{"id":869,"date":"2016-06-06T14:25:15","date_gmt":"2016-06-06T12:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/anne-imhof-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:38","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:38","slug":"orobates-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/orobates-2\/","title":{"rendered":"OROBATES. Nach 300 Millionen Jahren reanimiert, Phyletisches Museum Jena"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Nach 300 Millionen Jahren reanimiert<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 0,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 620,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p>Phyletisches Museum, Jena<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 1,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 7,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"text-align: left;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Maria Rossmanith<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 2,\r\n      \"col\": 3,\r\n      \"colspan\": 13,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 3,\r\n      \"relid\": 6,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>\u201eWir kennen von jenen Tieren eben nur die F\u00e4hrten und wer m\u00f6chte daher wagen, zu ihnen ein \u201aPhantasietier\u2018 zu konstruieren (\u2026)\u201c<\/em><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/orobates\/#_ftn1\\\">[1]<\/a><\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Wilhelm Pabst (1903)<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mit diesem Zitat werden die BesucherInnen, die die Ausstellung\u00a0<em>OROBATES. Nach 300 Millionen Jahren reanimiert<\/em>\u00a0im Medusensaal des Phyletischen Museums der Universit\u00e4t Jena betreten, empfangen. Es stammt von Wilhelm Pabst (1856-1908), einem Gothaer Lehrer und Naturforscher, der an den ersten Erkundungen der Fossilfundstelle \u201eBromacker\u201c im mittleren Th\u00fcringer Wald beteiligt war. Dort wurden 1898 auch die versteinerten Fu\u00dfspuren einer vor 300 Millionen Jahren ausgestorbenen Urechse entdeckt, die nun in Form einer F\u00e4hrtenplatte dem Zitat angegliedert ist.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Hundert Jahre sp\u00e4ter konnte bei erneuten Grabungen ein Skelettfossil der Saurier-Gattung freigelegt werden. Es handelt sich dabei um\u00a0<em>Orobates pabsti<\/em>, ein vierf\u00fc\u00dfiges Landwirbeltier, benannt nach dem eingangs zitierten Wilhelm Pabst.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">F\u00e4hrtenplatte und Fossil geh\u00f6ren zu den bedeutendsten Funden der zur\u00fcckliegenden Grabungen und bilden in ihrer Kombination ein seltenes Artefakt f\u00fcr die Erforschung der Fortbewegung des ausgestorbenen Ursauriers und seiner Rekonstruktion<em>.<\/em>\u00a0So stellen beide Funde auch den Ausgangspunkt f\u00fcr ein mehrj\u00e4hriges Forschungsprojekt eines interdisziplin\u00e4ren Teams dar.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Unter dem Titel\u00a0<em>OROBATES. Nach 300 Millionen Jahren reanimiert<\/em>\u00a0pr\u00e4sentiert die Sonderausstellung nicht nur die Ergebnisse dieser Forschung, sondern r\u00fcckt vielmehr die Arbeitsprozesse und Methoden des Forschungsprozesses in den Fokus. Die Ausstellung wurde von Studierenden der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin und der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar kuratiert und wird noch bis zum 21. August im Phyletischen Museum zu sehen sein, bevor\u00a0<em>OROBATES<\/em>\u00a0in das Tieranatomische Theater Berlin wandert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">In dem sogenannten Medusensaal der Ausstellung befinden sich insgesamt acht historische Vitrinen, die jeweils eine Gr\u00f6\u00dfe von etwa zwei Metern in der H\u00f6he, drei Metern L\u00e4nge und einem Meter in der Tiefe besitzen. Durch ihre parallele Anordnung entsteht der Eindruck eines klar strukturierten Raums. Beim Betreten der Ausstellung fallen zudem die farbigen Deckengem\u00e4lde von Medusendarstellungen auf, die sich jeweils \u00fcber den Vitrinen befinden. Sie stehen im Gegensatz zur Gestaltung der acht Vitrinen, die vor allem durch ihre besondere Beleuchtung gepr\u00e4gt ist. Wei\u00dfe Neonr\u00f6hren sind in unterschiedlichen Positionen aufgeh\u00e4ngt, sie scheinen frei zu schweben. Ihr wei\u00dfes, helles Licht leuchtet die Vitrine komplett aus, ohne jedoch einzelne Exponate besonders hervorzuheben.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die zentrale Fragestellung der Ausstellung lautet: Wie kann man die Bewegung eines Tieres erforschen, das vor 300 Millionen Jahren gelebt hat?\u00a0<em>OROBATES\u00a0<\/em>dokumentiert den Forschungsprozess, der zur Rekonstruktion des Orobates\u2018 und seiner Fortbewegung von Bedeutung ist. Es wurde gesammelt, freigelegt, kombiniert, skaliert, vermessen, digitalisiert, ausgewertet, gebaut und gepr\u00fcft. So sind auch die einzelnen Themenbereiche der Vitrinen durch \u00dcberschriften betitelt, die die jeweiligen Forschungsschritte aufgreifen. Es l\u00e4sst sich eine Chronologie und Ausstellungserz\u00e4hlung erkennen, die die BesucherInnen \u00e4hnlich eines Rundgangs durch den Raum leitet.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die ersten zwei Vitrinen mit den Titeln\u00a0<em>Finden &amp; Sammeln<\/em>\u00a0und<em>\u00a0Freilegen &amp; Abbilden<\/em>\u00a0zeichnen beispielsweise die Fundgeschichte und \u201eObjektbiografie\u201c des Fossils nach. Die Schwierigkeit, eine Zeitspanne von mehr als 300 Millionen Jahren in nur einer Vitrine darzustellen, wird zun\u00e4chst durch einen einfach zu verstehenden Zeitstrahl und Informationstext gel\u00f6st. Die Gestaltung der Vitrinen zeichnet sich jedoch besonders durch seine Exponate aus, die wider Erwarten nicht nur aus typisch naturkundlichen Objekten \u2013 wie dem im Gestein eingeschlossenen Fossil, Grafiken und Diagrammen \u2013 besteht, sondern auch kuriose Objekte beinhaltet, wie einen gro\u00dfen Haufen originaler Bromacker-Erde, einen Transportkoffer des Fossils sowie einen Stapel Reisedokumente. Sie bilden ein klares Gegengewicht zu den g\u00e4ngigen Vermittlungsobjekten eines naturwissenschaftlichen Museums, werden aber aufgrund ihrer Anordnung, Beschriftung und der eingangs beschriebenen Belichtung in der Vitrine als gleichberechtigte Exponate wahrgenommen. Sie stehen somit stellvertretend f\u00fcr die Objekte der Informationsvermittlung und fungieren als Bedeutungstr\u00e4ger. Ein Prinzip, das auch in weiteren Modulen der Ausstellung umgesetzt wurde und die Entscheidung der KuratorInnen verdeutlicht, durch eine ungew\u00f6hnliche Konstellation von Objekten, Texten und Gestaltung, neue Perspektiven auf Wissenschaft zu er\u00f6ffnen, die nicht nur Antworten pr\u00e4sentieren, sondern auch Fragen anregen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Es l\u00e4sst sich erkennen, dass OROBATES in seiner Ausstellungserz\u00e4hlung einen detaillierten und vielschichtigen Bogen spannt zwischen einem uralten Fossil und neuester Technik. Im Gegensatz zu den klassischen Bereichen eines naturkundlichen Forschungsmuseums\u00a0<em>Sammeln \u2013 Forschen \u2013 Ausstellen,<\/em>\u00a0dem sich auch das Phyletische Museum widmet, setzt die Ausstellung inmitten dieser Arbeitsprozesse zeitgen\u00f6ssischer Naturwissenschaft ein und macht sie f\u00fcr die BesucherInnen transparent.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Ein inszenierter \u201e<em>Arbeitsplatz\u201c,\u00a0<\/em>der sich in der hinteren Mitte des Raums befindet, versammelt Objekte und Bilder, die der Zusammenarbeit von BiologInnen und IllustratorInnen zugrunde lagen und aus dieser entstanden sind. In seiner Gestaltung erinnert er an ein naturwissenschaftliches Diorama, das in diesem Fall als das \u201enat\u00fcrliche Arbeitsmilieu der ForscherInnen\u201c bezeichnet werden k\u00f6nnte. Das Objektensemble besteht unter anderem aus einem Taschentuch und einer Kekspackung, die wie die anderen Exponate mit einer kurzen Beschriftung versehen sind und trotz ihrer Trivialit\u00e4t als beglaubigende \u201eZeugen\u201c dieses Arbeitsprozesses inszeniert werden. Zudem werden originale Video- und Audiomitschnitte der Kooperation eingespielt, die die intensiven Aushandlungsprozesse, die den sp\u00e4teren Ergebnissen vorangegangen sind, dokumentieren. Den BesucherInnen werden auf diese Weise auch die Potentiale und H\u00fcrden der interdisziplin\u00e4ren Forschung ins Bewusstsein gerufen. Es wird auf die Schnittstelle zwischen Biologie und Illustration aufmerksam gemacht, in der verschiedenes Know-how aufeinandertrifft und durch die unterschiedlichen Perspektiven Wissen generiert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dies muss jedoch nicht immer durch Objekte passieren, sondern kann auch durch Texte funktionieren. So sind eine weitere gestalterische Besonderheit, die sich konsequent durch die Ausstellung zieht, Zitate, die in gro\u00dfer, wei\u00dfer Schrift an die Vitrinenfenster geklebt sind. Sie stammen von den unterschiedlichen AkteurInnen, die an der Erforschung des \u201eUrsauriers\u201c beteiligt waren. Interessanterweise kommen jedoch nicht nur ExpertInnen, wie GeologInnen oder EvolutionsbiologInnen zu Wort, sondern auch eine Tierpflegerin und eine Studentische Hilfskraft. Sie verweisen deutlich auf die Vielstimmigkeit dieser interdisziplin\u00e4ren Forschung und die verschiedenen Perspektiven, die in den Arbeitsprozess involviert sind, jedoch oft im Hintergrund bleiben.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">H\u00f6hepunkt der Ausstellung ist eine interaktive, virtuelle Animation des\u00a0<em>Orobates pabsti<\/em>, die die BesucherInnen selbst bedienen k\u00f6nnen. \u00dcber Regler k\u00f6nnen drei Parameter des Bewegungsablaufs beeinflusst werden und \u00fcbertragen sich direkt auf das virtuelle Modell, w\u00e4hrend es sich in der F\u00e4hrte fortbewegt. Auf den ersten Blick scheint dies die durch den Titel suggerierte Erwartung zu erf\u00fcllen, dass der \u201eUrsaurier\u201c durch Menschenhand \u201ereanimiert\u201c, wieder zum Leben erweckt beziehungsweise zum Laufen gebracht wird. Vielmehr deutet die letzte Vitrine der Ausstellung jedoch auch auf die Grenzen der Forschung hin. Im spielerischen Austesten der BesucherInnen wird der hypothetische und subjektive Charakter der Rekonstruktion ins Bewusstsein ger\u00fcckt.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Insgesamt zeichnet sich\u00a0<em>OROBATES. Nach 300 Millionen Jahren reanimiert<\/em>\u00a0besonders dadurch aus, dass auf eine reine Pr\u00e4sentation, die den Fokus auf die einmaligen Originale legt \u2013 in diesem Fall die zwei spektakul\u00e4ren Funde \u2013 oder auf eine elit\u00e4re Wissensvermittlung in Form der Forschungsergebnisse, verzichtet wird. Die Sonderausstellung verdeutlicht zudem die interdisziplin\u00e4re und subjektive Gestalt der Forschung, indem sie durch Texte und Objekte auf die unterschiedlichen AkteurInnen des Forschungsprojekts verweist. Auf diese Weise evoziert\u00a0<em>OROBATES\u00a0<\/em>einen dynamischen Prozess, der dazu anregt, das eigene Wissen zu hinterfragen, zu entdecken und weiterzudenken.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\">\u00a0<\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/orobates\/#_ftnref1\\\">[1]<\/a>\u00a0Pabst, Wilhelm (1903): Die fossilen Tierf\u00e4hrten aus dem Rotliegenden Th\u00fcringens im Herzoglichen Museum zu Gotha. Ein F\u00fchrer durch ihre Sammlung. Gotha: Perthes, S. 5 f.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">OROBATES. Nach 300 Millionen Jahren reanimiert.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">16. April 2016 \u2013 21. August 2016<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Phyletisches Museum<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Vor dem Neutor 1<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">07743 Jena<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.phyletisches-museum.uni-jena.de\/\\\">www.phyletisches-museum.uni-jena.de<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-e1","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":869,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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