Aber auch ein Ausblick auf nicht-westliche Kinderzimmer dieser Welt: Die arabische Fulla hat es so beispielsweise nicht zu den Exponaten geschafft.