{"id":948,"date":"2017-02-05T08:15:28","date_gmt":"2017-02-05T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/couleurs-desert-2\/"},"modified":"2025-07-17T11:26:44","modified_gmt":"2025-07-17T09:26:44","slug":"couleurs-desert-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/couleurs-desert-2\/","title":{"rendered":"Dauerausstellung Rep\u00e8res, Mus\u00e9e national de l\u2019historie de l\u2019immigration, Paris"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_332\" style=\"width: 3226px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-332\" data-attachment-id=\"332\" data-permalink=\"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/weitzel_white_cube_2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=3216%2C2448&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"3216,2448\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;2.8&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;FinePix S8000fd&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1464962608&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;4.7&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.011764705882353&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"weitzel_white_cube_2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin&lt;\/p&gt;\n\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=150%2C114&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?fit=1024%2C779&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-332\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=3216%2C2448&#038;ssl=1\" alt=\"World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin\" width=\"3216\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3216&amp;ssl=1 3216w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=300%2C228&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=1024%2C779&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=973%2C741&amp;ssl=1 973w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?resize=508%2C387&amp;ssl=1 508w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=2000&amp;ssl=1 2000w, https:\/\/i0.wp.com\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/weitzel_white_cube_2.jpg?w=3000&amp;ssl=1 3000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><p id=\"caption-attachment-332\" class=\"wp-caption-text\">World Press Ausstellung 2016 im Willy-Brandt-Haus Berlin<\/p><\/div>\n<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. Juni die Gewinner des diesj\u00e4hrigen Presse Awards im Willy-Brandt-Haus in Berlin anschauen m\u00f6chte, sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein. Das was tagt\u00e4glich \u00fcber die unterschiedlichsten Informationskan\u00e4le f\u00fcr einen kurzen Moment unsere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, ger\u00e4t nicht einfach in Vergessenheit, sondern zeigt sich bei der World Press Ausstellung in kuratiertem Gewand und vor allem in geballter Form.<\/p>\n<p>Die sonst stark verstreuten Bildbotschaften werden hier im zweiten Stock der SPD Parteizentrale im White Cube pr\u00e4sentiert. Auf den kargen wei\u00dfen W\u00e4nden, deren Anordnung und Aufteilung im Raum jeglichem \u00e4sthetischen und gestalterischen Empfinden entbehrt, h\u00e4ngen, in acht verschiedene Kategorien aufgeteilt, die gro\u00dfformatigen Fotografien. In beinahe allen Rubriken sind Fotos von gefl\u00fcchteten, verwundeten oder toten Menschen vertreten. Polizeigewalt in den USA, Bandenkriminalit\u00e4t in Honduras, B\u00fcrgerkrieg im Sudan, \u00fcberf\u00fcllte Fl\u00fcchtlingsboote. Und das Thema Nummer eins: Der Syrienkrieg.<\/p>\n<p>Brennende Autos, zerst\u00f6rte H\u00e4user, komplett zerbombte Stra\u00dfenz\u00fcge. Alles ist Schutt und Asche, nichts scheint mehr an seinem Ort zu sein. Zwischen den Ruinen erkennt man schemenhaft eine einsame Person am Ende der H\u00e4userflucht. Nebel &#8211; verzweifelte Gesichter versuchen mit letzter Kraft verwundete Menschen aus der Gefahrenzone zu tragen \u2013 vielleicht sind sie schon l\u00e4ngst tot. Der Blick auf eine Stadt am Abend. Qualm steigt auf. Ist es die untergehende Sonne, oder eine eingeschlagene Bombe, die den Horizont erhellt, w\u00e4hrend der sternenklare Himmel unscheinbar und teilnahmslos dar\u00fcber h\u00e4ngt? Die Bilder des Fotografen Sameer al Doumy zeigen alle einen kurzen Moment w\u00e4hrend des mittlerweile f\u00fcnfj\u00e4hrigen Krieges in Syrien, hier in Douma im S\u00fcdosten des Landes. Die Momente, die hier festgehalten wurden, stellen den Krieg und seine zerst\u00f6rerische Macht in n\u00fcchterner Klarheit aus. Manchmal wirken die Szenen fast wie arrangierte Settings des Kunstfotografen Jeff Wall, der bewusst mit der Unsicherheit des Authentizit\u00e4tsgehalts von Pressefotografien und insbesondere Kriegsfotografien spielt. Hier verschwimmen die Gattungsgrenzen von Presse-und Kunstfotografie auf eindrucksvolle Weise. So liegt den Aufnahmen des aus Douma stammenden al Doumy, eine bestimmte Botschaft zu Grunde, die auf perverse Weise den Wahnsinn und gleichzeitig die \u00c4sthetik des Krieges herausstellt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Weil ein Mensch mit westeurop\u00e4ischem Hintergrund sich jedoch meist keine Vorstellung dar\u00fcber machen kann, was er da vor sich sieht, stehen wir wie unbeteiligte Beobachter am anderen Ende der Welt und k\u00f6nnen lediglich eine \u201eVerschiebung vom dokumentarischen Sehen zum dokumentarischen F\u00fchlen\u201c wahrnehmen. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein Gef\u00fchl der Empathie aber auch der Hilflosigkeit wird evoziert.<\/p>\n<p>Auch die Fotografien von Abd Doumany reihen sich in dieses Gef\u00fchl der Machtlosigkeit ein. Wie in der Pressefotografie \u00fcblich, stehen neben allen ausgestellten Abbildern kurze begleitende Texte mit Informationen zur Entstehung, zum Ort und Datum, die das Bild in einen konkreten Kontext einbinden und eine Art Zeugnis- oder Beweisfunktion innehaben. Doch genau genommen ben\u00f6tigen diese Motive keine Beschriftung oder Erkl\u00e4rung. Der Mann, der den leblosen, toten, blut\u00fcberstr\u00f6mten K\u00f6rper seiner Tochter auf dem Scho\u00df liegen hat und sie mit einem fragenden Blick anschaut, als ob er nicht begreift, was da vor sich geht &#8211; dieses Bild spricht f\u00fcr sich, es bedarf keines Nachweises. In ihm spricht der Wahnsinn des Krieges auf so eindringliche und ersch\u00fctternde Weise, dass das betretende Schweigen im Ausstellungsraum fast schon zu einer Beklemmung wird. Und vielleicht ist genau deshalb der Beweis, dass es sich um authentische Abbilder des Syrienkrieges handelt, nicht notwendig. Diese Fotos scheinen uns eher wie ein Mahnmal zu sein, welches daran erinnern m\u00f6chte, dass der Krieg eine Kraft besitzt, die der Mensch nicht begreifen kann.<\/p>\n<p>Ist es also eine reale oder konstruierte Wirklichkeit, die von den dokumentarischen Bildern erzeugt wird? Glauben wir der Filmemacherin Hito Steyerl, dann ist jede scheinbare Realit\u00e4t in solchen Fotos ein Konstrukt. \u201eDie dokumentarische Form bildet demnach nicht die Realit\u00e4t ab, sondern ihren eignen Willen zur Macht.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Doch welche Macht geht von diesen Fotografien aus? Die Fotografien haben alle den Anspruch, ein m\u00f6glichst authentisches Abbild der Wirklichkeit ins Licht zu setzen. Dabei wird dem Fotografen die Rolle eines Zeugen zugeschrieben. Doch bei genauerer Betrachtung sind auch Pressefotografien nichts anderes als Moment-Inszenierungen. Es werden Wirklichkeitsbilder konstruiert, die auf komprimierte Weise einen komplexen Sachverhalt, in diesem Fall den Krieg in Syrien, in einer Fotografie f\u00fcr die Welt zug\u00e4nglich machen. Sie sollen ein Gef\u00fchl transportieren, welches uns die Grausamkeit des Krieges erahnen l\u00e4sst. Durch das subjektive Auge der Kamera wird ein Bild hervorgebracht, welches die scheinbare Realit\u00e4t von Millionen von Menschen auf die Bildschirme der Nachrichtensender, in die Foren der globalen Social-Media-Communities und auf die wei\u00dfen, kargen W\u00e4nde des Willy-Brandt-Hauses bringt.<\/p>\n<p>Brian O\u2019Doherty h\u00e4tte die H\u00e4ngung in White Cube Manier der 20er Jahre wahrscheinlich mit einem sterilen Krankenhausflur verglichen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Und angesichts der ungl\u00fccklichen Anordnung der hochwertigen Pressefotos w\u00e4re dieser Vergleich auch angemessen. Ohne jegliche Konzeptualisierung wird auf der einen Seite \u2013 wie eben beschrieben \u2013 der Krieg in allen seinen Facetten gezeigt und an der gegen\u00fcberliegenden Fensterfront h\u00e4ngen wie zum Trotz Sport- und Naturfotografien. Die schwarz-wei\u00dfen Unterwasserbilder von Anuar Patjane Floriuk zeigen eine Tauchercrew um einen riesigen Wal schwimmend. Ein imposantes Bild. Auf den Aufnahmen von Christian Ziegler zeigt sich die Natur von ihrer kuriosesten Seite. Farbenfrohe Cham\u00e4leons in Nahaufnahme. Der Anblick der traumatisierenden Kriegsabbildungen scheint diese Themen jedoch zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen \u2013 so, als w\u00e4ren es belanglose Angelegenheiten, die in der World Press auch noch irgendwo untergebracht werden mussten.<\/p>\n<p>Hier liegt die T\u00fccke der Ausstellungskonzeption. Anstatt die Kategorien f\u00fcr sich sprechen zu lassen, scheinen sie miteinander zu konkurrieren. Zumindest in der konkreten Ausstellungssituation im Willy-Brandt-Haus. Denn die Wanderausstellung wird in insgesamt 45 L\u00e4ndern gezeigt. Es bleibt zu hoffen, dass an den anderen Ausstellungsorten eine gelungenere Pr\u00e4sentation der Fotografien zu sehen sein wird. Eine Pr\u00e4sentationform, die allen Rubriken ihren Platz und auch Themen, wie die Rettung von Orang-Utans in den Regenw\u00e4ldern von Sumatra oder die Synchronschwimmer aus Schweden f\u00fcr sich sprechen l\u00e4sst. Denn diese Informationen treten nicht nur in der World Press Photo Ausstellung in den Hintergrund, sondern gehen auch meistens in der Nachrichtenflut des Alltags unter. Sollten wir diesen Momenten, die auch unser Leben bestimmen, dann nicht gerade bei solch einer Ausstellung ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken? Vor allem sollten wir sie nicht mit dem Krieg konkurrieren lassen, der unsere Sinne \u00fcberfordert und keinen Platz mehr f\u00fcr andere Themen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Auf diesen Grenzgang machte schon Walter Benjamin in seiner medienkritischen Schrift \u201eDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\u201c aufmerksam. F\u00fcr weitere Informationen siehe Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: Ders.: Illuminationen, S. 136-169, hier: 168f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Hito Steyerl (2008): Die Farbe der Wahrheit. Dokumentarismen im Kunstfeld, Wien: Turia + Kant, S. 10.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brian O\u2019Doherty \u00fcber den White Cube: Brian O\u2019Doherty (1996): In der wei\u00dfen Zelle. Inside the White Cube\u201c Berlin: Merve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>World Press Photo 2016<br \/>\n03. Juni \u2013 26. Juni 2016<\/p>\n<p>Willy-Brandt-Haus Berlin<br \/>\nWilhelmstra\u00dfe 140<br \/>\n10963 Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.worldpressphoto.org\/collection\/photo\/2016\">www.worldpressphoto.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Gegenwart scheint vor allem eines zu sein: gepr\u00e4gt von Krieg, Zerst\u00f6rung, Flucht, Tod und Trauer. Der weltweit gr\u00f6\u00dfte und international anerkannte Wettbewerb f\u00fcr Pressefotografie zeigt dieses unverbl\u00fcmte Abbild unserer Zeit auf sehr eindringliche und radikale Weise. Wer sich noch bis zum 26. 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Ein paar Meter weiter, am Park\u00a0<em>Bois de Vincennes<\/em>, zeigt ein Relief den Kommandanten einer franz\u00f6sischen Expedition zum wei\u00dfen Nil im Jahr 1898, wie er mit aufgesetztem Tropenhelm einer Gruppe afrikanischer Tr\u00e4ger vorangeht.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dieses koloniale Setting setzt sich auch am eigentlichen Ziel fort: Das Immigrationsmuseum befindet sich n\u00e4mlich im\u00a0<em>Palais de la Porte Dor\u00e9e<\/em>, das 1931 im Rahmen der Pariser Kolonialausstellung, die die Kolonialreiche Frankreichs und seiner Verb\u00fcndeten verherrlichte, er\u00f6ffnet wurde. Die Au\u00dfenmauern des imposanten Geb\u00e4udes sind ein einziges Relief, das das koloniale Weltbild der damaligen Zeit eindrucksvoll wiedergibt: In der Mitte thront die Mutter Frankreich, welcher aus der ganzen Welt Reicht\u00fcmer zuflie\u00dfen, die von zahlreichen den damaligen Rassenklischees entsprechenden Figuren unerm\u00fcdlich produziert werden. Anfangs beherbergte das Geb\u00e4ude ein \u201eKolonialmuseum\u201c, das 1935 in \u201eMuseum des \u00fcberseeischen Frankreichs\u201c und nach dem Ende der Kolonialzeit in \u201eMuseum der afrikanischen und ozeanischen Kunst\u201c umbenannt wurde.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 3,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 5,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/B1.png\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 4,\r\n      \"col\": 0,\r\n      \"colspan\": 17,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 0,\r\n      \"relid\": 412,\r\n      \"attid\": 641,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/B1.png\"\r\n      },\r\n      \"w\": 1299,\r\n      \"h\": 451,\r\n      \"ar\": 0.34719014626635875,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Diese Geschichte wird im Au\u00dfenbereich des Museums auf kleinen Tafeln erz\u00e4hlt. Unklar bleibt jedoch, warum gerade dieses Geb\u00e4ude als Ort f\u00fcr ein Immigrationsmuseum gew\u00e4hlt wurde. Sind Kolonialismus und Immigration, obgleich in der franz\u00f6sischen Geschichte miteinander verflochten, nicht zwei unterschiedliche Ph\u00e4nomene? Soll etwa eine zunehmend als besch\u00e4mend empfundene koloniale Vergangenheit in der nationalen Erinnerung durch eine Erfolgsgeschichte der Einwanderung ersetzt werden? Was bedeutet es f\u00fcr Nachfahren von Immigrant_innen aus den ehemaligen Kolonien, wenn sie einen Ort, der ihrer Geschichte gewidmet ist, durch ein Portal betreten, auf dem klischeehaft dargestellte Afrikaner_innen und Asiat_innen Arbeit f\u00fcr das wei\u00dfe Mutterland leisten?<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die von der Kuratorin H\u00e9l\u00e8ne Lafont-Couturier konzipierte Dauerausstellung mit dem Titel\u00a0<em>Rep\u00e8res<\/em>\u00a0(etwa: \u201eOrientierung\u201c, \u201eBezugsrahmen\u201c) beginnt mit einem zeitstrahlartigen \u00dcberblick \u00fcber Einwanderung nach Frankreich, angefangen mit der franz\u00f6sischen Revolution, die durch die Trennung zwischen \u201egleichen\u201c Staatsb\u00fcrgern und Ausl\u00e4ndern eine wichtige Rahmenbedingung f\u00fcr moderne Migration schuf. Nach diesem eher konventionellen Einstieg folgt die Ausstellung jedoch keiner chronologischen Ordnung mehr und begreift sich auch nicht als genuin historische Ausstellung. Vielmehr wird Immigration als ein stets aktuelles, geradezu \u00fcberhistorisches Thema pr\u00e4sentiert:\u00a0<em>Besides all their differences, all those who have settled in France since the 19th century have usually been through the same decisive experiences and have formed the same hopes and dreams<\/em>.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im Zuge dieses nicht chronologischen Ansatzes nehmen sich die Ausstellungsmacher_innen die Freiheit, neben Texttafeln und historischen Objekten auch aktuelle Kunstwerke mit politischen Aussagen zu pr\u00e4sentieren: Im ersten von zwei weitl\u00e4ufigen Ausstellungsr\u00e4umen etwa be\u00e4ngstigend authentisch wirkende Plakate der iranischen K\u00fcnstlerin Ghazel, auf denen eine illegale Einwandererin nach einem Ehemann \u201emit Papieren\u201c sucht. In der Mitte des Raumes werden in mehreren Vitrinen historische Objekte pr\u00e4sentiert, die jeweils f\u00fcr ein individuelles Migrationsschicksal stehen. Diese recht \u201akonventionellen\u2018 und nur knapp beschrieben Objekte \u2013 etwa ein Reisekoffer \u2013 wirken jedoch auf mich eher wie Illustrationen der allgemeinen Tatsache, dass Migration Lebensverl\u00e4ufe pr\u00e4gen kann, denn als \u201aSchl\u00fcssel\u2018 zu den individuellen Geschichten selbst.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Im zweiten Raum hat die Ausstellung einen strukturierteren Charakter, allerdings auch hier nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet nach gesellschaftlichen Bereichen, f\u00fcr die Einwanderung eine Rolle spielt: Arbeit, Kultur, Politik, Sport usw. Die Darstellungsweise betont abermals nachdr\u00fccklich den \u00fcberzeitlichen Charakter von Immigration: Einwanderer, ganz gleich ob Polen im 19. Jahrhundert, osteurop\u00e4ische Juden um 1900 oder Afrikaner in den letzten 50 Jahren, haben stets einen Beitrag zur Wirtschaft geleistet, ihre Kultur mitgebracht und mit der ihrer neuen Heimat vermischt, Sportvereine gegr\u00fcndet usw.<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Dabei wirkt es, als wolle sich die Ausstellung zu aktuellen Debatten positionieren und jenen Franz\u00f6s_innen, die sich vor Immigration bzw. Immigrant_innen f\u00fcrchten, klarmachen, dass diese Furcht unbegr\u00fcndet und Immigration von jeher Teil der franz\u00f6sischen Geschichte gewesen sei. Zugleich mag die Botschaft, dass die Integration bisher letztlich immer funktioniert habe, auch beschwichtigend an die Kritiker von Diskriminierung und Rassismus gerichtet sein. Als \u201eexpositorischer Akteur\u201c (Mieke Bal) kristallisiert sich somit die staatstragende franz\u00f6sische Mittelschicht heraus, die sich den Werten der franz\u00f6sischen Revolution ebenso wie der Einheit und Kontinuit\u00e4t von Nation, Nationalgeschichte und Staat verpflichtet sieht und diese G\u00fcter gegen Kritik von rechts wie links in Schutz nimmt.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 5,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 405,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Die Ausstellung schlie\u00dft mit einer abermals sehr eindrucksvollen Kunstinstallation:\u00a0<em>La machine \u00e0 r\u00eave<\/em>\u00a0(\u201eDie Traummaschine\u201c) des franz\u00f6sischen K\u00fcnstlers Kader Attia. Die lebensgro\u00dfe Figur einer jungen Frau, durch Hautfarbe und Kopftuch als Migrantin oder Tochter von Migrant_innen erkennbar und modisch gekleidet, steht versonnen vor einem Automaten, der sie zwischen diversen Produkten ausw\u00e4hlen l\u00e4sst, die ihren Hintergrund und zugleich ihre m\u00f6glichen Lebensentscheidungen symbolisieren: etwa ein Ratgeberbuch \u201eWie werde ich meinen Banlieue-Akzent los?\u201c,\u00a0<em>halal<\/em>-Kondome oder ein US-amerikanischer Pass. Meiner Beobachtung nach zog kein anderes Ausstellungsst\u00fcck so viel Aufmerksamkeit auf sich \u2013 insbesondere junge Besucherinnen betrachteten es interessiert und fotografierten sich damit.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 6,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 858,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"img\",\r\n      \"cont\": \"\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/b2.png\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 6,\r\n      \"col\": 13,\r\n      \"colspan\": 7,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 2,\r\n      \"relid\": 640,\r\n      \"attid\": 642,\r\n      \"sizes\": {\r\n        \"full\": \"\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/b2.png\"\r\n      },\r\n      \"w\": 1221,\r\n      \"h\": 812,\r\n      \"ar\": 0.665028665028665,\r\n      \"alt\": \"\",\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 20px;\\\">Meines Erachtens symbolisiert die Installation einen Wechsel der Erz\u00e4hlweise, der wiederum eine Kritik an der gesamten Ausstellung nahelegt. Anders als die oben erw\u00e4hnten historischen Objekte befindet sich die Figur der jungen Frau nicht hinter Glas, sondern steht direkt im Raum, sodass sie auf den ersten Blick f\u00fcr eine Besucherin gehalten wird. Hier wird das Thema Migration nicht aus der Distanz \u201aabgehandelt\u2018, sondern es wird seine N\u00e4he und Aktualit\u00e4t deutlich. Im Vordergrund steht nicht Vergangenes, sondern eine offene Zukunft: Wof\u00fcr wird die junge Frau sich entscheiden? Werden Migrant_innen in der Ausstellung sonst stets als eingebunden in historische Prozesse dargestellt, gewinnen sie hier an\u00a0<em>agency<\/em>. Damit verbindet sich auch ein Wechsel des Adressaten: Angesprochen wird nun nicht mehr vorrangig die franz\u00f6sische Mehrheitsgesellschaft, sondern auch junge Migrant_innen selbst. Anders als die hier allzu stark im Gesamtnarrativ verankerten historischen Ausstellungsobjekte erm\u00f6glichen es\u00a0<em>La machine \u00e0 r\u00eave<\/em>\u00a0und die anderen gezeigten Kunstobjekte, aus dem offiziellen Narrativ herauszutreten. Sie erz\u00e4hlen uns zwar nichts \u00fcber die Geschichte der Immigration nach Frankreich, regen aber zum Nachdenken an \u00fcber ihre aktuelle und konkrete menschliche Bedeutung.<\/span><\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 7,\r\n      \"col\": 1,\r\n      \"colspan\": 18,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 1,\r\n      \"relid\": 1311,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    },\r\n    {\r\n      \"type\": \"text\",\r\n      \"cont\": \"<p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">Dauerausstellung<br \/>Rep\u00e8res<br \/>Mus\u00e9e national de l'histoire de l'immigration<br \/>Palais de la Porte Dor\u00e9e<br \/>293, avenue Daumesnil<br \/>75012 Paris<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\"><span style=\\\"font-size: 15px;\\\">www.histoire-immigration.fr<\/span><\/p><p style=\\\"line-height: 1;\\\">\u00a0<\/p>\",\r\n      \"align\": \"top\",\r\n      \"row\": 8,\r\n      \"col\": 5,\r\n      \"colspan\": 10,\r\n      \"offsetx\": 0,\r\n      \"offsety\": 0,\r\n      \"spaceabove\": 0,\r\n      \"spacebelow\": 0,\r\n      \"yvel\": 1,\r\n      \"push\": 5,\r\n      \"relid\": 621,\r\n      \"frameOverflow\": \"\"\r\n    }\r\n  ]\r\n}","phonegrid":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7ChHw-fi","jetpack-related-posts":[{"id":331,"url":"https:\/\/www2.hu-berlin.de\/ausstellungskritik\/worldpressphoto\/","url_meta":{"origin":948,"position":0},"title":"World Press Photo 2016, Willy-Brandt-Haus Berlin","author":"Die Redaktion","date":"3. 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