{"id":863,"date":"2016-06-05T14:05:07","date_gmt":"2016-06-05T12:05:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/anne-imhof-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:37","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:37","slug":"geboren-willkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/geboren-willkommen\/","title":{"rendered":"geboren &#038; willkommen, MACHmit! Museum f\u00fcr Kinder"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Fast bis unter die Decke des Kirchenschiffs der ehemaligen Elias-Gemeinde in Berlin Prenzlauer-Berg erstrecken sich die verschiedenen Stationen des MachMit!-Museums. Am auff\u00e4lligsten pr\u00e4gt ein riesiges begehbares Kletterregal den Raum. Es ist \u00fcber eine steile Treppe im ehemaligen Altarbereich zu erreichen und teilt ihn in zwei Etagen. Die untere Etage ist ebenso ausgef\u00fcllt von bunten Installationen und Stationen, die sich un\u00fcberschaubar aneinander gruppieren.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung\u00a0<em>Geboren und Willkommen<\/em>\u00a0richtet sich an Kinder. Sie l\u00e4sst interaktiv erleben, wie an unterschiedlichen Orten auf der Welt die Geburt eines Kindes zelebriert und mit welchen Ritualen es in der Gemeinschaft willkommen gehei\u00dfen wird. Diese Geburtsrituale und Praktiken stellen sich in den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang des Wachstums und der Zeit des Vorbereitens und Wartens. Die besondere Leistung von\u00a0<em>Geboren und Willkommen<\/em>\u00a0liegt vor allem darin, dass Form und Inhalt dieser Ausstellung in den meisten Installationen spielerisch miteinander kombiniert werden. Der Vorgang der Geburt und des Ankommens auf der Welt wird \u00fcber viele kleine Schwellen und Raum\u00fcberg\u00e4nge nicht nur vermittelt, sondern auch als solcher in der Ausstellung erforscht. Zeitlichkeit und R\u00e4umlichkeit des Geboren-Werdens prozessieren sich in den vielen unterschiedlichen begeh- oder benutzbaren Installationen und Szenen der Ausstellung. Durch den geschickten Umgang mit architektonischen Medien ist in dieser Kinderausstellung ein breites Erleben und Erfahren angelegt, das im Vergleich mit herk\u00f6mmlichen Wissensausstellungen hervorsticht. Anhand von\u00a0<em>Geboren und Willkommen<\/em>\u00a0lassen sich daher auch Thesen zur Epistemologie des Museums entfalten, die sich an Karen van den Bergs Bezeichnung des Museums als\u00a0<em>Kontigenzarena\u00a0<\/em>anschlie\u00dfen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Eine der zentralen Installationen ist eine mit Polstern und seidigen Stoffen ausgekleidete runde Kuppelh\u00f6hle. Diese begehbare Geb\u00e4rmutter haben Kunststudent*innen f\u00fcr die Ausstellung entworfen. Innen ist es dunkel und behaglich, ihre \u00d6ffnung wird von einem roten Vorhang geschlossen. Verl\u00e4sst man die H\u00f6hle durch diesen Ausgang, gelangt man in den weiteren Raum. Es er\u00f6ffnet sich das gesamte Spektrum der verschiedenen Stationen. Doch die Geb\u00e4rmutter ist nicht der Eingang in die Ausstellung, sondern ein eigener Ort inmitten der anderen. Sie kann sowohl von au\u00dfen, als auch von innen angeschaut werden. Wie auch f\u00fcr die anderen Installationen gilt hier, dass es den Besucher*innen selbst \u00fcberlassen wird, wie tief sie sich dem Thema n\u00e4hern, ob sie es eher informativ oder sensitiv begreifen m\u00f6chten. Ob sie sich der Ausstellung \u00fcber Bilder, Filme und Texte n\u00e4hern, oder im Erkunden von G\u00e4ngen, Vorh\u00e4ngen, H\u00f6hlen und Nischen. Das Raumkonzept gibt keine Reihenfolge vor, in der die Stationen erlaufen werden sollen. So gibt es bereits unterschiedliche M\u00f6glichkeiten, die Ausstellung zu betreten. Einen m\u00f6glichen Eingang bietet ein enger Gang, in dem ein dunkles Pochen wie ein Herzschlag zu h\u00f6ren ist. Diese beiden Stationen \u2013 Gang und Geb\u00e4rmutter \u2013 lassen R\u00fcckschl\u00fcsse auf biologische Prozesse im Zusammenhang der Geburt und Schwangerschaft zu und interpretieren diese in begehbarer Raumform. Wo sich das Geboren-Sein mit dem Geborgen-Sein verbindet, er\u00f6ffnen sich andere, eher assoziative R\u00e4ume. Neben einem kleinen Lagerfeuer wird beschrieben, dass die Aboriginies ihre Kinder in Rauch baden, um b\u00f6se Geister zu vertreiben und um mit den Kr\u00e4utern des Rauchbads Krankheiten vorzubeugen. Zu dieser Badeinstallation geh\u00f6rt auch eine Badewanne, die mit Linsen gef\u00fcllt ist. Jede*r Besucher*in ist eingeladen, sich in die Badewanne zu legen und in den Linsen zu baden. Der Informationsgehalt wandert in dieser Station von einer intellektuellen auf eine sensitive Ebene, denn das Baden in Linsen ist in keiner Kultur Bestandteil eines Geburtsrituals. Anstatt \u00fcber kulturgeschichtliche Zeremonien zu informieren, wird hier das Gef\u00fchl des Badens selbst erzeugt und erfahrbar gemacht. Im Zusammenhang mit den anderen Informationen der Ausstellung er\u00f6ffnet sich spielerisch ein assoziatives Feld. Auf \u00e4hnliche Weise funktioniert auch ein mit bunten Aufklebern beklebter K\u00fchlschrank:\u00a0<em>Woran merkst du, dass du zu Hause bist?<\/em>\u00a0\u00d6ffnet man diesen K\u00fchlschrank, ist er nicht mit Lebensmitteln, sondern mit Pl\u00fcschtieren gef\u00fcllt:\u00a0<em>Zu Hause ist da, wo ich ungefragt an den K\u00fchlschrank gehen kann.\u00a0<\/em>Wie die unterschiedlichen Ausstellungsstationen erkennen lassen, vollzieht sich dieses Hin- und Herwandern der verschiedenen informativen Ebenen dank der Vielzahl architektonischer Medien und ihren M\u00f6glichkeiten, zur Interaktion und individuellen Aneignung anzuregen. Dabei gilt es als zentrale Leistung dieser Medien, Raum in Operationen zu verwandeln, so die Analyse Wolfgang Sch\u00e4ffners.<a name=\\\"_ednref1\\\"><\/a><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/geboren-und-willkommen\/#_edn1\\\">[1]<\/a>\u00a0Durch die als grunds\u00e4tzlich hervorgehobenen Systeme des\u00a0<em>\u00d6ffnens<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Schlie\u00dfens<\/em>, der Schwellen und \u00dcberg\u00e4nge \u2013 wie sie Fenster und T\u00fcren erm\u00f6glichen -, lassen sich Informationen und Energien b\u00fcndeln und streuen. Es entstehen Prozesse des Austauschs und der \u00dcbertragung. F\u00fcr Sch\u00e4ffner sind diese Mechanismen nicht allein die Folge des architektonischen Entwurfs, vielmehr lassen sie in ihrem Zusammenspiel ein Geb\u00e4ude erst als Einheit wahrnehmen und sind somit konstitutiv f\u00fcr jedes Raumkonzept. Geb\u00e4ude sind daher nicht per se bestehende Entit\u00e4ten, sondern eigentlich Prozesse, die sich r\u00e4umlich und zeitlich entfalten.<a name=\\\"_ednref2\\\"><\/a><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/geboren-und-willkommen\/#_edn2\\\">[2]<\/a>\u00a0Von hier ist der Weg zur Ausstellung nicht weit. Inhalte und Thesen der Ausstellung sind keine \u00e4u\u00dferliche Einheit, sondern eine innere Pluralit\u00e4t von verschiedenen Zeigeprozessen, die sich operativ entfalten. Ihr Modus ist immer ein m\u00f6glicher, aber kein notwendiger. So wie f\u00fcr Sch\u00e4ffner die Kombination aus architektonischen Elementen spezifische R\u00e4ume bildet, so bildet sich die Ausstellung\u00a0<em>Geboren und Willkommen\u00a0<\/em>im Zusammenspiel der verschiedenen installativen und informativen Elemente und ihrer Angebote, ge\u00f6ffnet und genutzt zu werden. Ob und auf welcher Ebene sie sich er\u00f6ffnen, h\u00e4ngt von der Auswahl der Besucher*innen ab. Es wird nicht ein auf irgendeine Weise erforschter und aufbereiteter Gegenstand pr\u00e4sentiert, sondern ein lebendiger, energetischer Prozess raumzeitlich nachvollzogen.\u00a0<em>Geboren und Willkommen<\/em>\u00a0erlaubt pers\u00f6nliche Erlebnisse und Aneignungen des dargebotenen Inhalts, dank der Vielzahl der architektonischen Medien und Gesten des Zeigens. Damit entwirft die Ausstellung eine jener\u00a0<em>Kontingenzarenen<\/em>, die sich Karen van den Berg in Anbetracht ihrer historischen \u00dcberlegungen zu musealen Zeigegesten w\u00fcnscht.<a name=\\\"_ednref3\\\"><\/a><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/geboren-und-willkommen\/#_edn3\\\">[3]<\/a>\u00a0Statt einen einzigen spezifischen Weltbezug zu kultivieren, sollen dort in der Erkundung und Anregung durch die Ausstellung m\u00f6gliche Welten produziert werden. Dann funktioniert\u00a0<em>Geboren und Willkommen\u00a0<\/em>auch als Paradigma des Ausstellens selbst.<\/span><\/p><p>\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a name=\\\"_edn1\\\"><\/a><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/geboren-und-willkommen\/#_ednref1\\\">[1]<\/a>\u00a0Vgl. Wolfgang Sch\u00e4ffner, \u201eElemente architektonischer Medien\u201c, in: Lorenz Engell und Bernhard Siegert (Hg.), Zeitschrift f\u00fcr Medien- und Kulturforschung. Schwerpunkt Kulturtechnik, 1\/2010, S. 137-149.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a name=\\\"_edn2\\\"><\/a><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/geboren-und-willkommen\/#_ednref2\\\">[2]<\/a>\u00a0Ebd., S. 144: \u201eEs ist also nicht ein Geb\u00e4ude, in das diese Elemente eingef\u00fcgt werden, sondern es sind diese Elemente, die das Geb\u00e4ude als solches aus einer Vielzahl von Operationseinheiten bilden.\u201c<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a name=\\\"_edn3\\\"><\/a><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/geboren-und-willkommen\/#_ednref3\\\">[3]<\/a>\u00a0Vgl. Karen van den Berg, \u201eZeigen, Forschen, Kuratieren. \u00dcberlegungen zur Epistemologie des Museums\u201c, in: diess. und Hans-Ulrich Gumbrecht (Hg.), Politik des Zeigens, M\u00fcnchen: Fink 2010, S. 143-168, S. 167.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">geboren &amp; willkommen<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">02.01.2016 bis 05.06.2017<br \/><\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">MACHmit! Museum f\u00fcr Kinder<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Senefelderstra\u00dfe 5<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10437 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/machmitmuseum.de\/geboren-willkommen\/\\\">https:\/\/machmitmuseum.de\/geboren-willkommen\/<\/a><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\">\u00a0<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-dV","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":863,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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