{"id":1094,"date":"2022-02-16T23:20:15","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/hr-giger-mire-lee-schinkel-pavillon-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:48","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:48","slug":"alexandra-bircken-kindl-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/alexandra-bircken-kindl-berlin\/","title":{"rendered":"Alexandra Bircken, KINDL Berlin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Im Rahmen der Berliner Art Week 2021 konstruiert sie eine raumf\u00fcllende Installation f\u00fcr das Kesselhaus des KINDL. Hierf\u00fcr schafft die K\u00fcnstlerin aus verschiedenartigen Materialien Skulpturen und Assemblagen, in denen die Beziehung von Raum und K\u00f6rper sowie die Frage nach den Grenzen des Menschseins erforscht werden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Alexandra Bircken ist eine deutsche Installations- und Objektk\u00fcnstlerin und geh\u00f6rt zu den wichtigsten Vertreter*innen der Gegenwartskunst. Die Mode bildet den Ausgangspunkt ihrer k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit und ist stets Teil ihrer Werke und Installationen durch die Verwendung von Modepuppen, die in unterschiedlichen Textilien gekleidet sind. Das KINDL-Zentrum befindet sich auf dem historischen Gel\u00e4nde der ehemaligen Kindl-Brauerei, es ist ein hybrider Kulturort f\u00fcr das Zusammenspiel von Baugeschichte und Gegenwartskunst. Das Kesselhaus ist Teil des Raumensembles des KINDL und bietet mit einer Deckenh\u00f6he von 20 Metern einen einzigartigen Ort f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dem Raum in k\u00fcnstlerischen Arbeiten. In der Ausstellung <em>Fair Game<\/em>, kuratiert von Kathrin Becker, bedient sich die K\u00fcnstlerin dieser besonderen r\u00e4umlichen Gegebenheit und bespielt gekonnt die Gr\u00f6\u00dfe und H\u00f6he des Bauwerkes mit ihrer Installation.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Von au\u00dfen kann der\/die Besucher*in einen Blick in das Innere des Kesselhauses und auf die am Boden liegenden Objekte werfen. Bereits hier l\u00e4sst sich erahnen, welche Ausdruckst\u00e4rke von der Installation aus geht, die beim Betreten des Geb\u00e4udes mit Wucht zuschl\u00e4gt. \u00dcber den ganzen Raum verteilt liegen menschliche Figuren, reduziert auf leere H\u00fcllen aus schwarzem Latex. Sie \u00e4hneln Fetisch-K\u00f6rperanz\u00fcgen, die wie Kriegsgefallene leblos auf dem Boden liegen. Ansammlungen und T\u00fcrme von schwarzen Bierf\u00e4ssern aus der ortsans\u00e4ssigen Rollberg-Brauerei in der Mitte des Raumes wirken wie potenzielle Fassbomben, die farblich passend zum Latex die Zerst\u00f6rung des lebendigen Inneren unterstreichen. Die geschlechtliche Zuordnung der Figuren ist teilweise aufgehoben und nur vereinzelte Stickereien von K\u00f6rperteilen wie Augen, Organe oder Muskeln deuten eine Individualisierung an. Erst durch das Schweifen des Blickes, die W\u00e4nde entlang zur Decke des Raumes, fallen weitere H\u00fcllen ins Auge. Einzelne Latexfiguren sind mit Haken an der Wand aufgehangen oder sitzen leblos mit herunterbaumelndem Bein auf einem Vorsprung. Versteckt, nur beim genauen Hinschauen zu erkennen, liegen weitere schwarze H\u00fcllen auf der Lichtbr\u00fccke, die dicht unter der Decke verl\u00e4uft. Wie Anz\u00fcge im Kleiderschrank h\u00e4ngen f\u00fcnf H\u00fcllen an einer Stahlkonstruktion von der Decke und erinnern an Erh\u00e4ngte. Diese einsch\u00fcchternde Assoziation tritt noch deutlicher hervor bei den beiden Latexgestalten, die am Nacken an einem Stahlsein in der Mitte des Raumes h\u00e4ngen und sich im Windsto\u00df drehen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Alexandra Bircken besetzt den gesamten Raum mit leeren H\u00fcllen und sorgt so f\u00fcr unterschiedliche Assoziationen von leblosen K\u00f6rpern beim Publikum. Deutlich wird die Haut als Organ oder Bekleidung dargestellt, die auch ohne das Innere existieren.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Einen Fluchtweg aus der Szenerie bildet die parallel daneben verlaufende zwanzig Meter lange Leiter aus echten Rinderrippen, welche die H\u00f6he des Raumes den Betrachter*innen vor Augen f\u00fchrt. Die Leiter besteht aus dem fehlenden Inneren der leeren H\u00fcllen: den Knochen als Grundger\u00fcst des K\u00f6rpers, die als \u00dcberreste gefunden werden k\u00f6nnen. Auch ein Strang aus verwobenen menschlichen und k\u00fcnstlichen Haaren an der Wand verweist auf die \u00dcberbleibsel des menschlichen K\u00f6rpers nach dem Tod.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Gro\u00dfe Fenster am Boden und an der Decke des Kesselturmes erhellen den Raum, sodass die Lampen an den W\u00e4nden tags\u00fcber wenig Nutzen haben. Nach Sonnenuntergang ver\u00e4ndert sich bestimmt die Atmosph\u00e4re im Turm: die ausgerichteten Scheinwerfer beleuchten die einzelnen Objekte und sorgen so f\u00fcr eine unheimliche und geisterhafte Stimmung.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"bottom\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 757,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2Unbenannt.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 4,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 619,\r\n      \"attid\": 1096,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2Unbenannt.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/2Unbenannt-265x354.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 427,\r\n      \"h\": 571,\r\n      \"ar\": 1.3372365339578454,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/3Unbenannt.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 9,\r\n      \"colspan\": 7,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 596,\r\n      \"attid\": 1097,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/3Unbenannt.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/3Unbenannt-512x384.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/3Unbenannt-265x199.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 754,\r\n      \"h\": 565,\r\n      \"ar\": 0.7493368700265252,\r\n      \"alt\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Farbliche Akzente in der Installation setzen bunte mundgeblasene Glask\u00f6rper, die an verschiedenen Stellen am Boden liegen. Nichtmenschliche Objekte wie Stofftiere sowie blaue und rosafarbene Figuren befinden sich im Inneren der ovalen K\u00f6rper und schl\u00fcpfen wie aus einem Kokon. Der Prozess der Transformation und die Haut als Grenze von Innen und Au\u00dfen werden hierbei in einer weiteren Darstellung den Besuchenden pr\u00e4sentiert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Auffallend in der Installation ist eine stehende Kleiderpuppe. Bekleidet mit bunten Textilien, Motorrad- und Footballkleidung sticht sie aus den schwarzen, leeren H\u00fcllen am Boden heraus. Ein Geweih aus Auspuffteilen an der Stelle des Kopfes verdeutlicht Birckens k\u00fcnstlerische Besch\u00e4ftigung mit Readymades und der Mode. Bewaffnet mit einem S\u00e4bel in der einen, tr\u00e4gt die Puppe einen \u00fcblichen Jutebeutel in der anderen Hand. Aus dem zweisprachigen Ausstellungstext zu erfahren, ist es ein historischer Verweis auf die menschliche Vorzeit, in denen die Sammlerinnen, nicht die J\u00e4ger, f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der Nahrung sorgten und f\u00fcr das Sammeln Beutel aus Heuten und H\u00fcllen verwendeten.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Besuchenden werden begleitet von einer Soundcollage mit einem Pulsschlag als durchg\u00e4ngigem Element, auf dessen Beat Melodien und andere Ger\u00e4usche abgestimmt sind. Bedrohlich werden die T\u00f6ne lauter und k\u00f6nnen nicht ignoriert werden. Die Aufz\u00e4hlung \u00fcber die Materialien der einzelnen Objekte neben dem Eingang gibt auch hier Auskunft \u00fcber die zu h\u00f6renden Kl\u00e4nge. Wie bereits andere K\u00fcnstler*innen, verwendet Bircken den Pulsschlag, um auch auf der akustischen Ebene Verbindung zum menschlichen K\u00f6rper zu schaffen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das Kesselhaus des KINDL wird mit Alexandra Birckens Installation <em>Fair Game<\/em> gekonnt bespielt, ohne dass es ein gro\u00dfes, raumf\u00fcllendes Objekt ben\u00f6tigt. Mit h\u00e4ngenden Elementen, wie die Knochenleiter oder das Stahlseil, nutzt die K\u00fcnstlerin die gesamte H\u00f6he des Geb\u00e4udes f\u00fcr ihre Arbeit. Gro\u00dfe Fenster leuchten den Raum aus und machen das Finden der einzelnen Latexfiguren auch an der Decke m\u00f6glich. Diese leblosen schwarzen H\u00fcllen sind dominant und pr\u00e4sent im Raum und zeigen das Fehlen des menschlichen Leibes. Die gl\u00e4sernen Objekte am Boden pr\u00e4sentieren eine weitere Form der Umh\u00fcllung und lenken die Aufmerksamkeit auf den bef\u00fcllten oder leeren Innenraum. Die Besuchenden werden mit den Fragen, wo endet das Innere und inwieweit ist die Haut Schutz oder Abschirmung vom \u00c4u\u00dferen, konfrontiert und verlassen die Ausstellung nachdenklich mit keinen eindeutigen Antworten.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 6,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 1090,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/4Unbenannt.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 7,\r\n      \"col\": 6,\r\n      \"colspan\": 7,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 6,\r\n      \"relid\": 1694,\r\n      \"attid\": 1098,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/4Unbenannt.jpg\",\r\n        \"_768\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/4Unbenannt-768x514.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/4Unbenannt-512x343.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/4Unbenannt-265x177.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 880,\r\n      \"h\": 589,\r\n      \"ar\": 0.6693181818181818,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/5Unbenannt.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 8,\r\n      \"col\": 6,\r\n      \"colspan\": 7,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 6,\r\n      \"relid\": 1347,\r\n      \"attid\": 1099,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/5Unbenannt.jpg\",\r\n        \"_768\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/5Unbenannt-768x577.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/5Unbenannt-512x385.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/5Unbenannt-265x199.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 886,\r\n      \"h\": 666,\r\n      \"ar\": 0.7516930022573364,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Alexandra Bircken, <em>Fair Game<br \/><\/em>19.09.2021-15.05.2022<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">KINDL \u2013 Zentrum f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst<br \/><span>Am Sudhaus 3<br \/>12053 Berlin<\/span><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Mi 12-20 Uhr, Do-So 12-18 Uhr<br \/>Eintritt: 5\u20ac, Erm\u00e4\u00dfigt: 3\u20ac<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.8;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">https:\/\/www.kindl-berlin.de\/bircken<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 9,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 8,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 1349,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-hE","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1094,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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