{"id":881,"date":"2016-06-01T15:05:33","date_gmt":"2016-06-01T13:05:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/anne-imhof-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:38","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:38","slug":"zeit-der-unruhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/zeit-der-unruhe\/","title":{"rendered":"Zeit der Unruhe, Haus der Kulturen der Welt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Noch schwieriger ist es, wenn es eigentlich kaum Forschungsmaterial gibt, weil der gr\u00f6\u00dfte Teil in der Vergangenheit zerst\u00f6rt wurde. Und ebenso aufregend ist es, gegen alle Erwartung auf interessante Entdeckungen zu sto\u00dfen. Diese Aufgabe zeigt Zeit der Unruhe.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung Zeit der Unruhe handelt von der Internationalen Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina (Beirut, 1978). Sie zeigt die wichtigsten Ergebnisse der jahrelangen Forschungsarbeit der Kuratorinnen und Forscherinnen Kristine Khouri und Rasha Salti. In einem einzelnen Raum des HKWs sind digitale Reproduktionen von Bildern, Dokumenten, Zeitungsausschnitten, Postern, Pamphleten, Kunstwerken usw. ausgestellt, um den BesucherInnen einen \u00dcberblick der Recherche zu bieten. Die Forscherinnen haben sich entschieden, das komplizierte Netzwerk hinter der Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina freizulegen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Diese Ausstellung wurde im M\u00e4rz 1978 an der Beirut Arab Universit\u00e4t er\u00f6ffnet. Sie war eine Initiative der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und umfasste Arbeiten von etwa zweihundert K\u00fcnstlerInnen aus drei\u00dfig L\u00e4ndern. Das Ziel dieser internationalen Kunstausstellung war, ein Gef\u00fchl von Solidarit\u00e4t mit dem pal\u00e4stinensischen nationalen Konflikt zu bewirken. Sie entstand in Einklang mit der weltweiten antiimperialistischen Bewegung der 1960er und \u201970er Jahre, insbesondere den vielen kritischen Kunstausstellungen, die au\u00dferhalb den Museen stattfanden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Was Zeit der Unruhe ausstellt, ist nicht so sehr eine Geschichte oder Erz\u00e4hlung, sondern der Forschungsprozess selbst. Die Kuratorinnen haben versucht, den historischen, politischen und kulturellen Kontext, in dem die Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina entstand, durch die Angaben zu deuten, die sie vorgefunden haben. Sie laden die BesucherInnen ein, \u201ein diese Welt der Anekdoten, Erinnerungen, Bilder und Dokumente einzutauchen, eigene Spekulationen daran anzukn\u00fcpfen und selbst zu entscheiden, was sie von alledem im Ged\u00e4chtnis behalten wollen\u201c (Ausstellungsbrosch\u00fcre). Die\/der BesucherIn wird in den Forschungsprozess mit einbezogen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Heute gibt es jedoch leider nur noch den Ausstellungskatalog der Internationalen Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina, weil das Geb\u00e4ude, in dem die Arbeiten und Ausstellungsdokumente der Ausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina untergebracht waren 1982 durch die israelische Armee bombardiert wurde. Deshalb hatten Khouri und Salti am Anfang ihrer Forschung nur den Katalog zur Verf\u00fcgung, auf den sie in einer Galerie in Beirut gesto\u00dfen waren. Und genauso wie die Forscherinnen angefangen haben, beginnt auch die Ausstellung: mit einer Projektion, in welcher die Seiten des Katalogs eine nach der anderen umgeschlagen werden. Ausgehend von dieser Entdeckung haben Khouri und Salti sich damit besch\u00e4ftigt, Verbindungen zwischen der Kunstausstellung in Beirut und anderen Ausstellungen, Personen und Kollektiven zu ziehen. Dieser Prozess wird ausdr\u00fccklich in einer zweiten Projektion visualisiert, die zeigt, wie ein Wort-Netz mit den wichtigsten Akteuren und Projekten gezeichnet wird. Dieses Wort-Netz verk\u00f6rpert das kuratorische Konzept der Ausstellung: alle K\u00fcnstlerInnen, AktivistInnen, Kollektive, aber auch die Ausstellungen und Veranstaltungen, die in Zeit der Unruhe gezeigt werden, haben einen Platz in dem Netzwerk und sind miteinander verbunden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Der Ausgangspunkt dieses Netzwerkes war der franz\u00f6sischen K\u00fcnstler Claude Lazar, eine wichtige Person in der Ausf\u00fchrung der Internationalen Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina. In den 1970er Jahren stand er pal\u00e4stinensischen AktivistInnen nahe und ermutigte zahlreiche K\u00fcnstlerInnen dazu, an der Ausstellung mitzuarbeiten. Die Forscherinnen besuchten ihn im Juni 2011, um seine Erinnerungen an die Ereignisse zu h\u00f6ren. Bilder von dem Gespr\u00e4ch k\u00f6nnen in Zeit der Unruhe angeschaut werden, ebenso wie Videos von Gespr\u00e4chen mit anderen Beteiligten. Es handelt sich hier am ehesten um pers\u00f6nliche Erinnerungen an die Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina, weniger um die Rekonstruktion einer faktischen Geschichte.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Ein gro\u00dfer Teil der aktuellen Ausstellung stellt Informationen \u00fcber die anderen Kollektive, die an der Realisierung der historischen Ausstellung beteiligt waren, zur Verf\u00fcgung. Au\u00dferdem zeigt Zeit der Unruhe Bilder, Poster und Plakate von \u00e4hnlichen Ausstellungen, um so einen \u00dcberblick des Ausstellungsfelds und kritischen Diskurses der 1970er und \u201980er Jahre zu erm\u00f6glichen. Was hier deutlich wird, ist die Verbreitung und Globalisierung der antiimperialistischen Bewegung in der Kunstwelt. Dies wird umso klarer durch eine Weltkarte, die die Wanderausstellungen der 70er bis zum Jahr 2000 mit ihren weltweiten Standorten verbindet.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Ganz hinten in dem Ausstellungsraum gibt es eine Wand gef\u00fcllt mit Index-Karten, auf den die Namen von K\u00fcnstlerInnen, die an der Internationalen Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina teilnahmen, geschrieben sind. Sie erinnert an eine Wand im B\u00fcro der Forscherinnen. Dazu kommen alle Informationen, die verschiedene Datenbanken \u00fcber diese Personen ausgewiesen haben. Sie sind geordnet nach Herkunftsland, was enth\u00fcllt, dass es bedeutend mehr Informationen \u00fcber westliche als \u00fcber nicht-westliche K\u00fcnstlerInnen gibt. Es ist auff\u00e4llig, dass die Erkenntnisse, und nicht die Folgerungen ausgestellt sind. Die Kuratorinnen erm\u00f6glichen den BesucherInnen, ihre eigenen Feststellungen aus den gegebenen Informationen zu ziehen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Was Zeit der Unruhe so vor allem darstellt, ist der Verlauf von Ausstellungsrecherche selbst. Sie bietet einen Blick hinter die Kulissen der Forschungspraxis. Es handelt sich dabei nicht nur um die Internationale Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina, sondern um die ganze Kunstwelt und das politische Klima, in dem diese Ausstellung ins Leben gerufen wurde. Trotzdem verschafft die aktuelle Ausstellung kaum ein Bild davon, wie die historische Ausstellung 1978 aussah. Dies ist vor allem dem Bombardement des Archivgeb\u00e4udes geschuldet. Die BesucherInnen erfahren hierdurch auch die Anstrengung der Recherchearbeit, bei der es einfach kaum Anhaltspunkte gibt. Die L\u00fccke im Kanon wird deshalb durch die Abwesenheit von authentischen Objekten f\u00fchlbar gemacht. Das Ergebnis ist, wie die Kuratorinnen es selbst ausdr\u00fccken, \u201eeine eklektische Sammlung von Geschichten und Anekdoten\u201c, nacherz\u00e4hlt mit ihren eigenen Stimmen und denen der Beteiligten (Ausstellungstext).<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Zeit der Unruhe. \u00dcber die Internationale Kunstausstellung f\u00fcr Pal\u00e4stina 1978<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">19. M\u00e4rz bis 09. Mai 2016<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Haus der Kulturen der Welt<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">John-Foster-Dulles-Allee 10<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10557 Berlin<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/www.hkw.de\/\\\">www.hkw.de<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-ed","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":881,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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