{"id":787,"date":"2016-07-16T21:46:22","date_gmt":"2016-07-16T19:46:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/eastsidegallery-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:29","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:29","slug":"thingstocome","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/thingstocome\/","title":{"rendered":"Things to Come \u2013 Science \u00b7 Fiction \u00b7 Film, Deutsche Kinemathek \u2013 Museum f\u00fcr Film und Fernsehen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Eine neue Sonderausstellung dringt nun erstmals in die Zukunft vor.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Suche nach Kunst und Kultur f\u00fchrt in Berlin wohl zuallererst auf die Museumsinsel. In prunkvollem und beinahe antikem Ambiente werden hier die Klassiker des Preu\u00dfischen Kulturbesitzes ausgestellt. Nicht allzu weit entfernt von diesem altehrw\u00fcrdigen kulturellen Zentrum Berlins liegt auch der Potsdamer Platz. Und doch k\u00f6nnte der Gegensatz nicht deutlicher sein. Hier, wo w\u00e4hrend der innerdeutschen Teilung jahrzehntelang nur brachliegendes Land war, ging die Entwicklung danach umso schneller. Um die Jahrtausendwende entstand um den Potsdamer Platz herum ein beinahe futuristisch anmutender B\u00fcrodistrikt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Den forschen Zukunftsvisionen des Science-Fiction-Genres ist die Realit\u00e4t hier aber immer noch Lichtjahre hinterher. Dennoch ist es nur passend, dass ausgerechnet das im Sony Center beheimatete\u00a0<em>Museum f\u00fcr Film und Fernsehen<\/em>\u00a0nun auf den Spuren des Science-Fiction-Films wandelt. In drei Themenbereichen widmet sich die Sonderausstellung \u201eThings to Come\u201c dem Weltraum und seiner Erforschung, dem fremden und au\u00dferirdischen Leben und auch der irdischen Gesellschaft der Zukunft. Schon vor Betreten der Ausstellung f\u00e4llt der Blick der Besucher unweigerlich durch die breite Glasfront in den hochmodernen Innenhof des Sony Centers samt seiner ikonischen Kuppel. Angesichts dieses Ausblicks scheint die Zukunft doch nicht mehr so fern zu sein. Und gleichzeitig steckt in der offenen und dynamischen Architektur des Geb\u00e4udes im Gegensatz zu den steinernen Prachtbauten der Museumsinsel auch das stille Versprechen von einer neuen Art des Ausstellens.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Doch \u201eThings to Come\u201c ist gegen seine Umwelt bewusst abgegrenzt. Besonders anschaulich wird das im ersten Themenbereich zum Weltraum. Dieser beginnt unvermittelt mit einem k\u00fchlen, vollkommen abgedunkelten Raum. Bereits hier verliert man als Besucher jegliches Gef\u00fchl f\u00fcr den realen Raum, den man soeben hinter sich gelassen hat, und kann ganz in die bewegten Bilder eintauchen. Auf einer gro\u00dfen Leinwand laufen Ausschnitte aus \u00fcber einem Jahrhundert Filmgeschichte. Was sie alle gemeinsam haben, ist das Motiv: Die Startsequenz eines Raumschiffes. Die Installation nennt sich \u201eCountdown\u201c und so ist es auch dieses Stilmittel, das die meisten gezeigten Filme zum Spannungsaufbau bis hin zum gro\u00dfen Moment des Starts verwenden. Doch das ist keineswegs selbstverst\u00e4ndlich. Eine kleine Plakette, angesichts der strahlenden Leinwand leicht zu \u00fcbersehen, verr\u00e4t, dass es der deutsche Filmpionier Fritz Lang war, der den Startcountdown 1929 f\u00fcr seinen Film \u201eFrau im Mond\u201c gewisserma\u00dfen erfand. Solche Hintergr\u00fcnde sind in der Ausstellung aber nur nebens\u00e4chlich. Wer stattdessen gebannt auf die Leinwand sieht, der erlebt viele Male hintereinander und doch immer wieder in ver\u00e4nderter Inszenierung den Start ins All. Und genau wie die Astronauten wird auch der Besucher durch diese Videowand gewisserma\u00dfen in den Weltraum katapultiert. Der Weg in die Ausstellung f\u00fchrt durch einen Schlitz buchst\u00e4blich in die Leinwand hinein.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Der Besucher findet sich nun im nachgebauten Innenraum eines Raumschiffes wieder. Ein schmaler, in sterilem Silber gehaltener Gang f\u00fchrt in einen kleinen Raum, der durch Spiegel k\u00fcnstlich zu einer kreisrunden Kammer vergr\u00f6\u00dfert wird. Eine Tafel erl\u00e4utert knapp, dass es sich um eine K\u00e4lteschlafkammer handelt. Die Kryonik, ein (noch) rein fiktives Verfahren, dient der \u00dcberbr\u00fcckung von Raum und Zeit w\u00e4hrend der interplanetaren Raumfahrt. Aber dem Science-Fiction-Kenner muss das nicht erkl\u00e4rt werden. Eine solche Kammer ist ihm aus unz\u00e4hligen Filmen bekannt. Auch hier l\u00e4uft wieder auf einem Bildschirm eine Auswahl von Filmszenen, die diesmal das Erwachen aus dem K\u00e4lteschlaf zeigen. Der Besucher steht somit in einem Raum, den er parallel dazu im Film sieht. Diese Gleichzeitigkeit von r\u00e4umlicher Pr\u00e4senzerfahrung und medial vermittelter Illusion erlaubt dem Besucher gewisserma\u00dfen den Eintritt in die filmische Realit\u00e4t. Durch die Spiegel in der Kammer kann man sich sogar selbst in dieser Realit\u00e4t beobachten.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Doch gerade dadurch werden auch die Grenzen des direkten und unmittelbaren Erlebens futuristischer Fantasien aufgezeigt. Denn der Spiegel nimmt eine \u00e4hnliche distanzierende Rolle ein, wie es die Leinwand oder der Bildschirm f\u00fcr den Film tut. Bei der Filmrezeption entsteht ein gespanntes Verh\u00e4ltnis zwischen dem realen k\u00f6rperlichen Ich des Zuschauers und dem irrealen Abbild eines K\u00f6rpers im Film, mit dem sich der Zuschauer identifiziert. Diese Spannung wird im Verh\u00e4ltnis des Besuchers zu seinem Spiegelbild im wahrsten Sinne reflektiert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im gesamten Themenbereich \u201eWeltraum\u201c werden die Besucher zu einem Teil der Ausstellung. Sie bev\u00f6lkern das Raumschiff \u00e4hnlich wie es die Figuren im Film tun und sind dabei immer wieder aufgerufen, deren Rollen einzunehmen. An einer digitalen Konsole inmitten eines gr\u00f6\u00dferen Raumes kann man sich Szenen von den bekannten Kommandobr\u00fccken aus Film und Fernsehen ansehen und dabei zum Beispiel dem filmischen Vorbild Captain Kirk im futuristischen Drehstuhl direkt nacheifern. Direkt nebenan kann man an einem halbrunden Tisch, der in eine Leinwand \u00fcbergeht, an der Lagebesprechung der Crew des Raumschiffs Nostromo aus der \u201eAlien\u201c-Filmreihe teilnehmen und f\u00fchlt sich wieder g\u00e4nzlich in der Filmwelt aufgesogen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">All diese Installationen sollen die intensive Vertiefung in die filmische Welt erm\u00f6glichen. Damit wird die beinah kindliche Faszination f\u00fcr unbekannte weil unechte Orte, die wohl einen gro\u00dfen Teil der Begeisterung am Genre ausmacht, auf eine neue Stufe gehoben. Gleichzeitig kommt aber auch der filmische Schaffensprozess nicht zu kurz. Modelle und Requisiten, Kost\u00fcme und lebensgro\u00dfe Figuren, Konzeptzeichnungen und Setfotos sind \u00fcber den gesamten Ausstellungsbereich verteilt \u2013 und durchbrechen damit vielerorts die Illusion vom Aufenthalt an Bord eines Raumschiffes. Bei aller Vertiefung in die filmische Welt bleiben stets die nicht zu \u00fcbersehenden Relikte ihrer Erschaffung. Damit wird nicht nur der umfassenden k\u00fcnstlerischen Vision, sondern auch der Konstruiertheit aller Bilder von zuk\u00fcnftigen Lebenswelten Rechnung getragen. Durch die nicht nur thematische, sondern auch chronologische Anordnung der zahlreichen gezeigten Filmausschnitte entsteht au\u00dferdem ein Bewusstsein f\u00fcr den starken historischen Wandel, dem die Zukunft im Film ironischerweise unterworfen ist.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Gestaltung des ersten Ausstellungsteils als ein einziges gro\u00dfes Raumschiff ist deutlich auf Science-Fiction-Enthusiasten zugeschnitten, die die einzelnen Schaupl\u00e4tze sofort wiedererkennen und sich in Nostalgie oder zumindest einer l\u00e4ngst etablierten Faszination wiederfinden. F\u00fcr Einsteiger bietet die Vielzahl an gezeigten Filmszenen zwar Aufschluss \u00fcber die Szenerie und ihre Bedeutung f\u00fcr das Subgenre Science-Fiction, aber ein eigenst\u00e4ndiges Bild k\u00f6nnen die Ausstellungsr\u00e4ume nicht bieten. Damit ist die Ausstellung \u201eThings to Come\u201c nicht nur auf das Vorwissen, sondern auch auf die Begeisterung seiner Besucher f\u00fcr das Thema angewiesen. Wer diese Vorbedingungen mitbringt, kann sich aber durchaus in der immersiven Aufbereitung des Science-Fiction-Topos Weltraum und Raumschiff verlieren. Am Ende des Themenbereiches tritt man dann fast \u00fcberrascht auf eine Zwischenetage ins Tageslicht und wird sich der Zeit bewusst, die man im kleinen Wunderland Raumschiff verbracht hat. Dessen Atmosph\u00e4re ist nun wohl dahin.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Things to Come \u2013 Science-Fiction-Film<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">30.6.16 \u2013 23.4.17<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Deutsche Kinemathek \u2013 Museum f\u00fcr Film und Fernsehen<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Potsdamer Stra\u00dfe 2<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10785 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.deutsche-kinemathek.de\/\\\">www.deutsche-kinemathek.de<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-cH","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":787,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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