{"id":931,"date":"2016-07-03T19:36:18","date_gmt":"2016-07-03T17:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/anti-kriegs-museum-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:37","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:37","slug":"anti-kriegs-museum-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/anti-kriegs-museum-2\/","title":{"rendered":"Alexandre Singh \u2013 The School for Objects Criticized AE, Spr\u00fcth Magers"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Industriell, clean und schick. Oben angekommen befindet man sich im Eingangsfoyer. Ein dunkles schwarzes Loch tut sich in der Wand auf, der Eingang zu Alexandre Singh\u00b4s Arbeit <em>The School for Objects Criticized AE<\/em>. Beim Eintreten schockiert zun\u00e4chst die vollkommene Dunkelheit, die im Fortschreiten in einem sich auftuenden Raum endet. Es ist scheinbar ein Raum im Raum. Man ist weit weg von dem k\u00fchlen Stahl und dem blanken Holz der Galerie Spr\u00fcth Magers und befindet sich nun inmitten eines stark akustisch ged\u00e4mpften, dunklen Raumes. Es gibt kein Tageslicht, lediglich dramatisch ausgeleuchtete Podeste, auf denen Figuren zu sehen sind. Man ist um so mehr schockiert, entt\u00e4uscht und interessiert wenn man feststellt, dass es sich bei den Objekten um eine Flasche Chlorbleiche, einen Toaster, zwei Kassettenrecorder, eine derivative abstrakte Skulptur, ein ausgestopftes Stinktier und ein Slinky-Spielzeug handelt. Es zeugt von einer Szenerie \u00e4hnlich dem eines Museums, wo wertvolle historische Plastiken, mit speziell ausgerichteten Spots, ausgeleuchtet werden.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Mit Erstaunen stellt man fest, dass es sich bei der Ausstellung nicht nur um eine Anordnung eklektischer Objekte handelt, sondern viel mehr um ein technisch aufwendig produziertes H\u00f6rspieltheater. Der mit Lautsprechern ausgestattete Raum und eine abgespielte Tonspur vermitteln den Eindruck, als w\u00fcrden die Objekte tats\u00e4chlich zum Leben erwachen, denn immer zur vollen Stunde starten die Gegenst\u00e4nde eine rege Diskussion miteinander. Der Zuschauer wird somit nach und nach zu einem Zuh\u00f6rer. Im Fortlaufen des Gespr\u00e4chs verdeutlicht sich, dass diese Objekte nicht nur f\u00fcr sich sprechen k\u00f6nnen, sondern auch dramatisch fein konturierte Charaktere haben und faszinierende Beziehungen zueinander f\u00fchren. Exaltiert unterhalten sie sich \u00fcber Kunst und Kunstkritik, \u00fcber Kreationsprozesse und Massenproduktion, \u00fcber Gott und das Leben, Sex und Tod. Dabei kommen sie immer wieder auf die Installation eines K\u00fcnstlers namens Alexander Singh (der K\u00fcnstler der Ausstellung) zur\u00fcck, die sie k\u00fcrzlich gesehen haben. Die \u00c4hnlichkeit dieser Installation mit ihrer eigenen Konstellation f\u00e4llt den Objekt-Figuren zwar auf, f\u00fchrt dabei aber nicht zur Einsicht, dass sie tats\u00e4chlich \u00fcber sich selbst sprechen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Immer wenn ein Charakter die Szene im H\u00f6rspieltheater betritt, wird der Sockel, auf dem der Gegenstand steht, der diese Figur verk\u00f6rpert, mit einem Scheinwerfer beleuchtet. Hinzu kommen elaborierte Soundeffekte die in Verbindung mit verschiedenen Stufen der Beleuchtungsintensit\u00e4t dazu f\u00fchren, dass die einzelnen Objekt-Figuren regelrecht zum Leben erwachen. Ab diesem Zeitpunkt f\u00e4ngt man an zu erkennen, welch technische Raffinesse der zun\u00e4chst simpel anmutenden Installation inh\u00e4rent ist. Was Alexander Singhs widerspr\u00fcchlichen Einzelteile jedoch verbindet, ist eine ungew\u00f6hnliche und packende Narration. Hierbei verkn\u00fcpft er handwerkliche Raffinesse im Umgang mit einer Vielzahl an Medien mit einem einzigartigen Ideen- und Erz\u00e4hlkonstrukt. Dieses wiederum beruht auf assoziativen Spr\u00fcngen und nimmt den Zuh\u00f6rer mit auf fabul\u00f6se und brillante Umwege, welche oft erst unerwartet und pl\u00f6tzlich Sinn ergeben.<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im folgenden ist ein kurzer Auszug des 50 min\u00fctigen St\u00fcckes aufgef\u00fchrt um zu verdeutlichen wie die Objektebene performativ wird. Hierbei unterhalten sich drei der Gegenst\u00e4nde: Osmond und Lucian, die beiden Kassettenrecorder und Penny, die derivative abstrakte Skulptur. Die Kassettenrecorder setzen gerade an der derivativ abstrakten Figur eine eben besuchte Kunstausstellung n\u00e4her zu bringen. Sie sind sich jedoch uneinig \u00fcber deren Wert und es \u00e4hnelt eher einem Streitgespr\u00e4ch. Besonders gut sind hierbei die assoziativen Spr\u00fcnge im Gespr\u00e4chsverlauf zu erkennen.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><a href=\\\"https:\/\/soundcloud.com\/spruethmagers\/the-school-for-objects-criticized-english-version\\\">3:25 \u2013 5:17<\/a><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Lucian: Well I don\u2019t know about all that \u2026 but the cause of our disagreement is to do with a certain art exhibition.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Osmond: Uaarrgghh<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Lucian: Ohhh you let me finish! It\u00b4s an exhibition that is up at the moment about which we happen to have \u2026 contradictory opinions.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Osmond: My dear Lucian \u2026 you are the master of understatement.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Penny: Ohh please do tell my about it. Should I have seen it? I promise myself to try and keep up on these things. I must be Daphne\u00b4s eyes and ears if I am to do my job properly. She says: a good assistant should be everywhere and be seen by everything. Should talk to no one and remember nothing! Oh wait \u2026 I don\u2019t think thats right.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Osmond: Very well Penny, if it is instruction that you inquire I am happy to engage my pedagogical faculties. Shall I describe this exhibition to you?<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Penny: Ohh yes please! Please do. I am all ears.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Osmond: Very well. Where to start? Hmm .. ok here it goes: Its one of the most \u2026 self-indulgent, outmoded, ..<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Lucian: Osmond!!!<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Osmond: Ahhh let me finish! Boorish, pretentious, affected pieces of clap chat I have laid my eyes on since ..<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Lucian: Since you last left your house.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Osmond: .. in weeks my friend. Perhaps even months.<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Penny: Hooohh, well now I have to see it!<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\"><em>Osmond: Penny, my dear you must do no such thing. A young, unformed sculpture such as yourself, shouldn\u2019t spend her precious time you have on anything but the very greatest culture. Such tasteles drivel could leave terrible stains on your surfaces and cause you to grow into awkward and unpleasant shapes. <\/em><em>And we wouldn\u2019t want that!<\/em><\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Besonders auff\u00e4llig ist die \u00e4u\u00dfert starke Form des Performativen. Singh ist offensichtlich daran interessiert einen Schwerpunktwechsel vom Kunst-Objekt zum Prozess, zur Performancekunst sichtbar zu machen. Hierbei erinnert die gesamte Installation unmittelbar an ein aufgef\u00fchrtes Theaterst\u00fcck. Die Exaltation des Dialogs, die Neigung der Figuren in Paradoxien zu sprechen, die Dramaturgie und das rasante Tempo lassen daran keinen Zweifel und so l\u00e4sst sich <em>The School for Objects Criticized AE<\/em> als eine zeitgen\u00f6ssische Comedy of Manners beschreiben. Dreh- und Angelpunkt dieser Comedy of Manners sind die Kunstwelt und ihre Konventionen. So analysiert Singh die feinen anti-intellektuellen und neo-marxistischen Str\u00f6mungen der Kunstszene, ihre ambivalenten Machtstrukturen, ihre b\u00fcrgerliche Sattheit und ihren manchmal luftleeren Ehrgeiz. Die Einflussgeber kommen offensichtlich aus einem weit gestreuten Feld der Literatur, des Theaters, der Philosophie, der Naturwissenschaft und der Geschichte und genau dies f\u00fchrt dazu, dass die Kunst auf unerwartete Weise f\u00fcr fremde Wissens- und Erfahrungssysteme ge\u00f6ffnet wird.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Insgesamt \u00fcberzeugt <em>The School for Objects Criticized AE<\/em>. Die Arbeit vermag es den Zuschauer \u2013 oder auch nur Zuh\u00f6rer \u2013 auf einen wilden assoziativen Diskurs mitzunehmen und verschiedenste Bereiche innerhalb der Felder der Kunst- und Kulturkritik in einer zeitgeistigen Auseinandersetzung zusammenzuf\u00fchren.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 8,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Alexandre Singh - <\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">The School for Objects Criticized AE<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">30.04.2016 bis 25.06.2016<br \/><\/span><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Spr\u00fcth Magers, Berlin<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Oranienburger Stra\u00dfe 18<\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">10178 Berlin<br \/><\/span><br \/><span style=\\\"font-size: 15px;\\\"><a href=\\\"http:\/\/www.spruethmagers.com\/home\/\\\">www.spruethmagers.com<\/a><\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 9,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-f1","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":931,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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