{"id":925,"date":"2016-06-06T19:12:07","date_gmt":"2016-06-06T17:12:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/spectre-of-capital-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:41","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:41","slug":"left-gallery","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/left-gallery\/","title":{"rendered":"The Future of the Left, Left Gallery"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Die Galerie produziert und verkauft herunterladbare Objekte bzw. files. Derzeit stehen f\u00fcnf digitale Arbeiten zum Download bereit, sie k\u00f6nnen wahlweise mit Kreditkarte, PayPal oder mit der Kryptow\u00e4hrung Bitcoin bezahlt werden. Der Kauf gew\u00e4hrleistet das Eigentum an einer autorisierten Kopie des erworbenen Objekts und erm\u00f6glicht ein f\u00fcnffaches Herunterladen der Arbeit.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Anl\u00e4sslich von neuen Ausstellungen in der left gallery werden gelegentlich <em>Launch Events<\/em> in Berlin organisiert. Das erste Event dieser Art fand am Freitag, den 13. Mai 2016 in Kooperation des Berliner Ausstellungsraums Yvonne Lambert mit dem Magazin Spike Art Quarterly am Rosa-Luxemburg-Platz statt: <em>The Future of the Left<\/em>.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Der niederl\u00e4ndische K\u00fcnstler und Software-Entwickler Harm van den Dorpel, der die\u00a0 left gallery gemeinsam mit Paloma Rodr\u00edguez Carrington entwickelt hat, stand in den Berliner Ausstellungsr\u00e4umen und verteilte Gado-Gado mit marmorierten Eiern \u2013 eine indonesische Spezialit\u00e4t \u2013 an die Besucher.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dieses im Zuge der Kolonialisierung Indonesiens durch die Niederlande nach Europa gebrachte Gericht solle auf die quasi-kolonialen Strukturen des Internets aufmerksam machen und die virtuelle left gallery vereine eine Kritik an diesen eurozentrischen, hegemonialen Strukturen mit einem konzeptionellen Gegenvorschlag. So k\u00f6nne es van den Dorpels Galerie gelingen, die Momente des Internets als jedermann zug\u00e4nglichem und egalit\u00e4ren Raum hervorzuheben, hei\u00dft es sinngem\u00e4\u00df auf der Homepage der veranstaltenden Galerie Yvonne Lambert.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Aber ist das \u00fcberzeugend und gelingt es? Und bleibt es bei dieser Thematisierung?<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Van den Dorpels Austellungsraum digitaler Objekte wird dem heterogenen Genre der Post-Internet Art zugeordnet, die von einem unmittelbaren Einfluss des Digitalen auf das k\u00fcnstlerische Selbstverst\u00e4ndnis und die damit verbundenen Praktiken der Produktion, Partizipation, Rezeption und Distribution ausgeht. Post-Internet Art beschreibt nicht eine Zeit nach dem Internet, sondern geht von einem Bewusstsein f\u00fcr die Netzwerk-Struktur aus, innerhalb derer k\u00fcnstlerische Gegenst\u00e4nde im Zeitalter des Internets erst entstehen und existieren. Gemeinsamer Nenner der heterogenen Arbeiten, die sich mit der gesellschaftlichen Realit\u00e4t, Identit\u00e4t und Umwelt im Digitalen befassen, ist also die Reaktion auf die bestehende \\\"Zentralit\u00e4t des Netzwerks\u201c, die schlussendlich, so die Agenda, eine Redefinition des Kunstbegriffs notwendig macht.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Als Ziel der left gallery, die Arbeiten verschiedener Formate und Medien umfasst, kann man den Anspruch erkl\u00e4ren, die einerseits egalit\u00e4ren Netzwerk-Strukturen des Internets f\u00fcr einen k\u00fcnstlerischen Ausstellungsraum fruchtbar zu machen, aber auch einen Kontrapunkt zu den dominierenden \u00f6konomischen Praktiken mittelst\u00e4ndischer Galerien zu konstituieren. Van den Dorpels Arbeit versteht sich selbst als Vorschlag f\u00fcr zuk\u00fcnftige und vermeintlich linke Politiken des Kuratierens und Ausstellens im Digitalen. Und das Left im Titel der Abendveranstaltung, so eine erste m\u00f6gliche Lesart, w\u00fcrde dann auf ein politisch links ausgerichtetes Arbeiten und Kuratieren hinweisen. Man l\u00e4sst sich an einem Abend mit einem einmaligen Event und ausgestellten Teasern informieren \u00fcber die Gegenw\u00e4rtigkeit einer virtuellen zeitgen\u00f6ssischen Galerie, die mit der Verwendung der Kryptow\u00e4hrung Bitcoin nicht zuletzt die Ambiguit\u00e4ten von Eigentum im Digitalen thematisiert. Der materielle Raum ist in dieser Interpretation ein Hinweis und ein referentieller Raum; ein Rest des Virtuellen.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Doch der Name des Launch-Events der Internet-Galerie l\u00e4sst eine Erweiterung dieser Lesart zu. The Future of the Left definiert nicht nur Referenzpunkte zu der virtuellen left gallery, sondern mit dieser Bezeichnung wird gleicherma\u00dfen ein Raum der Abwesenheit benannt. Der Titel beschreibt dann die Zukunft einer Galerie, die im Virtuellen ihren Platz hat und einen materiellen Raum der abwesenden Objekte hinterl\u00e4sst.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Es ist nun gerade dieser hinterlassene Raum, der in der Infrastruktur von van den Dorpels Arbeit interessant ist. Eine soziale Realit\u00e4t des Digitalen zeigt sich, die mit den singul\u00e4ren Launch-Events einen Raum der \u00d6ffnung produziert. Erst durch den Umzug der Kunst in den virtuellen Raum kann sich diese \u00d6ffnung vollziehen.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Und es werden mit dieser Bewegung neue Praktiken m\u00f6glich; im Fall der Arbeit von van den Dorpel bedeutet das Essen und Sprechen. Die Choreographie aus simplen T\u00e4tigkeiten, die zugleich ein performatives und selbstironisches Moment f\u00fcr den Galerieraum parat h\u00e4lt, verringert die Hemmschwelle und erleichtert so den Zugang zu der Welt der Kunst. Es lie\u00dfe sich also sagen, dass gerade durch die Abwesenheit der Objekte und durch die virtuelle Rahmung eine \u00dcbertragung der egalit\u00e4ren und unmittelbaren Momente des Internets in den physischen Raum stattfindet: Essen und Sprechen kann jeder.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Diese Abwesenheit der vollst\u00e4ndigen und zum Verkauf stehenden Arbeiten schenkt uns hier mit der Marginalisierung der \u00f6konomischen Komponente eine Freiheit, die sich in dem virtuellen Raum wiederfindet und das Potential f\u00fcr eine neue subjektive Rezeption parat h\u00e4lt.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Van den Dorpels Gegenvorschlag fordert, das egalit\u00e4re Moment des Digitalen in den physischen Raum zu holen. So produziert die Kombination aus left gallery und dem zugeh\u00f6rigen Launch-Event letztlich keinen Dualismus, sondern das Potential f\u00fcr Pr\u00e4senzen des Sprechens und der Extraktion des Digitalen aus dem materiellen Ausstellungsraum unter st\u00e4ndigem R\u00fcckbezug auf das Wesen des (vermeintlich) jedermann zug\u00e4nglichem und omnipr\u00e4senten virtuellen Raumes.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Das Event <em>The Future of the Left<\/em> fand am 13.Mai 2016 in der Galerie Yvonne Lambert in der Rosa-Luxemburg-Stra\u00dfe 45, 10178 Berlin, statt.<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die left gallery ist 24\/7 ge\u00f6ffnet und unter\u00a0<a href=\\\"https:\/\/left.gallery\/\\\">https:\/\/left.gallery<\/a>\u00a0zug\u00e4nglich.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">The Future of the Left<br \/>13. Mai 2016<br \/>Left Gallery<br \/>Rosa-Luxemburg-Stra\u00dfe 45<br \/>10178 Berlin<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a rel=\\\"noopener\\\" href=\\\"https:\/\/left.gallery\/\\\" target=\\\"_blank\\\">https:\/\/left.gallery\/<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-eV","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":925,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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