{"id":1202,"date":"2025-08-11T14:58:25","date_gmt":"2025-08-11T12:58:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/church-for-sale-hamburger-bahnhof-copy-copy-4\/"},"modified":"2025-09-17T14:00:02","modified_gmt":"2025-09-17T12:00:02","slug":"das-deutsche-auswandererhaus-bremerhaven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/das-deutsche-auswandererhaus-bremerhaven\/","title":{"rendered":"Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Heute liegt hier ein preisgekr\u00f6ntes Erlebnismuseum.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"middle\",\r\n      \"row\": 2,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 7,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      }\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Seit der Er\u00f6ffnung am 8. August 2005 hat sich das Deutsche Auswandererhaus ver\u00e4ndert und ist gewachsen: Es wurde nicht nur um mehrere Ausstellungsr\u00e4ume erweitert, sondern ab 2021 auch einem Thema ge\u00f6ffnet, das in Bremerhaven bereits seit Jahren allgegenw\u00e4rtig ist. Denn so bekannt, wie die Seestadt f\u00fcr ihre bedeutende Auswanderungsgeschichte wurde, so sehr ist ihre gegenw\u00e4rtige Landschaft von Einwanderung gepr\u00e4gt. Diese j\u00fcngste Erweiterung des Museums ist weniger umfassend und nimmt trotz hoher thematischer Relevanz einen weitaus kleineren Teil der Gesamtausstellung ein. Im <strong><em>Saal der Debatten<\/em><\/strong> wird die politische Entwicklung der sogenannten Migrationsdebatte des 20. und 21. Jahrhunderts in Deutschland veranschaulicht. Besucher:innen werden mit verschiedenen Fragen konfrontiert: <\/span><em><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Was darf Integration kosten? Wer kann einem Staat angeh\u00f6ren? Wer kann in einem Land Schutz finden?<\/span> <\/em><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 6,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 9,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      }\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1.jpg\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 11,\r\n      \"colspan\": 5,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 3,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"attid\": 1205,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1.jpg\",\r\n        \"_2560\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1-2560x3540.jpg\",\r\n        \"_1920\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1-1920x2655.jpg\",\r\n        \"_1280\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1-1280x1770.jpg\",\r\n        \"_1024\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1-1024x1416.jpg\",\r\n        \"_768\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1-768x1062.jpg\",\r\n        \"_512\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1-512x708.jpg\",\r\n        \"_265\": \"\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Huthmacher_1-265x366.jpg\"\r\n      },\r\n      \"w\": 2562,\r\n      \"h\": 3543,\r\n      \"ar\": 1.382903981264637,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      },\r\n      \"caption\": \"<p><span style=\\\"font-size: 12px;\\\"><span style=\\\"font-size: 10px;\\\">\u00a9 Werner Huthmacher<\/span> <\/span><\/p>\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Fragen bilden einen gelungenen Einstieg, um Betrachtende einzubeziehen und zur Reflexion anzuregen. Allerdings bleiben sie allgemein und greifen zentrale Themen nur oberfl\u00e4chlich auf. Daran anschlie\u00dfend lenkt der erste Teil der Ausstellung den Blick zur\u00fcck: auf die Geschichte der europ\u00e4ischen Auswanderung.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die strategische Lage der Nordseek\u00fcstenstadt mit direktem Zugang zum Meer sowie gut ausgebauten H\u00e4fen und Gleisanlagen machte Bremerhaven zwischen 1830 und 1952 zu Europas wichtigstem Auswanderungshafen. F\u00fcr die Menschen, die von hier ihre \u00dcberseereise antraten, war die sogenannte Kaje der Tr\u00e4nen kein Ort des Auf Wiedersehens \u2013 sondern des Lebewohls. Ausgestattet mit einer i-Card, mit welcher ich die Lebensgeschichte einer ausgewanderten Person verfolgen kann, beginne ich meine Kurzreise in die USA. N\u00e4chster Halt ist der einstige Sitz der Einreisebeh\u00f6rde f\u00fcr den Staat New York, Ellis Island. \u00a0Doch zun\u00e4chst einmal betrete ich die <strong><em>Wartehalle<\/em><\/strong>: Untermalt von Meeresger\u00e4uschen werde ich in dem Backsteinraum in die Geschichte der deutschen Auswanderung eingef\u00fchrt. Dann \u00f6ffnet sich die T\u00fcr; es geht an die Kaje. Die gesamte Ausstellung stellt das eigene Erleben in den Fokus. Lebensgro\u00dfe Wachsfiguren tragen historische Kleidungsst\u00fccke verschiedener Dekaden zwischen 1830 und 1952. Mit meiner i-Card werde ich selbst Teil des Geschehens. Mir wird die Geschichte der im Jahr 1923 aus Bremerhaven in die Vereinigten Staaten emigrierende Martha H\u00fcner zugeteilt. Neben ersten Worten der Auswanderin kann ich mit meiner Karte auch Gespr\u00e4chen anderer Emigrant:innen lauschen. Sie sprechen deutsch, manchmal russisch \u2014 an der Kaje kamen Menschen aus ganz Osteuropa zusammen. \u2013 Die gew\u00e4hlte Darstellung versetzt Besucher:innen nicht nur auf visueller Ebene ins Staunen; sie schafft Gef\u00fchle. Das andockende Schiff, die Hafenger\u00e4usche, eine schattenwerfende Beleuchtung, all das l\u00f6st ein Gef\u00fchl von Erwartung aus. Was ich antreffe, ist weniger eine Zurschaustellung romantisierter Hoffnung, als vielmehr die in der Luft liegende Schwere und Ungewissheit.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Der Parcours f\u00fchrt weiter in die <strong><em>Galerie der 7 Millionen<\/em><\/strong>.<em> \u201eWho were they?\u201c<\/em>, steht in Leuchtschrift, und ich bewege mich in einen Raum, der einem Archiv nachempfunden ist. Unterstrichen von einzelnen pers\u00f6nlichen Geschichten wird ein erster historischer \u00dcberblick \u00fcber die europ\u00e4ische Emigration des 18. Jahrhunderts geschaffen. Biografien sind hier chronologisch geordnet. Knarrende Holzdielen und Sitzm\u00f6glichkeiten in historischem Stil unterst\u00fctzen das Narrativ ebenso wie viele weitere stilistische Mittel, die gezielt die N\u00e4he zu den in Szene gesetzten Biografien erhalten sollen. Ich lese \u00fcber die Glaubensfl\u00fcchtlinge, Redemptioner:innen, Kolonist:innen sowie Displaced Persons und lande an einer der zahlreich installierten <strong><em>Critical Thinking Stations <\/em><\/strong>der Ausstellung \u2013 eine interaktive Herangehensweise, die in Form von Displays Fragen stellt und ermutigen soll, eigene Denkweisen zu hinterfragen. Die auswertende Station im zweiten Ausstellungsbereich veranschaulicht durch Diagramme die Antworten aller Teilnehmenden.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><strong><em>Transit<\/em><\/strong>. Umgeben von dunkelblauem Wasser gehe ich nun \u00fcber die Gangway hinauf ins Schiff. Das Arbeiten mit Perspektiven zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung: Noch einmal erblicke ich die inszenierten Puppen an der Kaje. Dieses Mal sehen sie nicht mehr aus wie Emigrierende. Sie wirken pl\u00f6tzlich wie die Menschen, die an Land zur\u00fcckgelassen werden.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">An Bord sind die eingesetzten Fahrgastschiffe in Modellform ausgestellt. Von der sp\u00e4rlich ausgestatteten Bremen 1 aus dem Jahr 1854 bis zur deutlich gr\u00f6\u00dferen Columbus von 1922 l\u00e4sst sich die technische Entwicklung der eingesetzten Passagierschiffe verfolgen. Auch die <strong><em>\u00dcberfahrt <\/em><\/strong>soll nicht nur Informationen vermitteln, sondern Gef\u00fchle ausl\u00f6sen, Empfindungen w\u00e4hrend einer mehrw\u00f6chigen transatlantischen Seefahrt. Die B\u00f6den sind schief, ich schwanke. Links von mir sind Bullaugen mit Blick aufs Meer, rechts Kabinen der Reisenden. Laute Ger\u00e4usche begleiten mich, das Rauschen des Meeres wird von Husten und Schnarchen \u00fcbert\u00f6nt, als ich weiter in die Schlafkabinen vordringe. Die Betten stehen dicht an dicht, die Decke ist niedrig. Ein Gef\u00fchl von Enge und Beklemmung. Ich befinde mich in den Schlafr\u00e4umen der 3. Klasse. \u00dcber Waschr\u00e4ume und einen Speisesaal gelange ich in die Quartiere der Passagiere der 1. Klasse: Hier ist mehr Platz, die zuvor wahrgenommenen Ger\u00e4usche verstummen.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Ein tageslichtdurchfluteter Raum markiert die<strong><em> Ankunft<\/em><\/strong> in den Vereinigten Staaten. Das unbehagliche Gef\u00fchl von Enge hebt sich und das Narrativ der Auswanderung wird durch ein hoffnungsvolles Musikst\u00fcck untermalt. Ich sp\u00fcre das letzte Bangen der Auswander:innen auf dem Weg durch den n\u00fcchtern gefliesten Gang \u2013 in zur originalgetreu rekonstruierten Einwanderungsstation von Ellis Island. Hier endet die Reise der Auswanderung.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das Deutsche Auswandererhaus ist ein Public-Private-Partnership-Projekt, gef\u00f6rdert durch den Initiativkreis Erlebniswelt Auswanderung e.V. Auf die Er\u00f6ffnung des Museums im Jahr 2005 folgte die Gr\u00fcndung der gleichnamigen Stiftung, die seit fast zwanzig Jahren migrationshistorische Forschung sowie den Austausch mit europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten unterst\u00fctzt und Bremerhaven als Standort geisteswissenschaftlicher Forschung st\u00e4rkt. Das Museum und die kooperierenden Institutionen profitieren wechselseitig voneinander: Wissenschaftliche Erkenntnisse flie\u00dfen in die Ausstellung ein, w\u00e4hrend das Ausstellungshaus migrationshistorische Inhalte sichtbar und erfahrbar macht.<\/span><\/p><p>\u00a0<\/p>\",\r\n      \"align\": \"bottom\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 757,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Deutsches Auswandererhaus<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Columbusstra\u00dfe 65<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">27568 Bremerhaven<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\u00d6ffnungszeiten: M\u00e4rz bis Oktober <\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">t\u00e4glich 10-18 Uhr. <\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">November bis <\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Februar t\u00e4glich 10-17 Uhr<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Eintritt: Erwachsene 20,00\u20ac, <\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">erm\u00e4\u00dfigt 17,00\u20ac, <\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Studierende\/<\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Kinder 10,00\u20ac<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 12,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 1349,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      }\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-jo","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1202,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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