{"id":1063,"date":"2022-02-16T13:56:07","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/emergent-strategies-from-the-deep-savvy-contemporary-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:50","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:50","slug":"whose-expression-die-kuenstler-der-bruecke-im-kolonialen-kontext-bruecke-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/whose-expression-die-kuenstler-der-bruecke-im-kolonialen-kontext-bruecke-museum\/","title":{"rendered":"Whose Expression? Die K\u00fcnstler der Br\u00fccke im kolonialen Kontext, Br\u00fccke-Museum"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Das Museum beherbergt Werke des K\u00fcnst- lerkollektivs \u201eBr\u00fccke\u201c, das Anfang des 20. Jahrhunderts aktiv war und zum Expressionismus geh\u00f6rt. Nicht nur Gem\u00e4lde, Zeichnungen und Holzfiguren lassen sich hier betrachten \u2013 Ob- jekte aus der Sammlung Karl Schmidt-Rottluffs, des Initiators des Museums und Mitglied der <\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eBr\u00fccke\u201c, werden nebenan im Kunsthaus gezeigt. Doch eins nach dem anderen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Seit Dezember letzten Jahres werden in der Ausstellung \u201eWhose Expression? Die K\u00fcnstler der Br\u00fccke im kolonialen Kontext\u201c zahlreiche Werke des Kollektivs aus einer kritischen Perspektive und vor dem historischen Entstehungshintergrund w\u00e4hrend der Kolonialzeit betrachtet. Die Architektur des Museums f\u00fchrt in einem Rundgang durch offene R\u00e4ume an den vielen Kunstwerken vorbei und l\u00e4sst dabei zeitgen\u00f6ssische Stimmen in Form von Videointerviews zu aktuellen Themen zu Wort kommen. Auch in der Einleitung wird die Verantwortung des Muse- ums in Bezug auf die Sammlungsgegenst\u00e4nde und das diskriminierungskritische Vorgehen beim Kuratieren betont, bei gleichzeitiger Bewusstmachung der eurozentrischen Blickrichtung.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Wie wird in der Ausstellung mit aus heutiger Sicht problematischen Titeln und Bildern umgegangen? Die Gem\u00e4lde und Zeichnungen werden, wie der Name der Ausstellung schon sagt, kontextualisiert, w\u00e4hrend Begriffe und rassistische Bezeichnungen auf den Kopf gestellt werden. Sie ganz zu streichen w\u00fcrde einer Verwischung der Erinnerung gleichkommen, so das Kurator*innen-Team. Mit Pfeilen gekennzeichnete Worte wie zum Beispiel \u201eKolonialismus\u201c und <\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eEthnologie\u201c werden in einem Glossar n\u00e4her beleuchtet und sollen \u201ezum kritischen Nachdenken und Austausch anregen.\u201c Das in Englisch und Deutsch verf\u00fcgbare Glossar kann man mitnehmen und sich somit auch nach dem Ausstellungsbesuch damit besch\u00e4ftigen. Einige Abschnitte aus den Leben der Br\u00fccke-K\u00fcnstler und auch kolonialgeschichtliche Punkte werden in einem Zeitstrahl dargelegt, der als Beginn der Ausstellung einen ersten \u00dcberblick gibt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Emil Nolde \u2013 das sind die Namen der Br\u00fccke-K\u00fcnstler, die zwischen 1905 und 1913 aktiv waren, und sich dabei der Stilmittel der Kunst und Kultur aus Afrika, Ozeanien und Indien bedienten. Man erf\u00e4hrt, dass nur Pechstein und Nolde mit ihren Frauen tats\u00e4chlich in deutsche Kolonialgebiete in Papua-Neuguinea und auf die Palau-Inseln gereist sind. Alle hatten jedoch gemeinsam, dass sie sich in den damals noch neuen sogenannten \u201eV\u00f6lkerkundemuseen\u201c in Berlin und Dresden intensiv mit den Werken aus dem globalen S\u00fcden besch\u00e4ftigten. Davon zeugen viele Skizzen und Bilder der K\u00fcnstler. Au\u00dferdem besuchten sie Theatervorstellungen, Variet\u00e9s und Parks, in denen auch Menschen wie Objekte \u201eausgestellt\u201c und somit als fremd konstruiert wurden. Das Kurator*innen-Team verweist explizit auf eine Dauerausstellung, die im Rathaus Treptow zu finden ist und detailliert die Erste Deutsche Kolonialausstellung aufarbeitet, w\u00e4hrend die Biografien und der Widerstand Schwarzer Menschen in den Vordergrund gestellt wird. Auch wurde im Br\u00fccke-Museum anhand von Fotografien, Briefen und Zeichnungen das Leben drei Schwarzer Menschen versucht n\u00e4her zu beleuchten. Nelly, Milly und Sam \u2013 wahrscheinlich nicht einmal ihre echten Namen, waren das doch stereotype Bezeichnungen, wie man von der Autorin und Wissenschaftlerin Natasha A. Kelly in einem der Video-Interviews erf\u00e4hrt \u2013 sie wurden vor allem von Kirchner gemalt und waren scheinbar oft im Atelier zugegen. Leider erf\u00e4hrt man nicht viel \u00fcber ihre Leben, was an den wenigen Dokumenten und Aufzeichnungen liegt, die \u00fcber sie zu finden sind.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung im Br\u00fccke-Museum schafft es, mit Hilfe der ausf\u00fchrlichen textlichen Ausarbeitungen zu den Werken das ambivalente Verh\u00e4ltnis zwischen Inspiration und Bewunderung der Kunst, und rassistischen Stereotypen und der Aneignung von Stilmitteln herauszustellen. Die K\u00fcnstler imaginierten die Kunst afrikanischer und ozeanischer Kultur als \u201eurspr\u00fcnglich\u201c, die dort lebenden Menschen als \u201efremd\u201c und \u201ewild\u201c. Obwohl die Br\u00fccke ihre Sichtweise eher als positiv empfand und sich von der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft in Deutschland abgrenzen wollte, trug diese doch zum Othering der Menschen bei. Auch Pechstein und Nolde, die in deutschen Kolonialgebieten waren, blendeten die Realit\u00e4t und die koloniale Gewalt in ihren Werken aus <\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u2013 Gegen\u00fcberstellungen von Fotografien und Briefen zeichnen ein anderes Bild als das der <\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eunber\u00fchrten\u201c Natur.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Eine weitere Besonderheit der Ausstellung im Br\u00fccke-Museum ist ein begehbarer Leseraum, der sich aus offenen Regalen ergibt. Diese vom Center of Unfinished Business konzipierte Installation beherbergt B\u00fccher zu unterschiedlichen Themen, die aber alle auf eine Art und Weise mit Kolonialismus zu tun haben. Ohne eine bestimmte Nutzungsweise des Raumes vorzugeben, sollen Besuchende dazu angeregt werden, sich dem Thema aus verschiedenen Richtungen zu n\u00e4hern und weiterzudenken, zu reflektieren. Au\u00dferdem ist der Raum \u00fcbers\u00e4t von bunten Post-Its mit verschiedensten Gedanken und Kommentaren zum Leseraum, zu den B\u00fcchern und zur Ausstellung allgemein. Der Schlusssatz in der Erl\u00e4uterung zum Leseraum <\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">kann auch sinnbildlich f\u00fcr die Aufarbeitung kolonialen Erbes gedacht werden: \u201eUnd nun los, auf zur Unvollendung dieser unvollendeten Angelegenheit!\u201c Die Objekte aus der Sammlung Karl Schmidt-Rottluffs, die im benachbarten Kunsthaus Dahlem in der Ausstellung \u201eTransition Exhibition\u201c den Werken zeitgen\u00f6ssischer K\u00fcnstler*innen gegen\u00fcbergestellt werden, sollen dieses Jahr digitalisiert und \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht werden - sowohl um mehr \u00fcber die Provenienz der Objekte zu erfahren, als auch um zum Austausch einzuladen und an Debatten um Restitution anzukn\u00fcpfen.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\u201eWhose Expression? Die K\u00fcnstler der Br\u00fccke im kolonialen Kontext\u201c<br \/><span>18. Dezember 2021 bis\u00a0<\/span><span>20.\u00a0M\u00e4rz\u00a02022<br \/><\/span> <br \/>Br\u00fccke-Museum<br \/>Bussardsteig 9<br \/>14195 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Mittwoch \u2013 Montag von 11-17 Uhr<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Kombi-Ticket (inkl. Kunsthaus Dahlem): regul\u00e4r 8 \u20ac - erm\u00e4\u00dfigt 5 \u20ac<br \/><br \/>www.bruecke-museum.de<br \/><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 8,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-h9","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1063,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. Juli 2016","format":false,"excerpt":"Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. 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