{"id":1351,"date":"2025-12-01T14:22:12","date_gmt":"2025-12-01T13:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/musafiri-von-reisenden-und-gaesten-haus-der-kulturen-der-welt-3-copy\/"},"modified":"2025-12-01T14:25:14","modified_gmt":"2025-12-01T13:25:14","slug":"99-x-neukoelln-museum-neukoelln-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/99-x-neukoelln-museum-neukoelln-4\/","title":{"rendered":"99 x Neuk\u00f6lln, Museum Neuk\u00f6lln"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Mit diesem und 98 weiteren Alltagsgegenst\u00e4nden l\u00e4dt das Museum Neuk\u00f6lln Besucher:innen dazu ein, in die Lebenswirklichkeiten des Berliner Bezirks einzutauchen.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung <em>99 x Neuk\u00f6lln<\/em> zeigt Objekte, die stellvertretend f\u00fcr die sozialen, kulturellen und historischen Entwicklungen des Bezirks stehen. Sie wurde am 1. Januar 2011 er\u00f6ffnet und von Dr. Udo G\u00f6swald, dem ehemaligen Museumsleiter, konzipiert.<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Ziel der Ausstellung ist es, einem breiten Publikum einen umfassenden Einblick in das Leben in Neuk\u00f6lln sowie in die historische Entwicklung des Bezirks zu erm\u00f6glichen. Eine spezifische Zielgruppe wird dabei nicht definiert, vielmehr besteht die Absicht darin, eine m\u00f6glichst offene Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr alle Interessierten darzustellen, was sich unter anderem in dem kostenfreien Eintritt spiegelt.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im Fokus stehen keine ber\u00fchmten Pers\u00f6nlichkeiten oder historischen Gro\u00dfereignisse, sondern\u00a0Gegenst\u00e4nde des t\u00e4glichen Lebens, die Einsicht in die vielf\u00e4ltigen Lebenswirklichkeiten der Bev\u00f6lkerung geben sollen. Der dokumentarische Ansatz der Ausstellung informiert sachlich und ber\u00fccksichtigt zugleich den sozialen Kontext der pr\u00e4sentierten Objekte.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Erz\u00e4hlstruktur ist nicht linear, sondern modular aufgebaut. Es gibt keine chronologische oder thematisch gegliederte Abfolge. Stattdessen werden alle 99 Objekte gleichwertig an interaktiven Medienstationen pr\u00e4sentiert. Dadurch k\u00f6nnen Besucher:innen ihren eigenen Weg durch die Ausstellung w\u00e4hlen und individuelle Schwerpunkte setzen.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Vermittlung erfolgt nahezu ausschlie\u00dflich \u00fcber digitale Bildschirme mit Touch-Funktion. Zu jedem Objekt werden kurze Erkl\u00e4rungstexte, Bild-, Video- oder Tonmaterial sowie gegebenenfalls erg\u00e4nzende Informationen bereitgestellt. Besonders hervorzuheben ist die pers\u00f6nliche Dimension der Ausstellung. Die Objekte sind mit den Geschichten ihrer Besitzer:innen verkn\u00fcpft, wodurch f\u00fcr die Besuchenden ein emotionaler Zugang zur Ausstellung entsteht.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Ein eindrucksvolles Beispiel ist das bereits erw\u00e4hnte Tanztuch, das im Rahmen t\u00fcrkischer Hochzeitsrituale verwendet wird. Es kommt beim Halay, einem traditionellen Rundtanz, zum Einsatz, und gibt durch die Bewegungen des Vort\u00e4nzers den gemeinsamen Rhythmus vor.\u00a0Der Text zu dem Objekt verweist auf die Hochzeit von Ayfer und Beyzade Tasdelen im Jahr 2002 im Festsaal \u201ePrestige\u201c in Neuk\u00f6lln. Erg\u00e4nzend wird erz\u00e4hlt, wie sich das Paar kennengelernt hat. Anschlie\u00dfend wird exemplarisch der typische Ablauf einer t\u00fcrkischen Hochzeit erl\u00e4utert. Diese Erz\u00e4hlungen werden durch Fotos erg\u00e4nzt, welche einen pers\u00f6nlichen Zugang zu dem Objekt und dem dazugeh\u00f6rigen Ritual erm\u00f6glichen. Das Tanztuch wird so in einen realen sozialen Kontext gesetzt.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die begleitenden Informationen zu dem Tanztuch gehen \u00fcber die Hochzeitszeremonie hinaus. Sie thematisieren vor allem Aspekte der Migrationsgeschichte Neuk\u00f6llns, in diesem Fall mit Blick auf t\u00fcrkische Einwanderungsfamilien. Das Objekt wird damit zum Ausgangspunkt f\u00fcr gesellschaftliche Fragen wie Integration, kulturelle Vielfalt und die Rolle migrantischer Gemeinschaften im st\u00e4dtischen Leben. Besucher:innen werden angeregt, \u00fcber diese Themen eigenst\u00e4ndig zu reflektieren. Gleichzeitig vermittelt die Ausstellung ein Gef\u00fchl von Sichtbarkeit und Anerkennung der Migrant:innenkultur in Neuk\u00f6lln.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung <em>99 x Neuk\u00f6lln<\/em> \u00fcberzeugt durch ihren inspirierenden Ansatz, der Alltagserfahrungen sichtbar macht und die Geschichten hinter den Objekten in den Vordergrund r\u00fcckt. Der Verzicht auf eine lineare Struktur schafft Freiraum f\u00fcr einen individuellen Zugang und f\u00f6rdert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Gezeigten. Besonders gelungen ist die Verbindung zwischen pers\u00f6nlicher Erinnerung und kollektiver Geschichte, etwa am Beispiel des Tanztuchs. \u00c4hnliche Ausstellungsformate in weiteren Bezirken k\u00f6nnten dazu beitragen Vielfalt, Migration und Alltagskultur als wesentliche Bestandteile des st\u00e4dtischen Lebens st\u00e4rker in das \u00f6ffentliche Bewusstsein zu r\u00fccken.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 2,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\",\r\n      \"absolute_position\": false\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 0.9; margin: 0cm 0cm 8pt;\\\"><span style=\\\"color: black; font-size: 15px;\\\">99 x Neuk\u00f6lln<br \/>Seit 1. Januar 2011 \/ st\u00e4ndige Ausstellung<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.9; margin: 0cm 0cm 8pt;\\\"><span style=\\\"color: black; font-size: 15px;\\\">Schloss und Gutshof Britz - Museum Neuk\u00f6lln <br \/>Alt-Britz 81,<br \/>12359 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.9; margin: 0cm 0cm 8pt;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><span style=\\\"color: black;\\\">\u00d6ffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10-18 Uhr<br \/>Eintritt: Kostenfrei<br \/><\/span>https:\/\/schloss-gutshof-britz.de\/museum-neukoelln\/ausstellungen\/99x-neukoelln<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 0.9;\\\">\u00a0<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 4,\r\n      \"colspan\": 13,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 4,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"absolute_position\": false,\r\n      \"textAnimation\": {\r\n        \"enableTextAnimation\": false\r\n      }\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-lN","jetpack-related-posts":[{"id":1216,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/99-x-neukoelln-museum-neukoelln\/","url_meta":{"origin":1351,"position":0},"title":"99 x Neuk\u00f6lln, Museum Neuk\u00f6lln","author":"Die Redaktion","date":"16. 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