{"id":1195,"date":"2025-08-11T14:18:52","date_gmt":"2025-08-11T12:18:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/church-for-sale-hamburger-bahnhof-copy-copy-2\/"},"modified":"2025-09-17T13:58:11","modified_gmt":"2025-09-17T11:58:11","slug":"spleen-by-romeo-mivekannin-galerie-barbara-thumm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/spleen-by-romeo-mivekannin-galerie-barbara-thumm\/","title":{"rendered":"\u201eSpleen\u201c by Rom\u00e9o Mivekannin, Galerie Barbara Thumm"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Sein Schaffen umfasst Neuinterpretationen kunsthistorischer Werke in Malerei und Installation mit dem Ziel, den kolonialen Blick auf Unterrepr\u00e4sentierte und \u201eunspoken (non dits)\u201c aufzuzeigen. Die Ausstellung <em>Spleen<\/em> besteht aus elf Kunstwerken, gro\u00dfformatigen Laken-Leinw\u00e4nden, die \u00fcber den Raum verteilt frei h\u00e4ngen.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"middle\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 17,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"text-align: right;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eDer Orient war nachgerade eine europ\u00e4ische Erfindung \u2013 und bereits seit der Antike ein Ort der Romantik, exotischer Wesenheiten, eindringlicher Erinnerungen und Landschaften und au\u00dfergew\u00f6hnlicher Erlebnisse\u201c<\/span><\/p><p style=\\\"text-align: right;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">(Edward Said, <em>Orientalismus<\/em>, 1978)<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"middle\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 15,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 15,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mit diesem Zitat startet der Beitext von Susana Turban Botero zu Rom\u00e9o Mivekannins Ausstellung. Denn der K\u00fcnstler macht in seinen Bildern auf den Orientalismus nach Said aufmerksam, spielt mit ihm und kritisiert ihn. Mivekannin bezieht sich auf historische Werke europ\u00e4ischer Maler, die den sogenannten Orient aus ihrer Perspektive unter Verwendung von Stereotypen inszenierten. Diese Werke greift er auf und ver\u00e4ndert sie. In seiner Ausstellung ersetzt Mivekannin die Gesichter der dargestellten Figuren mit seinem eigenen Schwarz-Wei\u00df-Portr\u00e4t, welches die Betrachtenden in jedem Werk direkt anschaut. Er nennt dieses Verfahren \u201evisuelle Irritation\u201c. Den objektifizierten, passiven Figuren wird dadurch eine aktive, handlungsf\u00e4hige Rolle zur\u00fcckgegeben.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Der Ausstellungsraum der Galerie ist vollkommen wei\u00df und ahmt die Optik eines leeren Hauses von innen nach, da ein Dach den Raum bedeckt. Das erste Kunstwerk h\u00e4ngt an der Wand des Eingangsbereichs. Die zehn weiteren Leinw\u00e4nde sind im darauffolgenden Raum positioniert. Zwei gro\u00dfe Kunstwerke sind R\u00fccken an R\u00fccken in der Mitte des Ausstellungsraumes platziert und bilden so eine Raumtrennung. Die Werke haben keine Untertitel oder Beitexte, sondern stehen f\u00fcr sich. Jedoch gibt es einen zusammenfassenden Text zur Ausstellung im Eingangsbereich. Die Kunstwerke greifen Motive ber\u00fchmter Gem\u00e4lde von K\u00fcnstlern wie Jean-L\u00e9on G\u00e9r\u00f4me, Jean-\u00c9ttiene Liotard oder Leopold Carl M\u00fcller auf, die den sogenannten Orient exotisierend, erotisierend und stereotyp darstellten. Die Motive umfassen allt\u00e4gliche, h\u00e4usliche Szenen in inszenierten Innenr\u00e4umen mit Wandteppichen und extravaganten, bunten, mit Ornamenten und filigranen Mustern besetzten Gew\u00e4ndern sowie Portraits mit typisch orientalistischen Attributen wie einem geh\u00e4uteten Tier. Die so dargestellte Andersartigkeit im Gegensatz zur westlichen Welt wird von den K\u00fcnstlern hervorgehoben und ausgeschm\u00fcckt, was ein stereotypes Orientbild aus westlicher Perspektive konstruiert und best\u00e4rkt.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">N\u00e4her m\u00f6chte ich auf das Werk <em>After <\/em><em>\u00c9<\/em><em>mile Vernet-Lecomte, <\/em><em>Tinco<\/em> <em>Martinus<\/em> <em>Lycklama<\/em> eingehen. Vernet-Lecomte bildet in seinem Gem\u00e4lde den europ\u00e4ischen Adligen und Reisenden Tinco Martinus ab, der von einer weiteren Person bedient wird. Martinus wird mit typisch orientalischen Attributen gezeigt: bunter, f\u00fcr den Westen exotischer Kleidung und einem Turban. Die zweite Figur wird deutlich kleiner und bedienend abgebildet, sie reicht ihm eine Karaffe. Auch die bedienstete Person erscheint in bunter Kleidung, jedoch ist diese nicht so prunkvoll wie die des Europ\u00e4ers. Diese Inszenierung zeigt ein eindeutiges symbolisches Machtgef\u00e4lle, in der der europ\u00e4ischen Figur ein h\u00f6herer Status zugewiesen wird. Es wird nicht nur die \u201evom Westen entdeckte\u201c Andersartigkeit inszeniert, sondern ebenso das koloniale Machtgef\u00e4lle verdeutlicht und verst\u00e4rkt.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mivekannin w\u00e4hlt Werke mit dieser Thematik aus, um jene Strukturen zu brechen. In <em>After \u00c9mile<\/em> ersetzt er das Gesicht der bedienenden Figur durch sein eigenes. Die Figur erh\u00e4lt dadurch Aufmerksamkeit und aktive Kraft, die sie aus ihrer passiven und objektinfizierenden Darstellung ausbrechen l\u00e4sst: ein k\u00fcnstlerischer Ansatz, der auf die westliche Kreation des Orients aufmerksam macht und den erforschten Figuren eine subjektive St\u00e4rke zur\u00fcckgeben m\u00f6chte. Signifikant f\u00fcr Mivekannins Werke ist au\u00dferdem die Materialwahl. Als Grundlage dienen alte Bettlaken, die in Elixierb\u00e4dern getr\u00e4nkt und von den Voodoo-Ritualen Benins, woher Mivekannins Familie stammt, inspiriert wurden. Somit erhalten die Werke einen spirituellen, heimatlichen, originalen Wert.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"bottom\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 757,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      }\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px; letter-spacing: 0.1em;\\\">Die aktive Rolle der Werke<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"middle\",\r\n      \"row\": 6,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das erste Werk gleich am Eingang zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Als betrachtende Person wird man von dem Werk buchst\u00e4blich schon beim Eintreten angestarrt. Das hineingesetzte Schwarz-Wei\u00df-Gesicht Mivekannins richtet den Blick direkt auf die Betrachtenden. Man wird beobachtet und sofort in die Ausstellung eingebunden. Sobald man den Ausstellungsraum betritt, wird man f\u00f6rmlich von beobachtenden Blicken aller Werke umzingelt. Jedes in die abgebildeten Figuren eingesetzte Schwarz-Wei\u00df-Portr\u00e4t des K\u00fcnstlers schaut dich an. Du wirst beim Beobachten beobachtet. Die Werke vermitteln somit Kraft. Sie werden lebendig und haben etwas auszusagen. Sie machen wie von selbst auf sich aufmerksam und bekommen eine aktive Rolle, die in Interaktion mit den Anblickenden entsteht. Dass den Werken keine Untertitel oder Begleittexte zugeordnet sind, unterst\u00fctzt die bildliche, k\u00fcnstlerische Wirkung und gibt den Betrachtenden den Freiraum, die Bilder emotional und intuitiv auf sich wirken zu lassen, anstatt sich sofort auf die informative Ebene einzulassen. Der Ausstellungsraum der Galerie erzielt ebenfalls eine spezifische Wirkung. Die schon beschriebene Optik und Form eines Hauses von innen schafft einen heimatlichen, privaten, intimen Raum, in dem die Bilder h\u00e4ngen. Diese Zusammenf\u00fchrung schafft f\u00fcr das Publikum den Eindruck, in einen pers\u00f6nlichen Space einzudringen, der eine intime Geschichte erz\u00e4hlt.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 7,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 22,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      },\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px; letter-spacing: 0.1em;\\\">Dekoloniale Perspektive auf koloniale Machtverh\u00e4ltnisse<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"middle\",\r\n      \"row\": 8,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 10,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mivekannins Ausstellung <em>Spleen<\/em> gelingt es, auf koloniale Machtverh\u00e4ltnisse zwischen der westlichen Welt und den unter dem konstruierten Begriff \u201eOrient\u201c zusammengefassten vielf\u00e4ltigen L\u00e4ndern und Kulturen aufmerksam zu machen. Durch seinen Ansatz, historische, stereotypisierende und exotisierende Werke aufzugreifen, verweist der K\u00fcnstler auf das Machtgef\u00e4lle und die Objektifizierung von Menschen und Kulturen als Forschungsgegenstand des Westens.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Gleichzeitig schl\u00e4gt er durch sein k\u00fcnstlerisches Verfahren, die bestehenden Kunstwerke zu ver\u00e4ndern, eine dekoloniale Perspektive vor. Die Werke und Missst\u00e4nde werden kritisiert, und es wird eine neue Kraft vermittelt. Durch das Einsetzen seines eigenen Gesichtes, welches die Beobachtenden \u2013 uns \u2013 beobachtet, kehrt sich das Konstrukt um: Nicht mehr die westliche Welt schaut auf den konstruierten, von au\u00dfen erforschten Orient, sondern die bisher zum Objekt gemachten Figuren schauen nun aktiv auf die Betrachtenden. Sie werden zum Subjekt, ihnen wird Menschlichkeit und St\u00e4rke gegeben. Die Blicke vermitteln eine Aufforderung: das Publikum wird emotional zum Umdenken und \u00dcberdenken angesto\u00dfen. Damit leistet die Ausstellung einen Beitrag zur Dekolonialisierung und ruft dazu auf, die Konstruktion des Orients kritisch zu hinterfragen.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"middle\",\r\n      \"row\": 9,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 13,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Spleen<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">1.5. - 21.6.2025<\/span><\/p><p>\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Galerie Barbara Thumm<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Markgrafenstrasse 68<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">D-10969 Berlin<\/span><\/p><p>\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\u00d6ffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 12-18 Uhr<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Eintritt: kostenlos<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">https:\/\/bthumm.de\/exhibitions\/romeo-mivekannin-spleen\/<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 10,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 8,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 1349,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-jh","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1195,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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