Dokumentationszentrum für Flucht, Vertreibung und Versöhnung
Zsófi Dietze & Janina Wiemers
Vier Jahre sind seit Eröffnung des Dokumentationszentrum für Flucht, Vertreibung und Versöhnung vergangen, viele spannende Sonderausstellungen fanden hier bereits statt, doch wir sind hier für die Dauerausstellung, genau genommen für das Unterthema Krieg und Gewalt.
Nachdem wir das großräumige Foyer betreten haben, werden wir von zwei Mitarbeiter*innen in Empfang genommen. Sie weisen uns kurz ein, geben uns einen kostenfreien Chip für die Garderobe sowie ein mobiles Endgerät, welches mit einem Kopfhörer verbunden ist, das uns durch die Ausstellung begleiten soll. Der Eintritt der Ausstellung ist kostenfrei.

Foto: Markus Gröteke
Wir machen uns auf den Weg zur Treppe, die ins erste Stockwerk führt. Hier befindet sich die Dauerausstellung zu Flucht und Migration. Die gesamte Ausstellung fasst den Bildungsauftrag des Dokumentationszentrums als einzigartigen Lern- und Erinnerungsort zum Thema Flucht, Vertreibung und Zwangsmigration mit Fokus auf das 20. Jahrhundert aus einer interessanten Perspektive auf. Sie beinhaltet zwei große Überthemen: zum einen die europäische Geschichte der Zwangsmigrationen, zum anderen die Flucht und Vertreibung der Deutschen. Das erste Unterthema umfasst wiederum folgende sechs Unterpunkte: Nation und Nationalismus, Krieg und Gewalt, Recht und Verantwortung, Wege und Lager, Erinnerung und Kontroversen sowie Verlust und Neuanfänge. Da der Themenbereich der Ausstellung sehr Umfangreich ist, wird im Folgenden nur der Themenbereich „Krieg und Gewalt“ betrachtet.
Die Ausstellung ist sowohl barrierefrei als auch interaktiv. Die mobilen Endgeräte sind in verschiedenen Sprachen abrufbar; Deutsch, deutsche Audiodeskription, deutsche Gebärdensprache, Englische Audiodeskription, Polnisch, Tschechisch und weitere.
Zu Beginn der Ausstellung wird mithilfe eines Videos erklärt, wie Krieg überhaupt ausgelöst wird. Geht man links um den ersten Kasten herum, gelangt man zum nächsten Thema: „Zeugnisse der Gewalt“. Hier sind uns zwei Beispiele besonders aufgefallen. Das Zugticket aus der Ostukraine verweist auf die Aktualität der Ausstellung und gleichzeitig auf die Aktualität von Kriegen. Hierbei ist die Perspektive nicht nur rein historisch, sondern greift unabgeschlossene Ereignisse wie in diesem Fall den Ukraine-Krieg auf.

Foto: Markus Gröteke
Nach genauerem Betrachten werden wir auf den Hashtag #refugee als Objekt aufmerksam. Er wirkt im ersten Moment nicht wie ein typisches Ausstellungsstück, doch wird er gerade durch die mediale Präsenz zu einem wichtigen Symbol, da durch Hashtags oftmals wichtige Informationen zu verschiedenen Themen geteilt werden. Der #refugee etwa wird bei Fluchtsituationen in Kriegsgebieten geteilt. Dieser kann jedoch auch für die Verbreitung von Fake News und Propaganda missbraucht werden.
In dem Themengebiet „Krieg und Medien“ erläutert ein kurzer Text zwei Aspekte von Medien im Krieg. Er zeigt einerseits die Gefährlichkeit der Medien auf, da diese für Propaganda und Hass instrumentalisiert werden können. Andererseits verdeutlicht er, dass Medien auch aufklärend wirken sowie Empathie und das Bewusstsein über Leid erzeugen können.
Der darauffolgende Abschnitt zur „genozidalen Gewalt“ setzt neben veranschaulichenden Texten auch auf Zeitzeug:innen-Berichte ein, um die Erzählperspektive zu wechseln und die komplexe historische Situation anschaulicher zu gestalten. Als letztes Thema erwartete uns „Säubern, Deportieren und Vertreiben“. Neben dem Ausstellungstext findet man hier auch einen Zeitzeugenbericht von nach Sibirien deportierten Personen. Dieser trägt dazu bei, Krisen und Kriege vorstellbar zu machen. Die Aktualitätsbezüge machen die Ausstellung besonders empfehlenswert.
Das Jahrhundert der Flucht
Dauerausstellung
Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Stresemannstraße 90
10963 Berlin
Öffnungszeit: Di – So, 10 - 19 Uhr
Eintritt: kostenlos
https://www.flucht-vertreibung-versoehnung.de/de/home