{"id":845,"date":"2016-08-07T11:31:11","date_gmt":"2016-08-07T09:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/erwin-wurm-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:35","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:35","slug":"aiko-tezuka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/aiko-tezuka\/","title":{"rendered":"Schnittmengen, Museum f\u00fcr Asiatische Kunst Berlin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Auf der Suche nach dem roten Faden<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 0,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 620,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p><em>Schnittmengen. 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Daran scheinen weder Raum noch Zeit etwas zu \u00e4ndern. Mit dem Durchschreiten des Durchgangs zum dritten Ausstellungsraum der Ausstellung\u00a0<em>Schnittmengen. Zeitgen\u00f6ssische Kunst und die \u00dcberlieferung\u00a0<\/em>im Museum f\u00fcr Asiatische Kunst in Dahlem-Dorf Berlin wird ein Thronsaal betreten. Auf einem Podest, dem Eingang gegen\u00fcber, bildet das Ensemble aus historischem Thron und dreiteiligem Paravent durch seine Sch\u00f6nheit und Gr\u00f6\u00dfe einen auff\u00e4lligen Blickfang, aber vor allem durch sein schillerndes Farbenspiel, das aus der Einarbeitung von Gold- und Silberfolie und Perlmutt in aufwendige Landschaftsmalereien auf dem Palisadenholz des Mobiliars resultiert. Links an der Wand hinter dem Thron prangt in grauen Buchstaben der Name\u00a0<em>Aiko Tezuka<\/em>. Ein alter Kaiser? Nein, dieser Name hat nichts mit dem Thron zu tun.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">In dem rechteckigen Raum sind noch weitere Objektarrangements zu finden, wobei man nicht wei\u00df, ob man zuerst nach rechts oder nach links blicken soll, denn sie wirken nicht so, als seien sie nach einer bestimmten Ordnung sortiert. Zur Linken dominiert ein wei\u00dfer, leicht durchsichtiger Vorhang im Ausma\u00df von circa f\u00fcnf Schritt L\u00e4nge und sieben Schritt H\u00f6he. Mit neonpinken F\u00e4den sind Motive auf den Vorhang gestickt, welche an die Exponate traditioneller asiatischer Stickereien erinnern, die direkt gegen\u00fcber der Installation an der Wand angebracht sind. Allein das Material des Vorhangs und seine Motive markieren die Arbeit als modernes Kunstwerk. Ein Fisch, Blumen, H\u00e4kelmuster, H\u00e4nde bei einem Fadenspiel, Landschaften und Szenerien, Damen eines europ\u00e4ischen Hofes, wie man an ihrer Kleidung erkennt und die \u00fcberraschende Auftrennung des Damenmotivs, indem teilweise nur die Kleidung der Damen eines scheinbar unvollst\u00e4ndigen Bildchens aufgestickt wurde. Das Thema F\u00e4den und Fadenverwandlungen und Verwebungen geht auf der anderen Seite des Vorhangs weiter.\u00a0<em>Thin Membrane\u00a0<\/em>nennt die K\u00fcnstlerin Aiko Tezuka das von ihr geschaffene Gebilde. Auf der anderen Seite dieser Membran legt Tezuka \u201everborgene Strukturen offen\u201c, wie sie sagt. Und wirklich, die \u201eR\u00fcckseite\u201c des transparenten Textilobjekts offenbart ein undurchdringliches Fadengewirr, das auf der anderen Seite der Membran die Muster entstehen l\u00e4sst. Hunderte rosa F\u00e4den tauchen aus diesem Gewirr auf und sind in feinster Ordnung an einem Punkt an der Decke zusammengefasst, von dem sie in geradem Fall in einer einzigen rosa Fadenlache am Boden enden. Alle F\u00e4den der Muster laufen hier wieder in ihrem gemeinsamen Ursprung zusammen. Alle Strukturen sind wandelbar, k\u00f6nnen aufgel\u00f6st und zu Neuem geformt werden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Diese Durchl\u00e4ssigkeit und R\u00fcckbesinnung auf das Urspr\u00fcngliche und den Entstehungsprozess der musealen Installation l\u00f6st das Textilobjekt von seiner Gebundenheit an die Museumswand, l\u00e4sst sie frei im Raum schweben und sorgt f\u00fcr einen offenen Raumeindruck. Damit steht die Installation stark im Kontrast zu den traditionellen, konventionell an der Wand gegen\u00fcber haftenden Stickereien des zw\u00f6lften und dreizehnten Jahrhunderts.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Zur Linken des Raumes befinden sich drei weitere Objekte. Zum einen ein Ensemble aus historischer, bemalter Vase und einer weiteren transparenten, unfertigen Stickerei Tezukas, die eben jene Vase abbildet und aus welcher die \u00fcbrigen F\u00e4den wieder bis auf den Boden h\u00e4ngen. Zum anderen ein scheinbar historischer Teppich mit blauen und rosa V\u00f6geln darauf, der in der Mitte in seine F\u00e4den aufgetrennt ist, die sich in ihrer Masse als B\u00fcndel bis zum Boden hin ergie\u00dfen. Auf den ersten Blick wirkt die Stickerei des Teppichs eher gew\u00f6hnlich, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man hinter den V\u00f6geln und blauen Blumen moderne Symbole auf gr\u00fcnem Hintergrund. Es sind die globalen, nicht mehr kulturspezifischen Symbole unserer Zeit, die mit den traditionellen Mitteln vergangener Zeit dargestellt werden, wie zum Beispiel die Symbole f\u00fcr VISA, @, PC-Ausschalten, BIO, Peace, Gr\u00fcner Punkt, Atomkraft, EU und viele mehr. Mit dem Teppich werden wortw\u00f6rtlich Schnittmengen von Altem und Neuem und damit auch ein direkter Bezug zum Titel der Ausstellung hergestellt, denn im mathematischen Sinne ist die\u00a0<em>Schnittmenge\u00a0<\/em>bekanntlich eine Menge, bestehend aus den gemeinsamen Elementen mehrer Mengen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Tezukas F\u00e4den werden zu F\u00e4den der Zeit, die sich mit ihren Motiven im Raum-Zeit-Gef\u00fcge R\u00fcckw\u00e4rts, Nebeneinander, \u00dcbereinander und Hintereinander bewegen. Vergangenes und Gegenw\u00e4rtiges aus unterschiedlichen Welten miteinander zu verweben und den Stoff unserer Zeit in ihren eigenen Stoff hineinzuweben, mit einem Gesp\u00fcr von Zeitlosigkeit ebenso wie von Zeitlichkeit war nach eigener Auskunft Tezukas Ziel. Damit enth\u00fclle sie nicht nur Zusammenh\u00e4nge und mache den ewigen Prozess der Wandlung fassbar, sondern verneige sich auch vor der Kreativit\u00e4t und den Fertigkeiten vergangener Generationen, hei\u00dft es im Informationstext. F\u00fcr den Laien wirken die Auftrennungen einfach nur wundersch\u00f6n, der Kenner wei\u00df um die Neu- bzw. Wiederentdeckung von N\u00e4hereien und Stickereien als Codierungs- und Ausdrucksweise in der japanischen Kunstszene.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Schlie\u00dflich befindet sich rechts neben dem Eingang das sogenannte\u00a0<em>Teehaus\u00a0<\/em>des Konzeptk\u00fcnstlers\u00a0<em>Ai Weiwei\u00a0<\/em>auf runder, gr\u00fcner Rasenfl\u00e4che, das gro\u00df wie eine Hundeh\u00fctte ist\u00a0und aus Kuben und Prismen gepressten Pu\u2019er-Tees besteht, der im ganzen Raum seinen bet\u00f6renden Duft verstr\u00f6mt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Unter dem Titel\u00a0<em>Schnittmengen. Zeitgen\u00f6ssische Kunst und die \u00dcberlieferung\u00a0<\/em>ordnen sich\u00a0Tezukas Textilobjekte neben der Kunst von acht anderen K\u00fcnstlern, wie der Sven Dr\u00fchls oder Naoko Matsubaras, in die Dauerausstellung des Museums f\u00fcr Asiatische Kunst ein und lassen bekannte Objekte in neuem Licht erscheinen. Doch gelingt die Interaktion von Tezukas moderner Kunst mit den Kunstwerken der ostasiatischen Kunstsammlung nur teilweise. Zwar wird die triste, \u00fcberholte Vitrinenstruktur der Dauerausstellung mit den offenen Installationen erfrischend durchbrochen, doch mit dieser Offenheit wird auch ein n\u00e4herer Zusammenhang der Objekte in ihrem Ensemble suggeriert. Diese Erwartung wird kaum erf\u00fcllt. Ein kaiserlicher Thron, Ai Weiweis Teehaus und Tezukas dekonstruktive Stickereien wirken willk\u00fcrlich, dem Platzmangel und der Architektur des Raumes geschuldet, angeordnet. Tezuka spinnt unz\u00e4hlige F\u00e4den, doch die Objekte wirken, das Gesamtensemble betreffend, zum Teil zusammenhangslos. Was hier fehlt ist ein roter Faden der das Ensemble der Objekte im Raum noch n\u00e4her in Bezug zueinander setzt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">2017 soll das Museum f\u00fcr Asiatische Kunst ins Humboldtforum umziehen. Die Ausstellung bildet dabei einen passenden Abschluss. Tezukas F\u00e4den verweben nicht nur Vergangenheit und Gegenwart miteinander, sondern bieten auch mit neuen musealen Ausdrucksformen und der Interaktion von Altem und Neuem Anregungen f\u00fcr die Berliner Museumslandschaft der Zukunft.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Schnittmengen. Zeitgen\u00f6ssische Kunst und die \u00dcberlieferung:\u00a0Aiko Tezuka<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">3. Juni 2016 \u2013 8. Januar 2017<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Museum f\u00fcr Asiatische Kunst<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Staatliche Museen zu Berlin<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Museen Dahlem<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Lansstra\u00dfe 8<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">14195 Berlin<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.smb.museum\/museen-und-einrichtungen\/museum-fuer-asiatische-kunst\/home.html\\\">www.smb.museum.de<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-dD","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":845,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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