{"id":799,"date":"2016-07-18T22:11:49","date_gmt":"2016-07-18T20:11:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/kapital-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:30","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:30","slug":"dandy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/dandy\/","title":{"rendered":"Am I Dandy?, Schwules Museum*"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Das ist aber der Fall bei der neuen Sonderausstellung des Berliner Schwulen Museums, welche, anders als im Titel anklingen mag \u2013\u00a0<em>Am I Dandy? Anleitung zum extravaganten Leben<\/em>\u00a0-, weder Anweisung noch genauere Auskunft \u00fcber das Dandy-Sein gibt und die Besucher mit ihrem Verst\u00e4ndnis gerne in der Schwebe l\u00e4sst.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">In der thematischen Ausstellung\u00a0<em>Am I Dandy?<\/em>\u00a0im Schwulen Museum wird ein gro\u00dfes Ensemble von allen m\u00f6glichen Dingen pr\u00e4sentiert, die zu Dandys geh\u00f6ren, Dandys repr\u00e4sentieren und erkl\u00e4ren sollen. Bunte Herrenkrawatten und silberne Zigarettenetuis, sowie Handschuhe aus Ziegenleder \u2013 teils klischeehafte und allzu denotative Originalwaren aus dem 19ten und fr\u00fchen 20ten Jahrhundert schm\u00fccken die Schauvitrine, w\u00e4hrend die Bilder und Portr\u00e4ts dandyistischer Pers\u00f6nlichkeiten aus verschiedenen Epochen und Schichten \u2013 darunter zum Beispiel der Schriftsteller Oscar Wilde und die Mitglieder der kongolesische Dandygesellschaft\u00a0<em>Sapeur \u2013\u00a0<\/em>, die farbigen W\u00e4nde der Ausstellungsr\u00e4ume dekorieren. Mit soviel Originalexponaten, unbewegten und sich bewegenden Bildern, und mehreren Zeitungsausschnitten will die Ausstellung jedoch auf eine pr\u00e4zise Definition des Dandys oder gar eine Erkl\u00e4rung zu einzelnen Person verzichten, um sich m\u00f6glichst vielen Variationen dieses Kulturph\u00e4nomens anders anzun\u00e4hern. Stattdessen soll den Besuchern erm\u00f6glicht werden, anhand der f\u00fcr Dandys typisch gestalteten R\u00e4ume im Museum das Dandytum sinnlich und k\u00f6rperlich mitzuerleben. So werden etwa die Ausstellungsr\u00e4umlichkeiten in vier kleine Themenparks unterteilt \u2013 die Stra\u00dfe, das Ankleidezimmer, der Salon und sogar der Laufsteg \u2013 in dem jeweils ein eigenes \u201aDandy-Erlebnis\u2019 mit interaktiver und multimedialer Pr\u00e4sentation geschaffen wird.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Pr\u00e4sentation mit Spektakel, Erz\u00e4hlung ohne Narration<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das Highlight markiert wohl der f\u00fcr die Ausstellung speziell pr\u00e4parierte Laufsteg mit einem kleinen Foto-Shooting Set, auf welchem die Besucher sich extravagant ankleiden und f\u00fcr das Publikum zur Schau stellen k\u00f6nnen. Durch Live-Projektion eigener\u00a0<em>Cat-Walks<\/em>\u00a0an der Wand k\u00f6nnen die Besucher ihre eigene Selbstinszenierung als Dandy und das Stolzieren auf der Schaub\u00fchne auch ethnographisch beobachten.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Trotzdem l\u00e4sste einen in der Ausstellung das Gef\u00fchl nicht los, dass \u00fcber all diese Objekte und Installationen hinaus nicht mehr entsteht als ein kurzweiliges Themenpark-Erlebnis. Hochkar\u00e4tige Exponate, ausgew\u00e4hlte Bilder und Zitate aus der Dandy-Literatur an der Tafel, welche auf eine aufwendige und breite kuratorische Recherchearbeit verweisen, scheinen im Raum leider eher der wilk\u00fcrlichen Dekoration zu dienen, als dass sie Wissen vermitteln oder zum Nachdenken anregen. Dass einzelne Objekte gut recherchiert wurden, gibt die im Ankleidezimmer eingerichtete Duftstation zu erkennen, in der die Besucher verschiedene Parf\u00fcms, die sorgf\u00e4ltig nach traditionellen Rezepten des 19. Jahrhunderts hergestellt wurden, probieren k\u00f6nnen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das Problem scheint hier vielmehr in der Art und Weise zu liegen, wie das einzelne, teilweise sogar gut recherchierte Objekt in den musealen Raum eingeliedert wird. Das Nebeneinander der Gegenst\u00e4nde bleibt un\u00fcberlegt. So fragt man sich stets w\u00e4hrend des Parcours: Wieso ist hier pl\u00f6tzlich ein Zitat aus dem 1828 erschienenen Roman\u00a0<em>Pelhams<\/em>\u00a0von Edward Bulwer Lytton zu sehen? Warum sehe ich gerade neben der aktuellen Ausgabe der deutschen Zeitschrift\u00a0<em>Gala<\/em>\u00a0ein italienisches Buch\u00a0<em>Amori et dolori sacrum<\/em>? Die ausgestellten Objekte sollen allesamt eigene Geschichten erz\u00e4hlen, bleiben aber letztendlich stumm, denn sie wirken insgesamt wie ein Patchwork: willk\u00fcrlich und zuf\u00e4llig, von ihrer Geschichtlichkeit isoliert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Identit\u00e4tskrise der Museen \u2013 zwischen Erlebnisraum und Erkenntnisort<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Schlie\u00dflich weist die Orientierung an neuen Pr\u00e4sentationsformaten der Ausstellung die unumg\u00e4ngliche Herausforderung auf, mit der sich Museen heutzutage konfrontiert sehen: N\u00e4mlich, den Museumsbesuch so unterhaltsam wie m\u00f6glich zu gestalten. Dies gilt auch und sogar mehr f\u00fcr die Museen, die sich als Forschungs- oder Bildungsinstanz verstehen, deren Aufgabe darin besteht, mit ihrem Ausdrucksmedium Ausstellung auf eigene Art Wissen und Denken zu kommunizieren.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Gerade f\u00fcr das Berliner Schwule Museum, eine 1985 gegr\u00fcndete, junge Institution, die sich der \u201eErforschung und Vermittlung der Geschichte und Kultur der LGBTIQ-Communities\u201c widmet \u2013 so nach eigener Beschreibung des Museums \u2013 war die Suche nach einer ihr entsprechenden Kommunikationsform ein wichtiges Anliegen. W\u00e4hrend neue Darstellungsformen in ihrer Anpassung an interaktive und multimediale Medien gesucht werden, scheint bei\u00a0<em>Am I Dandy?<\/em>\u00a0eine inhaltliche Auseinandersetzung weniger in den Vordergrund zu treten, als das multimediale Spektakel, das mit Sound, Bildern und sogar mit Geruch auf die Besucher sinnlich eindringt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Am Ende des Spektakels entsteht, trotz vielf\u00e4ltiger Ausstellungsobjekte und aufw\u00e4ndiger Recherche, kein koh\u00e4rentes Portr\u00e4t der Dandys, das wom\u00f6glich erst durch die Bezugnahme auf seinen kulturellen und historischen Kontext zum Vorschein k\u00e4me. Da gerade Dandys eine so historisch facettenreiche Erscheinung sind \u2013 man denke zum Beispiel an die Figur des Boh\u00e9mien bis hin zur peinlichen Figur des Hipsters \u2013 h\u00e4tte eine kulturhistorische Perspektive wohl der Ausstellung nicht geschadet. So h\u00e4tten auch androgyne Figuren wie\u00a0<em>Femme Dandys<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Drag Queens<\/em>, die bei\u00a0<em>Am I Dandy?<\/em>\u00a0mit gro\u00dfer Geltung auftauchen, ihren kulturellen Wert und Potenz offenbaren k\u00f6nnen, die kulturgeschichtlich in der von vernehmlich heterosexuellen Normen gepr\u00e4gte Gesellschaften oft unterdr\u00fcckt blieben. So erf\u00fclle die Ausstellung auch die von sich selbst manifestierte Aufgabe des Museums.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das \u201cErleben\u201d des Dandy-Seins macht ja Spa\u00df. Man kann es auch f\u00fcr sinnvoll halten, die Frage nach dem Wesen eines solchen Erlebnisses lieber nicht mit einer Definition verderben zu wollen. Aber ohne kritische Intervention l\u00e4uft die Ausstellung Gefahr, im Endeffekt nur klischeehafte Bilder des Dandys wiederzugeben, ohne sie auf ihre G\u00fcltigkeit zu befragen.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">\u201eAm I Dandy?\u201c Anleitung zum extravaganten Leben<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">24.Juni bis 20.Nov 2016<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Schwules Museum Berlin<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">L\u00fctzowstra\u00dfe 73<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10785 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.schwulesmuseum.de\/\\\">www.schwulesmuseum.de<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/s7ChHw-dandy","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":799,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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