{"id":903,"date":"2016-07-03T16:48:25","date_gmt":"2016-07-03T14:48:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/systemerde-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:33","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:33","slug":"isa-genzken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/isa-genzken\/","title":{"rendered":"Isa Genzken: Mach Dich H\u00fcbsch!, Martin-Gropius-Bau"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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H\u00e4ufig wird in den ersten Sekunden des Kennenlernens abgeglichen, ob das Gegen\u00fcber g\u00e4ngigen, kulturell produzierten Sch\u00f6nheitsidealen entspricht. Aus \u00e4u\u00dferen Merkmalen werden blitzschnell R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Charakter einer Person gezogen. Dieser Zusammenhang von K\u00f6rper, Identit\u00e4t und Sch\u00f6nheitsidealen ist eines der Themen, die das Schaffen der Konzeptk\u00fcnstlerin Isa Genzkens stark beeinflusst haben. Einen Querschnitt ihres Werkes k\u00f6nnen sich Besucher_Innen des Martin-Gropius-Baus in Berlin in der Ausstellung \u201eMach dich h\u00fcbsch!\u201c noch bis zum 26. Juni ansehen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">\u00dcber sieben R\u00e4ume verteilt bilden Installationen, Skulpturen und Fotografien, die unterschiedliche Themenbereiche verhandeln, gewisserma\u00dfen eine Collage des \u0152uvres der K\u00fcnstlerin. Zwar sind die Objekte lose nach den Schwerpunkten K\u00f6rper, Portr\u00e4t, st\u00e4dtische Kultur und Identit\u00e4t geordnet. Doch dieses System erschlie\u00dft sich den Rezipient_Innen in seiner G\u00e4nze erst durch die dezent neben den T\u00fcrrahmen eines jeden Raums platzieren Schilder, die ohne Weiteres aus dem Blickfeld verschwinden k\u00f6nnen. Nur einzelnen, in den Augen der Kuratoren Beatrix Ruf und Martijn van Nieuwenhuyzen besonders wichtigen Kunstwerken wurde eine Tafel mit Hintergrundinformationen gewidmet. Auch diesem Hierarchisierungsprozess k\u00f6nnen sich Besucher_Innen nahezu problemlos entziehen, denn die Tafeln befinden sich nicht direkt am Objekt, sondern sind im Raum verteilt. Der Rezipient hat damit die Freiheit, sich werkimmanente Zusammenh\u00e4nge selbst zu erschlie\u00dfen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dabei finden sich bestimmte Themenkomplexe immer wieder, in den Hinweistexten wird auf die vermeintlich wichtigsten Werke immer wieder Bezug genommen. Die Ausstellung selbst verzichtet aber in ihrer fragmentierten Form darauf, Assoziationen innerhalb des Rundgangs festzulegen. Der Interpretationsspielraum, der dadurch f\u00fcr das Gesamtwerk Isa Genzkens entsteht, ist schier endlos. Eine chronologische Aufarbeitung ihres Schaffens w\u00fcrde sich aufgrund der assoziativen, repetitiven Arbeitsweise der K\u00fcnstlerin auch schlicht und ergreifend verbieten.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Bereits zu Beginn der Ausstellung wird deutlich, dass eine fragmentierte, assoziative Pr\u00e4sentation der Objekte sehr gut mit der Konzeption der ausgestellten Kunstwerke korreliert. Namensgebend f\u00fcr die Ausstellung sind dabei jene Werke, die Modeindustrie, Sch\u00f6nheitsideale und Frauenbilder parodieren und verzerren. Eine der ersten Installationen, die dem Rezipienten auf seinem Streifzug begegnet, ist ein Nofreteten-Quartett. Vier Gipsabg\u00fcsse der ber\u00fchmten Pharaonengemahlin wurden jeweils einzeln auf einer S\u00e4ule positioniert \u2013 Und dann mit modernen, quietschbunten Accessoires dekoriert, sodass sie beim ersten Anblick eher ein Schmunzeln als Ehrfurcht vor ihrer g\u00f6ttlichen Sch\u00f6nheit ausl\u00f6sen. Mit Per\u00fccken, Sonnenbrillen und Gasmasken ausgestattet soll Nofretete, eines der Sinnbilder f\u00fcr Weiblichkeit im alten \u00c4gypten, augenscheinlich an das 21. Jahrhundert herangef\u00fchrt werden. Die G\u00f6ttin hat sich \u201eh\u00fcbsch gemacht\u201c f\u00fcr ein neues Zeitalter.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dadurch wagt das Kunstwerk letztendlich in gewisser Weise auch etwas, von dem die Kuratoren in der Konzeption ihrer Ausstellung Abstand genommen haben: Gegenst\u00e4nde, die theoretisch in keiner Weise kulturell oder zeitgeschichtlich miteinander in Verbindung stehen, werden zusammengef\u00fchrt. Der Betrachter kommt dar\u00fcber hinaus nicht umhin, wahrzunehmen, dass in dieser Installation Sch\u00f6nheitsideale \u00fcberspitzt, parodiert und damit letztendlich zur Diskussion gestellt werden. Mit den Sonnenbrillen aus Plastik und den bunten Per\u00fccken sehen die Gipsb\u00fcsten aus, als w\u00e4ren sie von einem 1-Euro-Shop ausgestattet worden. Die Gasmasken sind zudem eine Rekursion auf die \u00f6kologischen Probleme, mit denen vor allem st\u00e4dtische Regionen zunehmend konfrontiert werden \u2013 der urbane Raum ist immerhin ein ebenso h\u00e4ufig verhandeltes Thema in den Arbeiten Isa Genzken. Das Maximum an \u00dcberspitzung stellt aber ein Gummipenis dar, der an eine der S\u00e4ulen montiert ist, auf denen die B\u00fcsten der Nofretete aufgestellt sind und auf die Willk\u00fcrlichkeit von Begrifflichkeiten wie Geschlecht und sexuelle Identit\u00e4t hinweist.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im weiteren Verlauf der Ausstellung werden Sch\u00f6nheit und Genderkonzepte immer wieder thematisiert. Da sich die Ausstellung aber dem Gesamtwerk Isa Genzkens widmet, finden auch die anderen Interessengebiete der K\u00fcnstlerin in den R\u00e4umen des Martin-Gropius-Baus Platz. Dieses \u00fcber weite Strecken tats\u00e4chlich sehr farbenfrohe Potpourri entzieht sich inhaltlich jeglicher Hierarchisierung der Objekte oder der Themen, mit denen sich die K\u00fcnstlerin auseinandergesetzt hat.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Auch r\u00e4umliche Hierarchisierungsmechanismen werden weitestgehend gemieden. Die Installationen, Skulpturen und Gem\u00e4lde werden einerseits ganz individuell pr\u00e4sentiert. Daf\u00fcr wird zum Teil auch der Museumsboden genutzt, auf dem beispielsweise Collagen aus Magazincovern ausgebreitet werden. Alle Werke sind in ihrer speziellen Konzeption deutlich abgegrenzt von anderen Arbeiten Genzkens und f\u00fcgen sich nichtsdestotrotz in das Ensemble ein, das in den einzelnen R\u00e4umen erschaffen wurde. Die einzelnen Objekte stechen entweder durch ihre leuchtenden Farben oder, im Falle der Skulpturen, durch ihre Monumentalit\u00e4t hervor. Dadurch, dass die Ausstellungsr\u00e4ume selbst in einer neutralen Schlichtheit daherkommen, lenken sie nicht von der Buntheit der Werke ab.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Insgesamt sind die Besucher_Innen von \u201eMach Dich H\u00fcbsch\u201c durch die fragmentarische, collagenhafte Konzeption der Ausstellung eingeladen, sich einen individuellen Pfad durch das Werk von Isa Genzkens zu erschlie\u00dfen. Dadurch werden die M\u00f6glichkeiten, einen eigenen Schwerpunkt zu setzen und zu einem pers\u00f6nlichen Zugang und Verst\u00e4ndnis der Objekte zu gelangen, schier endlos.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Isa Genzken: Mach Dich H\u00fcbsch!<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">9. April bis 26. Juni 2016<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Martin-Gropius-Bau<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Niederkirchnerstra\u00dfe 7<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10963 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.gropiusbau.de\/\\\">www.gropiusbau.de<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-ez","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":903,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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