{"id":1018,"date":"2022-01-21T14:42:48","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/peter-miller-dear-photography-c-o-berlin-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:53","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:53","slug":"offener-prozess-maxim-gorki-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/offener-prozess-maxim-gorki-theater\/","title":{"rendered":"Offener Prozess, Maxim Gorki Theater"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Bei den Ermittlungen ist vieles schiefgelaufen. Spuren zu m\u00f6glichen Komplizen der bekannten T\u00e4ter:innen wurde nicht richtig nachgegangen, Akten wurden vernichtet, die Familien der Opfer wurden f\u00e4lschlicherweise als T\u00e4ter:innen beschuldigt. Bis heute sind die Morde nicht vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt und viele Fragen bleiben offen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die (Wander-)Ausstellung <em>Offener Prozess<\/em> befindet sich aktuell im Studio R des Maxim-Gorki-Theaters. Sie besch\u00e4ftigt sich mit eben diesen Morden und fasst dabei nicht die T\u00e4ter, sondern besonders die Opfer und ihre Familien ins Auge sowie die Umst\u00e4nde, die diese Taten m\u00f6glich gemacht haben. Beleuchtet werden in diesem Zusammenhang die Lebensrealit\u00e4ten von sogenannten Gastarbeiter:innen, Migrationsgeschichten und die rechtsterroristische Gewalt im Alltagsrassismus vor allem in Ostdeutschland.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"text-decoration: underline;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mehr Sein als Schein<\/span><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Man betritt die Ausstellung \u00fcber eine kleine unscheinbare T\u00fcr direkt gegen\u00fcber vom Deutschen Historischen Museum. Am Eingang bekommt man sein Ticket, ein paar Kopfh\u00f6rer, falls man selbst keine dabei hat, sowie Informationen zum begeleitenden Vermittlungs- und Diskursprogramm. Danach wird man anhand von kleinen, rosafarbenen Pfeilen am Boden zu den Ausstellungsr\u00e4umlichkeiten gef\u00fchrt. Da gibt es in der ersten Etage den ersten Teil und im Hof in einem gesonderten Geb\u00e4ude den zweiten Teil der Ausstellung. Der erste Teil besteht aus 11 kleineren R\u00e4umen, in denen sich ein bis drei Ausstellungst\u00fccke befinden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung wirkt auf den ersten Blick minimalistisch, entpuppt sich jedoch als unglaublich umfassende Aufarbeitung der Thematiken. Die Beitr\u00e4ge erstrecken sich von Videos \u00fcber Videoinstallationen bis hin zu Animationen und Podcasts. Es gibt Beitr\u00e4ge von f\u00fcnf Minuten, aber auch welche, die fast 30 Minuten dauern. Deshalb w\u00fcrde ich den Tipp geben, sich wirklich Zeit zu nehmen und gegebenenfalls ein zweites Mal vorbeizuschauen, denn es ist wichtig, hier zuzuh\u00f6ren.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das Prinzip der Ausstellung l\u00e4sst sich anhand des ersten Raumes gut beschreiben. In der Mitte stehen zwei kleine Tische, auf denen jeweils zwei Bildschirme installiert sind. Man kann pro Display zwei Kopfh\u00f6rer anschlie\u00dfen und bei Bedarf die Geh\u00f6rlosen- oder Blindenfassung starten. Daneben befindet sich eine Ausstellungstafel mit Titel, Autor:innenschaft, Jahr, L\u00e4nge des Videos sowie Hashtags. Diese Hashtags kann man in einem Chatbot auf seinem Smartphone eingeben und gelangt so zu weiteren Informationen zur Kontextualisierung der Exponate. Wer diese M\u00f6glichkeit jedoch nicht nutzen kann oder will, kann genauso gut auf das Begleitheftchen zur\u00fcckgreifen, in dem in etwa dieselben Informationen zu finden sind.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Perspektive der Ausstellung, eben die betroffenen Menschen zu Wort kommen zu lassen, bildet sich auch im Aufbau dieser ab, indem zun\u00e4chst Erfahrungsberichte und Geschichten von Gastarbeiter:innen und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland gezeigt werden. Beispielhaft werden im ersten Raum zwei Filme gezeigt. Der erste wurde 1975 von \u017delimir \u017dilnik aufgenommen und portr\u00e4tiert die Bewohner:innen eines Mietshauses, die als sogenannte Gastarbeiter:innen nach Deutschland gekommen sind und nun \u00fcber ihre Herkunft und \u00fcber ihre finanzielle und soziale Situation in Deutschland berichten. Das zweite Video ist eine Neufassung nach dem gleichen Prinzip des soeben genannten von 2021 und wurde in Chemnitz von Pinar \u00d6\u011frenci aufgenommen. Die Bewohner:innen berichten von ihrem t\u00e4glichen Kampf gegen den Rassismus der dort lebenden Menschen. Deutschland wird in diesem Video, im Gegensatz zum ersten, dabei nicht mehr als vor\u00fcbergehende, sondern als dauerhafte Heimat f\u00fcr Migrant:innen dargestellt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"text-decoration: underline;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Zuh\u00f6ren, Erinnern, Aktiv-werden<\/span><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung leistet einen wichtigen Beitrag zum Gedenken an die NSU Opfer. Sie ist ein Ort f\u00fcr Geschichten, die geh\u00f6rt werden sollten. Das Zuh\u00f6ren wird hier als politische Praxis verstanden, da es eine Grundlage f\u00fcr das Verstehen bildet. Diese Ausstellung ist ein Ort des Erinnerns mit dem Unterschied, dass das Erinnern hier als Prozess verstanden wird. Es ist ein <em>lebendiges Erinnern<\/em>, das das Geschehene nicht nur abgeschlossen in die Vergangenheit schiebt, sondern Kontinuit\u00e4ten aufzeigt, die Thematik in die Gegenwart holt und die Perspektive marginalisierter Gruppen in den Mittelpunkt r\u00fcckt. Es wird zum Aktiv-werden aufgefordert. Die K\u00fcnstlerin \u00dclk\u00fc S\u00fcng\u00fcn schl\u00e4gt vor, bei der Aussprache der Namen der Opfer anzufangen. Dazu gibt es im zweiten Teil der Ausstellung ein Video, bei dem sie den Besucher:innen die korrekte Aussprache der Namen zum Mitsprechen beibringt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"text-decoration: underline;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Publikum? Wie immer!<\/span><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Abgesehen von den vielen Konzepten der Wissensvermittlung der Ausstellung bleibt die Frage, wen sie nun in der Praxis wirklich erreicht. Findet sich hier wieder das typische Museumspublikum? Und wie kann man ein breiteres Publikum erreichen? Das Thema ist schlie\u00dflich f\u00fcr alle relevant.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"text-decoration: underline;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Ausstellung zu Hause<\/span><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Besonders hervorzuheben ist der Onlineauftritt der Ausstellung. Man findet dort eine tolle Zusammenfassung des Themas in Textform und als Trailer mit optionaler Geh\u00f6rlosenfassung. Au\u00dferdem kann man, sollte man die Ausstellung nicht besuchen k\u00f6nnen oder verpasst haben, sich alles anzuschauen, das Angebot der Webausstellung nutzen, in der 23 der Videoclips aus der Ausstellung zu finden sind. Auch diese gibt es in einer H\u00f6rfilmfassung. Zudem findet man ein digitales Methodenhandbuch, welches man sich auf der Website herunterladen und ausdrucken kann. Das Handbuch enth\u00e4lt einen Reader zur Aufarbeitung des NSU-Komplexes, auch hier mit besonderem Augenmerk auf die Mordopfer, deren Kurzbiografien darin vorgestellt werden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Bleibt zu sagen: eine Ausstellung, die jede und jeder besucht haben sollte!<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Kuratiert wurde die Ausstellung von Ayse G\u00fclec und Fritz Laszlo Weber.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Zur Ausstellung gibt es au\u00dferdem ein Rahmenprogramm \u201eImmer wieder Deutschland\u201c, welches Migration, Rassismus und Rechtsextremismus in Form von Performances, Podiumsdiskussionen und Konzerten thematisiert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Offener Prozess<br \/>01. Oktober bis 12. Dezember<br \/><br \/>Studio R, Maxim Gorki Theater<br \/><span>Am Festungsgraben 2<\/span><br \/><span>10117 Berlin<\/span><br \/><br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/www.gorki.de\/de\/offener-prozess-ausstellung\/2021-10-25-1600\\\">https:\/\/www.gorki.de\/de\/offener-prozess-ausstellung\/2021-10-25-1600<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-gq","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1018,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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