{"id":1159,"date":"2025-07-02T13:10:49","date_gmt":"2025-07-02T11:10:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/resetmodernity-copy\/"},"modified":"2025-09-22T10:42:19","modified_gmt":"2025-09-22T08:42:19","slug":"sung-tieu-1992-2025-kw-institute-for-contemporary-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/sung-tieu-1992-2025-kw-institute-for-contemporary-art\/","title":{"rendered":"Sung Tieu 1992, 2025, KW Institute for Contemporary Art"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Dabei verkn\u00fcpft die Tr\u00e4gerin des Preises fu\u0308r ku\u0308nstlerische Forschung der Schering Stiftung 2024 in ihrer k\u00fcnstlerischen Praxis Erfahrungsperspektiven mit recherchebasiertem Wissen. Fokus der Ausstellung im KW Institute for Contemporary Art sind die politischen sowie gesellschaftlichen Auswirkungen des Zusammenbruchs der DDR f\u00fcr die vietnamesischen Vertragsarbeiter:innen. Tieu analysiert, wie rassistische Strukturen und Diskriminierung jener Zeit die Identit\u00e4ten, Rollenbilder und sozialen Netzwerke der vietnamesischen Gemeinschaft beeinflussten und bis in die Gegenwart pr\u00e4gen.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das KW Institut for Contemporary Art als ehemalige Margarinefabrik mit Lage im fr\u00fcheren Ost-Berlin bietet als historischer Ort, die Kulisse f\u00fcr die Ausstellung. Sung Tieu f\u00fcgt den industriellen R\u00e4umlichkeiten mit freiliegenden Backsteinw\u00e4nden und gemauertem Tonnengew\u00f6lbe eine Geschichte der Vertragsarbeiter:innen hinzu, welche in der Rezeption der deutsch-deutschen Geschichtsschreibung bisher zu kurz kommt. Mit dem Anwerbeabkommen zwischen der DDR und der sozialistischen Republik Vietnam im Jahr 1980 kamen etwa 60.000 vietnamesischen Vertragsarbeiter.innen in den Osten Deutschlands. Die K\u00fcnstlerin erkennt eine Ambivalenz in der sogenannten Wiedervereinigung Deutschlands, denn nach dem Mauerfall 1989 gerieten viele Vertragsarbeiter*innen der DDR und deren Familien in einen Zustand rechtlicher und sozialer Unsicherheit. Die pl\u00f6tzliche Aufl\u00f6sung von Arbeitsvertr\u00e4gen und die Schlie\u00dfung vieler volkseigener Betriebe entzog ihnen die Grundlage ihres Aufenthalts. Viele Gastarbeiter:innen sahen sich gezwungen, informelle \u00dcberlebensstrategien zu entwickeln, in rechtlichen Grauzonen zu agieren. Die Arbeit <em>Midair <\/em>spiegelt jene Unsicherheiten \u00fcber den eigenen legalen Status \u00fcber die Jahre hinweg wider.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 6,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 6,\r\n      \"relid\": 18,\r\n      \"attid\": 1171,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1.jpg\",\r\n        \"_1920\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1-1920x1280.jpg\",\r\n        \"_1280\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1-1280x854.jpg\",\r\n        \"_1024\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1-1024x683.jpg\",\r\n        \"_768\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1-768x512.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1-512x341.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_1-265x177.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 2500,\r\n      \"h\": 1667,\r\n      \"ar\": 0.6668,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      },\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"caption\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span><span style=\\\"font-size: 10px;\\\">Sung Tieu, ohne Titel (2025). \u00a9 Installationsansicht der Ausstellung <em>Preis f\u00fc<\/em><em>r k\u00fcnstlerische Forschung der Schering Stiftung 2024: Sung Tieu \u2013 1992, 2025 <\/em>in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025; Courtesy die K\u00fcnstlerin, Foto: Frank Sperling.<\/span> <\/span><\/p>\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im Durchbruch der zwei Etagen der Ausstellungsr\u00e4ume schweben DDR-M\u00f6bel in der Luft. Auf dem Boden sind orientalisierende Teppiche ausgelegt. Die Betrachtung offenbart, dass an der Produktion der bis heute beliebten Einrichtungsst\u00fccke unter anderem vietnamesische Vertragsarbeiter:innen beteiligt waren. Dem Inventar selbst ist also eine vielfache Geschichte eingeschrieben. Indem Tieu den M\u00f6belst\u00fccken den Boden unter den F\u00fc\u00dfen nimmt, verweist sie auf den \u201estate of suspension\u201c und die Durchdringung historischer Prozesse bis in die Gegenwart. Sie selbst kam 1992 nach Deutschland \u2013 in einem Jahr, welches von politisch motivierter rechtsextremer Gewalt gepr\u00e4gt war. Einige der Ausschreitungen, etwa in Rostock-Lichtenhagen, gelten heute als die schwersten rassistisch und fremdenfeindlich motivierten Pogrome in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Tieu thematisiert jene rassistisch motivierten Anfeindungen in ihrem Werk <em>Read Me, Wear Me, Fear Me<\/em><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 9,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Indem die K\u00fcnstlerin Kleidungsst\u00fccke aus Baumwolle mit Zeitungsartikeln, welche die rassistisch motivierte Gewalt in den 1990er Jahren widerspiegeln, bedruckt, verbindet Tieu ihre Recherchen mit der Erfahrung, die st\u00e4ndige Bedrohung von Gewalt am eigenen K\u00f6rper zu tragen. Auf der zweiten Etage der Ausstellung werden historische und gegenw\u00e4rtige Narrative in vielschichtiger Weise miteinander verwoben. In die Bewegung durch den Ausstellungsraum wird jedoch durch das Werk <em>Berliner Elle <\/em>interveniert.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 6,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 6,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 19,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      }\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 6,\r\n      \"col\": 11,\r\n      \"colspan\": 4,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 3,\r\n      \"relid\": 10,\r\n      \"attid\": 1172,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2.jpg\",\r\n        \"_4096\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-4096x6141.jpg\",\r\n        \"_3840\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-3840x5757.jpg\",\r\n        \"_3200\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-3200x4798.jpg\",\r\n        \"_2560\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-2560x3838.jpg\",\r\n        \"_1920\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-1920x2879.jpg\",\r\n        \"_1280\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-1280x1919.jpg\",\r\n        \"_1024\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-1024x1535.jpg\",\r\n        \"_768\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-768x1151.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-512x768.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_2-265x397.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 5464,\r\n      \"h\": 8192,\r\n      \"ar\": 1.499267935578331,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"caption\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 10px;\\\">Sung Tieu, <em>Read Me, Wear Me, Fear Me <\/em>(2025). \u00a9 Installationsansicht der Ausstellung <em>Preis f\u00fc<\/em><em>r k<\/em><em>\u00fcnstlerische Forschung der Schering Stiftung 2024: Sung Tieu \u2013 1992, 2025 <\/em><\/span><span><span style=\\\"font-size: 10px;\\\">in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025; Courtesy die K\u00fcnstlerin, Foto: Frank Sperling.<\/span> <\/span><\/p>\",\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      }\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">F\u00fcnf aus Aluminium gegossenen Vierkantst\u00e4be verweisen auf die historische Ma\u00dfeinheit der Berliner Elle. Sie sind an den S\u00e4ulen im Raum als Hindernisse angebracht. Die Vierkantst\u00e4be strecken buchst\u00e4blich den Ellenbogen aus und markieren so gesellschaftliche Distanz. Die gegen\u00fcberliegenden Wandhocker rufen die Assoziation eines Warteraums als ein Ort der Ungewissheit auf. Diese k\u00fcnstlerischen und kuratorischen Entscheidungen schr\u00e4nken die Besucher:innen in ihrer Bewegungsfreiheit ein, was zu einer dialogischen Ausstellungsrezeption f\u00fchrt. Es soll ein Gef\u00fchl der Unsicherheit und des Dazwischenseins vermittelt werden. Allerdings muss nicht davon ausgegangen werden, dass alle Besucher:innen jenes Raumerleben teilen. Mit den verschiedenen sozialen Hintergr\u00fcnden variiert auch das Erfahren der Ausstellung.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"middle\",\r\n      \"row\": 7,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 16,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 8,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 7,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 22,\r\n      \"attid\": 1173,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3.jpg\",\r\n        \"_4096\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-4096x2732.jpg\",\r\n        \"_3840\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-3840x2561.jpg\",\r\n        \"_3200\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-3200x2134.jpg\",\r\n        \"_1920\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-1920x1281.jpg\",\r\n        \"_1280\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-1280x854.jpg\",\r\n        \"_1024\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-1024x683.jpg\",\r\n        \"_768\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-768x512.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-512x341.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_3-265x177.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 8107,\r\n      \"h\": 5407,\r\n      \"ar\": 0.6669544837794499,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      },\r\n      \"caption\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span><span style=\\\"font-size: 10px;\\\">Sung Tieu, <em>Berliner Elle <\/em>(2025). \u00a9 Installationsansicht der Ausstellung <em>Preis f\u00fc<\/em><em>r k\u00fcnstlerische Forschung der Schering Stiftung 2024: Sung Tieu \u2013 1992, 2025 <\/em>in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025; Courtesy die K\u00fcnstlerin, Foto: Frank Sperling.<\/span> <\/span><\/p>\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 8,\r\n      \"col\": 10,\r\n      \"colspan\": 7,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 23,\r\n      \"attid\": 1174,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4.jpg\",\r\n        \"_1920\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4-1920x1280.jpg\",\r\n        \"_1280\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4-1280x854.jpg\",\r\n        \"_1024\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4-1024x683.jpg\",\r\n        \"_768\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4-768x512.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4-512x341.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hauck_Bild_4-265x177.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 2500,\r\n      \"h\": 1667,\r\n      \"ar\": 0.6668,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      },\r\n      \"caption\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span><span style=\\\"font-size: 10px;\\\">Sung Tieu, ohne Titel (2025). \u00a9 Installationsansicht der Ausstellung <em>Preis f\u00fc<\/em><em>r k\u00fcnstlerische Forschung der Schering Stiftung 2024: Sung Tieu \u2013 1992, 2025 <\/em>in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025; Courtesy die K\u00fcnstlerin, Foto: Frank Sperling.<\/span> <\/span><\/p>\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die erg\u00e4nzende Publikation zur Ausstellung bildet selbst eine Form der Historisierung, da Tieu darin eine alternative Geschichtsschreibung anbietet. Das Problem der Narrative \u00fcber Migration und Machtregime ist unter anderem in der Wissensproduktion zu verorten. Indem Tieu die Ergebnisse ihrer Recherche publiziert, bietet sie eine alternative Geschichte an. Die Publikation verbindet m\u00fcndliche \u00dcberlieferung mit wissenschaftlicher Geschichtsschreibung. Historische Kontextualisierungen stehen neben Interviews und Abbildungen. Die Texte sind auf Deutsch, Vietnamesisch und Englisch verfasst, wodurch sich die Publikation an ein internationales Publikum richtet, aber auch an jene Personen, die die beschriebene Geschichte erlebt haben. Indem Tieu Wissen produziert, hinterfragt sie die deutsch-deutsche Geschichte und erg\u00e4nzt diese.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Als Bedingung f\u00fcr die Realisierung der Ausstellung forderte Tieu die Aufnahme eines von ihr ausgew\u00e4hlten Mitglieds in den Tr\u00e4gerverein der KW Institute for Contemporary Art und der Berlin Biennale f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst, den KUNST-WERKE BERLIN e. V. So sollen die Erweiterung des Stimmenspektrums und der Perspektiven sowie Inklusivit\u00e4t innerhalb des Vereins vorangetrieben werden. Vor diesem Hintergrund entwickelte Tieu ein konzeptuelles Kunstwerk, dessen Verkaufserl\u00f6s die Finanzierung einer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Mitgliedschaft f\u00fcr das von ihr vorgeschlagene Vereinsmitglied sicherstellen soll. Die K\u00fcnstlerin hinterfragt auf diese Weise strukturelle Mechanismen der Ausgrenzung und die Intransparenz institutioneller Prozesse.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dass die k\u00fcnstlerische Praxis zu Themen der Migration nicht an die Institution des Museums gebunden ist, zeigen die von Tieu angebotenen Touren durch einen der gr\u00f6\u00dften ehemaligen Wohnkomplexe f\u00fcr vietnamesische Vertragsarbeiter:innen der DDR an der Gehrenseestra\u00dfe in Berlin-Alt-Hohensch\u00f6nhausen. Dabei verbindet die selbst dort aufgewachsene K\u00fcnstlerin pers\u00f6nliche Erinnerungen mit historischer Kontextualisierung. Die F\u00fchrungen sind weniger ein intendiertes Kunstwerk als ein Projekt, welches aus dem Interesse des Umfelds der K\u00fcnstlerin entstanden ist. Mittlerweile bezeichnet sie die F\u00fchrungen als eins ihrer besten Werke, wobei sie sich weniger als K\u00fcnstlerin, sondern vielmehr als Mediatorin versteht. Die Touren machen die Migrationsgeschichte der vietnamesischen Vertragsarbeiter:innen sichtbar und erlebbar, wobei sie sich der Musealisierung entziehen.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Tieu schafft folglich eine transkulturelle sowie transnationale Perspektive auf die deutsch-deutsche beziehungsweise deutsch-vietnamesische Geschichte. Die K\u00fcnstlerin nimmt sich der Migrationsgeschichte vietnamesischer Vertragsarbeiter:innen in der DDR an, indem sie subjektive Erfahrungen mit Rechercheergebnissen erg\u00e4nzt. So entsteht eine Geschichte zwischen Universalisierung und Partikularisierung. Die Besucher:innen stellen sich einer stetigen Spannung zwischen individuellen Lebensrealit\u00e4ten und \u00fcbergeordneten Mechanismen systemischer Regulierung. Es geht um das Dazwischensein: zwischen legal und illegal, zwischen innen und au\u00dfen, zwischen Inklusion und Exklusion. Wie die Arbeit <em>Berliner Elle<\/em> zeigt, kann dabei nicht von einer einheitlichen Erfahrung der Besucher:innen ausgegangen werden. Eher lassen die Werke je nach eigener Situiertheit Interpretationsspielr\u00e4ume offen. Die Ausstellung hat in dem Sinne keinen rein wissenschaftlichen Anspruch. Vielmehr werden interdisziplin\u00e4re Ans\u00e4tze gew\u00e4hlt, um den bis heute anhaltenden Zustand eines Lebens in einer gesellschaftlichen Grauzone der vietnamesischen Arbeitsmigrant:innen und den nachfolgenden Generationen in Deutschland zu thematisieren.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 9,\r\n      \"col\": 3,\r\n      \"colspan\": 16,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 3,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Preis fu\u0308r ku\u0308nstlerische Forschung der Schering Stiftung 2024: Sung Tieu 1992, 2025<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">15.2.-4.5. 2025<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">KW Institute for Contemporary Art<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Auguststra\u00dfe 69<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10117 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\u00d6ffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 11-19 Uhr<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Eintritt: regul\u00e4r 10\u20ac, erm\u00e4\u00dfigt 6\u20ac<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/www.kw-berlin.de\/sung-tieu\/\\\">https:\/\/www.kw-berlin.de\/sung-tieu\/<\/a><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\">\u00a0<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 10,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      },\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-iH","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1159,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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