{"id":827,"date":"2016-08-17T10:25:03","date_gmt":"2016-08-17T08:25:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/berlinbiennale-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:34","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:34","slug":"europaentdecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/europaentdecken\/","title":{"rendered":"Ausstellungskatalog\u00a0Europa entdecken!, Museum Europ\u00e4ischer Kulturen Berlin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Discover Europe!, <\/em>herausgegeben vom Museum Europ\u00e4ischer Kulturen Berlin<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 1,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 7,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"text-align: left;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Johanna B\u00e4r<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 2,\r\n      \"col\": 3,\r\n      \"colspan\": 13,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 3,\r\n      \"relid\": 6,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>So stellen Sie sich zun\u00e4chst die Frage: \u201eWie verstehe ich Europa?\u201c<br \/><\/em><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Und dann m\u00fcssen Sie sich meine Frage gefallen lassen: \u201eWas lassen Sie aus?\u201c<br \/><\/em><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>\u201eAber es gibt keine &gt;Identit\u00e4t Europa&lt;\u201c, w\u00fcrden Sie einwenden.<br \/><\/em><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Mag sein. Doch wie k\u00f6nnte eine solche ausfallen?<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das Museum Europ\u00e4ischer Kulturen hat eine Auswahl getroffen.<a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/563\/#_ftn1\\\">[1]<\/a>\u00a0Ein Kupferkessel ist darunter, ein Hexenhut f\u00fcr Halloween, eine Schamanentrommel und ein Teller mit Lady Diana vorne drauf. Europa? Europa, sage ich. In sieben Kategorien werden die insgesamt 13 Objekte mit einem Begleittext versehen: Reisen, Identit\u00e4t, Erinnerungskultur, Kulturkontakt, Handwerk, Brauch und Religion. Die Zuteilungen der Dinge h\u00e4tten auch anders ausfallen k\u00f6nnen aber die Auswahl transportiert, was hier als Europ\u00e4isches relevant scheint.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Der Ausstellungskatalog\u00a0<em>Europa entdecken! Discover Europe!<\/em>\u00a0ist knallgr\u00fcn, ein handliches Taschenbuch. Die gew\u00e4hlten Exponate sind verstreut auf dem Cover abgebildet, eine Hierarchisierung wird so vermieden. Auf Vorwort und Einleitung folgen Abbildungen der Objekte und die sie begleitenden (Kon)Texte. Verschiedene Autor_Innen kommen hierbei zu Wort. Die Beitr\u00e4ge sind leicht verst\u00e4ndlich, popul\u00e4rwissenschaftlich gehalten sowie durchgehend zweisprachig abgedruckt. Der Katalog scheint so an ein heterogenes, ggf. fremdsprachiges Publikum adressiert. Anders als im eigentlichen Ausstellungsraum spinnen sich die Narrativstrukturen nicht vom materiellen Exponat selbst aus, sondern von und um die Bild-Text-Gef\u00fcge des Kataloges. Die Idee jedoch ist \u00e4hnlich: Vom einzelnen ausgehend er\u00f6ffnen die gew\u00e4hlten Objekte einen Kosmos, der unterschiedlichste Thematiken ber\u00fchrt. Die zusammengew\u00fcrfelte Auswahl scheint dabei zun\u00e4chst auf Vielfalt zu verweisen. Was ist es also f\u00fcr ein Europa, das hier Thematisierung findet?<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die gew\u00e4hlte Darstellungsart bewegt sich ganz im kulturgeschichtlichen Trend: Minderheiten sind es, die in den Fokus genommen werden und alle Exponate entstammen der Alltagskultur. Ein Europa \u201evon unten\u201c also, historisch wie modern, das hier gezeichnet wird. Und ein Europa aller soll es sein. Wenn es um Personenkulte geht, so um den von Napoleon als \u201eHoffnungstr\u00e4ger des kleinen Mannes\u201c (S.49) und Lady Diana in ihrem volksnahen Auftreten. Die Schamanentrommel beispielsweise entstammt den Riten der Sami und der Kupferkessel ist ein Roma-Handwerk. Mitunter flie\u00dfen unerwartete Exkurse in die Darstellungen ein \u2013 die Entwicklung der Fotografie zum Beispiel oder die der naiven Kunst. Angefangen bei kleinen Facts werden hier gro\u00dfe Geschichten erz\u00e4hlt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Alle gew\u00e4hlten Objekte sind zugleich auch Artefakte, also menschengemachtes Handwerk. Ein Hinweis auf ein aktives, gestalterisches Europa? Und welches historische Verst\u00e4ndnis kommt dabei zwischen den Zeilen zum Ausdruck? \u201eDie Sami wehrten sich gegen jede Form der Unterdr\u00fcckung und forderten ihre Rechte ein, die sie in umfangreichem Ma\u00dfe auch erhalten haben\u201c (S.37). Welche Anliegen, welche Interessen schreibt sich dieses Europa, das es zu entdecken gilt, zu? Welche Werte, die sich \u201eeurop\u00e4isch\u201c nennen lie\u00dfen, transportiert die Publikation \u00fcber den jeweiligen \u201eObjektkosmos\u201c hinaus?<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Es sind Fragen der Teilhabe, nach Zugeh\u00f6rigkeit(en), Prozessen des Austauschs aber auch der Ab- und Ausgrenzung. Kein geografisches Europa wird hier verhandelt, sondern ein ideelles. \u00dcber Kulturkontakte soll ein (Selbst)Verst\u00e4ndnis als Ganzes provoziert werden. Wird Europa hier nachtr\u00e4glich eine kollektive, verflochtene Geschichte konstruiert? Denn es scheinen vor allem Mechanismen der Zuschreibung, denen der Katalog folgt. Das Ph\u00e4nomen der Wallfahrt wird im Zuge dessen pl\u00f6tzlich zur \u201eSelbstfindung des Individuums\u201c auf einer \u201eSuche nach der Gemeinschaft\u201c (S.127). Bedeutungen werden geschaffen und durch die An- und Zuordnung innerhalb des Begleitmediums miteinander in Verbindung gebracht. Die materielle Kultur einzelner\u00a0<em>communities<\/em>\u00a0wird so letztlich zur materiellen Kultur eines Europa.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Doch l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt von nur einem Narrativ sprechen, obgleich die Begleittexte von unterschiedlichen Autor_Innen verfasst wurden? Ist es doch kein \u201egeleitetes Lesen\u201c, wie zun\u00e4chst vermutet, sondern beh\u00e4lt die Publikation einen heterogenen Charakter bei, der interpretativen Spielraum l\u00e4sst?<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u201eEuropa entdecken konnten fr\u00fcher nur wenige Menschen\u201c (S.82). Das Museum Europ\u00e4ischer Kulturen steht heute jedem offen. Der institutionsverhaftete Bildungsauftrag verspricht, so bspw. auch die Ausstellungseinleitung aus dem Jahre 2008, Fragen zu beantworten auf die die Besucher_Innen selbst vielleicht nie gekommen w\u00e4ren. Neben das Problem der Identit\u00e4t tritt ferner auch das Interesse der Institution, einen 128 Seiten langen Einblick in die eigene Sammlungs- und Forschungsarbeit zu erm\u00f6glichen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Europa entdecken! Discover Europe!<\/em>\u00a0hinterl\u00e4sst den Eindruck eines politisch motivierten Projektes, das anhand einzelner Sinnabschnitte ein vielf\u00e4ltiges und kulturell wertvolles Europa konstruieren will. Der Ausstellungskatalog hat die tempor\u00e4re Ausstellung \u00fcberdauert und untermauert nun diese Repr\u00e4sentation Europas: Ein Kupferkessel, ein Hexenhut f\u00fcr Halloween, eine Schamanentrommel und ein Teller mit Lady Diana vorne drauf. Die Auswahl, so skurril und bemerkenswert sie sich gibt, irritiert. Sie ist der Spiegel, der die eigene Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung Europas provoziert. Und hierin liegt vielleicht der Mehrwert, etwa sich die Frage nach dem pers\u00f6nlichen Bild Europas zu stellen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/563\/#_ftnref1\\\">[1]<\/a>\u00a0Die Ausstellung\u00a0<em>Europa entdecken! Discover Europe!<\/em>\u00a0des Museums Europ\u00e4ischer Kulturen war zu sehen vom 18. April bis 31. August 2008. Die folgende Darstellung basiert nicht auf einem Ausstellungsbesuch sondern der erschienenen Begleitpublikation. Vgl. Tietmeyer, Elisabeth; Ziehe, Irene (Hg.) (2008): Europa entdecken! Ausstellung, 18. April \u2013 31. August 2008, Museum Europ\u00e4ischer Kulturen, SMB \u2013 Staatliche Museen zu Berlin = Discover Europe! : exhibition, April 18 \u2013 August 31, 2008. Berlin: Museum Europ\u00e4ischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin (Schriften der Freunde des Museums Europ\u00e4ischer Kulturen = Publications by the Friends of the Museum of European Cultures, 7), ISBN 10:388609619X.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Ausstellungskatalog\u00a0<em>Europa entdecken! Discover Europe!<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Herausgegeben vom Museum Europ\u00e4ischer Kulturen Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.smb.museum\/museen-und-einrichtungen\/museum-europaeischer-kulturen\/home.html\\\">http:\/\/www.smb.museum\/museen-und-einrichtungen\/museum-europaeischer-kulturen\/home.html<\/a><\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/www.smb-webshop.de\/museen-und-sammlungen\/orte\/museen-dahlem\/1949\/europa-entdecken\\\">https:\/\/www.smb-webshop.de\/museen-und-sammlungen\/orte\/museen-dahlem\/1949\/europa-entdecken<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-dl","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":827,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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