{"id":896,"date":"2016-06-10T16:27:21","date_gmt":"2016-06-10T14:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/nervoese-systeme-2-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:39","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:39","slug":"forum-romanum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/forum-romanum\/","title":{"rendered":"Forum Romanum 3.0, Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Dennoch ist es nicht der offensichtlichste Anlaufpunkt f\u00fcr Touristen und Museumsbesucher. Wen es doch einmal in den dritten Stock des Westfl\u00fcgels verschl\u00e4gt, der findet dort in den R\u00e4umlichkeiten des Winckelmann-Instituts die Ausstellung \u201eForum Romanum 3.0\u201c. In einem einzigen l\u00e4nglichen Raum wird hier das Ergebnis des Forschungs- und Lehrprojektes \u201edigitales forum romanum\u201c pr\u00e4sentiert, das am Lehrbereich Klassische Arch\u00e4ologie sowie in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster Topoi entstanden ist. Ziel des Projekts ist die digitale Rekonstruktion des ehemaligen Markt- und Versammlungs-platzes des antiken Roms. In der Ausstellung werden nur Teile dieser Arbeit gezeigt, der komplette Stand der Forschung ist gut aufbereitet im Internet zu finden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Damit ist \u201eForum Romanum 3.0\u201c zun\u00e4chst einmal eine Projektpr\u00e4sentation, die auf eine andere, scheinbar umfangreichere Vermittlung des gleichen Wissens durch ein Medium jenseits des Ausstellungsraumes verweist. Daher stellt sich die Frage: Was kann demgegen\u00fcber das Medium Ausstellung leisten? Gibt es einen bestimmten Zugang zu universit\u00e4rem Wissen, den nur eine Ausstellung bieten kann? Erlaubt die selbst\u00e4ndige Interaktion und Konfrontation mit dem Ausgestellten den Besuchern vielleicht letztendlich doch ein vollst\u00e4ndigeres Erschlie\u00dfen des Wissens?<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Am Eingang der Ausstellung wird der Besucher zun\u00e4chst von einem Foto der heutigen arch\u00e4ologischen St\u00e4tte des Forum Romanum begr\u00fc\u00dft \u2013 ein Anblick, der Vielen bekannt sein d\u00fcrfte. Angesichts der teils gut erhaltenen S\u00e4ulen und Fundamente f\u00e4llt es nicht schwer, sich vor dem inneren Auge ein erstes Bild vom urspr\u00fcnglichen Zustand des Platzes zu machen. Hier ein Triumphbogen, dort ein Tempel, dahinter eine gro\u00dfe Markthalle \u2013 so sah das Forum Romanum also aus!<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Doch mit diesen vorschnellen Schl\u00fcssen aus der touristischen Besichtigung der Ruinen m\u00f6chte die Ausstellung aufr\u00e4umen. In der Mitte des Raumes stehen zwei Modelle des Forum Romanum, die durch 3D-Druck aus den digitalen Rekonstruktionen entstanden sind. Hier sieht pl\u00f6tzlich alles ganz anders aus als in den heutigen Ruinen. Selbst wenn man die beiden Modelle, die jeweils das komplette Forum zeigen, untereinander vergleicht, sind sie kaum wiederzuerkennen. Das eine zeigt den Zustand des Platzes um 100 v. Chr., also zur Zeit der sp\u00e4ten Republik, das andere um 14 n. Chr. zur Zeit des Kaisers Augustus. Im Kontrast der beiden Modelle stellt sich die historische Wandelbarkeit des Forums heraus. Ausf\u00fchrliche Beschreibungen der einzelnen Geb\u00e4ude direkt neben den Modellen beleuchten ihre architektonischen Besonderheiten und Funktionen und geben dem Besucher damit erste Hinweise, warum welche Bauten nun genau zu welcher Zeit standen \u2013 und mitunter nach hundert Jahren schon wieder anderen weichen mussten.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Zugleich wird im R\u00fcckbezug auf das Foto der Ausgrabungsst\u00e4tte klar: Die Ruinen lassen auf den ersten Blick nur R\u00fcckschl\u00fcsse auf den allerletzten Zustand des Forums vor seinem Verfall zu. Und so widmet sich die Ausstellung auch den arch\u00e4ologischen und geschichts-wissenschaftlichen Arbeitsweisen, die eine Rekonstruktion einer solch komplexen architektonischen Konstellation erst erm\u00f6glichen. An einem Arbeitstisch, der mit Dokumenten, Grundrissen, Zeichnungen, Fotografien und historischen Texten bedeckt ist, wird gezeigt, aus welch vielf\u00e4ltigen Quellen sich Historiker das Gesamtbild eines einzigen Geb\u00e4udes erst zusammenpuzzeln m\u00fcssen. Auf einem Bildschirm l\u00e4uft exemplarisch die Rekonstruktion des Caesar-Tempels vom Fundament bis zum fertigen Geb\u00e4ude ab. Dabei wird auch auf die Bedeutung hingewiesen, die ein einziges erhaltenes St\u00fcck haben kann: Die Gestaltung eines kleinen Kapitellsteins kann schon Aufschluss \u00fcber das Aussehen des ganzen Tempels geben.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u00dcber die eigene Beobachtung hinaus wird dem Besucher hier also der wesentlich tiefer greifende geschichtswissenschaftliche Erkenntnismodus nahegebracht. Gleichzeitig wird dabei aber auch deutlich, dass man als Laie aus diesem wissenschaftlichen Modus ausgeschlossen bleibt. Erst das Ergebnis all der komplexen Arbeitsschritte, auf die nur verwiesen wird, ist dann in Form des Modells wieder f\u00fcr jeden erschlie\u00dfbar. So versteckt sich unter der Schicht an Dokumenten auf dem Schreibtisch des Historikers wom\u00f6glich sogar eine Kritik an den Ausschlussmechanismen von universit\u00e4rem Fachwissen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Als wollte sie nach dem trivialen Touristenwissen auch dieser allzu elit\u00e4ren Form des Wissens entgegenwirken, macht die Ausstellung ihre Inhalte zumindest an einer Stelle medial recht einfach erfahrbar: Am hinteren Ende des Raums finden sich vier H\u00f6rstationen, die jeweils von einer B\u00fcste gekr\u00f6nt sind. Es sind die K\u00f6pfe von Caesar, Cicero, Cato und Augustus. Entsprechend sind es Reden und Aufzeichnungen dieser gro\u00dfen Pers\u00f6nlichkeiten, denen man an den Stationen zuh\u00f6ren kann. Sie alle erz\u00e4hlen nat\u00fcrlich vom Forum Romanum, von seiner Wichtigkeit als Zentrum der \u00d6ffentlichkeit, aber besonders von ihren pers\u00f6nlichen Interessen und Beitr\u00e4gen zu seiner Gestaltung. Cato berichtet zum Beispiel stolz, er habe die erste Basilika, ein prachtvolles Gesch\u00e4ftsgeb\u00e4ude, auf dem Forumsplatz erbauen lassen \u2013 und sich damit seinen politischen Einfluss auf den Handel in der Stadt gesichert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">So werden auf ganz unerwartete Weise die machtpolitischen Interessen und Absichten hinter einzelnen Einrichtungen des Forums deutlich. Wer aus den Berichten die Namen einzelner Geb\u00e4ude heraush\u00f6rt, der kann deren Form und Position dann auch wieder auf einem der beiden Modelle nachvollziehen. Leider sind die beiden Stationen zu weit voneinander entfernt, um das Geh\u00f6rte unmittelbar mit einem Blick auf die Bauten abzugleichen. Architektonische und pragmatisch-politische Aspekte der Bauten erscheinen damit fast zu sehr voneinander getrennt. Der Besucher ist dadurch gezwungen, die einzelnen Fragmente des Wissens selbst miteinander in Beziehung zu setzen. Gerade durch diese intensive Besch\u00e4ftigung mit den Bruchst\u00fccken der Erkenntnis entsteht aber wom\u00f6glich nach und nach ein umso vollst\u00e4ndigerer Eindruck des Forums. \u00c4hnlich wie am Schreibtisch des Historikers wird hier nicht blo\u00df Wissen vermittelt, sondern eine besondere Form der Wissensaneignung beleuchtet. Einen solchen Reflexionsprozess erm\u00f6glicht erst die klare F\u00fchrung des Besuchers durch das Thema, vermittelt durch die kuratorische und r\u00e4umliche Gestaltung, die das Medium Ausstellung ausmacht.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Gerade angesichts dessen h\u00e4tte die Ausstellung \u201eForum Romanum 3.0\u201c ihre R\u00e4umlichkeit aber effektiver nutzen m\u00fcssen. Die beiden kleinen Tischmodelle des Forums sind die einzigen Versuche, das an sich rein digitale Projekt materiell sichtbar zu machen. Haptisch greifbar sind nicht einmal diese Modelle \u2013 es wird ausdr\u00fccklich darum gebeten, die fragilen Geb\u00e4ude nicht anzufassen. Der Transfer aus dem digital space in den tats\u00e4chlichen physischen Raum ist mit den Modellen also nur bedingt gelungen. Zu deutlich ist hier der Fokus auf die digitale Rekonstruktion und damit auf das urspr\u00fcngliche Forschungsprojekt sp\u00fcrbar.\u00a0<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Und so bleibt die Ausstellung in einer seltsamen Schwebe zwischen ihrer unleugbaren Rolle als blo\u00dfe Projektpr\u00e4sentation auf der einen Seite und den spannenden Ans\u00e4tzen einer eigenst\u00e4ndigen Erschlie\u00dfung des Forschungswissens auf der anderen Seite. Wer sich nun f\u00fcr die Geschichte des Forum Romanum an sich interessiert, dem sei es \u00fcber die Ausstellung hinaus empfohlen, sich die Modelle in ihrer digitalen Form noch einmal komplett anzusehen. Der aktuelle Stand des Projekts ist auf\u00a0<a href=\\\"http:\/\/www.digitales-forum-romanum.de\/\\\">www.digitales-forum-romanum.de<\/a>\u00a0abzurufen.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Forum Romanum 3.0 \u2013 Roms antikes Zentrum zwischen Realit\u00e4t und Virtualit\u00e4t<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10.6.2015\u201322.7.2016<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Unter den Linden 6<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10117 Berlin, Raum 3094<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.forumromanum30.hu-berlin.de\/\\\">www.forumromanum30.hu-berlin.de<\/a><\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.digitales-forum-romanum.de\/\\\">www.digitales-forum-romanum.de<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-es","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":896,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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