{"id":1273,"date":"2025-09-22T09:48:00","date_gmt":"2025-09-22T07:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/sung-tieu-1992-2025-kw-institute-for-contemporary-art-copy\/"},"modified":"2025-09-22T10:41:35","modified_gmt":"2025-09-22T08:41:35","slug":"alltag-in-der-ddr-kulturbrauerei-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/alltag-in-der-ddr-kulturbrauerei-berlin\/","title":{"rendered":"Alltag in der DDR, Kulturbrauerei Berlin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Seit 2005 befindet sich das Museum auf dem fr\u00fcheren Brauereigel\u00e4nde des Unternehmens Schultheiss, denn 1967 wurde der Brauereibetrieb endg\u00fcltig eingestellt. Wo fr\u00fcher kranke Brauerei-Pferde behandelt wurden, werden heute kostenfrei auf 600 Quadratmetern viele verschiedene Alltagsobjekte der ehemaligen DDR, Original-Dokumente sowie Ton- und Filmaufnahmen gezeigt. Wie der Name <em>Alltag in der DDR<\/em> bereits erahnen l\u00e4sst, stehen verschiedene Lebenswirklichkeiten der 1970er und 1980er Jahre in der DDR im Mittelpunkt. Begleitet wird die Dauerausstellung zudem durch verschiedene Wechselausstellungen. Bis zum 31. August 2025 kann man hier mehr \u00fcber <em>Heavy Metal in der DDR<\/em> erfahren. Das Museum in der Kulturbrauerei geh\u00f6rt zur Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, welche sich die Vermittlung deutscher Geschichte nach 1945 zur Hauptaufgabe gemacht hat.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Dauerausstellung ist thematisch in verschiedene Bereiche unterteilt, wobei aus meiner Sicht ein besonderer Fokus auf Produktion und Betrieb, private Lebensrealit\u00e4ten sowie \u00d6ffentlichkeit und Politik gelegt wurde. Die Themenbereiche sind teils r\u00e4umlich voneinander getrennt, vor allem durch schr\u00e4g in den Raum ragende Wandst\u00fccke, auf denen zumeist Exponate wie Poster oder Flaggen zu finden sind. Dargestellt werden die einzelnen Inhalte auf verschiedene Weise, jedoch ist besonders auff\u00e4llig, dass mit vielen Original-Objekten gearbeitet wird \u2013 vom Trabbi \u00fcber Uniformen bis hin zu Fotografien und Kunst. Zudem sind immer wieder Originalton- oder Videoaufnahmen zu finden, in welchen Zeitzeug:innen von spezifischen Erfahrungen und Erlebnissen berichten oder politische Reden dargestellt werden. Besonders beeindruckt hat mich hier die partielle, sehr kreative Umsetzung, z.B. eine Tonaufnahme, die das Abnehmen eines alten DDR-Telefonh\u00f6rers nachvollziehbar macht. Zu vielen Exponaten lassen sich kleine Infotafeln finden, welche die Ausstellungsst\u00fccke kurz auf Deutsch sowie auf Englisch in den historischen Kontext einordnen. Textbasierte Exponate wie z.B. Briefe, Antr\u00e4ge, P\u00e4sse oder Propaganda-Plakate werden jedoch nicht \u00fcbersetzt. Brailleschrift l\u00e4sst sich im Museum nicht finden, es gibt jedoch verschiedene Angebote des Museums, die einen barrierefreien Zugang erm\u00f6glichen sollen, so etwa spezielle F\u00fchrungen.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Vor dem Besuch der Ausstellung hatte ich erwartet, dass sich diese auch mit dem Thema Migration befassen w\u00fcrde. An der einen oder anderen Stelle werden zwar Ausreise-Bestrebungen unzufriedener DDR B\u00fcrger:innen erw\u00e4hnt \u2013 beispielsweise, dass zwischen Mitte der 1970er Jahre und Juni 1989 \u00fcber 300.000 Ausreiseantr\u00e4ge gestellt wurden. Das Thema Flucht spielt in der Ausstellung jedoch keine Rolle. Noch auff\u00e4lliger ist, dass auch die Migration in die DDR keine Erw\u00e4hnung findet, obgleich es doch etliche ausl\u00e4ndische Student:innen gab, nach dem Zweiten Weltkrieg als Kommunist:innen (re-)migrierten und es (im Jahr 1989) \u00fcber 95.000 ausl\u00e4ndische Vertragsarbeiter:innen in der DDR gab. \u00dcber ihren Alltag in der Deutschen Demokratischen Republik wird in der Dauerausstellung nicht gesprochen, was vor allem vor dem Hintergrund des gro\u00dfen Anteils des Themenbereiches Betrieb und Produktion verwundert. Denn heute wird davon ausgegangen, dass der Grund f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung der Vertragsarbeiter:innen vor allem der Arbeitskr\u00e4ftemangel in der Planwirtschaft war. In diesem Raum werden viel mehr die Arbeitsbedingungen, die \u201eArbeit nach Plan\u201c und der Rohstoffmangel in der DDR thematisiert sowie die Bedeutung der Betriebe f\u00fcr die Gestaltung von Sport, Kultur und Freizeit ihrer Besch\u00e4ftigten. Ein Hinweis darauf, warum die Vertragsarbeiter:innen, die zumeist aus pro-kommunistischen und ehemals kolonisierten Staaten wie Vietnam oder Mosambik kamen, keine Erw\u00e4hnung finden, findet sich leider nicht, weder in der Ausstellung selbst noch im Audioguide noch in der Ausstellungsbrosch\u00fcre. Hier zeigt sich die weiterhin anhaltende Tendenz des Ausschlusses von Immigrant:innen und ihren Geschichten vom Beginn der DDR an bis heute, wie hier im Museum.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Obwohl ein gro\u00dfer Bereich der DDR-Geschichte und ihrer Alltagsstrukturen unerw\u00e4hnt bleibt, ist die Ausstellung definitiv interessant und sehenswert. Sie bietet einen Einblick in eine Welt, die heute weit entfernt scheint, und macht diese, vor allem durch die vielen materiellen Exponate, vorstellbar und anfassbar. Besonders ber\u00fchrt haben mich ausgestellte Briefe, welche 1985 in der DDR von scheinbar willk\u00fcrlich gew\u00e4hlten Menschen verfasst wurden \u2013 zumindest gibt es hier keinen Hinweis darauf, wie die Auswahl getroffen worden ist oder aus welcher Situation heraus diese erstellt wurde. In den Briefen beschreiben die Verfasser*innen, wie sie sich das Leben im Jahr 2010 vorstellen. Besonders ergriffen hat mich der Brief einer Sch\u00fclerin, die damals in der neunten Klasse war: \u201eDie Natur soll wieder sch\u00f6n werden [...]. Die Menschen sollen sich verstehen. Atombomben sollen abgeschafft sein. Der Kapitalismus ist ausgerottet, Es ist wieder Frieden\u201d. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass diese Dinge heute Realit\u00e4t w\u00e4ren.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">W\u00e4hrend das Museum also einige Themenbereiche abdeckt und mit sehr interessanten Ausstellungsst\u00fccken arbeitet, sollte auch reflektiert werden, warum so ein wichtiger Teil der Geschichte in diesem Museum keinen Platz findet und dies auch nicht von den Kurator:innen begr\u00fcndet oder eingeordnet wird. An dieser Stelle m\u00f6chte ich jedoch noch anf\u00fchren, dass die Dauerausstellung laut Webseite seit April 2024 neu konzipiert und \u00fcberarbeitet wird. Es bleibt also zu hoffen, dass das Thema Migration zuk\u00fcnftig einen Platz darin finden wird.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Alltag in der DDR<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Dauerausstellung seit 2005<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Museum in der Kulturbrauerei<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Knaackstra\u00dfe 97<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10435 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\u00d6ffnungszeiten: Dienstag-Freitag 09.00\u201318.00 Uhr, <\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Samstag-Sonntag und feiertags 10.00\u201318.00 Uhr, montags geschlossen<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Eintritt: Frei<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.6;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/www.hdg.de\/museum-in-der-kulturbrauerei\\\">https:\/\/www.hdg.de\/museum-in-der-kulturbrauerei<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      },\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-kx","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":1273,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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