{"id":1033,"date":"2022-01-23T16:55:28","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/machine-hallucinations-nature-dreams-koenig-galerie-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:49","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:49","slug":"hr-giger-mire-lee-schinkel-pavillon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/hr-giger-mire-lee-schinkel-pavillon\/","title":{"rendered":"HR Giger &#038; Mire Lee, Schinkel Pavillon"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Gut, es gibt auch Menschen, die am Puls der Zeit leben und sich trotzdem nicht f\u00fcr obskure Installationen und d\u00fcstere Weltallkreaturen interessieren. In dem Fall huschte aber ganz bestimmt das ein oder andere Mal Giger\u2019s Alien durch die Instagram Story. Oder ein Bild des berghainesken Konferenztisches des 2021 scheinbar auferstandenen Schweizer K\u00fcnstlers HR Giger. Doch wer fragt eigentlich: <em>Oh my gawd! Did you check out Lee at Schinkel already?<\/em> Berlin will Giger. Sind dabei die Arbeiten der Koreanerin Mire Lee untergegangen?<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Es war mein zweiter Besuch in der instagramfreundlichsten Berliner Ausstellung des zweiten Pandemiejahres. Und dieses Mal waren zwei Dinge anders. Erstens: ich selbst betrat die Ausstellung mit einer grundlegend anderen Einstellung. Mein Fokus sollte dieses Mal ganz auf den dystopischen Arbeiten von Mire Lee liegen. Alien egal, Berghain-Office egal,<em> sorry - HR who?<\/em> Na gut, ein bisschen sollte es auch um das Verh\u00e4ltnis von Giger zu Lee gehen. Vor allem, da mit Agnes Gryczkowska eine Kuratorin am Werk war. Ausreichend <em>grrrl power <\/em>oder zu viel Hype um einen toten wei\u00dfen Mann? Das wollte ich mit einem zweiten Blick auf die Kuration herausfinden.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"bottom\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 757,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"text-decoration: underline;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das \u201eEndless House\u201d ist am Ende<\/span><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dieses Mal fiel mir als erstes auf: dem Minimalismus zuliebe wurde konsequent auf jegliche Info-Labels verzichtet. All jene, die beim Betrachten von Kunst lieber auf den Blick ins begleitende Booklet verzichten, um die Ratio mal vor der T\u00fcr zu lassen, k\u00f6nnten gerade durch den Hype um HR Giger auf die Idee kommen, dass Lee\u2019s Arbeiten von Giger gemacht wurden. Vor allem, wenn man sich vorher nicht ausgiebig \u00fcber das Werk der K\u00fcnstler*innen informiert hat. Das zumindest passierte mir bei meinem ersten Besuch. Anders war au\u00dferdem etwas im ersten Raum, der eigentlich mehr Raumschiff als Raum ist. Dort, wo mit Giger\u2019s Alienfigur die Hauptattraktion steht, erschien Mire Lee\u2019s kybernetisches Objekt <em>Endless House <\/em>im Vergleich zum letzten Mal seltsam tot.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Schl\u00e4uche und Stahldr\u00e4hte der 2021 entworfenen Arbeit, die sich Ende Oktober noch umst\u00e4ndlich wie Ged\u00e4rme durch den sie umgebenden Kokon gewunden hatten, standen nun geisterhaft still. Die vor einem Monat noch stoisch l\u00e4rmende Pumpe schwieg. Keine kriechenden Stahldr\u00e4hte auf feuchtem Betongerippe. Kein schmieriger Sound von mattgrauem Schleim. Nachfrage am Empfangstresen. Hier wurden teetrinkend voice messages verschickt, ein Hoch auf den Neuschnee, heute kein Hype. So bleibt Zeit f\u00fcr das Einholen von Informationen frisch von der Quelle.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mire Lee\u2019s <em>Endless House<\/em> sei vor einiger Zeit \u201eexplodiert\u201d. Der graue Schleim habe sich dabei im gesamten Raum verteilt, vom Boden bis zu den W\u00e4nden. Nat\u00fcrlich wurde die K\u00fcnstlerin sofort konsultiert. Ihre Reaktion: Na das ist doch super! Lee ist laut Erz\u00e4hlung des freundlichen Kassenpersonals mit dem ungeplanten Zwischenfall \u00e4u\u00dferst zufrieden. Ihre Begr\u00fcndung: Er zeige, dass ihre Maschinen ein Eigenleben f\u00fchren und verweise auf die kybernetischen Abgr\u00fcnde, die Lee mit ihren Arbeiten ohnehin thematisiert. Schlie\u00dflich m\u00fcsse sich der Mensch, so Lee, um seine Maschinen k\u00fcmmern - sonst k\u00f6nnen sie auch mal streiken. Ein Seitenhieb auf die Galerief\u00fchrung?<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 597,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/giger21.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 5,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 619,\r\n      \"attid\": 1041,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/giger21.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/giger21-265x401.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 469,\r\n      \"h\": 710,\r\n      \"ar\": 1.5138592750533049,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"caption\": \"<p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 10px;\\\"><em>HR Giger &amp; Mire Lee Ausstellungsansicht, Berlin 2021, Schinkel Pavillon<br \/><\/em><em>Foto links: HR Giger, Necronom IV, 1990 und Mire Lee, Endless House, 2021\u2014 Foto rechts: Detailansicht Endless House<\/em><\/span><\/p>\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/gigier2.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 10,\r\n      \"colspan\": 7,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 596,\r\n      \"attid\": 1042,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/gigier2.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/gigier2-265x353.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 429,\r\n      \"h\": 572,\r\n      \"ar\": 1.3333333333333333,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1; text-align: left;\\\"><span style=\\\"text-decoration: underline;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Maschinen mit Selbstmitleid<\/span><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Vielleicht war es ganz einfach Trauer, die Mire Lee\u2019s Kreaturen zum Stillstand gebracht hat. Denn tats\u00e4chlich hat nicht nur die Installation<em> Endless House <\/em>aufgegeben. Auch die eindrucksvollen Arbeiten <em>Carrier \u2014 Offsprings (2021)<\/em>, die im oberen Stock Giger\u2019s Konferenztisch rahmen, schleimen und tropfen nicht mehr. Hier bereitete die Pumpe Probleme. Bleibt also noch eine der<em> pitiful beings<\/em>, wie Lee ihre Kreaturen liebevoll nennt: <em>Untitled <\/em>ist ein im Vergleich zu <em>Carriers<\/em> und <em>Endless House <\/em>winzig wirkendes, zerfranstes Etwas, dessen mini PVC-Schl\u00e4uche und Drahtseilchen durch das permanente auf der Stelle kriechen auf dem rauen Fliesenboden des Schinkel Pavillons in alle Richtungen stehen. Im Vergleich zum Oktober hat <em>Untitled<\/em> im Dezember ganz sch\u00f6n an Substanz verloren. Es wirkte fast, als h\u00e4tte der Fokus auf HR Giger den Maschinen von Lee einen geh\u00f6rigen Stich in ihre Mechanikherzen versetzt. Die Kreaturen sind nun nicht mehr nur <em>pitiful<\/em>. Sie sind beim Selbstmitleid angekommen.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 6,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 1090,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dass Lee\u2019s Maschinen still stehen, ist einerseits schade - andererseits ein willkommener Zwischenfall, wenn man eine Metapher f\u00fcr das latente Ungleichgewicht der Ausstellung sucht. Denn mit frischem Blick auf die Ausstellung hatte ich an manchen Stellen ganz klar das Gef\u00fchl, dass die in Amsterdam lebende K\u00fcnstlerin mehr Aufmerksamkeit verdient h\u00e4tte. Gerade durch den extremen Hype um HR Giger verblasst Mire Lee\u2019s Name wohl schon im Vorfeld des Ausstellungsbesuches so sehr, dass viele Menschen kaum bis gar nicht wissen, von wem genau die faszinierenden Kreaturen stammen, die Giger\u2019s Werke so hervorragend erg\u00e4nzen, wenn nicht teilweise sogar \u00fcberstrahlen. Das Giger in Berlin <em>hot shit<\/em> ist und demnach alle sowieso nur von ihm reden w\u00fcrden, war vorher abzusehen.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 7,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/giger4.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 8,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 4,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 1346,\r\n      \"attid\": 1040,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/giger4.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/giger4-265x426.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 348,\r\n      \"h\": 559,\r\n      \"ar\": 1.6063218390804597,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"caption\": \"<p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 10px;\\\"><em>HR Giger &amp; Mire Lee Ausstellungsansicht, Berlin 2021, Schinkel Pavillon <\/em><em><br \/><\/em><em>Foto links: Mire Lee \u201eUntitled\u201d (2021) im Oktober 2021, Foto rechts: Mire Lee \u201eUntitled\u201d im Dezember 2021<\/em><\/span><\/p>\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/gifgier2.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 8,\r\n      \"col\": 10,\r\n      \"colspan\": 5,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 1347,\r\n      \"attid\": 1039,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/gifgier2.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/gifgier2-265x428.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 440,\r\n      \"h\": 711,\r\n      \"ar\": 1.615909090909091,\r\n      \"alt\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Konkret h\u00e4tte man Mire Lee im ersten Raum der Galerie mehr B\u00fchne verschaffen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich werden hier ganze vier Werke von Giger und nur eines von ihr gezeigt. Die Kuration w\u00fcrde nun vielleicht auf die Videoarbeit <em>Faces<\/em> verweisen, die ebenfalls am Anfang gezeigt wurde. Allerdings abseits der Hauptattraktion des Alien, versteckt in einem kleinen Raum. Auch ein Info-Screen, vielleicht zwischen dem ersten und zweitem Raum, auf dem Lee und Giger\u2019s Arbeiten b\u00fcndig skizziert werden, w\u00e4re kein Hexenwerk.<\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u00a0<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Von Mire Lee selbst existieren im Web nur wenige Fotos und so gut wie keine Videos. Einer der raren Momente, in dem sie bei der Arbeit zu sehen ist, zeigt die K\u00fcnstlerin mit einem ihrer kinetischen Objekte. \u201eIt\u2019s like marinating\u201d sagt sie mit einem zur\u00fcckhaltenden Lachen, w\u00e4hrend sie die am Boden schl\u00e4ngelnde Skulptur mit einer dunkelgrauen, schmierigen Masse einreibt. Dass genau diese Marinade, mit der die K\u00fcnstlerin ihren Kreaturen Leben einmassiert, kurz vor dem Ende der Ausstellung im Schinkel Pavillon verkrustete, scheint wie ein weiteres, passendes Sinnbild f\u00fcr das Aufgeben von Lee\u2019s Maschinen, kurz bevor das Licht ausging.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 9,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 1348,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><em>Die Ausstellung HR Giger und Mire Lee war vom 18. September bis 2. Januar im Schinkel Pavillon geplant und wurde bis zum 16. Januar verl\u00e4ngert. Ab dem 22. Januar werden weiterhin Werke von HR Giger gezeigt, denen Arbeiten des Surrealisten Hans Bellmer gegen\u00fcbergestellt werden. Die Ausstellung l\u00e4uft bis zum 20. M\u00e4rz.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><em>HR Giger &amp; Mire Lee<br \/>18. September 2021<span>\u00a0\u2013\u00a0<\/span>16. Januar 2022<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><em>Schinkel Pavillon<br \/>Oberwallstra\u00dfe 32<br \/><\/em><em>10117 Berlin<\/em><\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.schinkelpavillon.de\/de\/exhibition\/h-r-giger-mire-lee\\\">www.schinkelpavillon.de\/de\/exhibition\/h-r-giger-mire-lee<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 10,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 8,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 1349,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-gF","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1033,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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