{"id":1069,"date":"2022-02-16T14:48:25","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/whose-expression-die-kuenstler-der-bruecke-im-kolonialen-kontext-bruecke-museum-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:51","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:51","slug":"helmut-newton-museum-fuer-fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/helmut-newton-museum-fuer-fotografie\/","title":{"rendered":"Helmut Newton, Museum f\u00fcr Fotografie"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Legacy<\/em> im Museum f\u00fcr Fotografie<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 1,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 7,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Nina Hecklau<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 2,\r\n      \"col\": 3,\r\n      \"colspan\": 13,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 3,\r\n      \"relid\": 6,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eZu welcher Gruppe geh\u00f6ren Sie? Ich erkenne Sie unter den Masken alle so schlecht\u201c sagt die fremde Uni-Dozentin genervt zu mir als die schwere Eingangst\u00fcr des Fotografie Museums leise hinter mir zu schwingt. Ich versichere ihr, dass ich zu keiner Gruppe geh\u00f6re und mich ganz allein durch die Ausstellung bewegen werde. Aber sie h\u00f6rt mir schon nicht mehr zu, sondern z\u00e4hlt stirnrunzelnd ihre Student*innen, und somit beginne ich meinen Rundgang ohne die Seminargruppe.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Helmut Neust\u00e4dter, geboren 1920 in Berlin als Sohn einer j\u00fcdischen Fabrikantenfamilie, startete seine Karriere 1936 im Fotostudio der ebenfalls j\u00fcdischen Fotografin Yva, als er dort mit 16 Jahren eine Lehre begann. Zwei Jahre sp\u00e4ter bekam Yva von den Nationalsozialisten Berufsverbot und musste ihr Studio schlie\u00dfen. Sie \u00fcberlebte den Holocaust nicht, 1942 wurde sie im Lager Sobibor in Polen ermordet. Die Neust\u00e4dters schafften die Flucht. Helmut gelangte \u00fcber Singapur nach Australien, wo er als Fotograf und Fotojournalist arbeitete. Hier lernte er auch seine Frau June kennen, die sp\u00e4ter unter dem K\u00fcnstlernamen Alice Springs selbst fotografisch t\u00e4tig war, und hier \u00e4nderte er seinen Namen von Neust\u00e4dter zu Newton. Der Durchbruch gelang ihm in den siebziger Jahren, seine Mode- und Aktfotografien wurden weltber\u00fchmt. Im Jahr 2020 w\u00e4re Newton 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass zeigt das Museum f\u00fcr Fotografie zus\u00e4tzlich zur Dauerausstellung die Retrospektive \u201eHelmut Newton. Legacy\u201c, die sein Werk nach Jahrzehnten einteilt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Dauerausstellung \\\"Helmut Newton\u2019s Private Property\\\" befindet sich im Erdgeschoss und zeigt nicht nur Fotografien von Newton, sondern allerlei private Gegenst\u00e4nde, die mit seinem k\u00fcnstlerischen Schaffen verbunden sind. Manche sind einfach interessant, wie seine Kalender und Notizb\u00fccher mit den hastig hingekritzelten Terminen und Ideen, manche wirken ein wenig fehl am Platz, wie der riesige ihm gewidmete Strandbuggy, das \u201eNewtonmobile,\u201c bei dem man sich fragt, ob man das unbedingt gesehen haben muss, um Newtons Arbeiten zu verstehen, und manche sind einfach ein wenig skurril, wie die Plastiknippel und ein Schamhaartoupet, Requisiten f\u00fcr Newtons oft fetischinspirierte Shootings.\u00a0<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eBarbies\u201c, ist die erste Assoziation, die einem durch den Kopf schie\u00dft, wenn man Newtons typische Fotografien sieht, oft schwarz-wei\u00df Fotos von perfekten Frauenk\u00f6rpern. Humanoide Roboter. Die Frauen von Stepford. Makellose, langbeinige Sch\u00f6nheiten. Nur l\u00e4cheln sie fast nie, sondern gucken meistens entschlossen, mal in die Kamera, mal in die Ferne. Sie sehen stark aus, unverwundbar. Nat\u00fcrlich kann man die Pr\u00e4senz des <em>male gaze<\/em> in den Aufnahmen nicht leugnen, die Frauen entsprechen zu 100 Prozent dem g\u00e4ngigen Sch\u00f6nheitsideal, nie sieht man eine Falte oder Cellulite. Aber grade diese k\u00f6rperliche Perfektion ist es, die die Unverwundbarkeit suggeriert. Den Frauen auf den Fotos scheint nichts und niemand etwas anhaben zu k\u00f6nnen, auch kein m\u00e4nnlicher Blick. Relativ zu Beginn der Ausstellung kann man einen Nachbau von Newtons B\u00fcro in Monaco aus dem Jahr 2003 betrachten. Eine nackte Schaufensterpuppe (nun ja fast nackt, sie tr\u00e4gt immerhin Stilettos) balanciert auf den H\u00e4nden und lehnt sich gegen die Wand. Gro\u00dfe, bunte Bilder h\u00e4ngen an den W\u00e4nden, ein braunes Ledersofa ist zu sehen, es ist nicht ungem\u00fctlich. Und tats\u00e4chlich, Barbies scheinen eine Inspirationsquelle f\u00fcr Newton gewesen zu sein. In einem Regal stehen mehrere von ihnen in ihrer originalen Verpackung. Doch auch hier ist es wieder etwas komplexer als es auf den ersten Blick scheint. Eine von den Puppen ist keine klassische Barbie mit rosa Ballkleid, sondern die 1997 vorgestellte \u201eShare a Smile\u201c Becky, eine Freundin von Barbie, die im Rollstuhl sitzt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Helmut Newton starb 2004 im Alter von 83 Jahren in Hollywood bei einem Autounfall in einem Cadillac. Eine lange Wand in der Ausstellung widmet sich den Reaktionen auf seinen Tod: handgeschriebene Beileidsbekundungen an seine Frau June von ber\u00fchmten Pers\u00f6nlichkeiten aus Mode und Politik, unter anderem Gerhard Schr\u00f6der. Daneben Titelseiten von Zeitungen aus aller Welt, die \u00fcber den t\u00f6dlichen Unfall berichteten. Seine Frau June \u00fcberlebte ihren Mann um 17 Jahre, sie starb 2021 im Alter von 97 Jahren. Ein Raum der Ausstellung ist ihrem Werk gewidmet. June Newton alias Alice Springs Fotografie ist der Helmut Newtons nicht un\u00e4hnlich, aber dennoch anders. In Ihrem Raum h\u00e4ngen Portraits, Gro\u00dfaufnahmen von Gesichtern in schwarz-wei\u00df. Niemand ist nackt, und die Pers\u00f6nlichkeit der Abgebildeten steht klar im Vordergrund. Hier sind eindeutig Menschen zu sehen, keine Puppen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die wohl ber\u00fchmtesten Bilder Newtons, die \u201eBig Nudes\u201c h\u00e4ngen in der Eingangshalle des Museums. Am besten kann man sie betrachten, wenn man eine der zwei geschwungenen Treppen hinaufgeht und sich auf die Empore stellt. Hier findet man sich Auge in Auge mit den \u00fcberlebensgro\u00dfen Drucken der f\u00fcnf h\u00fcllenlosen Models. Wie so oft sind die Fotos schwarz-wei\u00df. Die Frauen sind leicht von unten fotografiert und wirken so noch gr\u00f6\u00dfer und eindrucksvoller. Die Haltungen sind selbstbewusst, nichts wird verdeckt. Ein Infodruck auf der Wand der Empore, die schon zur \u201eLegacy\u201c Ausstellung geh\u00f6rt, vermittelt Hintergrundwissen \u00fcber Newtons Arbeitsweise. Er sei nicht an sehr jungen Frauen interessiert gewesen, sondern vor allem fasziniert von verheirateten Frauen in ihren Drei\u00dfigern: \u201eThey had all the sex appeal and all the glamour.\u201c. Und das sieht man den \u201eBig Nudes\u201c auch an. Hier geht es nicht um die Verf\u00fchrung der Jungfrau, die abgelichteten Frauen wirken in ihrer offensiven Sexualit\u00e4t eher einsch\u00fcchternd.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Zwei \u00e4hnlich ber\u00fchmte Bilder der \u201eLegacy\u201c Ausstellung im ersten Stock sind die \u201eSie kommen\u201c Fotos von 1981. Zwei nebeneinander h\u00e4ngende Fotos im Gro\u00dfformat, im Aufbau identisch, beide beinhalten eine Gruppe von vier Models, die auf die Kamera zulaufen. Der Unterschied: im \u201eDressed\u201c betitelten Foto tragen die Models elegante, eher weit geschnittene Kleidung, auf \u201eUndressed\u201c sind sie nackt. Der Effekt ist verbl\u00fcffend. Die angezogenen Frauen wirken zwar chic, aber nicht weiter bemerkenswert, eine typische Modefotografie. Ohne Kleidung sind die turmhohen Gestalten pl\u00f6tzlich fast bedrohlich, wie sie gradlinig und mit ihren verschr\u00e4nkten Armen und in die H\u00fcften gest\u00fctzten H\u00e4nden auf die Betrachter*innen zumarschieren. \u201eWomen are much stronger than men, in whatever situation\u201c wird Newton auf einer der Ausstellungsw\u00e4nde zitiert. Tats\u00e4chlich wirken die wenigen M\u00e4nner, die er fotografiert hat, oft etwas verloren. Der Maler Anselm Kiefer steht auf einem Bild von 1997 barfu\u00df unter einem Kronleuchter, mit h\u00e4ngenden Armen und Mundwinkeln, ganz ohne die Kraft und Intensit\u00e4t der weiblichen Models. Auch der nackte Gianni Versace posiert etwas verkrampft auf seiner Chaiselongue. Der 1983 portraitierte David Bowie hingegen sieht wie immer einfach fabelhaft aus.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eIch liebe Frauen. Es gibt nichts, was ich mehr liebe.\u201c sagte Newton einst, und das ist sicherlich viel zu weit gefasst. Die Frauen, die er liebte, entsprachen alle einem extrem eng gefassten Sch\u00f6nheitsideal und bilden nicht mal ansatzweise die Vielfalt aller Frauen ab. Alte Frauen, dicke Frauen, arme Frauen, offen queere Frauen sieht man bei Newton nicht. Aber Weiblichkeit in all ihren Facetten abzubilden war auch nie seine Absicht. Seine Bilder stehen nach wie vor f\u00fcr eine Idee von schwer erreichbarem Glamour und seine Models sind immer mehr als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Tr\u00e4ume von Sex, Macht und Perfektion inszeniert, als Menschen aus Fleisch und Blut.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\">\u00a0<\/p><p>\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Literatur:<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">https:\/\/www.berlin.de\/ausstellungen\/fotoausstellungen\/6336553-2745254-helmut-newton-legacy.html<br \/>letzter Zugriff 05.02.2022<br \/>https:\/\/www.berlin.de\/ausstellungen\/fotoausstellungen\/2775458-2745254-helmut-newton-private-property.html letzter Zugriff 05.02.2022<br \/>https:\/\/www.ernst-barlach.de\/helmut-newton.html letzter Zugriff 05.02.2022<br \/>https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/autounfall-starfotograf-helmut-newton-toedlich-verunglueckt-1147597.html letzter Zugriff 05.02.2022<br \/>https:\/\/taz.de\/Doku-ueber-Fotografen-Helmut-Newton\/!5694257\/ letzter Zugriff 05.02.2022<br \/>https:\/\/themighty.com\/2017\/05\/responding-to-mattel-discontinuing-share-a-smile-becky\/ letzter Zugriff 05.02.2022<br \/>https:\/\/www.vogue.de\/mode\/artikel\/helmut-newton-100-geburtstag-bildband-baby-sumo-film-bad-and-beautiful letzter Zugriff 05.02.2022<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\">\u00a0<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\\\"Helmut Newton\u2019s Private Property\u201c <br \/>Dauerausstellung<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\\\"Helmut Newton. Legacy\\\"<br \/>31. Oktober 2021 bis 22. Mai 2022<\/span><\/p><div><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Museum f\u00fcr Fotografie \/ Helmut Newton Foundation<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Jebensstra\u00dfe 2<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10623 Berlin<\/span><\/p><\/div>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 8,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-hf","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1069,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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